{"id":6092,"date":"2024-02-14T21:09:16","date_gmt":"2024-02-14T20:09:16","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=6092"},"modified":"2024-02-14T21:09:16","modified_gmt":"2024-02-14T20:09:16","slug":"mine-baum-virgin-music-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/mine-baum-virgin-music-2024\/","title":{"rendered":"MINE \u2013 BAUM \u2013 Virgin Music 2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Mine-Baum.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Mine-Baum.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6093\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (14.02.2024)<\/p>\n\n\n\n<p>Erst durch HIN\u00dcBER (2021) wurde ich aufmerksam auf die Musik von Jasmin Stocker aus Stuttgart, die seit den 2010er Jahren unter dem Namen MINE in Erscheinung tritt. Sie hat Jazzgesang studiert, was man ihren Aufnahmen anh\u00f6rt \u2013 sie hat nicht nur eine tolle, immer wiedererkennbare Stimme, sondern wei\u00df auch, wie man sie einsetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr elektronischer, mit vielen Streichern versehener, melancholischer Pop hat mich auf HIN\u00dcBER sehr begeistert, und begeistert mich auf dem aktuellen Album immer noch. Auch hier gibt es wieder \u2013 neben der Elektronik und dem, wie ich finde, noch besserem Gesang \u2013 ganz wunderbare Streicherarrangements zu h\u00f6ren, von MINE selbst arrangiert (das kann sie und hat sie auch auf \u201eDas ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt\u201c von Danger Dan schon gemacht).<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Das erste, was mir an BAUM auff\u00e4llt, ist, dass es nicht weniger dunkel klingt als HIN\u00dcBER, aber weniger monoton, sowohl von der Musik als auch vom Gesang. An den Texten finde ich sehr gelungen, dass MINE manchmal den H\u00f6renden Dinge als Reim verkauft, die sich eher fressen. \u201eIch bin so alt, ich bin ein Baum, ich gie\u00df mich selbst, denn ich bin schlau\u201c gleich auf dem das Album er\u00f6ffnenden Titelst\u00fcck ist so ein Beispiel daf\u00fcr. Und das macht sie andauernd und das klingt wirklich gut. BAUM mit seinem hiphoppigen Beat l\u00e4sst das Album lebhaft starten, das folgende ICH WEISS ES NICHT, mit sch\u00f6nen Klavierl\u00e4ufen und ebenso sch\u00f6nen Streichern begleitet, nimmt etwas Schmackes raus, was aber nichts macht. \u201eWenn ich k\u00f6nnte, w\u00fcsste ich, was richtig ist, was nicht. Was f\u00e4llt ins Gewicht? Ich wei\u00df es nicht.\u201c Das klingt sch\u00f6n und das ist wahr.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der denkw\u00fcrdigen Zeile \u201eDu hast mich gepusht, das macht mich fatigu\u00e9\u201c beginnt NICHTS IST UMSONST, und es klingt geh\u00f6rt nicht mal halb so beknackt wie gelesen. Hier zieht MINE Tempo und Instrumentierungsvielfalt auch wieder ziemlich an, um dann auf NICHTS IST UMSONST (REPRISE) gleich wieder Tempo rauszunehmen und zu einer faszinierenden Synthesizermelodie dem eigentlichen St\u00fcck quasi noch einen zus\u00e4tzlichen Refrain hintenanzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c0 propos Reprise btw: Gleich an mehreren Stellen arbeitet MINE mit Reprisen und Intros, was ich auf das Entschiedenste begr\u00fc\u00dfe, denn so etwas macht den Rezipierenden klar, dass sie es hier mit einem Album zu tun haben und nicht mit einer Pl\u00fcnderungsst\u00e4tte f\u00fcr Playlists.