{"id":5485,"date":"2023-08-08T21:47:21","date_gmt":"2023-08-08T19:47:21","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5485"},"modified":"2023-08-08T21:47:21","modified_gmt":"2023-08-08T19:47:21","slug":"thy-catafalque-alfoeld-season-of-mist-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/thy-catafalque-alfoeld-season-of-mist-2023\/","title":{"rendered":"Thy Catafalque \u2013 Alf\u00f6ld \u2013 Season Of Mist 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Thy-Catafalque-Alfoeld.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Thy-Catafalque-Alfoeld.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5486\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Guido D\u00f6rheide (07.08.2023)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eAlf\u00f6ld\u201c klingt ja irgendwie nach \u201eWack\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6n!!!\u201c Hier ist aber nicht Alfeld\/Leine nebst seiner im Bauhaus-Stil errichteten Grillkohlefabrik, sondern die ungarische Tiefebene gemeint. Und aus eben diesem Ungarn kommt Thy Catafalque. Quasi als ein Ein-Mann-Projekt von Tam\u00e1s K\u00e1tai wurde Thy Catafalque 1998 in Ungarn gegr\u00fcndet, mittlerweile lebt K\u00e1tai in einer Stadt, die ich j\u00fcngst im vergangenen Jahr trotz aller Sabotageversuche durch Deutsche Bahn bereiste, n\u00e4mlich in Edinburgh. Und das h\u00f6rt man. Aber erstmal eins nach dem anderen \u2013 first things first.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">K\u00e1tai bezeichnet seine Musik als \u201eAvantgarde Metal\u201c, und wie wir wissen, ist Avantgarde ein anderes Wort f\u00fcr Progressive oder f\u00fcr Post (jahaa \u2013 nicht nur Dalsey, Hillblom &amp; Lynn ist ein anderes Wort f\u00fcr Post). Bei K\u00e1tai bezieht sich die Avantgarde oder die Post am Ehesten auf den Black Metal. Und so wird \u201eAlf\u00f6ld\u201c allerorten als R\u00fcckkehr zu ebendiesem Black Metal gefeiert, nachdem sich Thy Catafalque in den letzten Jahren eher davon entfernt und viel melodischen Folk-Metal machte. Zuletzt konnten sich die Zuh\u00f6renden davon auf dem Live-Album \u201eMezolit\u201c \u00fcberzeugen, das mit gef\u00fchlt 125 weiteren Musikern, vorwiegend singend, gitarrespielend, trommelnd und am Cello, eingespielt wurde. Was manchmal \u2013 aber eben nur manchmal \u2013 ob seiner Melodizit\u00e4t f\u00fcr meine Augen nach Dschinghis Khan klang. Nichts gegen Dschinghis Khan, und auch der dort (neben, h\u00fcstel h\u00fcstel, Ralph Siegel) tonangebende L\u00e1szl\u00f3 M\u00e1ndoki ist ja Ungar, was den Kreis hier wieder schlie\u00dft. Aber das nur am Rande. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich jedenfalls begr\u00fc\u00dfe den vermeintlichen R\u00fcckfall in den Black Metal der fr\u00fchen Tage von Thy Catafalque auf das Entschiedendste, zumal er meines Erachtens auch gar nicht in dem beschrieenen Ausma\u00df stattfindet: Mit \u201eA csend hegyei\u201c (\u201eDie Berge der Stille\u201c) beginnt \u201eAlf\u00f6ld\u201c tats\u00e4chlich sehr black-metal-angehaucht, aber was das hier von dem da abhebt, ist der Sound: \u201eAlf\u00f6ld\u201c kommt nicht blackmetallig-scheppernd daher, sondern wuchtig und donnernd mit einem Schlagzeug, das man beim Autofahren in den Armlehnen (Au\u00dfen in den T\u00fcren. In Autos mit Mittelarmlehne wird kein Black Metal gespielt. Niemals.) sp\u00fcrt. Liebe Lesende, stellen Sie sich mal beispielsweise 90er-Jahre-Darkthrone mit basslastigem Sound und donnerndem Schlagzeug vor! Blasphemie oder Paradies? Entscheiden Sie selber, ich h\u00f6re mal lieber das Album weiter an. Das mit \u201eTesten t\u00fal\u201c (\u201eJenseits des K\u00f6rpers\u201c \u2013 Wehe, www.deepl.com, Du l\u00e4sst mich hier im Stich und die Songtitel lauten in Wirklichkeit \u201eMein Luftkissenfahrzeug ist voller Aale\u201c oder \u201eW\u00fcrden Sie bitte heftig meinen Popo streicheln?