{"id":5825,"date":"2023-12-08T19:55:43","date_gmt":"2023-12-08T18:55:43","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5825"},"modified":"2023-12-08T19:55:43","modified_gmt":"2023-12-08T18:55:43","slug":"die-drei-boeser-die-glocken-nie-klingen-europa-sony-music-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/die-drei-boeser-die-glocken-nie-klingen-europa-sony-music-2023\/","title":{"rendered":"Die drei ???: B\u00f6ser die Glocken nie klingen \u2013 Europa\/Sony Music 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Die-drei-Fragezeichen-Boeser-die-Glocken-nie-klingen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"112\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Die-drei-Fragezeichen-Boeser-die-Glocken-nie-klingen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5826\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (08.12.2023)<br><br>Zum f\u00fcnften Mal versuchen sich die Autoren der Drei Fragezeichen an einem Adventskalender-Fall, der sich also \u00fcber 24 T\u00fcrchen erstreckt. Im Falle von \u201eB\u00f6ser die Glocken nie klingen\u201c bedeutet dies: dreieinhalb Stunden auf sechs LPs, die Box ist teurer als alles, was es bisher von den drei Detektiven als H\u00f6rspiel zu kaufen gab. Den Fall erdachte Andr\u00e9 Minninger, der seit \u00fcber 20 Jahren als Skriptautor die H\u00f6rspiele versaut, und genau so gestaltet sich dieser Fall auch: langatmig, labernd und konfus. Positiv ist: Die Box sieht geil aus, jede LP hat ein eigenes Sleeve, schick! Aber: Man darf sich vor der regul\u00e4ren Folge 225, \u201eDer Puppenmacher\u201c, im Januar nur f\u00fcrchten: Es werden f\u00fcnf LPs. Mit Minninger ist da leider einiges an Langeweile zu bef\u00fcrchten, denn so lang ist das Buch dazu ja gar nicht.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Zu Beginn von \u201eB\u00f6ser die Glocken nie klingen\u201c entdecken Justus, Peter und Bob beim Schm\u00fccken des Weihnachtsbaums auf dem Schrottplatz der Firma Titus Jonas in einer versehentlich zerbrochenen h\u00e4sslichen Deko-Glocke einen Hilferuf. Ganz netter Anfang, bis man dar\u00fcber nachdenkt, wen eine als Deko verschl\u00fcsselte Nachricht auf einer h\u00e4sslichen Glocke darauf h\u00e4tte bringen sollen, in deren Inneren nach einer Botschaft zu gucken. Jedenfalls brauchen die drei von nun an mehr als eine halbe Stunde, um herauszufinden, woher die Glocken \u00fcberhaupt kamen. Da ist man schon mal m\u00e4chtig gepl\u00e4ttet und hat zu allem \u00dcbel auch noch Tante Mathildas Freundin Emily schief singen geh\u00f6rt.<br><br>Wenn man nun glaubt, dass es jetzt losgeht, hat man sich nicht nur geirrt, sondern immer noch fast drei Stunden vor sich. Also: Die Spur f\u00fchrt in ein Heim f\u00fcr schwer erziehbare straff\u00e4llige Jugendliche oder so, in dem Kathy, die Gestalterin der Glocke, in einem Krankenzimmer abgeschirmt wird. Die verlogenen Detektive schmuggeln sich als Praktikanten ein \u2013 man hat ein D\u00e9j\u00e0-vu unter anderem mit Episode 99, \u201eRufmord\u201c \u2013, begegnen Mith\u00e4ftlingen, einer Krankenschwester mit dem humorigen Namen Bell und einer undurchsichtigen Anstaltsleiterin, die eigentlich die Freundin von Emily ist, daher der Bogen zu den