{"id":6015,"date":"2024-01-24T22:57:59","date_gmt":"2024-01-24T21:57:59","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=6015"},"modified":"2024-01-24T22:57:59","modified_gmt":"2024-01-24T21:57:59","slug":"c-k-mcdonnell-the-stranger-times-eichborn-bastei-luebbe-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/c-k-mcdonnell-the-stranger-times-eichborn-bastei-luebbe-2023\/","title":{"rendered":"C.K. McDonnell \u2013 The Stranger Times \u2013 Eichborn\/Bastei L\u00fcbbe 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/C.K.-McDonnell-The-Stranger-Times.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"176\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/C.K.-McDonnell-The-Stranger-Times.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6016\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (24.01.2024)<br><br>Neulich gegen Ende der Woche hatte ich nichts mehr zu lesen. Also bin ich am Sonnabend um 13:40 Uhr mit dem Fahrzeug gen Innenstadt aufgebrochen, Benno Goeritz hat ja schlie\u00dflich noch bis 14:00 Uhr auf. Kurz vorher st\u00fcrmte ich den Laden und schilderte dem Eigent\u00fcmer meine Notlage. Ich bed\u00fcrfe dringendst eines Krimis. \u201eEher blutig, oder eher nicht?\u201c \u201eEher nicht, mehr so mystisch, Hauptsache spannend, aber blutig bitte nicht!\u201c \u201eDann scheidet Hardy Crueger also schon mal aus!\u201c Tut er vor allem deswegen, weil ich alles Relevante von ihm bereits gelesen habe. Ich schnappte aber dabei eine wichtige Information auf:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Am 15. Februar 2024 findet die allj\u00e4hrliche \u201eEinfach G.E.L.\u201c-Lesung von Hardy Crueger in der Buchhandlung Benno Goeritz statt. Kommet zuhauf!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Alsdann lobpreiste Herr Hallensleben den 2023 als Taschenbuch auf Deutsch erschienenen Roman \u201eThe Stranger Times\u201c von C.K. McDonnell. Es ginge um eine Frau, die auf der Suche nach Arbeit bei einer merkw\u00fcrdigen Wochenzeitung landet, und dort g\u00e4be es einen Chefredakteur, der einen abgrundtief b\u00f6sen Satz nach dem anderen raushaue, dass es eine wahre Freude sei, das zu lesen. Die Begeisterung des Buchh\u00e4ndlers ergriff unmittelbar von mir Besitz, ich nahm das Buch mit und konnte es f\u00fcrderhin nicht mehr aus der Hand legen. C.K. McDonnell (b\u00fcrgerlich Caimh McDonnell aus Limerick, Irland) schreibt witzig, fesselnd und mit einem richtig sch\u00f6n b\u00f6sen Witz.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Das w\u00e4re aber alles schon von Anfang an v\u00f6llig zweitrangig gewesen, wenn ich als erstes den Klappentext gelesen h\u00e4tte: Es gibt bereits drei Romane aus der \u201eStranger Times\u201c-Serie, deren zweiter und dritter aber bisher nur als Hardcover und noch nicht als Taschenbuch vorliegen, wie mich Herr Hallensleben auch vollkommen korrekt informiert hatte. Aber, und dann musste ich mich festhalten: Teil 2 tr\u00e4gt den Titel \u201eThis Charming Man\u201c und Teil 3 \u201eLove Will Tear Us Apart\u201c. H\u00e4tte ich das gleich zu Anfang gewusst, h\u00e4tte der Buchh\u00e4ndler mir nichts mehr beschreiben m\u00fcssen, ich h\u00e4tte das Buch sofort unbesehen und nicht probegefahren gekauft. Dazu muss ich kurz loswerden: Obwohl der Autor Ire ist, spielen die Romane in Manchester. Und bei \u201eThis Charming Man\u201c handelt es sich um die zweite Single der Band \u201eThe Smiths\u201c. Und \u201eLove Will Tear Us Apart\u201c wird vielen von Ihnen als einer der bekanntesten Songs der Band Joy Division bekannt sein. Beide Bands stammen aus Manchester. Und beide Bands werden von mir seit meinem 13. oder 14. Lebensjahr \u00fcber alle Ma\u00dfen verehrt, mittlerweile bin ich uralt und daran hat sich nichts ge\u00e4ndert. Beide Bands stammen aus \u2013 Sie ahnen es bereits \u2013 Manchester.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesen Vorwissen best\u00fcckt, machte ich mich also ans Werk und begann \u201eThe Stranger Times\u201c zu lesen. Hannah Willis, frisch geschieden von ihrem unglaublich verm\u00f6genden, aber ebenso mehr unglaublich untreuen Mann, sucht einen Job und landet dadurch bei der \u201eStranger Times\u201c, einer w\u00f6chentlich erscheinenden Zeitung, die sich dem \u00dcbersinnlichen und Unbeschreiblichen verschrieben hat. Alle paar Kapitel wird im Roman ein Artikel aus der \u201eStranger Times\u201c pr\u00e4sentiert und den Lesenden wird schnell klar, dass die Zeitung ganz bestimmt nur Mumpitz publiziert.