{"id":5727,"date":"2023-11-10T17:09:50","date_gmt":"2023-11-10T16:09:50","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5727"},"modified":"2023-11-10T17:09:50","modified_gmt":"2023-11-10T16:09:50","slug":"myrkur-spine-relapse-records-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/myrkur-spine-relapse-records-2023\/","title":{"rendered":"Myrkur \u2013 Spine \u2013 Relapse Records 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Myrkur-Spine.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Myrkur-Spine.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5728\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (10.11.2023)<br><br>Weiterentwicklung, so wichtig, um kreativ nicht auszubrennen oder sich grundlos zu wiederholen! H\u00f6rt man sich durch das Oeuvre von Ammalie Bruuns Alter Ego Myrkur, bekommt man diesen Ansatz mehr als best\u00e4tigt: vom Ein-Frau-Black-Metal-Projekt \u00fcber Kammerchor und Folklore zu \u2013 nun: Pop. Ein Zirkelschluss mithin, denn mit ihrer fr\u00fcheren Band Ex Cops machte Bruun bereits Rockpop, aber anders gelagert: Auf \u201eSpine\u201c schwingen Abba mit, man mag es nicht glauben, und etwas Roxette vielleicht. Und Europe. Sehr schwedisch f\u00fcr eine D\u00e4nin! Und doch bei weitem nicht so glitzernd: Ihre Dunkelheit streift Bruun nicht ab, die Abgr\u00fcnde finden einen Platz in dieser sch\u00f6nen Musik, mit der sie ihre Mutterschaft bew\u00e4ltigt. Aber kurios ist die Entwicklung schon, an der auch noch Billy Corgan von den Smashing Pumpkins beteiligt ist. Um es ihrer Gemeinde trotzdem leichter zu machen, bringt sie au\u00dferdem auch s\u00e4mtliche ihrer bisherigen Sounds auf \u201eSpine\u201c unter, und es passt formidabel.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\u201eDybt i skoven\u201c war ja eigentlich auch bereits ein tanzbarer Popsong, erstmals enthalten 2014 auf Myrkurs selbstbetitelter Black-Metal-Deb\u00fct-EP und etwas verfeinert auf dem Deb\u00fct-Album \u201eM\u201c 2015 sowie 2016 komplett entkernt auf der sakralen Chor-EP \u201eMausoleum\u201c. Zu einem fr\u00f6hlichen Beat singt die Kopenhagenerin mit dem isl\u00e4ndischen Projektnamen davon, wie es \u201eTief im Wald\u201c zugeht. Die Entwicklung ist zu \u201eSpine\u201c somit weit weniger abrupt, als die \u00dcberraschung beim H\u00f6ren des neuen Albums trotzdem gro\u00df ausf\u00e4llt.<br><br>Singen kann Bruun ja, und wenn sie sich noch Leute dazu holt, die dies mit ihr gemeinsam unternehmen, ist der Eindruck von Abba-Harmonien insbesondere bei den ersten Songs auf diesem Album nicht mehr weit. Myrkur verwendet hier indes mehr Gitarren als das Nachbarquartett, auch wenn sie sie weniger brutal zum Einsatz bringt, als es das immer ihr trotz allem noch anhaftende Label Black Metal erwarten l\u00e4sst. \u201eLike Humans\u201c und \u201eMothlike\u201c sind perfekter flotter Pop, der die Stimmung auf eine Weise anhebt, dass man sich nicht nur trotz erster Skepsis nicht dagegen wehren mag, sondern auch noch bereitwillig darauf einl\u00e4sst. Befremdend, aber \u00e4u\u00dferst reizvoll.<br><br>Dabei beginnt das Album mit dem Instrumental \u201eB\u00e5lf\u00e6rd\u201c, \u201eFeuerbestattung\u201c, das musikalisch direkt an Myrkurs vorheriges Album \u201eFolkesange\u201c anschlie\u00dft, das, der Titel sagt es, Volkslieder nachempfindet, mit entsprechendem Instrumentarium wie Nyckelharpa. Sanft nimmt Bruun also die H\u00f6renden auf, mit himmlischem Gesang zu zarter Leier. Dann kommt direkt \u201eLike Humans\u201c, dessen Akkorde zun\u00e4chst nach einfallslosen Popstrukturen klingen, die man auch von Mainstream-Metal kennt, und man f\u00fcrchtet sich. Doch dann l\u00e4sst Bruun eben Abba vom Stapel, das St\u00fcck beh\u00e4lt die simpleren Akkorde zwar bei, errichtet aber fuzzy Bassw\u00e4nde und vertr\u00e4gliche Gitarrenmauern um die entr\u00fcckten Stimmen herum. Den Text lieferte \u00fcbrigens Brian Harding, mit dem Bruun zuvor bei den Ex Cops und den Minks spielte, noch so ein Zirkelschluss.