{"id":5645,"date":"2023-10-16T21:00:07","date_gmt":"2023-10-16T19:00:07","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5645"},"modified":"2023-10-16T21:00:07","modified_gmt":"2023-10-16T19:00:07","slug":"allah-las-zuma-85-innovative-leisure-calico-discos-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/allah-las-zuma-85-innovative-leisure-calico-discos-2023\/","title":{"rendered":"Allah-Las \u2013 Zuma 85 \u2013 Innovative Leisure\/Calico Discos 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Allah-Las-Zuma-85.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Allah-Las-Zuma-85.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5646\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (16.10.2023)<\/p>\n\n\n\n<p>B\u00f6se Zungen, also in allererster Linie ich selbst, behaupten, dass ich in letzter Zeit hier nur Extreme Metal bespreche. Und sie haben Recht. Hier nun also, als lange f\u00e4lliger Kontrastbeitrag, mal eine Neo-Psychedelic-Jangle-Pop-Rezension, \u00fcber ein Album, das sich so nach und nach als apseluter Kritiker*innenliebling herauskristallisiert: \u201eZuma 85\u201c, das vierte Album der Allah-Las. W\u00e4h? Sommer 85 von \u00c0 la Lars? Ja, bescheuerter Bandname hin, bescheuerter Albumtitel her, das Teil ist einfach klasse, und beim langsam in den Oberharz einbrechenden Winter (Winterreifen sind drauf seit Samstag! Hell yeah, fuck yeah!!!) ist \u201eZuma 85\u201c genau das, was wir jetzt brauchen k\u00f6nnen, um vom Sommer nun langsam in den Herbst hin\u00fcbertreten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Erstmal: Die Allah-Las h\u00f6ren sich an, als stammen sie direkt aus den 60ern, sie legen auch Wert darauf, entsprechend antiquiertes Equipment einzusetzen, damit sich alles sch\u00f6\u00f6n authentisch anh\u00f6rt, las ich j\u00fcngst in einem Interview.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch klingt die Musik des Quartetts aus Los Angeles nicht so, als kopiere man Altbew\u00e4hrtes, also beispielsweise die Byrds, die Kinks, die Animals, die Zombies, die Yardbirds oder weitere Bands, deren Namen mit \u201eDie\u201c beginnen. Vielmehr wird mit dem Handwerkszeug der Vorgenannten etwas Neues, Eigenes entwickelt, das leicht daher kommt, sehr viel zum Entdecken bietet und beim Genaueren hinh\u00f6ren auch fordert und aufw\u00fchlt. S\u00e4nger Miles Michaud h\u00e4lt anscheinend nicht sehr viel davon, gro\u00dfartig mit der Stimme herumzuvariieren, sein Gesang vermittelt vielmehr den Eindruck, als verharre er konstant auf derselben Tonh\u00f6he. Was er selbstverst\u00e4ndlich nicht tut, aber wenn jemand l\u00e4ssig und unaufgeregt klingt, dann er, und nebenbei verf\u00fcgt er \u00fcber eine tolle Stimme. Gleich auf dem ersten Song \u201eThe Stuff\u201c setzt er sich quasi als geistiger Neffe Lou Reeds in Szene, was auch an dem mit geradezu stoischer Monotonie eingeklampften Riff des Songs liegt. Kurz vor der H\u00e4lfte setzt dann eine diskret untergebrachte, aber sch\u00f6n jaulende Leadgitarre einzelne zaghafte Akzente, um dann im letzten Viertel des Songs komplett zu explodieren und leiernd bis dr\u00f6hnend das Riff zu \u00fcbert\u00f6nen versucht und dabei grandios und unterhaltsam scheitert.<\/p>\n\n\n\n<p>Das folgende \u201eJelly\u201c lebt im Grunde genommen von einem ganz \u00e4hnlichen Riff, das aber weniger bratzig daherkommt und gleich zu Anfang von haufenweise anderen Melodien umspielt wird. Michaud singt dabei sanfter und weicher und liefert dabei Melodien ab, die mich teils an britische Bands aus den 90ern erinnern.