{"id":5510,"date":"2023-08-16T21:28:58","date_gmt":"2023-08-16T19:28:58","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5510"},"modified":"2023-08-16T21:28:58","modified_gmt":"2023-08-16T19:28:58","slug":"dead-mammals-ii-trepanation-forbidden-place-p-o-g-o-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/dead-mammals-ii-trepanation-forbidden-place-p-o-g-o-2023\/","title":{"rendered":"Dead Mammals \u2013 II \u2013 Trepanation\/Forbidden Place\/P.O.G.O. 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Dead-Mammals-II.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Dead-Mammals-II.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5511\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (16.08.2023)<br><br>Man f\u00fchlt sich sofort in die sich bei den Achtzigern bedienenden Neunziger zur\u00fcckversetzt, als es noch m\u00f6glich war, mit L\u00e4rm, Aggressionen und ungew\u00f6hnlichen Songstrukturen f\u00fcr positive Aufmerksamkeit und eine nicht geringe Gefolgschaft zu sorgen: Die Dead Mammals aus dem Vereinigten K\u00f6nigreich beherrschen auch auf ihrem Album \u201eII\u201c (k\u00f6nnte das zweite sein, hm?) das Laut-Leise-Schema, kombinieren monotone Rhythmen mit zerschredderten Gitarren und br\u00fcllen dazu herum. Und das als Duo!<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich kann man den Dead Mammals vorwerfen, keinen origin\u00e4r eigenen Sound zu kreieren, weil sie sich daf\u00fcr viel zu sehr bei Vorbildern bedienen. Allerdings bei Vorbildern, die so nischig sind, dass ein Vertreter mehr und das noch aus den Zwanzigern des 21. Jahrhunderts, also gut 30 bis 40 Jahre sp\u00e4ter, der Szene mehr W\u00fcrze verleiht. Zudem ist die Kombination hier auch recht anh\u00f6rlich gelungen, und als zus\u00e4tzliches Kuriosum klingt \u201eII\u201c eher nach den USA als nach dem UK. Der Gesang hat etwas vom fr\u00fchen Hardcore aus Washington D.C., da klingen die Rites Of Spring und selbstredend deren Nachfolger Fugazi an, gelegentlich sogar deren gemeinsames Projekt mit Ministry, Pailhead. Den monotonen Sound, der sich nicht um Melodien schert, sondern das Gewicht auf Aggression, Power und L\u00e4rm legt, kennt man aus dem Noiserock, und nat\u00fcrlich auch aus dem No Wave, der in den Achtzigern von New York aus losbrach. Die Laut-Leise-Dynamik etablierten die Pixies zun\u00e4chst im Indierock und via Nirvana im Grunge. Wenn das Br\u00fcllen am Schluss kurzzeitig ins expressive Reden \u00fcbergeht, meint man Henry Rollins oder Jello Biafra zuzuh\u00f6ren. Die Dead Mammals selbst geben noch unter anderem Big Black und The Jesus Lizards als Einfl\u00fcsse an.<br><br>Jetzt geht es also darum, wie die Dead Mammals diese Gemengelage zusammenr\u00fchren. Dabei befeuert das Duo offenkundig Wut, die die beiden Musiker, Chris Garth und Peter Basden, nicht einfach darin ausleben, irgendwelche Songs hinzurotzen. Insbesondere das Laut-Leise-Ding innerhalb vieler Songs definiert schon mal eine \u00fcberraschende Dynamik, dann sind die St\u00fccke trotz ihres insgesamt hohen Aggressionslevels unterschiedlich genug, um auch dem ganzen Album im Verlauf eine Dynamik zu verleihen, eine Dramaturgie mithin. Zwar ist das Tempo insgesamt eher schleppend und erzeugt eine wuchtige Schwere, doch preschen die beiden auch mal los, da lassen sie den Punk von der Leine, oder bremsen sich noch mehr aus, um etwa einem L\u00e4rmbrocken ein irref\u00fchrend chilliges Intro zu verabreichen. Dabei bleiben die beiden auch noch groovy, der Bass kann mehr als nur achteln, selbst auf den hochenergetischen Powerstrecken, und auch die Gitarren k\u00f6nnen Melodien, selbst wenn sie auf lange Distanz den L\u00e4rm bevorzugen. Und dazu ein Gebr\u00fcll, das unterstreicht, dass man in Rochester in der Grafschaft Kent keinen Anlass f\u00fcr gute Laune hat.<br><br>Die abwechslungsreiche Kombi aus allen Einfl\u00fcssen macht die Dead Mammals, also die Toten S\u00e4ugetiere, zu etwas Besonderem. Das Duo musiziert erst seit 2020 zusammen, seinerzeit als Corona-Lockdown-Projekt zu Hause gestartet, denn jeder von beiden ist jeweils f\u00fcr sich auch anderweitig unterwegs. Bei Chris Garth handelt es sich um den Multiinstrumentalisten, der Gitarre, Bass, Schlagzeug und Geschrei einbringt, Peter Basden ist Hauptschreier und Gitarrist. Garth hat unz\u00e4hlige Live- und Studio-Eins\u00e4tze in seiner Vita und spielt zudem bei der Sludge-Prog-Instrumental-Band Upcdownc und der Drone-Ambient-Band In Arcadia; Peter Basden scheint eigentlich Fotograf zu sein. Der Titeltrack der Ende 2022 erschienenen EP \u201eChew The Fat\u201c ist auf \u201eII\u201c enthalten, das selbstbetitelte Deb\u00fct erschien nach einigen Singles 2021. Der Sound der beiden passt perfekt zu dem des s\u00fcddeutschen Noise-Rock-Trios Trigger Cut, mit dem es vor vier Monaten im UK aufgetreten w\u00e4re \u2013 h\u00e4tten nicht absurde Post-Brexit-Bestimmungen f\u00fcr den Abbruch der Reise noch kurz vor dem \u00c4rmelkanal gesorgt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (16.08.2023) Man f\u00fchlt sich sofort in die sich bei den Achtzigern bedienenden Neunziger zur\u00fcckversetzt, als es noch m\u00f6glich war, mit L\u00e4rm, Aggressionen und ungew\u00f6hnlichen Songstrukturen f\u00fcr positive Aufmerksamkeit und eine nicht geringe Gefolgschaft zu sorgen: Die Dead &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/dead-mammals-ii-trepanation-forbidden-place-p-o-g-o-2023\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-5510","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5510","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5510"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5510\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5512,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5510\/revisions\/5512"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5510"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5510"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5510"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}