<\/p>\n\n\n\n<p>Alsdann machen die Lesenden Bekanntschaft mit Vincent Banecroft, Alkoholiker, praktizierender Misanthrop, komplett verwahrlost, aggressiv, schlagfertig, blitzgescheit, wortgewandt, menschenverachtend und Chefredakteur der \u201eStranger Times\u201c. Der \u201eStranger Times\u201c aus Manchester. Manchester, Heimat zahlreicher mit Kultstatus behafteter Bands wie z.B. den Smiths, Joy Division, Take That und \u2013 The Fall. Der unglaublichen Band \u2013 meiner Lieblingsband \u2013 um den unglaublichen S\u00e4nger Mark E. Smith. Banecroft wird zun\u00e4chst von seinem \u00c4u\u00dferen her beschrieben und ich denke \u2013 er sieht aus wie Mark E. Smith. Dann wird er dem Wesen nach beschrieben \u2013 an nichts und niemandem l\u00e4sst er ein gutes Wort, seine \u00c4u\u00dferungen gleichen eher nuklearen Waffen, Napalm und der guten alten Pfefferpistole denn normalen menschlichen Diskussionsbeitr\u00e4gen, und ich muss an alle Beschreibungen denken, die ich jemals \u00fcber den von mir als Musiker \u00fcber alle Ma\u00dfen verehrten und als Mensch ebenso gef\u00fcrchteten Mark E. Smith geh\u00f6rt oder gelesen habe. Kein Zweifel, in Vincent Banecroft lebt der gr\u00f6\u00dfte K\u00fcnstler, den Manchester jemals hervorgebracht hat, fort, und allein das rechtfertigt das Weiterlesen von \u201eThe Stranger Times.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schilderung von Banecrofts Pers\u00f6nlichkeit ist aber nicht der einzige Grund, \u201eThe Stranger Times\u201c zu verschlingen wie der Teufel das Weihwasser: Auch die Story hat es in sich wie nur was. Zun\u00e4chst lernt Hannah ihre neuen Kolleg:innen kennen, allesamt eine Ansammlung skurriler Sonderlinge, die den Lesenden jedoch nicht zuletzt anhand der detaillierten Beschreibungen seitens des Autors schnell ans Herz wachsen. Ein weiterer Pluspunkt ist die Art und Weise, wie sich die Protagonisten fortw\u00e4hrend mit Worten duellieren. So torpediert Banecroft \u2013 der mit seiner B\u00fcroleiterin Grace, einer nahezu fanatischen Christin, die Abmachung laufen hat, keine Schimpfw\u00f6rter zu gebrauchen und den Namen des Herrn nicht zu verfluchen \u2013 seine Untergebenen (der Euphemismus \u201eMitarbeiter:innen\u201c w\u00e4re hier wirklich fehl am Platz) mit grandios formulierten Schimpftiraden (der \u00dcbersetzer Andr\u00e9 Mumot hat wirklich vortreffliche Arbeit geleistet), die diese mit einem H\u00f6chstma\u00df an Schlagfertigkeit kontern, so dass dem guten Banecroft oft nichts anderes \u00fcbrig bleibt, als den Beschimpften Recht zu geben. Und auch das h\u00f6rt sich bei ihm immer sehr herabw\u00fcrdigend, r\u00fcpelhaft und treffend bis ins letzte Detail ausformuliert an. Im Gegensatz zu Mark E. Smith, der geb\u00fcrtig aus Salford bei Manchester stammt, ist Banecroft Ire, und an einer Stelle wird er sinngem\u00e4\u00df als die Antwort der Iren auf alles, was die Briten ihnen jemals angetan haben, bezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht nur Dialoge beherrscht McDonnell meisterhaft, er baut auch eine Geschichte auf, die die Lesenden f\u00f6rmlich in sich hineinzieht, so dass sie es kaum schaffen, das Buch jemals aus der Hand zu legen. Die \u201eStranger Times\u201c befasst sich ausschlie\u00dflich mit \u00dcbersinnlichem wie zum Beispiel der Geschichte eines Klempners, dem der Geist des verstorbenen David Bowie innewohnt, der unbedingt ein Album mit neuen Bowie-Songs aufnehmen m\u00f6chte. Dem Klempner passt es aber \u00fcberhaupt nicht, sich zu diesem Behufe in ein Tonstudio begeben zu m\u00fcssen, da dann seine eigentliche Arbeit liegen bleibt und zahllose Keller unter Wasser stehen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch abenteuerliche Verwicklungen wird die Redaktion der \u201eStranger Times\u201c dann in polizeiliche Ermittlungen hineingezogen, in deren Verlauf sich dann die Fokussierung der Zeitschrift auf \u00dcbersinnliches und Aberwitziges als unglaublich n\u00fctzlich erweist. Mehr werde ich \u00fcber den Inhalt nicht verraten, wenn Ihnen \u00fcbersinnliche und phantastische Geschichten gefallen, wird es auch \u201eThe Stranger Times\u201c tun. \u00c4hnlich wie Terry Pratchett gelingt es McDonnell, die Abgefahrenheit der ganzen Geschichte in das England der Gegenwart einzubinden, die Charaktere lebhaft und glaubw\u00fcrdig darzustellen, so dass man es am Ende nicht mit einer phantastischen R\u00e4uberpistole, sondern mit einer dennoch realistisch anmutenden Handlung zu tun bekommt, die einen am Ende daran zweifeln l\u00e4sst, dass die Welt so funktioniert, wie man es bislang immer geglaubt hat. Ich habe das Buch in wenigen Tagen durchgelesen und mir dann gleich Band 2 und 3 bestellt \u2013 jeweils als gebundenes Buch mit au\u00dfen schwarz eingef\u00e4rbten Seiten (Wertige Optik, wertige Haptik!). Und kann schon mal ein wenig spoilern: Band 2 beginnt genauso vielversprechend, wie Band 1 \u00fcber die gesamte Lesezeit gewesen ist. Mein Dank gilt der Belegschaft der Buchhandlung Benno Goeritz f\u00fcr diese wunderbare Buchempfehlung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (24.01.2024) Neulich gegen Ende der Woche hatte ich nichts mehr zu lesen. Also bin ich am Sonnabend um 13:40 Uhr mit dem Fahrzeug gen Innenstadt aufgebrochen, Benno Goeritz hat ja schlie\u00dflich noch bis 14:00 Uhr auf. 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