{"id":5853,"date":"2023-12-14T22:12:14","date_gmt":"2023-12-14T21:12:14","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5853"},"modified":"2023-12-14T22:12:14","modified_gmt":"2023-12-14T21:12:14","slug":"madness-theatre-of-the-absurd-presents-cest-la-vie-bmg-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/madness-theatre-of-the-absurd-presents-cest-la-vie-bmg-2023\/","title":{"rendered":"Madness \u2013 Theatre Of The Absurd Presents C\u2019est la Vie \u2013 BMG 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Madness-Theatre-Of-The-Absurd-Presents-Cest-la-Vie.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Madness-Theatre-Of-The-Absurd-Presents-Cest-la-Vie.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5854\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (13.12.2023)<\/p>\n\n\n\n<p>Ich gehe an das neue Madness-Album mal ran, ohne mir nochmal die Vorg\u00e4nger \u201eOui Oui, Si Si, Ja Ja, Da Da\u201c und \u201eCan\u2019t Touch Us Now\u201c anzuh\u00f6ren, die mir beide gut gefallen, mich aber nicht vom Hocker gerissen haben. Und bin begeistert. Wenn jemals eine Band, die es schon seit \u00fcber 40 Jahren gibt, deutlich gemacht hat, dass sie a) k\u00fcnstlerisch immer noch \u00fcber jeden Zweifel erhaben und b) weiterhin relevant ist, dann Madness mit \u201eTheatre Of The Absurd Presents C\u2019est la Vie\u201c (allein der Titel ist schon Welt, finde ich).<\/p>\n\n\n\n<p>Zuallererst muss man sich mal vor Augen halten, wer eigentlich die sechs Herren waren, die seinerzeit (1979 auf dem Coverartwork von \u201eOne Step Beyond\u201c) den Silly Walk performten. Es waren Graham MacPherson (\u201eSuggs\u201c, Gesang), Mike Barson (\u201eMonsieur Barso\u201c, Keyboards), Chris Foreman (Gitarre), Mark Bedford (Bass), Lee Thompson (Saxofon) und Dan Woodgate (Schlagzeug). Danach kam noch das langj\u00e4hrige Bandmitglied Cathal Smyth (\u201eChas Smash\u201c, Trompete und Bewegungen auf der B\u00fchne) hinzu, der 1980 ein- und 2014 wieder ausstieg.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Und nun werfen wir einen Blick auf die aktuelle Madness-Besetzung: Es handelt sich dabei tats\u00e4chlich um die sechs Herren vom \u201eOne Step Beyond\u201c-Cover. Soviel Kontinuit\u00e4t m\u00fcsste man doch auch h\u00f6ren, dachte ich mir, und siehe da: Ja! Tut man an allen Ecken und Enden, und das Resultat ist ganz hervorragend. Nat\u00fcrlich darf man von Madness Anno 2023 keine Ska-Kracher vom Schlage eines \u201eOne Step Beyond\u201c, \u201eNight Boat To Cairo\u201c oder \u201eBaggy Trousers\u201c erwarten, aber wer sich auch bei \u201eEmbarrassment\u201c oder \u201eOur House\u201c auf den Bauch gepatscht f\u00fchlt (es wurde Zeit, hier bei Krautnick mal ein Zitat meiner Mutter anzubringen), k\u00f6nnte das neue Album durchaus lieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Passend zum sperrigen Albumtitel konnten die wackeren sechs Musikanten aus Camden Town den unter anderem aus \u201eSherlock Holmes\u201c, der Cornetto-Trilogie und Peter Jacksons putzigen Hobbit-Filmen bekannten und beliebten (und \u00fcberaus gro\u00dfartigen) englischen Schauspieler Martin Freeman verpflichten, eine Einleitung und diverse \u00dcberleitungen zwischen den St\u00fccken einzusprechen, was dem Ganzen den Charakter eines Theaterst\u00fccks verleiht und mit den Worten \u201eMr. Beckett Sir, it\u2019s time, your audience awaits\u201c sehr stimmungsvoll beginnt. Warten wir also nicht auf Mr. Becketts Godot, sondern auf ihn selbst, beziehungsweise auf Madness.