{"id":5479,"date":"2023-08-04T15:46:47","date_gmt":"2023-08-04T13:46:47","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5479"},"modified":"2023-08-04T15:46:47","modified_gmt":"2023-08-04T13:46:47","slug":"man-on-man-provincetown-polyvinyl-records-company-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/man-on-man-provincetown-polyvinyl-records-company-2023\/","title":{"rendered":"Man On Man \u2013 Provincetown \u2013 Polyvinyl Records Company 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Man-On-Man-Provincetown.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Man-On-Man-Provincetown.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5480\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (04.08.2023)<br><br>Kaum in Kalifornien angekommen, um die sterbende Mutter des einen zu begleiten, zwang Corona das New Yorker Paar Roddy Bottum und Joey Holman in die Isolation \u2013 wie fast alle Menschen der Erde, klar. Aus der Not gebaren die beiden Musiker ein On-The-Road-Recording-Projekt, nannten es Man On Man und behandelten auf dem selbstbetitelten Deb\u00fct schwul-queere Themen zu s\u00fc\u00dfen Melodien und gitarrenunterf\u00fcttertem Electro-Poprock. Zwei Jahre sp\u00e4ter gibt\u2019s mit \u201eProvincetown\u201c Nachschlag, im \u00e4hnlichen Sound, doch mit einer weniger hellen Stimmung. In der vermeintlichen S\u00fc\u00dflichkeit mancher Arrangements und Melodien liegt etwas nicht immer nur unterschwellig Aggressives, etwas Melancholisches, etwas Genervtes. Gut so: Eine pure Hedonismusplatte w\u00e4re ja auch nicht zu ertragen gewesen. Auch wenn sie Babyblau ist.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Electro-Drums, die kennt man ja etwa Dank Suicide oder The Normal auch in alternativ orientierter Musik seit den sp\u00e4ten Siebzigern; im Rock-Kontext traten sie kaum wenig sp\u00e4ter auf, die Sisters Of Mercy integrierten sie auf eine Weise in ihren Gothic Rock, nach der sie streckenweise kaum \u00fcberhaupt als elektronisch wahrgenommen werden konnten. Seitdem sind 40 Jahre vergangen, die Technik schritt voran, mit ihr die M\u00f6glichkeiten, Instrumente auf eine Weise zu programmieren, die sie als nat\u00fcrlich erscheinen lassen, und doch tragen insbesondere Electro-Drums ja auch etwas in ihrem Sound, das man gern hat, das man herausarbeiten m\u00f6chte, und so verfahren Man On Man: Man h\u00f6rt, dass das Schlagzeug k\u00fcnstlich ist, der Sound ist zu satt, zu fett, zu synthetisch, um echt sein zu k\u00f6nnen, l\u00e4sst aber gleichzeitig einen humanoiden Schlagzeuger nicht vermissen, weil er sich bestens in den Gesamtsound einf\u00fcgt, besser: ihn streckenweise sogar definiert. Man On Man sind eigen wegen, nicht trotz der Electro-Drums.<br><br>Gitarre und Bass sowie Gesang sind ja schlie\u00dflich echt, und darin sind Holman und Bottum \u00fcber die Jahrzehnte ge\u00fcbt genug, um ihre Kenntnissen und F\u00e4higkeiten wohlklingend zusammenzuf\u00fcgen. Sie scheuen das Harmonische nicht, sie scheuen keine lieblichen Einf\u00e4lle, und sie scheuen auch nicht davor, Synthies einzusetzen, Gott bewahre, schlie\u00dflich ist Bottum bei Faith No More ja auch der Keyboarder, und so h\u00f6rt man \u00fcber den Saiteninstrumenten Fl\u00e4chen und Kreischsounds, dass es eine Freude ist. Und doch ist \u201eProvincetown\u201c in seiner Gesamtheit dunkel, ist das Tempo gesetzt, ist die Party gelaufen; jetzt wird kontempliert, reflektiert, analysiert, zur\u00fcck- und nach vorn geblickt. Schlie\u00dflich hat sich der Zustand der Welt seit der Pandemie nicht eben verbessert, in allen Belangen: Obschon das Paar das Schwulsein im gesetzten Alter grunds\u00e4tzlich feiert, sieht es sich einer verrohten, gewaltt\u00e4tigen, r\u00fccksichtslosen, nach rechts driftenden, verdummenden, ignoranten Gesellschaft ausgesetzt. Und singt davon, ebenso von den komplexen Schwierigkeiten innerhalb der queeren Community.<br><br>Der Opener \u201eTake It From Me\u201c kreischt im unteren Midtempo, zumindest \u00fcbernehmen die Synthies das Kreischen, der Gesang ist zur\u00fcckgenommen, der Sound schwer. Mit \u201eShowgirls\u201c folgt eine flotte Uptemponummer, deren scharfe Gitarren und melancholische Gesangsharmonien indes eher dazu einladen, auf dem Dancefloor gem\u00e4chlichen Schrittes nach Geldst\u00fccken zu suchen, als die Arme in die Luft zu werfen. Selbst das folgende \u201eI Feel Good\u201c straft den Titel L\u00fcgen. Nat\u00fcrlich schimmern die Achtziger hier stets durch, das l\u00e4sst sich nicht vermeiden, im Gegenteil, das ist sicherlich gewollt, und es ist nicht auszuschlie\u00dfen, dass es eine Musik wie diese auch in den Achtzigern bereits gegeben haben k\u00f6nnte; hat es in dieser Konsequenz und Kombination aber nicht, auch wenn man sich so eine warme, still groovende Preziose wie \u201eKids\u201c gern 1985 in den Charts imaginiert.<br><br>Denn nicht zu vergessen sind eben die Saiteninstrumente, die das Duo hier bedient. Bei aller Freude am Electroclash und am Synthiepop sind die beiden doch Rock\u2019n\u2019Roll-Musiker, und in dieser Funktion bedienen sie ihr Instrumentarium gelegentlich \u00fcber das Songdienliche hinaus, generieren Drones und Fl\u00e4chen, unterlassen es aber, bratzig zu werden oder Riffs zu bem\u00fchen. \u201eWho Could Know\u201c ger\u00e4t sogar zu einer folkig-wavigen Repetitions-Ballade, und f\u00fcr ein gepflegtes Gniedelsolo im Finale \u201eHush\u201c lassen sie J Mascis einfliegen, wundervoll.<br><br>\u201eProvincetown\u201c in Massachusetts, an der Spitze des sich cham\u00e4leonschwanzartig einrollenden Cape Cod gelegen, l\u00e4sst die H\u00f6renden schwerm\u00fctig zur\u00fcck, das gelingt Man On Man allein \u00fcber die Musik und die Art des Gesangs, der zuletzt ma\u00dfgeblich Wehmut und Ersch\u00f6pfung vermittelt. Homosexualit\u00e4t ist nichts, womit es sich federleicht leben l\u00e4sst, das machen die beiden mit \u201eProvincetown\u201c sp\u00fcrbar. In dieser musikalischen Schwere liegt unendliche Sch\u00f6nheit, und das zeichnet die guten Musiker aus. Man On Man l\u00e4sst sich noch am ehesten mit Imperial Teen vergleichen, der anderen queeren Band Bottums, das ebenfalls schwullesbische Themen mit flockigem Indierock kombiniert, nur eben nicht so synthetisch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (04.08.2023) Kaum in Kalifornien angekommen, um die sterbende Mutter des einen zu begleiten, zwang Corona das New Yorker Paar Roddy Bottum und Joey Holman in die Isolation \u2013 wie fast alle Menschen der Erde, klar. 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