{"id":5524,"date":"2023-08-18T15:34:07","date_gmt":"2023-08-18T13:34:07","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5524"},"modified":"2023-08-18T15:34:07","modified_gmt":"2023-08-18T13:34:07","slug":"rouge-brule-rouge-brule-db2fluctuation-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/rouge-brule-rouge-brule-db2fluctuation-2023\/","title":{"rendered":"Rouge Brul\u00e9 \u2013 Rouge Brul\u00e9 \u2013 db2fluctuation 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Daniel-B.-Rouge-Brule.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"124\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Daniel-B.-Rouge-Brule.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5525\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (18.08.2023)<br><br>Angek\u00fcndigt als vielversprechender neuer Act auf dem gemeinsamen Label von Daniel Bressanutti und Dirk Bergen, den beiden Mit-Gr\u00fcndern der belgischen EBM-Erfinder Front 242, ignorierte der Rezensent das Deb\u00fct des anonymen Projektes Rouge Brul\u00e9, man muss ja hauszuhalten lernen und die Bude ist doch schon so vollgestopft, Allessammler hin oder her. Doch sch\u00fctzt Alter bekanntlich vor Torheit nicht: Einige Wochen nach der Ver\u00f6ffentlichung offenbart der fast 70j\u00e4hrige Bressanutti, dass er selbst es war, der das Doppel-Album einspielte und fast zwei Monate nach dem 1. April ver\u00f6ffentlichte, der Scherzbold. So viel Platz ist dann nat\u00fcrlich noch im Regal, zu Recht: Dieses Mal kombiniert der Experimentator den Jazz in seinen dystopischen Ambient. Hatten wir noch nicht von ihm.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ambient ist trotz aller ungewohnten Experimente das bestimmende Genre dieser gut anderthalb Stunden Musik. Die Grundstimmung ist dabei eher dunkel, nicht so eskapistisch, wie man es etwa aus der Berliner Schule oder anderen Ambient-Alben Bressanuttis kennt. Bressanutti bedient streckenweise das gro\u00dfe Drama, als liefere er den Soundtrack zu einem emotional aufw\u00fchlenden oder unterschwellig spannenden, mindestens verst\u00f6renden Film. Angepriesen ist \u201eRouge Brul\u00e9\u201c als \u201eexperimental, avant garde free form jazz and minimal cosmic psychedelia\u201c, zum Auftakt zitiert der Produzent den Minimalismus wie von Philip Glass, also die Anmutung von mit der Oboe eingespielter Klassik, auf k\u00fcrzeste Sequenzen heruntergebrochen und zu zittrigen repetitiven Melodien zusammengef\u00fcgt, sp\u00e4ter mit einem industrialartigen dubbigen Electro-Beat verfeinert, der die Rhythmik des Balkans aufgreift. Man k\u00f6nnte auch von Jazz sprechen, ja.<br><br>In Sachen Schlagzeugprogrammierung ist Bressanutti ein ausgefeilter Frickler, was er hier losl\u00e4sst, klingt organisch, nicht programmiert, sehr lebendig, variabel. Wundervoll passend zu den Synthesizer-Kapriolen, die er schl\u00e4gt, bevor er die Musik von Beats befreit und ins All schickt, in die Dunkelheit. R\u00e4tselhaft ist, wo Daniel B. die Track-Indizes setzt: \u201eDouleur au coeur\u201c teilt er in zwei etwa acht Minuten lange Tracks auf, die beschriebene Beat-Sequenz umspielt den \u00dcbergang von \u201ePt 1\u201c zu \u201ePt 2\u201c \u2013 eigentlich h\u00e4tten dies drei verschiedene Tracks sein k\u00f6nnen. Ebenso verf\u00e4hrt er beim Folgetrack \u201eInto Ashes\u201c, der als freier Ambienttrack beginnt und in der Mitte einen komplexe synthetische Beats unter eine frei im All schwebende Trompete legt, die Stimmung des Tracks also komplett auf den Kopf stellt.<br><br>Abermals das Schlagzeug ist die Besonderheit in \u201eAu jour du sacrifice\u201c, den Bressanutti setzt es ein wie vor 70 Jahren im Swing, l\u00e4sst es aber nicht zu Jazz-Instrumenten wirbeln, sondern zu effektvollen Electro-Spielereien, in deren Zuge er es ebenfalls electrofiziert, dubbt, r\u00fcckw\u00e4rts spiellt, sonstwie verfremdet, dass es beinahe an das \u201eP.U.L.S.E.\u201c-Album von Front 242 erinnert, speedy, treibend, mit einem hohen, flirrenden Ton und Synthiefl\u00e4chen dazu. Auch \u201eAvant que trop tard\u201c startet mit dem jazzigen Swing-Schlagzeug, hier tritt das Soundtrack-Artige am ausgepr\u00e4gtesten zutage.<br><br>Es folgt das viergeteilte (oder gevierteilte) \u201eHoney And Blood\u201c, das sich sehr stark dem Ambient-Anteil Bressanuttis zuwendet, mit Drones, im leeren Raum schwebenden Samples, zumeist ohne Rhythmus oder Melodie, rein atmosph\u00e4risch, Emotionen weckend, verspielt, trotzdem dunkel, und bei allem sicherlich die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Spielwiese, die Daniel B. sich auf diesem Album herausnimmt. Er bleibt \u00fcber die Spielzeit weitgehend k\u00f6rperlos, erst sieben Minuten vor Schluss legt er dubbige Beats und noisige E-Gitarre \u00fcber den Fl\u00e4chen \u2013 ein sch\u00f6ner Ausklang f\u00fcr dieses Experiment. Im Grunde ist \u201eHoney And Blood\u201c eher ein Bonus zu \u201eRouge Brul\u00e9\u201c als ein nachvollziehbarer Teil desselben.<br><br>Von wegen, hoffnungsvoller junger Act! Witzbold! Nach seiner Offenbarung verkauft Bressanutti das Album \u00fcbrigens unter seinem Alias Daniel B., lediglich als Titel beh\u00e4lt er \u201eRouge Brul\u00e9\u201c bei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (18.08.2023) Angek\u00fcndigt als vielversprechender neuer Act auf dem gemeinsamen Label von Daniel Bressanutti und Dirk Bergen, den beiden Mit-Gr\u00fcndern der belgischen EBM-Erfinder Front 242, ignorierte der Rezensent das Deb\u00fct des anonymen Projektes Rouge Brul\u00e9, man muss ja &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/rouge-brule-rouge-brule-db2fluctuation-2023\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-5524","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5524","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5524"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5524\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5526,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5524\/revisions\/5526"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5524"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5524"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5524"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}