{"id":5763,"date":"2023-11-22T19:37:33","date_gmt":"2023-11-22T18:37:33","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5763"},"modified":"2023-11-22T19:37:33","modified_gmt":"2023-11-22T18:37:33","slug":"anuseye-right-place-wrong-time-go-down-records-vincebus-eruptum-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/anuseye-right-place-wrong-time-go-down-records-vincebus-eruptum-2023\/","title":{"rendered":"Anuseye \u2013 Right Place, Wrong Time \u2013 Go Down Records\/Vincebus Eruptum 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Anuseye-Right-Place-Wrong-Time.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Anuseye-Right-Place-Wrong-Time.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5764\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Matthias Bosenick (22.11.2023)<br><br>Geil, geht gleich los mit einem Bass-E-Gitarre-Groove, wie man ihn sich mitrei\u00dfender im psychedelischen Stoner-Rock-Bereich nicht ausmalen kann: Mit \u201eRight Place, Wrong Time\u201c holen Anuseye aus Bari den Kiffermuckefan nicht nur da ab, wo er steht, sondern bringen ihn auch da hin, wo er hingeh\u00f6rt: in erweiterte Zust\u00e4nde, aber mit Feuer nicht nur am Ende des Joints, sondern auch unterm Hintern. Es braucht vier Songs, um erstmals in zugedr\u00f6hnt-taumelige Sph\u00e4ren abzudriften, und f\u00fcnf, um sich mal vor dem K\u00fchlschrank herumlungernd auszuruhen, ansonsten mostet das Quartett meistens m\u00e4chtig vorw\u00e4rts. Auch wenn Anuseye dem Genre treu dienlich sind, h\u00f6rt man sie immer heraus; liege es an Claudio Colaiannis zur\u00fcckgelehntem Gesang, an den ungew\u00f6hnlichen Akkordfolgen oder an den immerhin noch dezent eingestreuten Experimenten. Das Vinyl ist t\u00fcrkis, die drei fehlenden Songs der Streaming-Variante dieser wechselvollen Reise um die Welt gibt\u2019s im Download obendrauf.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eOdessa\u201c er\u00f6ffnet diese Weltreise, innere wie \u00e4u\u00dfere, so sieht es das Konzept vor: Die Band bricht los, es groovt sofort, zwischendurch gibt\u2019s satte Drumbreaks, tieft\u00f6nende Riffs, raumgreifende melodische Soli, rotierenden Bass, der Song hat ein Irrsinnstempo und bricht alle Nacken. Hat sich was mit chillig abh\u00e4ngen. Auch wenn \u201eSagres\u201c danach das Tempo herunterf\u00e4hrt, betrifft dies nicht das Energielevel, die Band bleibt obenauf und reitet auf diesem nerv\u00f6sen Galopp mit ausdr\u00fccklich nachdr\u00fccklichem Gesang voran. Die Menschheitskritik \u201eChurchofchrist\u201c drischt mit der Snare auf jedem Beat voran, ein knappen Basssolo und eines mit der Gitarre durch den Wahwah inklusive. Erst \u201eBratislava\u201c bremst den Gaul und dudelt bekifft vor sich hin, frei von Schlagzeug, aber mit bedrohlichem Murmeln, und \u201eMedell\u00edn\u201c beendet die A-Seite mit einem siebenmin\u00fctigen heruntergedrosselten, aber kraftvollen spacigen Blues-Walzer.<br><br>Auf der B-Seite startet man in \u201eVancouver\u201c gewohnt fett groovend, Anuseye kombinieren hier melodiereich ihre eigene Riffgeschichte mit der von Black Sabbath, nur nicht so apokalyptisch. In \u201eKoyto\u201c bleibt die Band zun\u00e4chst zur\u00fcckhaltend, melancholisch, in sich gekehrt und startet den Nachbrenner erst kurz vor der Abreise nach \u201eSingapore\u201c. Diese Stadt muss inzwischen im Weltall liegen, denn der Song ist der spacigste bisher, mit verzerrter Dudelgitarre und sph\u00e4rischem Gesang. Auch dieser Song entwickelt sich im Verlauf zu einem energetischen Biest. Den Abschluss der Vinyl-Variante bildet die muntere Uptempo-Nummer \u201eStockholm\u201c, die im Vergleich beinahe als poppig durchgehen k\u00f6nnte, wenngleich der unmelodische, hypnotische Gesang eher an den von Michael Gira erinnert und die Gitarren abermals erst nach einiger Spielzeit ihre Wucht entfalten, dem Popappeal aber keinen Abbruch tun.