<\/p>\n\n\n\n<p><a><\/a> Noch eing\u00e4ngiger wird dann \u201eMothlike\u201c, das einen strahlenden Kontrast zum Titel bildet, fr\u00f6hliche Melodien wie mit dem Synthie hingefl\u00f6tet, sanfte Riffs im Hintergrund, sch\u00f6ner Gesang abermals, aber weil sie es nicht lassen kann, bringt sie im letzten Drittel f\u00fcr wenige Sekunden zwar sanft, aber einen br\u00fcllenden Einblick in den Black Metal unter, wundervoll im sch\u00f6nsten Popkleid, und danach ein Gitarrensolo wie in \u201eThe Final Countdown\u201c. Und der spacige Synthiebeat l\u00e4uft weiter. Unglaublich!<br><br>Dann wagt Bruun mit Billy Corgans Hilfe den Bruch: \u201eMy Blood Is Gold\u201c ist mit Piano und Streichern und Hall umgesetzte Kammermusik, die man so aus dem \u201eMausoleum\u201c schon kennt. Alsbald erhebt sie abermals ihre Stimme f\u00fcr kurze Sequenzen und setzt dann das Kammerspiel mit erg\u00e4nzendem Rockinstrumentarium im Titelsong fort, dem zweiten mit Corgans Arrangement. In \u201eValkyriernes Sang\u201c hingegen l\u00e4sst sie ihre Black-Metal-Blastbeats vom Stapel und wuchtet den Song als massiven Bruch zu dem davor in der H\u00f6renden Nervenkost\u00fcm. Aber eigentlich auch nur als Idee, denn der Song ist an sich ein zwar rauher, aber ein sch\u00f6ner Popsong mit dem nun typischen Gesang, in den Myrkur dezidiert Gekreisch und Gebretter einbindet. Dass hier blo\u00df keine Zweifel daran aufkommen, woher sie musikalisch kommt. Und wehe, hier erw\u00e4hnt jemand Nightwish! So theatralisch und plakativ wird Myrkur nie.<br><br>\u201eBlazing Sky\u201c hat im Hintergrund Gitarrenfiguren wie eine Powerballade aus den Achtzigern. Dr\u00fcber liegt aber der neue Myrkur-Pop, der gruftige Melancholie und himmelst\u00fcrmende Positivit\u00e4t mit Folklore-Instrumenten unterbricht. \u201eDevil In The Detail\u201c ist eine von Corgan arrangierte Sakralklassik-Powerpop-Metal-Ballade \u2013 und das finale \u201eMenneskebarn\u201c ein Schlaflied f\u00fcr ihr Kind, das nicht unangenehm aus der Reihe f\u00e4llt, sondern dem Album einen wohligen Abschluss verleiht.<br><br>Den Black Metal, mit dem Bruun vor zehn Jahren die Szene gegen sich aufbrachte, was ihr mit den Metal-losen folgenden Alben sogar noch besser gelang, gibt\u2019s hier also nur noch in kleinen Dosen, aber das macht nichts, es ist ein Abenteuer, Myrkurs Werdegang zu verfolgen und ihre Mutterschaft zu begleiten. Das in Island und vornehmlich mit skandinavischen Musikern, darunter m\u00fam-Mitgr\u00fcnderin Gy\u00f0a Valt\u00fdsd\u00f3ttir und Maria Franz von Euzen und Heilung, aufgenommene \u201eSpine\u201c gibt\u2019s ist dr\u00f6lfzig verschiedenen Vinylfarben \u2013 aber leider fehlt komplett das andere in diesem Jahr ver\u00f6ffentlichte Myrkur-Album, n\u00e4mlich der Soundtrack zu \u201eRagnarok\u201c, der ausschlie\u00dflich digital vorliegt. Als limitierte Bonus-LP w\u00e4re dies eine feine Idee gewesen, wenn schon nicht separat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (10.11.2023) Weiterentwicklung, so wichtig, um kreativ nicht auszubrennen oder sich grundlos zu wiederholen! 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