{"id":6085,"date":"2024-02-13T23:15:43","date_gmt":"2024-02-13T22:15:43","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=6085"},"modified":"2024-02-13T23:15:43","modified_gmt":"2024-02-13T22:15:43","slug":"cyberaktif-tenebrae-vision-endgame-wax-trax-artoffact-records-1991-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/cyberaktif-tenebrae-vision-endgame-wax-trax-artoffact-records-1991-2024\/","title":{"rendered":"Cyberaktif \u2013 Tenebrae Vision\/Endgame \u2013 Wax Trax!\/Artoffact Records 1991\/2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Cyberaktif-Endgame.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Cyberaktif-Endgame.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6086\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Cyberaktif-Tenebrae-Vision.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Cyberaktif-Tenebrae-Vision.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6087\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (13.02.2024)<br><br>Vancouver, Kanada, 1990. Seit bis zu acht Jahren mischen EBM-Bands wie Skinny Puppy und Front Line Assembly die Szene auf, mit eigenen Sounds, die sich von denen der europ\u00e4ischen Vertreter reichlich unterscheiden: trotz harmonischer und poppiger Anteile harscher, h\u00e4rter, r\u00e4udiger, monotoner, d\u00fcsterer, brutaler. Die einen sind im Grunde ein Seitenarm der anderen: Bill Leeb gr\u00fcndete Front Line Assembly 1986, nachdem er Skinny Puppy verlassen hatte. 1990 also tun sich deren Musiker Cevin Key (der heute Geburtstag hat) und Dwayne R. Goettel mit ihrem Ex-Kollegen Bill Leeb zusammen und formieren f\u00fcr zwei 12\u201ces und das Album \u201eTenebrae Vision\u201c das Projekt Cyberaktif. Parallel erscheinen die wegweisenden Alben \u201eCaustic Grip\u201c von Front Line Assembly und \u201eToo Dark Park\u201c von Skinny Puppy und binden die Energien f\u00fcr die jeweiligen Kreativit\u00e4ten und somit die Karrieren \u2013 f\u00fcr die n\u00e4chsten rund 30 Jahre. Jetzt jedoch l\u00f6st Cevin Key Skinny Puppy zum zweiten Mal auf und vert\u00e4ndelt Bill Leeb seine Energien in weniger substanziellen FLA-Alben, da kreuzen sie abermals ihre Schwerter \u2013 und pr\u00e4sentieren \u201eEndgame\u201c, von dem man sich indes deutlich mehr Wumms erhofft h\u00e4tte. Das Album ist so weich, dass es eher entt\u00e4uscht. Parallel gibt\u2019s \u201eTenebrae Vision\u201c als Doppel-CD mit s\u00e4mtlichen 12\u201c-Tracks neu, davon hat man deutlich mehr und es klingt sogar frischer.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich schreiben Cyberaktiv den Albumtitel \u201eeNdgame\u201c, so wie sich Kevin Crompton selbst stets cEvin Key schreibt (und seine Titel s\u00e4mtlicher Projekte ebenfalls in solchen Gro\u00df-Kleinschreibungsvariationen). Da Goettel ja 1995 verstarb, darf dieses Mal Bill Leeb einen Wegbegleiter als Triovervollst\u00e4ndiger hinzuziehen: Rhys Fulber hat seine Finger mit an den Tasten, FLA-Gelegenheitsmitmusiker Chris Peterson ist au\u00dferdem als Gast dabei, Allzeitkumpel Greeg Reely masterte alles. Liest sich wie eine perfekte Ausgangsbasis f\u00fcr ein modernes Electro-Album mit brontalen Knalleffekten.<br><br>Ist es aber nicht. Es gibt einige treibende Tracks, gleich der Opener \u201eA Single Trace\u201c geht gut nach vorn, \u201eYou Don\u2019t Need To See\u201c \u00fcbernimmt den von Skinny Puppys Hit \u201eAssimilate\u201c im EBM omnipr\u00e4senten Dreiviertel-Glam-Takt in beschleunigter Form, es gibt h\u00fcbsche Synthie-Sequenzen und Effekte, dazu Leebs milden Gesang. \u201eEndgame\u201c ist sicherlich tanzbar, doch insgesamt eher auf eine befremdliche Weise poppig, gutgelaunt, nett. So \u00e4hnlich gestalteten Leeb, Fulber und Reely bereits das letzte FLA-Album \u201eMechanical Soul\u201c, nachdem Leeb und Reely mit dem verstorbenen Jeremy Inkel noch einige Alben zuvor den grandiosen Knaller \u201eEchogenetic\u201c abgeliefert hatten. Oh. Das war 2013, gleichsam der Zeitpunkt des letzten Studioalbums von Skinny Puppy, \u201eWeapon\u201c, das Key mit Nivek Ogre und Mark Walk einspielte. Solo und unter teils vertrauten Projektnamen wie Download gab\u2018s von Key danach noch einige lohnenswerte Alben, aber auch die lassen sich mit \u201eEndgame\u201c nicht direkt vergleichen.