{"id":5659,"date":"2023-10-19T21:28:47","date_gmt":"2023-10-19T19:28:47","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5659"},"modified":"2023-10-19T21:28:47","modified_gmt":"2023-10-19T19:28:47","slug":"jemek-jemowit-zemsta-fabrika-atypeek-2011-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/jemek-jemowit-zemsta-fabrika-atypeek-2011-2023\/","title":{"rendered":"Jemek Jemowit \u2013 Zemsta \u2013 Fabrika\/Atypeek 2011\/2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Jemek-Jemowit-Zemsta.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Jemek-Jemowit-Zemsta.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5660\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (19.10.2023)<br><br>Jemek Jemowit muss seit 2011 einiges an Gefolgschaft gewonnen haben, dass man sein Deb\u00fct \u201eZemsta\u201c, das 2011 auf einem kleinen griechischen Label erschien, zw\u00f6lf Jahre sp\u00e4ter erneut ver\u00f6ffentlicht \u2013 denn f\u00fcr eine erwartbare breite neue H\u00f6rerschaft ist es sicherlich nicht bestimmt, daf\u00fcr ist es viel zu freakig. Wie der ganze Typ, der wiederum genau deshalb f\u00fcr Aufmerksamkeit sorgt, zumindest in Berlin, und was da passiert, ist ja seit jeher global relevant. Mit klar an den Achtzigern orientierten Synthie-Sounds kreierte Jemowit mit \u201eZemsta\u201c ein satirisches Album zwischen Proto-NDW, Minimal-EBM, D\u00fcster-Techno und Gruft-Rap. W\u00e4ren die Beats fetter, fielen einige der St\u00fccke in Ihrer favorisierten Gothic-Disco sicherlich gar nicht weiter auf. Bitte Zwischen DAF, Kraftwerk, Laibach und Die Trottelkacker einsortieren.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><a><\/a> Als Jemowit \u201eZemsta\u201c aufnahm, war er um die 25 Jahre alt. Da stellt sich die Frage, ob die Achtziger-Anmutung des Albums eine retroselige Absicht war oder vielmehr den verf\u00fcgbaren Produktionsmitteln geschuldet: Die Synthies und Beats sind vergleichsweise schwachbr\u00fcstig produziert, und was man zu h\u00f6ren bekommt, sind minimalistische Pattern mit harmonischen bis qu\u00e4kenden Melodien, hier etwas Techno-Tr\u00f6t, da etwas Industrial-Scheppern, etwas Synthpop, etwas Minimal-Electro, etwas EBM, etwas Autoscooter-Kirmes, eine Art Proto-NDW vielleicht. Die Maschinerie, die ihm daf\u00fcr zur Verf\u00fcgung stand, erweckt nicht den Eindruck, eine besonders kostenintensive Investition gewesen zu sein.<br><br>Auch wenn das Ganze sehr sehr eigen ist, finden sich hier und da Analogien, sogar mehr, als man benennen kann. Monotone Synthie-Beats und deutschsprachige Parolen erinnern an DAF, Elektro und Deutsch nat\u00fcrlich an Kraftwerk, klar, die tiefe Stimme wahlweise an Andrew Eldritch von den Sisters Of Mercy oder Milan Fras von Laibach, je nachdem, wie die Musik drumherum gestaltet ist, manche Sounds lassen Tubeway Army durchschimmern, mancher Rap-artiger Sprechstil Falco, manche Passage Sven V\u00e4ths erstes Projekt Off. Und dann die Darreichungsform: Zwar h\u00e4lt Jemowit einige St\u00fccke auf Polnisch, dann dringt der Eindruck von Laibach noch st\u00e4rker durch, aber die meisten auf Deutsch, und auch wenn er sich auf dem Album kritisch mit seiner polnischen Herkunft auseinandersetzt, tragen viele Texte doch etwas Satirisches, Absurdes in sich. Allein ein Titel wie \u201eInternist im Internet\u201c h\u00e4tte den grandiosen Trottelkackern gutgestanden, siehe \u201eBesitzer eines Bisams\u201c oder so.<br><br>Aber auch und gerade mit Satire lassen sich ja vortrefflich todernste Themen behandeln, und das ist f\u00fcr den 1986 als Ziemowit Nowak geborenen K\u00fcnstler, der als Kind nach Gropiusstadt kam und nach wie vor in Berlin aktiv ist, nach \u201eZemsta\u201c (\u201eRache\u201c) zum wesentlichen Teil seines Ausdrucks geworden, kombiniert mit st\u00e4ndigen Identit\u00e4ts- und Stilwechseln: Jemowit machte Rap und erfand das Genre Tekkno Polo, setzte der schwulenfeindlichen polnischen Politik den erfundenen queeren Popstar Zygmunt Blask entgegen, machte sich selbst zum \u201eWr\u200b\u00f3\u200bg publiczny no. 1\u201c (\u201eStaatsfeind Nummer 1\u201c) und erw\u00e4rmte sich f\u00fcr den Satanismus nach Anton LaVey, um damit den in Polen vorherrschenden Katholizismus herabzuw\u00fcrdigen.<br><br>Der Konzeptk\u00fcnstler h\u00f6rt nicht auf, sich einzumischen: Jemowits letzte Ver\u00f6ffentlichung ist die EP \u201eP.Z.P.R. Propaganda\u201c, ein technoides St\u00fcck Musik, das er mehrfach remixen lie\u00df und f\u00fcr dessen Cover er das Logo der einstigen Polska Zjednoczona Partia Robotnicza, der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei, die zwischen Ende des zweiten Weltkriegs und dem Mauerfall die Regierung in Polen stellte, mit LGBTQ+-Symbolen und \u2013Farben neu dekorierte. Das St\u00fcck ist eine Auskopplung aus dem 2021er-Album \u201eLegenda Zygmunta Blask\u201c.<br><br>Alles sehr schr\u00e4g, alles leicht amateurhaft, alles grandios f\u00fcr den Ruhm auf kleinem Raum, bei dem man sich wundert, dass er es in \u00fcberregionale Medien \u00fcberhaupt schafft \u2013 bis hin dazu, dass seine Alben nach zw\u00f6lf Jahren wiederver\u00f6ffentlicht werden. Der Braunschweiger Lokalheld Boris Nowicki alias Greydenz, ebenfalls mit polnischen Wurzeln, kann dazu vermutlich nur grinsen, dabei verdienen \u201eKatzosch\u201c und besonders die \u201eNektarine\u201c doch auch mehr globale Aufmerksamkeit!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (19.10.2023) Jemek Jemowit muss seit 2011 einiges an Gefolgschaft gewonnen haben, dass man sein Deb\u00fct \u201eZemsta\u201c, das 2011 auf einem kleinen griechischen Label erschien, zw\u00f6lf Jahre sp\u00e4ter erneut ver\u00f6ffentlicht \u2013 denn f\u00fcr eine erwartbare breite neue H\u00f6rerschaft &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/jemek-jemowit-zemsta-fabrika-atypeek-2011-2023\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,23],"tags":[],"class_list":["post-5659","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album","category-klassiker-rereleases"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5659","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5659"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5659\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5661,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5659\/revisions\/5661"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5659"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5659"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5659"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}