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese legen mit dem Titelst\u00fcck \u201eTheatre Of The Absurd\u201c gleich sehr eindrucksvoll los: Mit Klavier und Streichern wird ein typischer Madness-Beat aufgebaut und Suggs singt so klasse wie schon seit Jahren nicht mehr. Alle Instrumente spielen sich in die H\u00e4nde wie sonst nix, erg\u00e4nzen sich gegenseitig und erzeugen einen warmen, mitrei\u00dfenden Groove, der bis zum Ende des Albums nicht mehr abrei\u00dfen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf \u201eIf I Go Mad\u201c setzt sich das Schlagzeug pointierter in Szene als auf dem Er\u00f6ffnungsst\u00fcck, hinzu kommen die Bl\u00e4ser und Suggs\u2019 routinierter und dennoch nie langweilender Gesang. Abgerundet wird der Gesamtsound von der auf dem ganzen Album immer pr\u00e4senten Orgel \u2013 sind hier wirklich nur f\u00fcnf Musiker am Werk (also au\u00dfer dem S\u00e4nger, der ja aber kein Instrument spielt)?<\/p>\n\n\n\n<p>Das nachfolgende \u201eBaby Burglar\u201c bildet den Schluss des ersten Teils des Albums, danach \u00fcbernimmt wieder Martin Freeman. \u201eBaby Burglar\u201c beinhaltet eine wundersch\u00f6ne, Madness-typische Melodie, quasi ein \u201eNight Boat To Cairo\u201c im Zeitlupentempo, und wartet zu Anfang mit einer klasse Orgel und danach mit den Madness-typischen, immer leicht knarzenden Bl\u00e4sern auf. Bei dem auf die Freeman-\u00dcberleitung folgendem Titelst\u00fcck \u201eC\u2019est la Vie\u201c (hihi, schon das zweite Titelst\u00fcck) knarzt sich auch gleich zu Beginn wieder ein typisches Madness-Saxophon in den Song hinein, und der Rest besticht durch diese Einheit aus Schlagzeug, Bass, Bl\u00e4sern und Orgel, die Madness hier zelebrieren wie schon lange nicht mehr. Und so grooved es sich wie Sau weiter durch das ganze Album. Es gibt auf \u201eTheatre Of The Absurd Presents C\u2019est la Vie\u201c keinen einzigen entt\u00e4uschenden Song und daf\u00fcr viele herausragende: Zum Beispiel \u201eWhat On Earth Is It (You Take Me For?)\u201c: Ein zur\u00fcckgenommener Ska-Rhythmus tr\u00e4gt das St\u00fcck, jeder einzelne Instrumentalpart birgt allerh\u00f6chsten Unterhaltungswert und Suggs liefert mit gewohnter L\u00e4ssigkeit eine Gesangsleistung ab, die die H\u00f6renden fragen l\u00e4sst, ob der Mann auch mal Luft holt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcrde jetzt gerne versuchen, mich nur noch mit den H\u00f6hepunkten des Albums zu besch\u00e4ftigen (klar, dann bin ich schneller mit dem Schreiben fertig und kann mal wieder ein gutes Buch lesen oder ins Bett gehen, oder mich mit einem guten Buch ins Bett legen), aber welches St\u00fcck sollte ich dann weglassen? Das auf \u201eWhat On Earth\u201c usw. folgende \u201eHour Of Need\u201c beginnt mit einem sehr catchigen Synth, bald von Bl\u00e4sern begleitet, und auch der Gesang entt\u00e4uscht hier nicht, im Gegenteil. \u201eRound We Go\u201c l\u00e4sst es dann ruhig angehen, lullt einen mit seiner wundersch\u00f6nen Melodie ein und auch hier gibt es wieder so viel zum intensiven Hinh\u00f6ren. So geht es weiter und weiter, das Album langweilt einfach nicht und rei\u00dft einen in diesen oben schon bejubelten Groove mit hinein, beispielsweise auf \u201eLockdown And Frack Off\u201c. \u201eBeginners 101\u201c ist eine ruhige Ballade, bei der ich mich auch schon wieder frage, wie die sechs \u00e4lteren Herren m\u00fchelos eine solch sch\u00f6ne Melodie und eine solche Einheit in musikalischer Hinsicht zaubern k\u00f6nnen. Mannschaftsdienliche Instrumentalkompetenz, sage ich mal. \u201eIs there Anybody Out There?