{"id":5808,"date":"2023-12-04T20:59:30","date_gmt":"2023-12-04T19:59:30","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5808"},"modified":"2023-12-04T20:59:30","modified_gmt":"2023-12-04T19:59:30","slug":"ni-fol-nais-dur-doux-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/ni-fol-nais-dur-doux-2023\/","title":{"rendered":"Ni \u2013 Fol Na\u00efs \u2013 Dur &amp; Doux 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Ni-Fol-Nais.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Ni-Fol-Nais.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5809\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (04.12.2023)<br><br>Wer braucht schon Stimmen, wenn die Instrumente stimmen? Bei Ni \u2013 Eigenschreibweise ni und nicht etwa Ekke Ekke Ekke Ekke Ptang Zoo Boing \u2013 handelt es sich um ein Quartett aus Bourg-en-Bresse irgendwo in den Alpen zwischen Lyon und Genf. F\u00fcr ihr drittes Album mit dem altfranz\u00f6sischen Titel \u201eFol Na\u00efs\u201c \u2013 \u201everr\u00fcckt geboren\u201c wie der Narr am K\u00f6nigshof, und au\u00dferdem \u201evoll nice\u201c \u2013 warfen die vier Musiker einen direkten Blick auf Metal und Tempo und reicherten ihren ohnehin schon hochkomplexen jazzigen Mathcore damit an. F\u00fcr einen Gesang w\u00e4re da wahrlich kein Platz, jedenfalls nicht, wenn man nicht Frank Zappa ist. Der hinterlie\u00df hier ebenso sehr seine Spuren wie Fant\u00f4mas, Meshuggah, Aphex Twin, Mr. Bungle und System Of A Down. \u201eFol Na\u00efs\u201c ist Kunst, zu der man gleichzeitig headbangen und staunen kann.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Das ist wahrscheinlich der ungew\u00f6hnlichste Anteil an \u201eFol Na\u00efs\u201c: Zwischen die nackenbrechenden Breaks setzen Ni unerwartete Glitches, digitale Verfremdungen, wie man sie von Aphex Twin kennt. Da fackeln sie den Proberaum ab, zerhacken ihn mit Streit\u00e4xten, schreddern alles im frisierten Gartenh\u00e4cksler, lassen die brachialen Brocken \u00fcber sich selbst stolpern und schieben ihnen dann noch, rhythmisch passend wie die Faust aufs Griffbrett, den Geist verbiegende synthetische Defekteffekte unter.<br><br>Ansonsten ist es inzwischen ja so, dass diese Mischung aus Mathcore und Djent f\u00fcr sich gesehen schon einige Vorl\u00e4ufer hat. Entsprechend kommen einem die genannten Analogien in den Sinn, wenn man \u201eFol Na\u00efs\u201c auflegt. Wie immer sind es dann aber die Mischung, die den Unterschied macht, und das Handwerk, mit dem die Franzosen hier zu Werke gehen, und das beherrschen sie respektabel. Sie schieben rhythmische Patterns zusammen, in die sie unerwartete Breaks und Effekte einbauen, generiert mit jedem der zur Verf\u00fcgung stehenden Instrumente wahlweise abwechselnd bis in wechselnden Kombinationen, und beherrschen dann auch noch die Kunst der minimalistischen Melodie, der abstrakten Harmonie. Was bei manchen Vertretern des jazzinfizierten komplexen progressiven Mathcore bisweilen wie Willk\u00fcr wirkt, bekommt hier eine Form, die man nicht vorherahnen kann, aber nachvollziehen. Es lohnt sich, der Musik aufmerksam zu folgen, weil sie voller \u00fcberraschender Details steckt, die inmitten der halsbrecherischen Haken, zu denen man die Haare sch\u00fcttelt, f\u00fcr einen Mehrwert innerhalb der wertigen Musik sorgen. Nicht zuletzt die eingebauten kontemplativen komplexen Komponenten konstruieren kognitiv k\u00f6stlich konsumierbare Kompositionen.<br><br>Anders k\u00f6nnen Ni auch: Zum Abschied gibt es mit \u201eCathelot\u201c einen Track, der klingt wie die Faith-No-More-Version eines Black-Sabbath-Originals, der also einen geslappten Bass und Riffs hat wie \u201eWar Pigs\u201c, \u00fcbert\u00fcncht mit schr\u00e4g schwebenden Gitarrenfl\u00e4chen. Das Ganze endet mit einer mehr als zweimin\u00fctigen Kakophonie wie direkt aus dem Orchestergraben vor dem Konzert \u2013 ein umgekehrter Rauswurf quasi, dem Album mehr als w\u00fcrdig.<br><br>Los ging die Reise von Ni 2010 mit der selbstbetitelten EP, der sie zwei Jahre sp\u00e4ter eine weitere EP mit dem Bandnamen als Titel, aber v\u00f6llig anderen Tracks folgen lie\u00dfen. 2015 erschien das Deb\u00fct-Album \u201eLes Insurg\u00e9s de Romilly\u201c und 2019 das f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Aufmerksamkeit sorgende \u201ePantophobie\u201c. Dem will die Band mit dem weit brachialeren \u201eFol Na\u00efs\u201c einen bewussten Bruch entgegensetzen, und wahrlich, der ist gelungen. So richtig alles war es das aber auch noch nicht: Ni fusionierten mit dem Trio Piol zu dem Projekt PionioL, das 2018 das Album \u201eBran Coucou\u201c herausbrachte. In dem Seitenarm Scherzoo schimmert noch ein weiterer Einfluss durch: Diese Band beruft sich auf Zeuhl und somit auf Magma, die Progressivhelden schlechthin aus Frankreich. Ein weiteres Projekt, in dem viele Ni-Ritter untergekommen waren, lautete diatrib(a). An Ni beteiligt sind: Schlagzeuger Nicolas Bernollin, Gitarrist \u201eVil\u201c Fran\u00e7ois Mignot, Bassist Beno\u00eet Lecomte sowie Gitarrist und Bassist Anthony B\u00e9ard.<br><br>Verr\u00fcckt geboren m\u00fcssen sie alle sein, und dem Albumtitel entsprechend benannten sie die Tracks auf \u201eFol Na\u00efs\u201c nach \u2013 Hofnarren: \u201eZerkon\u201c war ein um 440 bei den Hunnen lebender maurischer Zwerg, \u201eDagonet\u201c war der Hofnarr von K\u00f6nig Artus, \u201eBrusquet\u201c lebte im 16. Jahrhundert am Hof Franz\u2018 I., \u201eBerdic\u201c war einer der drei Narren des Normannenk\u00f6nigs Wilhelm I., der \u201eChicot\u201c genannte Jean-Antoine d\u2019Anglerais lebte im 16. Jahrhundert unter den Heinrichen III. und IV., \u201eRigoletto\u201c ist von Giuseppe Verdis Oper bekannt, \u201eTriboulet\u201c \u2013 hier als St\u00fcck dreigeteilt \u2013 war Narr am Hofe Ludwigs XII. und Franz\u2018 I. und durch Victor Hugos Theaterst\u00fcck \u201eLe roi s\u2019amuse\u201c bekannt, das wiederum die Grundlage f\u00fcr \u201eRigoletto\u201c war, und \u201eCathelot\u201c, die einzige Frau in diesem Reigen, war im 16. Jahrhundert N\u00e4rrin von K\u00f6nigin Margarete von Valois.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (04.12.2023) Wer braucht schon Stimmen, wenn die Instrumente stimmen? 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