{"id":5654,"date":"2023-10-18T21:04:00","date_gmt":"2023-10-18T19:04:00","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5654"},"modified":"2023-10-18T21:04:00","modified_gmt":"2023-10-18T19:04:00","slug":"crabe-visite-du-temple-inne-les-disques-dure-vie-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/crabe-visite-du-temple-inne-les-disques-dure-vie-2023\/","title":{"rendered":"Crabe \u2013 Visite du temple inn\u00e9 \u2013 Les Disques Dure Vie 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Crabe-Visite-du-temple-inne.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Crabe-Visite-du-temple-inne.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5655\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (18.10.2023)<br><br>Eine Vorstellung, die h\u00e4misch kichern l\u00e4sst: Leute h\u00f6ren den Song \u201eJe ne peux pas te dire je t\u2019aime\u201c, der an fr\u00f6hliche Neo-Folk-Popsongs \u00e0 la Momford &amp; Sons erinnert, und kaufen sich das dazugeh\u00f6rige Album \u201eVisite du temple inn\u00e9\u201c des Duos Crabe aus Montr\u00e9al. Und bekommen den Gegenentwurf zu Teenage-Wohlf\u00fchl-Indie-Tralala um die Ohren geschallert, dass diese nur so bluten: Ein aufgekratzt auf der Basis von Punk durchgedrehter Mix aus Mathcore, Metal, Kirmes, Synthiezeug, Swing, Pop und lauter unbenennbaren Elementen, die deshalb unbenennbar sind, weil es f\u00fcr so einen kreativen Krach einfach noch keine Bezeichnungen gibt. Das offenbar achte Album von Crabe ist ein vertontes Kettenkarussell, das irrsinnig eiernd auf einem unsortierten Schrottplatz rotiert. Mon dieu!<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><a><\/a> So geht das mit dem Punkrock, er kann eine sch\u00f6ne Ausgangsbasis sein f\u00fcr allerlei Schabernack, f\u00fcr den man eine Menge Ahnung haben muss, um ihn \u00fcberzeugend zu treiben. Im Falle von Crabe bef\u00e4higt er dazu, einen L\u00e4rm zu generieren, der aus punkfernsten Quellen gespeist wird und trotzdem funktioniert. Die Musiker wissen, was sie tun und was sie k\u00f6nnen, und wenden es gewinnbringend an \u2013 insofern, als dass man h\u00f6rend hinten\u00fcberf\u00e4llt ob der Spr\u00fcnge, Br\u00fcche und Exzesse auf diesem Album.<br><br>Stellenweise f\u00fchlt man sich etwa an die abgedrehten Tracks von D\u00fcrefors\u00f6gs Deb\u00fctalbum \u201eKnee\u201c erinnert, das vergleichbar flink Haken schlug zwischen Metal, Kirmes und anderen Unvorhersehbarkeiten. Eine Verwandtschaft zu Mike Pattons Experimenten oder dem Chaos von Sleepytime Gorilla Museum l\u00e4sst sich ebenfalls nicht verleugnen, und letztlich f\u00fchrt ja alles, was musikalisch ungerade Wege verfolgt, auf Frank Zappa zur\u00fcck. Nat\u00fcrlich sind Crabe moderner, noch schneller, noch verwegener, noch kompromissloser, noch brutaler, noch weniger dazu bereit, Zugest\u00e4ndnisse zu machen und Erwartungen zu erf\u00fcllen, nicht einmal die, die sie selbst aufkeimen lassen: Hat man sich an eine Richtung gew\u00f6hnt, bricht das Duo unvermittelt ab und schl\u00e4gt einen anderen Weg ein.<br><br>Da kann ein Track mit irgendeiner Sorte Punk beginnen, dann klappert und kl\u00f6ppelt es pl\u00f6tzlich. Ein anderer Track startet als synthetische Ambient-Fl\u00e4che und wird zum bedrohlichen Electro-Orchester-Doom. Ein St\u00fcck startet mit Scratching wie beim Hip Hop, elektronische Elemente finden sich ohnehin \u00fcberall, der Schwenk vom Punk zum Metal f\u00e4llt den beiden Musizierenden leicht, ein Vocoder wie im Charts-Pop verschreckt, und trotz allen L\u00e4rms wissen Crabe, wie man Sch\u00f6nheit erzeugt, etwa die angeschr\u00e4gten Passagen in \u201ePourquoi\u201c. Und dann ragt da in der Mitte der merkw\u00fcrdige, an die Landsleute Shred Kelly erinnernde Folk-Pop-Song \u201eJe ne peux pas te dire je t\u2019aime\u201c hervor, der sowas von gar nicht auf die Platte passen will.<br><br>Crabe starteten 2009 noch als Trio und sind auf \u201eVisite du temple inn\u00e9\u201c zum Duo geschrumpft. \u00dcbrig bleiben Mertin Ho\u00ebk (oder auch Mertin Poulin-L\u00e9gar\u00e9) und Gabriel Lapierre, die beide noch in unz\u00e4hlbar vielen anderen Bands spielen. Und hier einen Stapel befreundeter Mitmachender auflisten, auf Franz\u00f6sisch gegenderte Freund*innen, n\u00e4mlich \u201eami.es mentionn\u00e9.es\u201c, wie die Singer-Songwriterinnen N Nao (Naomie de Lorimier) und Annie-Claude Desch\u00eanes, die Band Belle Grand Fille, den Multiinstrumentalisten Simone Provencher und den Glamrockstar Hubert Lenoir, der auch schon auf dem Vorg\u00e4ngeralbum zu h\u00f6ren war, hier mit Vocoder.<br><br>Geiles Zeug, was die Kanadier hier vorbringen! Und doch braucht man hinterher erstmal etwas Musik mit einer Struktur, die man einigerma\u00dfen nachvollziehen kann. Etwas von John Zorn vielleicht?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (18.10.2023) Eine Vorstellung, die h\u00e4misch kichern l\u00e4sst: Leute h\u00f6ren den Song \u201eJe ne peux pas te dire je t\u2019aime\u201c, der an fr\u00f6hliche Neo-Folk-Popsongs \u00e0 la Momford &amp; Sons erinnert, und kaufen sich das dazugeh\u00f6rige Album \u201eVisite du &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/crabe-visite-du-temple-inne-les-disques-dure-vie-2023\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-5654","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5654","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5654"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5654\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5656,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5654\/revisions\/5656"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5654"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5654"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5654"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}