{"id":5420,"date":"2023-07-19T21:37:22","date_gmt":"2023-07-19T19:37:22","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5420"},"modified":"2023-07-19T21:37:22","modified_gmt":"2023-07-19T19:37:22","slug":"anohni-and-the-johnsons-my-back-was-a-bridge-for-you-to-cross-rough-trade-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/anohni-and-the-johnsons-my-back-was-a-bridge-for-you-to-cross-rough-trade-2023\/","title":{"rendered":"Anohni And The Johnsons \u2013 My Back Was A Bridge For You To Cross \u2013 Rough Trade 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Anohni-My-Back-Was-A-Bridge-For-You-To-Cross.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Anohni-My-Back-Was-A-Bridge-For-You-To-Cross.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5421\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (19.07.2023)<\/p>\n\n\n\n<p>Alleine der Titel des Albums ist ja schon mal klasse und erinnert an den Ausspruch von Herbie Hancock, nachdem Joe Zawinul die Br\u00fccke in die Zukunft war, \u00fcber die Miles Davis [mit \u201eIn A Silent Way\u201c, Anm. d. V. d. Z.] gegangen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber welche Br\u00fccke geht Anohni mit ihrem neuen Album? Bzw. \u00fcber welche Br\u00fccke ist Anohni noch nicht gegangen? Heuer revitalisiert sie den Bandnamen, den sie fr\u00fcher, damals noch unter ihrem Geburtsnamen Antony Hegarty, bereits als \u201eAntony And The Johnsons\u201c gebrauchte, und das \u201eJohnson\u201c bezieht sich dabei auf Marsha P. Johnson, die als New Yorker Drag Queen und Transgender-Aktivistin seit den sp\u00e4ten 60er Jahren bis zu ihrem Tod aus ungekl\u00e4rter Ursache 1992 von sich reden machte und bis heute relevant ist und die auch auf dem Cover von \u201eMy Back Was A Bridge For You To Cross\u201c abgebildet ist.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ich bin auf Anohni aufmerksam geworden als unbelehrbarer Lou-Reed-Fan, der auch die sp\u00e4ten Live-Ver\u00f6ffentlichungen sehr genossen hat und sich immer fragte \u201eWer singt die Parts von Nico, wenn Lou Reed live mal was vom ersten VU-Album spielt?\u201c Und ich h\u00f6rte mir eines dieser Alben an und stellte fest, dass Reed jemanden gefunden hatte, der das konnte und auch tat: Antony Hegarty.<\/p>\n\n\n\n<p>Somit steht f\u00fcr mich bei jeder neuen Anohni-Ver\u00f6ffentlichung die Stimme im Vordergrund, die einzigartig ist, voller Soul, voller W\u00e4rme, voller Tiefe und irgendwie einzigartig und unkopierbar. Und so ist es auch hier wieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Und die Musik? Nun, nach dem 2016er Album \u201eHopelessness\u201c ist \u201eMy Back Was A Bridge For You To Cross\u201c vermutlich erstmal ein ziemlicher Schock: \u201eHopelessness\u201c enthielt ebenso Anohnis unverwechselbare Stimme, wie es das neue Album tut, allerdings unterlegt durch elektronische, avantgardistisch-dystopische Musik. \u201eMy Back Was A Bridge For You To Cross\u201c stellt demgegen\u00fcber eine 180prozentige Kehrtwende dar:<\/p>\n\n\n\n<p>Die Musik auf dem Album ist wundersch\u00f6ner Soul und wird nicht umsonst mit Marvin Gayes \u201eWhat\u2018s Going On\u201c verglichen. Und zu dieser Musik passen Anohnis Stimme und Vortrag ebenso \u2013 wenn nicht sogar besser \u2013 als zu den eher experimentellen Kl\u00e4ngen auf \u201eHopelessness\u201c. Nicht falsch verstehen: Wer \u201eHopelessness\u201c noch nicht besitzt, sollte jetzt die Gelegenheit nutzen und dieses Jahrhundertwerk seiner Plattensammlung einverleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir fassen zusammen: Es geht um queere Identit\u00e4t, die Stimme der Vortragenden ist einzigartig, einen Vergleich mit Nico habe ich auch gebracht, die Musik irgendwie popgeschichtlich eingeordnet und das Vorg\u00e4ngeralbum den H\u00f6renden auf das Herzlichste anempfohlen \u2013 wenden wir uns also nunmehr den Texten zu:<\/p>\n\n\n\n<p>Mit \u201eIt Must Change\u201c beginnt das Album sehr dunkel: \u201eThe death inside you \/ That you pass into me \/ The truth is that I always \/ Thought you were beautiful \/ In your own way\u201c. Und es geht noch dunkler weiter in diesem Song mit \u201eYou know how they always said that light was the opposite of darkness? It&#8217;s just fire and darkness\u201c, und dann werden diese Gegens\u00e4tzlichkeiten komplett infrage gestellt. Im n\u00e4chsten Song, \u201eGo Ahead\u201c, wird es dann gegenst\u00e4ndlicher: \u201eYou are determined to take me down \/ I don&#8217;t stop you, I won&#8217;t stop you \/ Go ahead and burn it down \/ Go ahead, kill your friends \/ You are an addict \/ Go ahead, hate yourself \/ I can&#8217;t stop you.