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wie ich gerade von Intros und Reprisen schreibe, beginnt dann auch das folgende St\u00fcck mit einem der solchen: Das Intro von DANKE GUT wird von einem M\u00e4nnerchor gesungen. Dieser wehklagt \u00fcber einen Versuch des Wegkommens, der immer wieder scheitert, und liefert damit eine Einstimmung auf das Thema des folgenden Songs. Und dieser ist in meinen Augen der zentrale Song des Albums. Es ist ja immer so, dass die gerade in der Hifi-Anlage amtierende K\u00fcnstlerin den H\u00f6rer dort am besten abholt, wo er selber schon mal gewesen ist, wenn auch hier mir umgedrehter Rollenverteilung. DANKE GUT handelt von fortw\u00e4hrenden Fluchtversuchen aus einer kaputten und hoffnungslosen Beziehung, die MINE in eindrucksvolle Worte fasst (\u201eIch will weg von dir, doch ich komm&#8216; nicht weit.\u201c \/ \u201eDu wei\u00dft, wo du mich triffst \u2013 Triff mich dort, wo es wehtut\u201c \/ \u201eUnd ich wei\u00df, dass ich geh&#8217;n muss, doch meine Stimme versagt. Ich bin nur noch so klein mit Hut\u201c). Das immer wiederkehrende \u201eWenn Dich jemand fragt, sag ihr \u201aDanke, es geht gut\u2018\u201c l\u00e4sst schon erahnen, dass alles nicht gut enden wird. \u201eKeiner wei\u00df, ich sch\u00e4me mich vor mir selbst, doch ich gehe nicht. Drehe mich um, drehe mich um dich.\u201c hei\u00dft es im Refrain, und als w\u00e4re das nicht schon schlimm genug, wird zwischendurch die Sicht des anderen Teils der Beziehung eingeblendet (gesungen vom Berliner Rapper Mauli), und das ist ganz, ganz finster: \u201eDein Schrank ist leer, wieder mal. Gepackte Koffer liegen da. Du hast geschwor&#8217;n: Nie m\u0435hr, doch wir finden immer wied\u0435r hierher. Denn jeder Satz trifft dich da, wo es wehtut. Ich hab gewonnen und du bleibst, obwohl ich wei\u00df, dass du geh&#8217;n musst.\u201c Wenn man so etwas schon mal erlebt und dabei \u201everloren\u201c hat, wird man hier ziemlich aufgew\u00fchlt.<\/p>\n\n\n\n<p>SPIEGEL klingt von der Musik erstmal sch\u00f6n und gegen Ende sogar fr\u00f6hlich, der Text handelt jedoch von geringem Selbstwertgef\u00fchl, dem Nichtwissen, wo man hingeh\u00f6rt, und daraus resultierender Zerst\u00f6rung. Auf SCHATTIG (wieder ein St\u00fcck mit einem Intro) wird es nicht besser (\u201e\u201aWas soll ich machen?\u2018, hast Du gefragt. \u201aIch hab keine Ahnung. Alles im Arsch.\u2018\u201c) und auch STAUB und STEIN tragen trotz schmissiger Beats und sch\u00f6ner Orgeln nicht gerade zur Fr\u00f6hlichkeit bei. COPYCAT handelt vom Klauen der Ideen anderer K\u00fcnstler, FESCH klingt fr\u00f6hlich-poppig und bietet textlich eine Lobhudelei der Ich-Erz\u00e4hlerin, die so \u00fcberzogen ist, dass es am Ende wieder deprimierend ist. Dann die Reprise vom BAUM, traurige Streicher, aber dieses Mal wenigstens kein aufs Neue niederschmetternder Text. Den hebt sich MINE f\u00fcr WEITER GERANNT auf (\u201eHab&#8216; keinen Mut zu gehen, ich w\u00e4r nur lieber gegang&#8217;n, doch ich bin weiter gerannt, obwohl ich nichts mehr daran fand\u201c).<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Fazit: Die deutschsprachige Popmusik ist nicht nur nicht totzukriegen, sondern auch noch nicht verloren. BAUM bietet tolle Musik, wundersch\u00f6nen Gesang, Tiefgang, D\u00fcsternis und Aussagen, \u00fcber die nachzudenken es sich lohnt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (14.02.2024) Erst durch HIN\u00dcBER (2021) wurde ich aufmerksam auf die Musik von Jasmin Stocker aus Stuttgart, die seit den 2010er Jahren unter dem Namen MINE in Erscheinung tritt. 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