{"id":5516,"date":"2023-08-17T21:33:14","date_gmt":"2023-08-17T19:33:14","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5516"},"modified":"2023-08-17T21:33:14","modified_gmt":"2023-08-17T19:33:14","slug":"dor-in-circle-drown-within-toten-schwan-records-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/dor-in-circle-drown-within-toten-schwan-records-2023\/","title":{"rendered":"Dor \u2013 In Circle \u2013 Drown Within\/Toten Schwan Records 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Dor-In-Circle.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"131\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Dor-In-Circle.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5517\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (17.08.2023)<br><br>Wer auf \u201eIn Circle\u201c dem zur Band herangereiften Ein-Mann-Projekt Dor ein konkretes Genre zuweisen zu k\u00f6nnen meint, fliegt raus. Auf Francesco Fiorettis dritter Ver\u00f6ffentlichung als Dor klingt seine Heimat Italien zwar an, aber nicht \u00fcber das hedonistisch-sonnige, sondern vielmehr \u00fcber das komplex-klassische, versetzt mit dunkler Melancholie, gruftiger Folklore, sakralen Melodien, rituellen Ges\u00e4ngen, fettem Jazz und mittelalterlichem Drama. Fioretti und seinem Ensemble gelingt es, diese ganzen Ingredienzen \u00fcberaus stimmig zusammenzuf\u00fchren und daraus eine einzigartige Musik zu generieren. Ohne gute Laune, und auch das ist genau richtig.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die Dunkelheit bestimmt \u201eIn Cirlce\u201c, egal, was da f\u00fcr Musik erklingt, wohin die komplexen Kompositionen m\u00e4andern. Mit der akustischen Gitarre definiert das Ensemble die St\u00fccke, nah an der Klassik eingesetzt, Renaissance oder Barock, wer sich da auskennt, erkennt die Strukturen wieder, wer nicht, f\u00fchlt sich immerhin beim Dreivierteltakt daran erinnert. Der dem Pianisten Vladimir gewidmete Opener \u201eHorowitz\u201c legt dabei musikalisch eine falsche F\u00e4hrte, weil der in Richtung Indierock zu deuten scheint, aber das ist f\u00fcr den Verlauf des Albums eher ein Trugschluss. Dunkler Chorgesang, nicht gregorianisch orientiert, beinahe wie bei einer Beschw\u00f6rung, bei einem Trancetanz, hypnotisiert die H\u00f6renden. Wenn dann pl\u00f6tzlich mittendrin tribalartige Drums und knappe, fette Blasinstrumente einsetzen, steigert die Band die Dynamik nur. An anderer Stelle meint man sich mit Fl\u00f6ten und Schellenkranz in die Folklore oder gar ins unplakative Mittelalter versetzt, sobald weitere Blasinstrumente hinzukommen, sogar in eine Kirche. Trotz dezidiert eingesetzter Elemente wie angeschr\u00e4gter Saiteninstrumente, abrupter Tr\u00f6ten oder behutsam scheppernder Percussion bleibt die Musik grunds\u00e4tzlich in sich harmonisch, und trotzdem nicht plakativ oder gar f\u00fcrs Popradio geeignet. Es steckt \u00fcberdies etwas Spukiges in ihr.<br><br>Kein Wunder, diente das zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts entstandene Buch \u201eDie Handschrift aus Saragossa\u201c von Jan Graf Potocki als Grundlage f\u00fcr \u201eIn Cirlce\u201c, und dieser kaleidoskopartige Episodenroman behandelt eben diverse metaphysische, \u00fcbersinnliche Geschichten. Laut Info kombiniert Fioretti Elemente des Buches mit Aberglauben aus den Abruzzen zu Berichten davon, wie der Erz\u00e4hler \u201evon Visionen von Geistern, Hexen und Begegnungen mit dem Teufel geplagt\u201c wird. Kein Wunder, dass der Gesang auf dem Album so heimgesucht wirkt.<br><br>Nach einer selbstbetitelten EP 2019 und dem Deb\u00fctalbum mit dem entlarvenden Titel \u201eThe Dream In Which I Die\u201c 2020, beide leider nicht online zu finden, sammelt Fioretti f\u00fcr \u201eIn Circle\u201c erstmals eine Band um sich. Seine Mitstreiter sind allesamt auch anderweitig im Einsatz: Paolo Raineri (Ottone Pesante) an der Trompete, Bruno Germano (Arto) am Wurlitzer, Sergio Pomante am Saxofon, Mario Di Battista (Ulan Bator, La Mala Sementa) an Gesang und Bass, Alessandro Vagnoni (Bologna Violenta, Drovag) an Gesang, Gitarre und Synthesizern und Gabriele Uccello (Affluente) am Schlagzeug. Aufnahmeleiter war Sergio Pomante (The Break Beast, Ulan Bator, Sudoku Killer). Fioretti n\u00e4hert sich laut Info auch dem Klezmer, dem Post Rock und dem US-Anti-Folk an, was alles durchaus m\u00f6glich sein kann; wer es nicht exakt so heraush\u00f6rt, findet zumindest Artverwandtes im Sound von \u201eIn Circle\u201c. Es ist ein wundervolles Album, das man immer wieder h\u00f6ren mag, vielseitig, von schwankender Intensit\u00e4t und klarer Instrumentierung gepr\u00e4gt, ein Wunderwerk, das jede Aufmerksamkeit verdient.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (17.08.2023) Wer auf \u201eIn Circle\u201c dem zur Band herangereiften Ein-Mann-Projekt Dor ein konkretes Genre zuweisen zu k\u00f6nnen meint, fliegt raus. 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