Glocken. Irgendwie wird Kathy pl\u00f6tzlich entf\u00fchrt und bei irgendeinem Typen versteckt, Mathilda, die genau so klingt wie Emily, erwirkt bei der Polizei anonym eine Drogen-Razzia in dem Heim, die nichts bringt, die Detektive trinken in der Zentrale Lebkuchentee und ein Peilsender befindet sich in einem Pl\u00fcschpantoffel. Alles verl\u00e4uft im Sande, bis Mathilda und Emily von der Hauptt\u00e4terin mit einer Spritze bedroht werden, weil die drei Fragezeichen zu bl\u00f6d sind, die Gefahr rechtzeitig zu erkennen. Am Ende wird wieder schief gesungen.<br><br>Dreieinhalb Stunden daf\u00fcr. Mit einer Story, die zu erstellen man eigentlich lang Zeit hatte, doch anstatt sich wirklich etwas auszudenken, das die 24-Tage-Struktur sinnvoll abdeckt und trotzdem spannend ist, dehnt Minninger den Fall k\u00fcnstlich mit Verschleppungen in die L\u00e4nge. \u201eDas erz\u00e4hle ich euch nicht am Telefon, kommt morgen bei mir vorbei\u201c, zack, wieder ein Tag mehr f\u00fcr keinen Inhalt. \u201eDas machen wir morgen\u201c kommt so oft, dass man erst die Protagonisten f\u00fcr bl\u00f6d und dann den Autoren f\u00fcr arglistig h\u00e4lt, einem so einen Quatsch unterzujubeln.<br><br>Nicht nur die Story ist banal, auch die Produktion tr\u00e4gt das Ihrige dazu bei, dass man nicht bei der Stange bleibt. Die Protagonisten labern nur, man h\u00f6rt sie allesamt in einem Studio sitzen und sich gegenseitig mehrmals die Handlung erl\u00e4utern, inklusive haneb\u00fcchener Begr\u00fcndungen, die man besser verschwiegen h\u00e4tte, anstatt die Geschichte damit noch bekloppter erscheinen zu lassen. Kathy-Sprecherin Lucia Angelina Mahler overactet dabei, als w\u00e4re ihre Figur permanent besoffen. Und dann verliert man nochmal extra den Faden, weil weite Strecken als abgeh\u00f6rte Lauschaktionen inszeniert sind, am Telefon oder per Wanze oder so, die man gar nicht richtig versteht und die einem dann auch egal sind, weil man ja wei\u00df, dass alles sp\u00e4ter nochmal nacherz\u00e4hlt wird.<br><br>Was nun die Figuren nicht zerlabern, \u00fcbernimmt der Erz\u00e4hler, der mit seinem Blabla die letzte Action aus dem Kopfkino nimmt. Wo fr\u00fcher die Figuren den bedrohlichen oder erschreckenden Umst\u00e4nden selbst begegneten und sie live f\u00fcr die H\u00f6renden kommentierten, h\u00f6rt man jetzt Axel Milberg Sachen labern, die man auch akustisch h\u00e4tte umsetzen k\u00f6nnen. Und so etwas kommt von genau dem Typen, der nicht nur Autor der Geschichte ist, sondern diese auch gleich zum H\u00f6rspiel verskriptete.<br><br>Als w\u00e4re es jetzt nicht schon \u00f6de genug, haut die Soundkulisse l\u00e4ngst nicht mehr hin: Kreiss\u00e4ge und Hundegebell auf dem Schrittplatz sowie Blackys Kr\u00e4chzen in der Zentrale sind ja sch\u00f6n und gut, aber der Rest der Handlung findet ohrenscheinlich ausschlie\u00dflich in einem Studio statt. Was dann Atmosph\u00e4re erschaffen soll, ist offenbar eine unterschwellig wabernde Musik, die allerdings so sehr wie ein Fremdk\u00f6rper neben der Geschichte l\u00e4uft, dass sie nur nervt.