{"id":5474,"date":"2023-08-02T21:50:59","date_gmt":"2023-08-02T19:50:59","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5474"},"modified":"2023-08-02T21:50:59","modified_gmt":"2023-08-02T19:50:59","slug":"john-coltrane-with-eric-dolphy-evenings-at-the-village-gate-impulse-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/john-coltrane-with-eric-dolphy-evenings-at-the-village-gate-impulse-2023\/","title":{"rendered":"John Coltrane with Eric Dolphy \u2013 Evenings At The Village Gate \u2013 Impulse! 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/John-Coltrane-with-Eric-Dolphy-Evenings-At-The-Village-Gate.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/John-Coltrane-with-Eric-Dolphy-Evenings-At-The-Village-Gate.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5475\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (02.08.2023)<\/p>\n\n\n\n<p>Vorsicht! Der Titel dieser Aufnahme aus dem Jahr 1961 ist in extremer Weise irref\u00fchrend. Ein Schelm, der denkt, hier handele es sich um eine Aufnahme von John Coltrane und Eric Dolphy, die gemeinsam auf ihren Saxofonen musizieren. Weit gefehlt: Neben Coltrane am Tenor- und Sopransaxofon und Dolphy am Altsaxophon, auf der Klarinette und der Fl\u00f6te wirkten auf \u201eEvenings At The Village Gate\u201c niemand Geringere als Elvin Jones am Schlagzeug und McCoy Tyner am Klavier mit. Also einer DER modernen Jazz-Drummer \u00fcberhaupt und einer der vielbesch\u00e4ftigtsten, weil besten Jazzpianisten seiner Zeit. Beide arbeiteten mit Coltrane einige Jahre sp\u00e4ter unter anderem auf dessen Jahrtausendwerk \u201eA Love Supreme\u201c zusammen. Und mit zahlreichen weiteren Jazzgr\u00f6\u00dfen ebenso.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Was lernt uns das? Miles Davis und Charles Mingus hatten anscheinend keine Zeit oder Besseres zu tun, als hier mitzumachen. \u00c4h, nein \u2013 eine Trompete taucht hier nicht auf und am Bass bekommen wir Art Davis und Reggie Workman zu h\u00f6ren. Ersterer spielte im Laufe seiner Karriere unter anderem mit Duke Ellington und Thelonius Monk; zweiterer mit Art Blakey, Freddie Hubbard, Max Roach und Wayne Shorter. Haaaach ja, der Jazz ist noch vor dem Country nicht nur die d\u00fcsterste Musikrichtung mit den meisten ber\u00fchmten Drogentoten, sondern auch die Heimat des Namedropping par Excellence, da hier quasi so gut wie jeder irgendwann mal mit jedem zusammen gespielt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber genug davon: Was erwartet die H\u00f6renden auf \u201eEvenings At The Village Gate\u201c musikalisch? Nun, keine leichte Kost, aber auch nichts Unh\u00f6rbares. Das Album beginnt mit \u201eMy Favorite Things\u201c aus dem Musical \u201eThe Sound Of Music\u201c, das hier \u2013 wie alle f\u00fcnf St\u00fccke des Albums \u2013 rein instrumental dargeboten wird. Elvin Jones\u2019 donnerndes und dennoch filigranes Schlagzeugspiel wird anfangs von Eric Dolphy auf einer hektischen Querfl\u00f6te begleitet, nach knapp \u00fcber sechseinhalb Minuten \u00fcbernimmt Coltrane mit dem Sopransaxofon und erntet Szenenapplaus. W\u00e4hrend der n\u00e4chsten Minuten quietscht er sich dann in einen wahren Rausch hinein, Jones\u2019 Schlagzeugspiel sorgt daf\u00fcr, dass alles weiterhin groovt und irgendwie eine Ordnung hat. Knapp 16 Minuten dauert dieser wunderbare L\u00e4rm. \u201eWhen The Lights Are Low\u201c beginnt langsamer, aber nicht wirklich ruhig. Auch hier sorgt Jones mit lautem Gepolter f\u00fcr das rhythmische Grundger\u00fcst (der Bass wird von ihm gr\u00f6\u00dftenteils \u00fcbert\u00f6nt, ist aber dennoch wichtig und w\u00fcrde fehlen, wenn er nicht da w\u00e4re), Coltrane und Dolphy tr\u00f6ten um die Wette und im letzten Drittel des St\u00fccks spielt sich McCoy Tyner mit einem wundervollen langen Klaviersolo in den Vordergrund, gegen Ende kommen wieder die Saxofone hinzu.