\u201c) genauso weitergeht, wie es der Opener hoffen machen wollte. Auf \u201eA f\u00f6lddel egyenlo\u201c (\u201eAuf gleicher H\u00f6he mit dem Boden\u201c) wird es dann schneller, kratziger und krachiger. Immer noch zu viel Basslastigkeit, um authentisch nach 90er-Black-Metal zu klingen, aber das ist auch wirklich gut so: Das St\u00fcck lebt davon, dass es wuchtig und basslastig daherkommt, und ist gleichsam ein Fest f\u00fcr alle, die Black Metal lieben. Dazu tr\u00e4gt zu einem nicht geringem Teil der kr\u00e4chzende Gesang K\u00e1tais bei, der aber dabei niemals beliebig klingt, sondern immer wiedererkennbar bleibt. Und immer dann, wenn die H\u00f6renden bef\u00fcrchten, jetzt k\u00f6nnte ein Song in (zugegebenerma\u00dfen basslastigem und wuchtigem) Geschrammel und Gekr\u00e4chze ausgehen, spielt K\u00e1tai Synthesizermelodien ein, die das Herz erw\u00e4rmen und wunderbar darauf vorbereiten, dass der Song danach in (zugegebenerma\u00dfen basslastigen und wuchtigem) Geschrammel und Gekr\u00e4chze ausgeht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und das Beste ist: Nach den drei das Album er\u00f6ffnenden melodischen Black-Metal-Krachern wird es wunderbar ruhig: Das ungef\u00e4hr neuneinhalbmin\u00fctige Titelst\u00fcck des Albums beginnt mit schweren Powerchords, die zun\u00e4chst von schrillem Fiepen durchbrochen und alsdann von bedrohlichem Schlagzeug vorangetrieben werden. Der dann folgende Gesang scheint direkt aus der Unterwelt zu kommen, und es ist eine Unterwelt voller Bass. Dann Gitarrensolo, dann ein wunderbar d\u00fcsterer, mit Synthesizern unterlegter Instumentalteil, an dessen Ende der Bass beinahe funky t\u00f6nt, und dann wieder ein Gitarrenriff, wie es simpler und zugleich wirkungsvoller nicht sein k\u00f6nnte. Wieso ist da vorher noch niemand drauf gekommen? Und das ist es, was mich an \u201eAlf\u00f6ld\u201c so gefangen nimmt: Alle Zutaten sind lange bekannt, aber so zusammengemixt wirken sie auf mich v\u00f6llig neu. Dann f\u00e4ngt Martina Veronika Horv\u00e1th zu singen an, die Gitarre wird akustisch und ich frage mich, was das hier eigentlich sein soll. Auf jeden Fall kein Black Metal mehr und auch sonst eine mir bekannte Kategorie von Metal \u2013 einfach nur wundersch\u00f6n. Das letzte Drittel des Songs ist ein weder innovatives noch erschreckendes, sondern einfach nur tolles und hier genauso hingeh\u00f6rendes Akustikgitarrensolo. Auf dem folgenden \u201eFolyond\u00e1r\u201c (\u201eFlusskuppel\u201c, was auch immer das sein soll. Aber egal. Begrabt mein Hirn an der Kuppel vom Fluss.) werden der Verst\u00e4rker und das Echoger\u00e4t wieder eingeschaltet und dann ert\u00f6nt eine Fl\u00f6te. Immer im Wechsel mit der schrammelnden Gitarre \u2013 wundervoll. Gesang kommt hier nicht, das St\u00fcck ist ein Instrumental, auf dem K\u00e1tai deutlich macht, wo er wohnt. Anschlie\u00dfend ert\u00f6nt ein Acapella-Gesang, dann eine warm schrammelnde Gitarre, die sich zu einem ebenso warmen Quietschen steigert, und ab eine Minute zwanzig wird gesungen, und zwar klar und sch\u00f6n und in keinster Weise blackmetallig. \u201eCsillagot g\u00f6rget\u0151\u201c (\u201eDen Stern rollen\u201c) haut mich nicht so um wie die erste H\u00e4lfte der Platte, ist aber dennoch wundersch\u00f6n. Zwei Minuten vor Ende wird der Bass wieder funky, das Schlagzeug greift das auf und die Gitarre klingt seehr gotisch, im Hintergrund wieder eine Fl\u00f6te, dann ungarischer Sprechgesang und dann alles auf einmal. Das gef\u00e4llt mir sehr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit \u201eA felkelo hold orsz\u00e1ga\u201c (\u201eDas Land des aufgehenden Mondes\u201c) h\u00e4lt dann ein wenig Black\u2019n\u2019Roll Einzug. Der Gesang kr\u00e4chzt zun\u00e4chst und dr\u00f6hnt dann, insgesamt klingt das St\u00fcck aber zur\u00fcckgenommen und weniger donnernd, als es die Melodie zulie\u00dfe. \u201eSz\u00edriusz\u201c (\u201eOrion\u201c, h\u00e4tte ich jetzt fast geschrieben) ist kein Bass-, sondern ein Synth-Instrumental, und danach folgt das letzte St\u00fcck \u201eN\u00e9ma vermek\u201c (\u201eStumme Takte\u201c), keineswegs stumm, sondern d\u00fcster-bedrohend-gotisch (Leute, die fr\u00fcher Fields Of The Nephilim gekauft haben, kauften auch das!), voll sch\u00f6ner Melodien und grunzenden Gesangs. Gegen Ende ein paar sch\u00f6ne Breaks, dann wieder der gr\u00f6hlende Gesang, unterbrochen von einem melodischen synthesizer-unterlegten Gitarrensolo und toller Schlagzeugarbeit, danach wird wieder hymnisch gegr\u00f6hlt \u2013 ein wunderbarer Abschluss f\u00fcr ein denkw\u00fcrdiges Album.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich werde diese Schallplatte kaufen, auch wenn sie zerkratzt sein sollte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (07.08.2023) \u201eAlf\u00f6ld\u201c klingt ja irgendwie nach \u201eWack\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6n!!!\u201c Hier ist aber nicht Alfeld\/Leine nebst seiner im Bauhaus-Stil errichteten Grillkohlefabrik, sondern die ungarische Tiefebene gemeint. Und aus eben diesem Ungarn kommt Thy Catafalque. 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