{"id":5871,"date":"2023-12-21T21:30:04","date_gmt":"2023-12-21T20:30:04","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5871"},"modified":"2023-12-21T21:30:04","modified_gmt":"2023-12-21T20:30:04","slug":"gusgus-danceorama-oroom-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/gusgus-danceorama-oroom-2023\/","title":{"rendered":"GusGus \u2013 DanceOrama \u2013 Oroom 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/GusGus-DanceOrama.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/GusGus-DanceOrama.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5872\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (21.12.2023)<br><br>Der Titel passt, auch wenn er \u2013 nun \u2013 billig wirkt: \u201eDanceOrama\u201c, mit Binnenkapitale, als w\u00e4re es 1995 und das Wort eine Idee des Wolfsburger VW-Marketings. Das Cover des zw\u00f6lften Albums der isl\u00e4ndischen Analog-Deep-House-Soulband GusGus (auch Gusgus, gusgus oder Gus Gus geschrieben und G\u00fcsg\u00fcs gesprochen) repr\u00e4sentiert dieses Billige, die Musik gottlob nicht: Man erkennt GusGus am Sound, und doch unterscheidet sich viel von dem, was man von ihnen bereits im Regal stehen hat. Das Kunstvolle und Kathedralige sind etwas zur\u00fcckgenommen, nur vier der neun Tracks haben Gesang und GusGus wildern in Retro-Anmutungen, die bis ins Cheesige reichen. Nicht drauf ist das mit John Grant erstellte Fancy-Cover \u201eBolreo (Hold Me In Your Arms Again)\u201c, aber das gab diese neue Richtung schon ganz gut vor. Es bleibt zun\u00e4chst weniger Musik instant haften als noch beim Vorg\u00e4nger \u201eMobile Home\u201c, an diese H\u00e4utung muss man sich gew\u00f6hnen. Immerhin kann man dazu prima tanzen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Erstaunlicherweise beginnt das Album mit dem flott temperierten Instrumental \u201eThe Terras\u201c noch mit einer Anmutung, die GusGus in de Neunzigern zu ihrem eigenen Start als dutzendk\u00f6pfiges Kollektiv, als die Synthies noch wild modulierten, sich die Tracks ewig streckten und die ganze Musik noch etwas Organischeres hatte, trotz der elektronischen Instrumente. Den Bruch zu damals erzeugt hier das kratzige Pseudo-Piano, das eine fast schon aggressive, simple Melodie \u00fcber die Sounds und die Handclaps legt. Der Track zieht die H\u00f6renden sofort ins Album, man ist mittendrin im Club.<br><br>Dann schalten GusGus einen Gang zur\u00fcck und leiten mit \u201eRivals\u201c die Vocal-Sequenz des Albums ein, die den Rest der A-Seite einnimmt. Dan\u00edel \u00c1g\u00fast selbst singt, die Stimme, die man am st\u00e4rksten mit dem souligen Deep House von GusGus verbindet, und genau diese Richtung schl\u00e4gt der Song auch ein. Gro\u00dfe weite R\u00e4ume, gebremstes Tempo, trotzdem energetisch und tanzbar, viele Sounds aus der Gro\u00dfraumdisco, so kennt man GusGus ungef\u00e4hr seit \u201eForever\u201c, also seit 2007. Auch \u201eWhen We Sing\u201c, was hier Margr\u00e9t R\u00e1n Magn\u00fasd\u00f3ttir von V\u00f6k \u00fcbernimmt, die auch auf \u201eMobile Home\u201c schon ihre stimmliche W\u00e4rme einbrachte, greift diesen Stil noch auf. Doch so bleibt \u201eDanceOrama\u201c nicht, auch wenn sich die Strukturen unter den Tracks fortsetzen, aber dar\u00fcber schlagen die Isl\u00e4nder andere Kurse sein. Die j\u00fcngste Single \u201eUnfinished Symphony\u201c, auf der die beiden bisher Singenden duettieren, komprimiert den GusGus-Sound zu einem trockenen Neunziger-Charts-St\u00fcck, das im Refrain etwas Abba-Harmonie in sich tr\u00e4gt und zus\u00e4tzlich dem cheesigen Teil des Italo-Pops huldigt \u2013 Fancy bricht sich Bahn. Das bereits zehn Jahre alte \u201eBreaking Down\u201c, ein Duett von der S\u00e4ngerin Earth alias Ur\u00f0ur H\u00e1konard\u00f3ttir und dem Ex-GusGus-S\u00e4nger H\u00f6gni Egilsson, driftet musikalisch noch mehr in die von Hi-Hats dominierte Billo-Eurodance-Richtung.