<\/p>\n\n\n\n<p>Das folgende \u201eImpressions\u201c lebt vom Wechselspiel beider Saxofonisten, Jones h\u00e4mmert noch mehr dagegen an und im Hintergrund bearbeitet Tyner das Klavier. Das St\u00fcck entwickelt eine ziemliche H\u00e4rte und bleibt dennoch melodisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann \u201eGreensleeves\u201c: Ich dachte, ich kennte das St\u00fcck, aber das Quintett belehrt mich eines Besseren: Zwischen Schlagzeuggeh\u00e4mmer und Saxofonimprovisation schimmert manchmal die vertraute Melodie auf dem Klavier hervor, ansonsten l\u00e4sst auch Tyner der Improvisation freien Lauf und haut in die Tasten, als h\u00e4tten sie eine solche Behandlung verdient. Das ist wirklich Krach auf allerh\u00f6chstem Niveau, trotz aller Virtuosit\u00e4t der einzelnen beteiligten K\u00fcnstler mannschaftsdienlich auf den Punkt gebracht. Wobei man froh sein kann, dass es keine Gegenmannschaft gab, denn die h\u00e4tte das hier nicht \u00fcberlebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch auf dem abschlie\u00dfenden \u201eAfrica\u201c sind alle Instrumente eindeutig nicht auf \u201eBet\u00e4uben\u201c eingestellt. Coltrane hatte das St\u00fcck kurz vor dieser Aufnahme auf LP ver\u00f6ffentlicht, und diese Live-Version haut dem Auditorium ein wahrhaftes Brett vor die K\u00f6pfe. W\u00e4hrend der ersten gut vier Minuten spielen sich Coltrane und Dolphy auf ihren Holzblasinstrumenten die B\u00e4lle zu, w\u00e4hrend Tyner scheinbar ein nicht enden wollendes Schlagzeugsolo zum Besten gibt (dabei ist es nur eine sehr engagierte Rhythmusarbeit, die den Saxofonen nicht die Schau stiehlt, sondern sie mit aller zur Verf\u00fcgung stehenden Vehemenz unterst\u00fctzt). Am Ende dieses Parts gibt es Szenenapplaus (das Publikum ist also mit dem Dargebotenen nicht etwa \u00fcberfordert, sondern feiert es enthusiastisch), Jones legt nochmal einige H\u00e4rtegrade obendrauf, w\u00e4hrend McCoy Tyner mit seinem Klavier einsetzt, und tritt dann, ohne das Tempo zu vermindern, in den Hintergrund und \u00fcberl\u00e4sst dem Pianisten die B\u00fchne. Sobald Tyner lauter wird, tut das auch Jones, und die beiden liefern sich \u00fcber lange Minuten ein gleichberechtigtes Duell. Dazwischen irgendwann ein irres Basssolo mit zum Teil klirrenden Seiten, w\u00e4hrend die anderen Instrumente mit Ausnahme des Schlagzeugs die Luft anhalten \u2013 hier spielt sich wirklich etwas ab. Am Ende des Bassparts \u00fcbernimmt Tyner mit einem hammerharten Solo, dass zun\u00e4chst langsam beginnt und dann immer mehr Fahrt aufnimmt und dann von den Saxofonen in einem gemeinsamen Pand\u00e4monium eingefangen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>62 Jahre ist diese Aufnahme alt, und l\u00e4sst die Zuh\u00f6renden sprachlos mit weit offenstehenden M\u00fcndern zur\u00fcck. Hier gl\u00e4nzen nicht nur die einzelnen Virtuosen auf ihren jeweiligen Instrumenten, sondern auch alle zusammen als wunderbar funktionierende Band.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (02.08.2023) Vorsicht! 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