{"id":5491,"date":"2023-08-10T22:39:09","date_gmt":"2023-08-10T20:39:09","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5491"},"modified":"2023-08-10T22:39:09","modified_gmt":"2023-08-10T20:39:09","slug":"petrolio-respira-toten-schwan-records-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/petrolio-respira-toten-schwan-records-2023\/","title":{"rendered":"Petrolio \u2013 Respira \u2013 Toten Schwan Records 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Petrolio-Respira.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"124\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Petrolio-Respira.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5492\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (10.08.2023)<br><br>W\u00fcsste man nicht, dass es sich bei \u201eRespira\u201c um den Soundtrack zu einem Kurzfilm handelt, spr\u00e4nge beim H\u00f6ren trotzdem sofort ein Kopfkino an. Der Film dazu w\u00e4re eher verst\u00f6rend und bedr\u00fcckend, und vermutlich ist er es in der Realit\u00e4t auch, der Trailer deutet an, was der Titel suggeriert: \u201eRespira\u201c, \u201eAtme\u201c, und dazu eine Person mit einer opaquen Plastikt\u00fcte \u00fcber dem Kopf. Unter seinem Nom de Guerre Petrolio erstellt Enrico Cerrato aus Asti ein Mini-Album, das in seinen Grundz\u00fcgen das klassische Industrial heranzieht, also harsche Sounds, metallisches Kreischen, monotone Rhythmen, doch w\u00e4re das allein f\u00fcr den K\u00fcnstler viel zu plakativ, daher deutet er diese Ans\u00e4tze lediglich an und bettet sie in einen elektronisch grundierten Score ein, der Dark Ambient, Drones und Atmosph\u00e4ren den Vortritt l\u00e4sst. \u201eRespira\u201c ist eine von sechs Episoden des Experimentalprojektes \u201eFilm Fantasma\u201c, und jetzt will man den unbedingt sehen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Cerrato verst\u00f6rt, das kann er gut, er h\u00e4lt sich nicht mit Stereotypen auf. Seine Ausfl\u00fcge ins klassische Industrial h\u00e4lt er knapp, er deutet an, wozu er in der Lage ist, generiert Wiedererkennbares aus fr\u00fchen Zeiten von etwa Esplendor Geom\u00e9trico oder The Klinik, wirf damit aber lediglich vereinzelte Anker aus inmitten eines Meeres aus rhythmusfreien Sounds. Der Einstieg in dieses knapp halbst\u00fcndige Album erfolgt mit einem zarten, dunklen Drone, \u00fcber dem vereinzelte T\u00f6ne liegen, die ebenso gut den Auftakt zu einem Post-Black-Metal-St\u00fcck darstellen k\u00f6nnten. Und dann h\u00f6rt man eine Frau atmen. Panisch.<br><br>Was folgt, bleibt dunkel. Cerrato begibt sich auf Ambient-Terrain, aber mitnichten zum Wohlf\u00fchlen und Davondriften; sicherlich bietet \u201eRespira\u201c so etwas auch, aber nicht den klassischen Ambient-H\u00f6renden, daf\u00fcr muss man schon eine geh\u00f6rige Schippe Gothic-Sozialisation im Blut haben. Brummen, Dr\u00f6hnen, schleppend Tonh\u00f6hen variierend, an Ausdruck und Intensit\u00e4t gewinnend, \u00fcber die Dauer verl\u00e4sst Cerrato den Ambient schon wieder, ohne dass man das \u00fcberhaupt mitbekommt. Ein Klavier suggeriert so etwas wie Normalit\u00e4t, eine Art Klassik, Kammermusik, aber diese Kammer hier ist sehr sehr eng, die Sounds werden harsch, das Klavier mutiert \u2013 Cerrato bel\u00e4sst es eben nicht bei Stereotypen. So verf\u00e4hrt er auch in den anderen Tracks, die aus dunklen Soundscapes bestehen, in die er vermeintlich vertraute Passagen einbaut, die er nur doch wieder deformiert.<br><br>Diese Herangehensweise erzeugt Spannung, weil man aus der subjektiven Gewohnheit heraus Erwartungen hat, die Cerrato entweder gleich ignoriert oder nur kurz erf\u00fcllt und dann zweckdienlich umdeutet. Diese Form von Spannung aus der Musik heraus \u00fcbertr\u00e4gt sich sicherlich \u2013 nun \u2013 kongenial auf den Film des Regisseurs AkAb alias Gabriele Di Benedetto, der, so zeigt es der Trailer, nicht minder beklemmend erscheint als sein Soundtrack. Bei dem Film \u201eRespira\u201c handelt es sich um die f\u00fcnfte von sechs Episoden in der Gemeinschaftsarbeit \u201eFilm Fantasma\u201c der Produktionsfirma Carboluce, an der die Regisseure Michele Salvezza, Alberto Sansone, Ryan Spring Dooley, Roberto Rup Paolini (der auch der k\u00fcnstlerische Leiter des Projektes ist), AkAb und Seth Morley beteiligt sind sowie die Musiker The Rambo, The Delay In The Universal Loop, Ragazzetto, abermals Ryan Spring Dooley, Vito Gatto, Petrolio und Emilio Pozzolini; als dreizehntes ist der K\u00fcnstler Ruggero Asnago eingebunden.<br><br>Es soll den \u201eRespira\u201c-H\u00f6renden gar nicht so richtig gut gehen, Tracktitel wie \u201eQuando Ti Sento Piangere Sono Felice\u201c, also \u201eIch bin gl\u00fccklich, wenn du weinst\u201c, legen diese Annahme nahe. Und doch ist man gl\u00fccklich, schlie\u00dflich macht Cerrato gute Musik. Unter dem Namen Petrolio erst seit 2015, zuvor war er bereits auf anderen Pfaden als denen des elektronischen Industrials unterwegs: Metal mit InfectionCode, Jazz-Noisepunk mit Moksa und wiederum Industrial mit Gabbiainferno. Ein Tausendsassa mithin, der seine diversen Erfahrungen h\u00f6rbar in Petrolio und \u201eRespira\u201c einbringt. Und jetzt: Atme! Endlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (10.08.2023) W\u00fcsste man nicht, dass es sich bei \u201eRespira\u201c um den Soundtrack zu einem Kurzfilm handelt, spr\u00e4nge beim H\u00f6ren trotzdem sofort ein Kopfkino an. 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