\u201c groovt dann sehr laid back vor sich hin und das Saxophon taucht in sehr tiefe Gefilde ab. \u201eThe Law According To Dr. Kippah\u201c ist dann eher langweilig, um hier mal was Negatives zu schreiben, bezeichne ich es sogar als das langweiligste St\u00fcck auf dem Album, dennoch ist es sehr gut. Ebenso wie \u201eRun For Your Life\u201c mit langweiliger Melodie und aufregenden Stakkato-Bl\u00e4sern. \u201eSet Me Free (Let Me Be)\u201c ist ein ruhiges Pop-St\u00fcck, auf dem sich die Bl\u00e4ser wieder austoben k\u00f6nnen und das auf so manch anderem Album als einer der H\u00f6hepunkte taugen w\u00fcrde, sp\u00e4testens, wenn das Saxophon quasi ohne Not zu kreischen beginnt. Dann noch \u201eIn My Street\u201c, bevor abschlie\u00dfend nochmal Martin Freeman \u00fcbernimmt: \u201eIn My Street\u201c gibt es mit Sicherheit eine kleine Kneipe, in der sich abends die Bewohner unseres Hauses (in der Mitte der Stra\u00dfe) treffen. Ein sch\u00f6ner Abschluss, sehr stimmungsvoll und wie bislang alles auf dem Album 100% Madness. Und gegen Ende erhebt sich ein gar infernalisches Getr\u00f6te, dass es die reine Freude ist. Und dann der Freeman so: \u201eLadies and Gentlemen. This. Is. The End.\u201c Die Lyrics sind jetzt hier irgendwie zu kurz gekommen, weil gar nicht erw\u00e4hnt, es lohnt sich aber allemal, in Suggs\u2019 bissige und sch\u00f6n geschriebene Zeilen mal einen genaueren Blick hineinzuwerfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Abschlie\u00dfend sei noch das eigentlich nicht zu beschreibende Coverartwork beschrieben: Die Band posiert in merkw\u00fcrdigen Kost\u00fcmen (das reicht von Madness, wie wir Madness kennen, mit Anz\u00fcgen und Sonnenbrillen, bis hin zu einem Str\u00e4flingspullover mit Sex-Pistols-Aufdruck, rechts wurschtelt eine Art Crash Test Dummy an einem Industrieroboter herum, eine Drohne fliegt ebenfalls durchs Bild, Suggs trinkt derweil eine Tasse Tee und im Hintergrund erstrahlt ein Atompilz \u2013 heller als wie tausend Sonnen. Man sieht es dem Cover an \u2013 Madness hatten Spa\u00df, dieses gro\u00dfartige Album aufzunehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (13.12.2023) Ich gehe an das neue Madness-Album mal ran, ohne mir nochmal die Vorg\u00e4nger \u201eOui Oui, Si Si, Ja Ja, Da Da\u201c und \u201eCan\u2019t Touch Us Now\u201c anzuh\u00f6ren, die mir beide gut gefallen, mich aber nicht vom &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/madness-theatre-of-the-absurd-presents-cest-la-vie-bmg-2023\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-5853","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5853","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5853"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5853\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5855,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5853\/revisions\/5855"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5853"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5853"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5853"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}