<br><br>Auf der B-Seite lassen GusGus bedauerlicherweise die Stimmen weg. Instrumentals sind in ihrem Oeuvre zwar keine Seltenheit, aber so stark vertreten wie auf \u201eDanceOrama\u201c waren sie noch nie. Und so wenig GusGus auch nicht. \u201eChaos Machine\u201c k\u00f6nnte bis zur H\u00e4lfte glatt von Underworld sein, mitten aus den Neunzigern, als die ihre Identit\u00e4t als Technoband erst fanden und entwickelten. Treibender Beat, klickernde Sounds, sp\u00e4rliche Synthies, sch\u00f6n, aber nicht GusGus. Die abermals cheesigen Synthiesounds, die sp\u00e4ter einsetzen, ebenfalls nicht. Der Titeltrack dr\u00fcckt aufs Gas und offeriert sieben Minuten Abzappeln auf der Tanze \u2013 stressig, zackig, auch nicht eben GusGus. \u201eMu\u201c kehrt zur\u00fcck zu den entschleunigten Deep-House-Sounds, reichert sie aber mit einem Balearen-Piano und einem eher nervenden Synthiesound an. Der Rauswerfer \u201eUseful Data\u201c hat einen treibenden Goa-Trance-Beat mit starker Neunziger-Anmutung und wieder vertr\u00e4glichere Sounds, ein vers\u00f6hnlicher Abschied von diesem Album.<br><br>Auch nach mehreren Durchg\u00e4ngen ist \u201eDanceOrama\u201c eher entt\u00e4uschend. Wer wei\u00df, was Soundmagier Biggi Veira \u2013 der einzige \u00fcbrigens, der durchgehend seit 1995 GusGus-Mitglied ist \u2013 sich dabei gedacht hat, seine Band in so eine Richtung zu schieben. Blickt man zur\u00fcck, war man zur Jahrtausendwende von \u201eThis Is Normal\u201c und \u201eAttention\u201c auch schon eher abgeschreckt, weil sie aus der anarchischen Tanzkunst der beiden ersten Alben chartsorientierte Clubschlager machten. Erst mit der Neuausrichtung \u201eForever\u201c begann 2007 die zweite Liebe f\u00fcr GusGus, die einen dazu brachte, auch die ausgeklammerten Alben irgendwann zu m\u00f6gen. \u201eLadyshave\u201c und \u201eDavid\u201c sind ja doch nicht so \u00fcble Singles, aber danach wurden GusGus einfach erheblich besser. Sie errichteten Kathedralen und schufen Kunst, doch beides bleibt auf \u201eDanceOrama\u201c weitestgehend auf der Strecke.<br><br>Nicht nur das Fancy-Cover, auch die virtuellen Singles \u201eInto The Strange\u201c und \u201eE\u00f0a?\u201c fehlen auf diesem Album. Bedauerlicherweise, besonders \u201eInto The Strange\u201c ist ein schmerzlicher Verlut. Da ist wohl eine Rarit\u00e4ten-Compilation mal \u00fcberf\u00e4llig, auch mit den ganzen Remix-EPs, die es nur als Download gab. Bleibt zu hoffen, dass Album Nummer 13 ein zweites \u201eForever\u201c wird. \u201eDanceOrama\u201c ist jedenfalls das erste GusGus-Album seit 16 Jahren, das es nicht in die pers\u00f6nliche Jahresbestenliste schafft. Und ja, der Vollst\u00e4ndigkeit halber sei es abermals erw\u00e4hnt: Emil\u00edana Torrini startete ihre Karriere 1995 mit Gus Gus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (21.12.2023) Der Titel passt, auch wenn er \u2013 nun \u2013 billig wirkt: \u201eDanceOrama\u201c, mit Binnenkapitale, als w\u00e4re es 1995 und das Wort eine Idee des Wolfsburger VW-Marketings. 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