{"id":580,"date":"2013-09-15T18:56:08","date_gmt":"2013-09-15T16:56:08","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=580"},"modified":"2013-11-15T13:07:43","modified_gmt":"2013-11-15T12:07:43","slug":"the-worlds-end-edgar-wright-gb-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/the-worlds-end-edgar-wright-gb-2013\/","title":{"rendered":"The World&#8217;s End \u2013 Edgar Wright \u2013 GB 2013"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-667\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Kino-Film1.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (15.09.2013)<\/p>\n<p>Der dritte Teil der so genannten Cornetto-Trilogie (oder auch: \u201eThe Blood And Ice Cream Trilogy\u201c) entt\u00e4uscht leider. Das bew\u00e4hrte Team will zu viel und bringt vom Relevanten zu wenig. Das Drehbuch wirkt unausgegoren. Auch die filmischen Kniffe, die das bisherige Werk &#8211; \u201eShaun Of The Dead\u201c und \u201eHot Fuzz\u201c &#8211; zus\u00e4tzlich zu Ideenreichtum, Geschichte, Humor und Tricks so sehenswert machen, treten hier zugunsten einer enorm konventionellen Darstellung zur\u00fcck. So n\u00e4hert sich das Britische Team letztlich Hollywood eher an, als dass es ihm einen Gegenentwurf liefert. Die in die Story gepresste Sache mit den Kampfrobotern untermalt diesen Eindruck noch. Sie sind zwar das Gimmick des Films, aber der w\u00e4re eindeutig besser ohne sie ausgekommen, wenn sich das Team auf das Ursprungselement mit den verschiedenen Lebensentw\u00fcrfen der Hauptfiguren und den daraus resultierenden Konflikten konzentriert h\u00e4tte.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Zwar treffen in \u201eThe World&#8217;s End\u201c f\u00fcnf Menschen aufeinander, eigentlich bilden sie aber lediglich zwei verschiedene Typen ab. Hauptfigur Gary King (Simon Pegg) ist in seiner Entwicklung ungef\u00e4hr dort steckengeblieben, wo er die anderen vier zuletzt sah: beim Zeitpunkt des Schulabschlusses Anfang der 90er. Die anderen vier, darunter Andy (Nick Frost), sind anzugtragende Berufseinigerma\u00dfenerfolgsmenschen mit irgendeiner Art Familienanschluss, Geliebter, Ehekrise und \u00c4hnlichem, womit sich westliche Durchschnittsm\u00e4nner heutzutage so herumplagen und was sie eigentlich orientierungslos macht, weil es selten in G\u00e4nze ihrem Wesen entspricht. Sie haben den Kontakt zu ihrem 90er-Ich aufgegeben und bilden damit, verglichen mit Gary, das andere Ende der Skala. Jener bringt die anderen 20 Jahre nach dem letzten Treffen dazu, mit ihm etwas zu vollenden, was sie beim Schulabschluss nicht schafften: In jeder der zw\u00f6lf Kneipen ihres Heimatst\u00e4dtchens je ein Pint zu trinken. Dabei treffen die f\u00fcnf Figuren und also zwei Lebensentw\u00fcrfe nicht nur innerhalb der Gruppe auf ihre Vergangenheit, sondern auch im externen Rahmen der Stadtkulisse, wenn sie auf fr\u00fchere Wirte, Peiniger, Geliebte, Lehrer und so weiter treffen.<\/p>\n<p>Das w\u00e4re ein wunderbarer Ansatz f\u00fcr eine Auseinandersetzung mit einem Thema, das heutzutage viele zumeist m\u00e4nnliche Vierzigj\u00e4hrige besch\u00e4ftigt, m\u00f6glicherweise als Folge einer sich anbahnenden Midlifecrisis, vielleicht aber auch nur, weil man wirklich einmal zuf\u00e4llig auf fr\u00fchere Wegbegleiter trifft, die ihr Leben anders gestalten als man selbst: Fragen nach dem Erwachsensein und was dazugeh\u00f6rt, nach Verantwortung, Selbstaufgabe, Charakterentwicklung, Selbstwert, danach, welchen Einfl\u00fcssen man folgt, dem eigenen Empfinden oder dem gesellschaftlichen Bild, das man abzugeben hat, der Rolle, die man zu spielen zu haben glaubt, und vor allem danach, wie die Zwischenstufen von Gary und den anderen Vieren aussehen k\u00f6nnten, die hier im Film n\u00e4mlich gar nicht auftauchen. Man kann etwa auch Sisters-Fan sein und ein guter Mitarbeiter in einem Versicherungsb\u00fcro, man kann Vater sein und mit seiner Frau auf Konzerte gehen, man kann mitten im Leben stehen und trotzdem regelm\u00e4\u00dfig mit seinen Freunden durch die Kneipen ziehen, man kann das jugendliche Opfer einer Erniedrigung sein und trotzdem als Erwachsener klarkommen. Auch die fr\u00fcheren Peiniger k\u00f6nnen ein Einsehen haben.