<br><br>Man kann Drei-Fragezeichen-Episoden in lang auch unterhaltsam und spannend kreieren, die Folgen 100, \u201eToteninsel\u201c, und 150, \u201eGeisterbucht\u201c, sind die besten Beispiele daf\u00fcr (Nummer 125, \u201eFeuermond\u201c, war eher so mittel, 175, \u201eSchattenwelt\u201c, war richtig schei\u00dfe, und die 200, \u201eFeuriges Auge\u201c, krankt ebenfalls so sehr an L\u00e4ngen, dass man nach dem H\u00f6ren nicht mehr wei\u00df, ob man sie mochte), auch \u201eDer Dreitag\u201c war ein gelungenes Experiment. Ebenso die Kurzgeschichten: In denen kommen die Autoren besser auf den Punkt und belassen die Geschichten in der Knappheit, die den regul\u00e4ren F\u00e4llen ohne sinnlos hineingelabertes Beiwerk ebenso gut gestanden h\u00e4tte.<br><br>Den ersten Drei-Fragezeichen-Advenstkalender, \u201eDer 5. Advent\u201c, ver\u00f6ffentlichte Europa 2012 noch wie einen solchen: An jedem Tag im Dezember bis zum 24. ein Snippet des H\u00f6rspiels, das erst im Folgejahr als komplette CD herauskam. Auch dieses Buch stammte von Minninger, da nahm man die Absurdit\u00e4ten in der Geschichte aber noch in Kauf, weil das Konzept neu war (bei den Drei ??? Kids gab es das schon seit zwei Jahren). In \u201eStille Nacht, d\u00fcstere Nacht\u201c strickte man das Konzept 2013 auf 24 Stunden um und verlegte den sich um die \u201eMasters Of The Universe\u201c drehenden Schauplatz in ein Hotel; hier vereitelte Volker Brandt, der in den ganz alten ???-Episoden noch normal als Sprecher \u00fcberzeugte, jedoch in der j\u00fcngeren Vergangenheit als Pater Brown oder Inspector Lestrade wirkt wie ein Amateur, der Skripte abliest, aus ebendiesem Grunde als Wiederkehrer des Inspector Nostigan aus der \u201eGeisterinsel\u201c die aufgrund ihrer L\u00e4ngen ohnehin nicht ganz \u00fcberzeugende Umsetzung, w\u00e4hrend \u201eSherlock Holmes\u201c Christian Rode gewohnt geil abliefert. Die Story schrieb Hendrik Buchna, wie auch 2019 \u201eO du finstere\u201c, in dem der Krampus eine eingeschneite Bergh\u00fctte heimsucht. In Marco Sonnleitners \u201eEine schreckliche Bescherung\u201c jagten die Drei Fragezeichen in einem Kaufhaus einen Elf, der ein bestimmtes Geschenk vom Weihnachtsmann sucht, und auch hier arbeitet L\u00e4nge gegen Verst\u00e4ndlichkeit.<br><br>Was waren dann \u00fcberhaupt zuletzt richtig gute H\u00f6rspiele, nach dem Rechtsstreit, also ab Folge 121? Sehr wenige, muss man festhalten. Nummer 169, \u201eDie Spur des Spielers\u201c, war 2014 das letzte regul\u00e4re \u00fcberzeugende H\u00f6rspiel, danach lediglich die Kurzgeschichten sowie die Planetariums-Folgen \u201eDer drei\u00e4ugige Totenkopf\u201c 2017 und \u201eDas Dorf der Teufel\u201c 2020 nach den Comic-Vorlagen. Die durch die Pandemie unterbrochene letzte Live-Tour \u201eDer dunkle Taipan\u201c war charmant. Man wundert sich, dass sich das Team um Regisseurin Heikedine K\u00f6rting die seit Jahren laute Kritik nicht zu Herzen nimmt; offenbar stimmt der Kontostand dagegen. Und wer die Sechs-LP-Box von \u201eB\u00f6ser die Glocken nie klingen\u201c kauft, tr\u00e4gt dazu bei. Und warum macht man das jedes Mal trotzdem wieder? Mea culpa!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (08.12.2023) Zum f\u00fcnften Mal versuchen sich die Autoren der Drei Fragezeichen an einem Adventskalender-Fall, der sich also \u00fcber 24 T\u00fcrchen erstreckt. 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