<br><br>Wie kommt es nun also zu so einer Glattb\u00fcgel-Dominanz? Die schlimmstens sogar noch in so einem Schlager wie \u201eIn deinen Tr\u00e4umen\u201c m\u00fcndet, gesungen vom geb\u00fcrtigen Wiener Leeb, der sich in den Achtzigern noch Wilhelm Schroeder nannte. Das weckt b\u00f6se Erinnerungen an die uns\u00e4gliche \u201eRock Me Amadeus\u201c-Version, die FLA 2019 auf \u201eWake Up The Coma\u201c einschummelten. Einzig der Song \u201eBroken Through Time\u201c greift den Geist der alten EBM-Zeiten wieder auf, die man in Nordamerika kurioserweise als Industrial bezeichnete: monotone Sequenzen, verschleppter gebrochener Beat, gebellte Vocals, eingebaute Sprachsamples. Im Refrain werden Cyberaktif dann allerdings wieder poppig. Der Rauswerfer \u201eSplot\u201c b\u00fcndelt so manche Effekte ohne hinterlegte Songstruktur, bleibt dabei indes milde.<br><br>An der Produktion ist hingegen gar nichts auszusetzen, die knallt mehr, als es die Musik allein vermag. Jeder Ton sitzt und gl\u00e4nzt glasklar, das Album l\u00e4dt zum Lauth\u00f6ren ein. Schade nur, dass man es nicht durchgehend so laut auch h\u00f6ren mag. Aber es gibt ja noch das Deb\u00fct, und das jetzt sogar als Doppel-CD.<br><br>Mit der 12\u201c \u201eNothing Stays\u201c und der noch stark von den Sequenzen von Nitzer Ebb beeinflussten Folge-12\u201c \u201eTemper\u201c begann die Reise 1990, auch der mit Blixa Bargeld aufgenommenen B-Seite \u201eMeltdown (Parody)\u201c h\u00f6rt man den Einfluss der Engl\u00e4nder an. Diese zusammen sieben Tracks sind auf der Bonus-CD zu \u201eTenebrae Visions\u201c enthalten, als Bonus gibt es eine bis dahin rare Neubearbeitung von \u201eNothing Stays\u201c durch Beatbox Inc, einem remixenden Produzenten-Team; der Track erschien 1991 auf dem sechsten Teil der \u201eFunky Alternatives\u201c-Serie von Concrete Productions, dem Label des Teams. Die CD- und die LP-Version des Original-Albums unterschieden sich 1991 noch um den Song \u201eHouse Of Pain\u201c, der in der Neuauflage seinen Platz auf dem Haupt-Album einnimmt. Auf dem war Bargeld ebenfalls schon zu h\u00f6ren, und zwar im dort schon falsch geschriebenen Track \u201eParadiessiets\u201c, der indes nichts mit \u201eParadiesseits\u201c auf dem Einst\u00fcrzende-Neubauten-Album \u201ePerpetuum Mobile\u201c gemein hat.<br><br>Auch \u201eTenebrae Vision\u201c war 1991 schon deutlich kompromissbereiter, als es die Einzelteile selbst zu dem Zeitpunkt waren. Skinny Puppy hatten schon mehr als ein halbes Dutzend Alben im Regal, mit Dancefloor-Hits wie \u201eWorlock\u201c, \u201eTin Omen\u201c, \u201eRodent\u201c, \u201eTesture\u201c, \u201eDig It\u201c und \u201eSmothered Hope\u201c, ganz abgesehen vom \u00dcberhit \u201eAssimilate\u201c, die allesamt kompromissloser waren als die \u201eVisionen der Dunkelheit\u201c. \u00c4hnlich bei Front Line Assembly, die etwas sp\u00e4ter loslegten, aber ihrerseits rauhe Tracks wie \u201eDigital Tension Dementia\u201c und \u201eBloodsport\u201c im Repertoire hatten. Beide Bands bereiteten sich um 1990 und 1991 auf die jeweils n\u00e4chsten Schritte vor, die kaum weniger druckvoll gerieten: FLA brannten mit \u201eCaustic Grip\u201c und \u201eTactical Neural Implant\u201c die Tanzb\u00f6den nieder, bastelten an zahllosen Nebenprojekten und hoben an, sich via \u201eMillennium\u201c im Feld des Gitarren-Industrial einzupfl\u00fcgen, w\u00e4hrend es bei Skinny Puppy mit \u201eToo Dark Park\u201c und \u201eLast Rights\u201c \u00e4hnlich aggressiv-elektronisch voranging und mit \u201eThe Process\u201c nach Goettels Tod eine erste Unterbrechung fand.<br><br>Inzwischen sind die alten Helden nicht nur m\u00fcde, sondern eben auch alt, ganz offenkundig. H\u00f6rt man beide Alben nacheinander, greift man anschlie\u00dfend automatisch lieber wieder zum Deb\u00fct. Zumindest, sofern man als Fan nicht ebenso milde wurde wie die Musiker.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (13.02.2024) Vancouver, Kanada, 1990. 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