<\/p>\n<p>Aber so weit kommt es nicht, es bleibt bei den Ans\u00e4tzen, denn pl\u00f6tzlich sehen sich die f\u00fcnf Eigentlich-Nicht-Freunde der eigent\u00fcmlichen Situation ausgesetzt, dass in ihrem Heimatst\u00e4dtchen alle Leute von irgendwem gegen\u00fcber willf\u00e4hrigen, aber ihnen gegen\u00fcber kampfeslustigen Robotern ausgetauscht wurden. Die f\u00fcnf, also vier lahme B\u00fcrohengste und ein Alkoholiker, mausern sich zu Martial-Arts-K\u00e4mpfern und nehmen es mit der Alien-Roboter-Invasion auf. Mit dem perfiden Erfolg, und da konterkariert der Film seinen eigenen Ansatz, dass ausgerechnet die nihilistische Haltung des kindhaften Gary die Bedrohung abwendet, ohne dass jener wom\u00f6glich einen erwachsenen Schluss daraus zieht. Das ist eine verschenkte Chance.<\/p>\n<p>Interessant ist, dass Pegg und Frost verglichen mit den anderen zwei Filmen im Grunde ihre Rolle tauschten. Frosts Andy ist letztlich auch der einzige im Film, der sich ver\u00e4ndert: Er \u00fcbernimmt Teile der Haltung Garys, was eben nicht \u00fcberzeugt, insbesondere, als Andy Gary noch zuvor ohne nachvollziehbaren Grund an Pint Nummer zw\u00f6lf hindern will. Charakterentwicklung w\u00e4re bei der Konstellation notwendig gewesen, findet aber nicht statt. Die Figuren bleiben eindimensional und blass, sind einem eigentlich sogar egal, wenn nicht sogar unsympathisch, anders als bei den ersten zwei Filmen. Auch die Randfiguren sind nur Staffage. Die einzige relevante Frau im Film hat nicht mehr Inhalt, als dass Gary sie als Jugendlicher auf dem Behindertenklo fickte und dass sie das heute nicht wiederholen will.<\/p>\n<p>Das plumpe Sexthema ist nicht das einzige Zugest\u00e4ndnis an Hollywoodmethodik. Der Film hat mehr Effekt als Handlung, mehr Schl\u00e4gerei als Tiefgang, mittelm\u00e4\u00dfige filmische Mittel, unstringente Charaktere mit nicht nachvollziehbarer Haltung, damit und auch ansonsten diverse Drehbuchschw\u00e4chen. So ist Gary der Erz\u00e4hler zu Beginn des Films, am Ende ist es aber Andy. Immerhin, anders als im Hollywoodfilm hat das Abwenden der Aliens eine nicht eben positive Folge f\u00fcr die Erde, die aber konsequent ist; wenngleich das kurz vor knapp in den Film gequetschte Thema Technikabh\u00e4ngigkeit einfach mal eines zu viel ist. H\u00fcbsch \u00fcbrigens, wie in diesem Zusammenhang das Cornetto-Eis auftaucht.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist der Film nicht absolut schlecht, sondern lediglich im Kontext sehr entt\u00e4uschend. Gut sind die handels\u00fcblichen Zitate, die von \u201eBlues Brothers\u201c und \u201eEs\u201c \u00fcber \u201eDas Dorf der Verdammten\u201c, \u201eThe Stepford Wives\u201c und \u201eWestworld\u201c sowie diversen Jackie-Chan-Filmen bis hin zu \u201eAlien\u201c und \u201eAttack The Block\u201c, an dem einige Teammitglieder auch beteiligt waren. Passend zu den gezeigten Szenen und zum Wesen des Gary ert\u00f6nen Indie-Songs der fr\u00fchen 90er; eine Humor-Ebene, die Kennern Freude bereitet und Nichtkenner nicht weiter st\u00f6rt. Nat\u00fcrlich gibt es neben dem Cornetto-Ding weitere Elemente, die in mindestens zwei oder gleich allen drei Filmen auftauchen, etwa Peggs Spr\u00fcnge \u00fcber Z\u00e4une oder die Teilnahme von fr\u00fcheren James-Bond-Darstellern (hier: Pierce Brosnan, in \u201eHot Fuzz\u201c: Timothy Dalton). Auch die Dialoge, sofern sie nicht von auf die Dauer langweiligen Pr\u00fcgeleien an die Seite gedr\u00e4ngt werden, quillen \u00fcber vor britischem Humor und aktueller Gesellschaftskritik, etwa an uniformer Franchise-Gastronomie. Dennoch, selbst das Interimswerk \u201eScott Pilgrim vs The World\u201c, das Wright nach \u201eHot Fuzz\u201c ohne seine Hauptdarsteller verwirklichte, hat deutlich mehr Feuer, Biss, Spa\u00df, Qualit\u00e4t als \u201eThe World&#8217;s End\u201c. Das ist, nebenbei, \u00fcbrigens der Name der zw\u00f6lften Kneipe, die sie aufsuchen wollen, und damit auch der Schluss des Films, wie eigentlich jeder der zw\u00f6lf Kneipennamen etwas \u00fcber die laufende Geschichte verr\u00e4t. Sch\u00f6ner Kniff.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (15.09.2013) Der dritte Teil der so genannten Cornetto-Trilogie (oder auch: \u201eThe Blood And Ice Cream Trilogy\u201c) entt\u00e4uscht leider. Das bew\u00e4hrte Team will zu viel und bringt vom Relevanten zu wenig. Das Drehbuch wirkt unausgegoren. 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