\u201c Heftig, oder? Und es wird nicht fr\u00f6hlicher, wie \u201eSliver Of Ice\u201c zeigt. Vibrierende Gitarrenakkorde untermalen Zeilen wie \u201eNow that I&#8217;m almost gone \/ The sliver of ice on my tongue \/ In the day&#8217;s night \/ It tastes so good, it felt so right \/ For the first time in my life.\u201c Uuuuh. Und das singt hier jetzt nicht irgendein 17J\u00e4hriger, der in der Oberstufe zu viel \u201eWerther\u201c gelesen hat. Anohni ist anderthalb Jahre \u00e4lter als ich.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eCan\u2018t\u201c ist ein knapp f\u00fcnfmin\u00fctiger Klagegesang \u00fcber den Verlust eines geliebten Freundes, der nun nicht mehr da ist, ich \u00fcberlege kurz, ob es sich dabei um Lou Reed handeln k\u00f6nnte, Erinnerungen an dessen 1992er Album \u201eMagic And Loss\u201c, eine herzzerrei\u00dfende Ode an k\u00fcrzlich verstorbene Freunde und Reeds bestes Album, kommen mir in den Sinn. Mit \u201eI don&#8217;t want you to be dead \/ I won&#8217;t have it, I won&#8217;t have it \/ Can&#8217;t reverse it, I won&#8217;t have it \/ Can&#8217;t undo it, can&#8217;t reverse it \/ I won&#8217;t have it, I won&#8217;t have it\u201c endet der Song. Und danach wird das Album sicherlich fr\u00f6hlicher. Wird es? Wird es doch, oder? Nein, wird es nicht. Den Text von \u201eScapegoat\u201c anempfehle ich hiermit den H\u00f6renden, ihn nachzulesen. Wer dabei nicht weint, bekommt von mir eine Dose Heineken zugeschickt. Egal wohin.<\/p>\n\n\n\n<p>In \u201eIt\u2018s My Fault\u201c besch\u00e4ftigt sich Anohni mit etwas, was sie nicht getan hat (was ich ihr auch glaube), wof\u00fcr sie aber trotzdem die Verantwortung \u00fcbernimmt. Ein Schelm, der dabei denkt, dass ihr das wohl von jemand anderem eingefl\u00fcstert wurde. K\u00f6nnen wir uns gerne mal lange dr\u00fcber unterhalten. Um jetzt hier nicht endg\u00fcltig rammd\u00f6sig zu werden ob so viel Schmerzes, skippe ich mal einige Tracks weg. \u201eRest\u201c und \u201eThere Wasn\u2018t Enough\u201c schmerzen sehr und verbrennen beim Zuh\u00f6ren viele Kalorien, aber das darauf folgende \u201eWhy Am I Alive Now?\u201c toppt das noch und kommt an den ungarischen Selbstmordsong (\u201eGloomy Sunday\u201c) recht nah heran. Oh Schmerz. Ja, Schmerz. Oh. Dazu gibt es Loureedm\u00e4\u00dfige Gitarrenakkorde, oh Hammer, Anohni haut so eine schmerzhafte Schmerzorgie voller Schmerz raus, ohne dass es kitschig wird. Und wer dann denkt, am Ende des Albums werde es bei \u201eYou Be Free\u201c bestimmt nochmal fr\u00f6hlicher, dem entgegne ich mit einem entschiedenen: \u201eNein! Wird es nicht!\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (19.07.2023) Alleine der Titel des Albums ist ja schon mal klasse und erinnert an den Ausspruch von Herbie Hancock, nachdem Joe Zawinul die Br\u00fccke in die Zukunft war, \u00fcber die Miles Davis [mit \u201eIn A Silent Way\u201c, &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/anohni-and-the-johnsons-my-back-was-a-bridge-for-you-to-cross-rough-trade-2023\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-5420","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5420","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5420"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5420\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5422,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5420\/revisions\/5422"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5420"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5420"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5420"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}