<br><br>Es folgen die digitalen Bonus-Etappen: \u201eAddis Abeba\u201c ist ein bassbasiertes groovendes Instrumental mit behutsamen Drums, \u201eSantiago\u201c ist ein zur\u00fcckgenommener, enorm cooler W\u00fcstenblues, der sich selbstvergessen um sich dreht, und \u201eBerlin\u201c ein wundersch\u00f6ner kontemplativer instrumentaler Rauswerfer im Dreivierteltakt.<br><br>\u201eRight Place, Wrong Time\u201c ist eine Weltreise, die ihre Versprechen einh\u00e4lt: Man bekommt eine Menge geboten, und wenn sich Anuseye schon auf Stoner und Psychedelic Rock als Transportmittel berufen, dann aber in allen Auspr\u00e4gungen, das Animationsprogramm dieser Reise kann sich h\u00f6ren lassen. Was fehlt im Vergleich zu den drei vorherigen Alben, sind die Extreme, die unerwarteten Experimente, mit denen sie ihre H\u00f6rerschaft gern mal auf die Probe stellten und die definitiv einen Kontrast zum Restprogramm darstellten. So einen wunderbar durchgeknallt besoffenen Jauler wie \u201eS.S. Abyss\u201c auf dem zweiten Album \u201eEssay On A Drunken Cloud\u201c wagen Anuseye hier nicht mehr, daf\u00fcr aber den Schritt auf die gr\u00f6\u00dfere Weltb\u00fchne. Und das auch noch mit dem ersten Teil eines zweiteiligen Konzeptes, das eine Reise in innere und \u00e4u\u00dfere Welten abbildet; es geht um die Wahrnehmung von Raum und Zeit, um Erkundungen des Bewusstseins der vier Musiker, w\u00e4hrend derer Emotionen, Gedanken und Inspirationen geweckt werden. Daher w\u00e4hlten sie \u2013 bis auf \u201eChurchofchrist\u201c, das ist eine Art Sekte, es sei denn, Christchurch sei gemeint \u2013 Ortsnamen f\u00fcr die Songtitel, weil man als H\u00f6render mit der Band auf eine Reise gehen kann \u2013 oder anglifiziert: auf einen Trip, selbstredend.<br><br>Die Band Anuseye ging um 2010 herum aus der mit Kultstatus behafteten Psychedelic-Rock-Band That\u2019s All Folks! hervor, S\u00e4nger Claudio Colaianni und Gitarrist Luca Stero wagten diesen Neustart. Colaianni betrieb zwischenzeitig noch das Projekt Colt.38, Stero war schon beim zweiten Album von Anuseye nicht mehr dabei. Heute spielen neben Colaianni noch Schlagzeuger Cosimo Armenio (neu), Bassist Giovanni D\u2019Elia (von Karma In Auge, auf \u201e3:33 333\u201c bereits dabei) und Gitarrist und Keyboarder Stefano Pomponio (einst bei Natron, ebenfalls erst seit dem vorletzten Album involviert) mit. Der Band treu geblieben ist Davide Pansolin, der sie einst auf seinem inzwischen leider stillgelegten Label Vincebus Eruptum unter seine Fittiche nahm: Er besorgt hier das Design, die grafische Vorlage stammt wie bei \u201e3:33 333\u201c von Boris Pratamarov aus Bulgarien.<br><br>Es erstaunt, wie treu sich Anuseye im Sound grunds\u00e4tzlich bleiben, trotz wechselnder Mitspielender. Die Fortsetzung dieser Reise ist jedenfalls mit Spannung zu erwarten: Wohin geht es dieses Mal? Jupiter, Ribosom, Wolfsburg (einen Auftritt dort verhinderte Corona 2020, es w\u00e4re also an der Zeit) oder einfach zur\u00fcck nach Hause, nach Bari? Oder ins Auge des Arsches? Also irgendwo an den Po?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (22.11.2023) Geil, geht gleich los mit einem Bass-E-Gitarre-Groove, wie man ihn sich mitrei\u00dfender im psychedelischen Stoner-Rock-Bereich nicht ausmalen kann: Mit \u201eRight Place, Wrong Time\u201c holen Anuseye aus Bari den Kiffermuckefan nicht nur da ab, wo er steht, &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/anuseye-right-place-wrong-time-go-down-records-vincebus-eruptum-2023\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,19,16],"tags":[],"class_list":["post-5763","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album","category-download-stream","category-vinyl"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5763","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5763"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5763\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5765,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5763\/revisions\/5765"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5763"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5763"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5763"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}