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eRight On Time\u201c haut in dieselbe Kerbe wie die ersten beiden Songs, auf \u201eGB BB\u201c wird die Gitarre dann etwas fuzziger und der Gesang unmelodischer und beinahe monoton, au\u00dferdem leicht verzerrt. Dazwischen auflockernde Gitarrensoli, von mehrstimmigem Gesang begleitet, gef\u00e4llt mir.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHadal Zone\u201c baut sich langsam auf der Grundlage einer auf abged\u00e4mpften Saiten gezupften Gitarrenmelodie auf, die eigentlich mehr ein Rhythmus ist. Dazu gesellen sich wabernde Synthies und eine an ein Nebelhorn auf hoher See erinnernde weitere Gitarre. Das ist eigentlich ganz sch\u00f6n und k\u00f6nnte ewig so weitergehen, wird aber noch besser: Ungef\u00e4hr nach drei Minuten setzt ein leicht schriller Synth ein, der melodietechnisch auch bei Klaus Schulze oder \u00e4hnlichen deutschen Elektropionieren auftauchen k\u00f6nnte. Dazwischen immer wieder ein Ton wie ein Echolot (passt, \u201eHadal Zone\u201c bezeichnet die tiefsten Stellen des Meeresbodens). Lange hat mir kein Instrumental so viel Spa\u00df gemacht. Der gezupfte Gitarrenrhythmus l\u00e4uft dann einfach weiter und bildet die Grundlage f\u00fcr das n\u00e4chste St\u00fcck \u201eFontaine\u201c; hier wird jetzt auch wieder gesungen, sanft und leise mit viel Hall und eine sachte s\u00e4gende Gitarre untermalt das Ganze. Auf \u201ePattern\u201c wird das Tempo geringf\u00fcgig angezogen, Matthew Correia liefert dazu so etwas wie einen Boom-Chicka-Boom-Rhythmus, die Gitarren von Miles Michaud und dem Leadgitarristen Pedrum Siadatian duellieren sich, indem sie sich aber eher mit Watteb\u00e4uschen bewerfen denn mit F\u00e4usten aufeinander losgehen. Dazu sch\u00fcttelt Michaud wieder bet\u00f6rende Melodien aus dem Handgelenk, die mit ihrer UK-Anmutung die eindeutig kalifornisch jangelnden Gitarren sch\u00f6n kontrastieren.<\/p>\n\n\n\n<p>In \u00e4hnlicher Weise k\u00f6nnte ich mich jetzt \u00fcber alle weiteren St\u00fccke auslassen: Die eben beschriebenen Bausteine werden immer wieder anders, immer wieder \u00fcberraschend und immer wieder wundersch\u00f6n neu zusammengesetzt, dieses Album ist wundersch\u00f6n, irgendwie entschleunigt, langweilt nie und nervt nie. Es braucht au\u00dferdem keinen Urlaub, wird nie krank und ist immer vor dem Chef im B\u00fcro.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf \u201eSmog Cutter\u201c werden Wah-Wah und Vocoder gleichzeitig eingesetzt und Spencer Dunham liefert dazu eine Basslinie, an dem sich die Melodie des Gesangs wunderbar entlanghangelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Titelst\u00fcck beginnt mit einem zaghaft anklopfenden Schlagzeug, einem nahtlos an \u201eSmog Cutter\u201c ankn\u00fcpfenden Bass und wieder einmal mehr beiden Gitarren im Dialog. Es ist das zweite Instrumental auf dem Album, und auch hier ist wieder kein Gesang vonn\u00f6ten, um ein abgerundetes H\u00f6rerlebnis zu bieten. Den Abschluss des Albums bildet \u201eThe Fall\u201c, das mit einer getragenen Orgel beginnt, das Schlagzeug spielt im Walzertakt und Michaud singt hier mehr verschiedene T\u00f6ne als in allen vorangegangen Songs zusammen. Ein toller Abschluss f\u00fcr ein ganz hervorragendes Album.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (16.10.2023) B\u00f6se Zungen, also in allererster Linie ich selbst, behaupten, dass ich in letzter Zeit hier nur Extreme Metal bespreche. Und sie haben Recht. 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