{"id":5766,"date":"2023-11-22T19:39:09","date_gmt":"2023-11-22T18:39:09","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5766"},"modified":"2023-11-22T19:39:09","modified_gmt":"2023-11-22T18:39:09","slug":"was-meine-freundin-gerne-hoert-die-musikkolumne-epic-fails-musikwuensche-an-den-dj-folge-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/was-meine-freundin-gerne-hoert-die-musikkolumne-epic-fails-musikwuensche-an-den-dj-folge-1\/","title":{"rendered":"Was meine Freundin gerne h\u00f6rt \u2013 die Musikkolumne: Epic-Fails \u2013 Musikw\u00fcnsche an den DJ \u2013 Folge 1"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Was-meine-Freundin-gerne-Logo-111.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Was-meine-Freundin-gerne-Logo-111.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4578\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Onkel Rosebud<\/p>\n\n\n\n<p>Wie im Verlauf dieser kolumnistischen Retrospektive einer jahrzehntelangen DJ-Karriere schon das eine oder andere Mal durchsickerte, ist dem Autor Misanthropie nicht ganz fremd. Nun liegen bei mir nicht B\u00fccher von Thomas Jelinek und Elfriede Bernhard auf dem Nachttisch, daf\u00fcr von Max Goldt oder Peter Stamm. Von Ersterem ist aus dem Buch \u201eQuitten\u201c, Kapitel \u201eAlte Pilze\u201c, Vers \u201eHyppytyyny Huomiseksi\u201c, \u00fcberliefert, dass ein DJ maximal herausgefordert und erniedrigt werden kann, wenn man sich bei ihm Billy Joel mit dem Song \u201eUptown Girl\u201c w\u00fcnscht. Ich habe sofort verstanden, was mein gro\u00dfes Vorbild, Onkel Max, bekannt f\u00fcr seine Kolumnen in \u201eIch und mein Staubsauger\u201c, dann in der \u201eTitanic\u201c und nat\u00fcrlich als Frontmann der besten NDW-Band der Welt, Foyer des Arts, damit meint: Der Schallplattenunterhalter, der dieses Lied spielt, wird einsam sterben.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Am Anfang war ich als Independent-DJ im angesagtesten Club der Stadt nahezu versessen auf Musikw\u00fcnsche. Wegen der Gesch\u00e4ftst\u00fcchtigkeit am Pult und um die \u00dcberg\u00e4nge nicht zu vermasseln, lie\u00df ich lange Musikw\u00fcnsche der Partyneilnehmer*Innen einfach auf einen Zettel schreiben. Auch, um den angetrunkenen, m\u00e4nnlichen Mitmenschen aus dem Weg zu gehen, die mich anschrieen, endlich Black Sabbath zu spielen, sonst w\u00e4re eine Gewaltanwendung notwendig. Ist mir tats\u00e4chlich passiert. Mir hat mal jemand Pr\u00fcgel angedroht, wenn ich nicht sofort \u201eParannoid\u201c spiele. Habe ich nat\u00fcrlich nicht gemacht. Passte nicht in die Dramaturgie. Daf\u00fcr hatte ich den Rest des Abends einen Bodyguard an der Seite.<\/p>\n\n\n\n<p>Gern und immer habe ich dann die Musikw\u00fcnsche in das Set eingebaut, auch, wenn sie mir pers\u00f6nlich sowas von zuwider waren, zum Beispiel die damals unvermeidlichen Darbietungen von Rammstein, Project Pitchfork, Deine Lakaien, etc. Nur jegliche Form von Schlager nicht. Eine andere, bemerkenswerte Musikwunsch-Geschichte ist, dass mir mal ungesch\u00fctzter Geschlechtsverkehr f\u00fcr den Einbau eines ABBA-Songs in mein Set geboten wurde. Ich habe auf ersteres verzichtet und letzteres trotzdem getan. Ich war schlie\u00dflich Dienstleister und wurde daf\u00fcr bezahlt. Sp\u00e4ter habe ich mich dahingehend weiter radikalisiert, dass ich Musikw\u00fcnsche umgedreht habe. Hatte sich jemand eine Band mit einem aktuellen Hit gew\u00fcnscht, spielte ich die B-Seite. Ich wollte K\u00fcnstler und Vinyl-gesteuerter Influenzer sein. Damals wie heute bin ich jedoch Handwerker, freue mich, die Alternative zu einer Spotify-Playlist zu sein, und sehne mich nach k\u00fcnstlerisch und politisch korrekten Musikw\u00fcnschen, die dem Partyvolk eine Freude machen. Am liebsten sind mir die, die den laufenden Musikstil untermauern. Wenn also z.B. gerade eine Achtziger-New-Wave-Runde l\u00e4uft und jemand w\u00fcnscht sich The B-52s, die ich aus Gr\u00fcnden, die ich hier nicht n\u00e4her erl\u00e4utern will, nicht leiden kann, dann zwirbelt meine Hand zur Plattenkiste f\u00fcr \u201ePlanet Claire\u201c. \u201eRock Lobster\u201c oder das uns\u00e4gliche \u201eLove Shack\u201c kommt nicht auf mein Turntable.<\/p>\n\n\n\n<p>Vom dem im anglophonen Sprachraum wegen seines Nachnamens \u00e4u\u00dferst popul\u00e4ren deutschen Philosophen Immanuel Kant (1724-1804) ist folgendes Zitat \u00fcberliefert: \u201eDagegen ist Menschen zu fliehen, aus Misanthropie, weil man sie anfeindet, oder aus Menschenscheu, weil man sie als seine Feinde f\u00fcrchtet, teils h\u00e4sslich, teils ver\u00e4chtlich.\u201c Schade, dass es damals noch keine Schallplatten gab. Mit dem Immanuel h\u00e4tte ich mich sicher gut verstanden beim Ping-Pong, der K\u00f6nigsdisziplin des DJ-tums. Muss ich nicht erkl\u00e4ren, wie das geht, oder?<\/p>\n\n\n\n<p>Majest\u00e4tisch ruht im Anorganischen,<\/p>\n\n\n\n<p>Onkel Rosebud<\/p>\n\n\n\n<p>P.S.: N\u00e4chste Woche folgt Episode 2 der Epic-Fails-Musikw\u00fcnsche. Kleiner Spoiler: Helene Fischer und Linkin Park werden zweimal in einem Satz genannt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Onkel Rosebud Wie im Verlauf dieser kolumnistischen Retrospektive einer jahrzehntelangen DJ-Karriere schon das eine oder andere Mal durchsickerte, ist dem Autor Misanthropie nicht ganz fremd. 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