{"id":542,"date":"2013-07-27T12:47:25","date_gmt":"2013-07-27T10:47:25","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=542"},"modified":"2013-11-15T13:07:27","modified_gmt":"2013-11-15T12:07:27","slug":"la-grande-bellezza-paolo-sorrentino-if-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/la-grande-bellezza-paolo-sorrentino-if-2013\/","title":{"rendered":"La grande Bellezza \u2013 Paolo Sorrentino \u2013 I\/F 2013"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-667\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Kino-Film1.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (27.07.2013)<\/p>\n<p>Dieser Film ersetzt rund zehn Tage Italienurlaub, ist auch beinahe so lang, kommt einem aber deutlich k\u00fcrzer vor. Regisseur Paolo Sorrentino als 43-J\u00e4hriger z\u00e4hlt ja beinahe noch zu den jungen Regisseuren, \u201eLa grande Bellezza\u201c ist auch erst sein dritter Film, der hierzulande \u00fcberhaupt Beachtung findet. Also freut es umso mehr, einen Quasi-Newcomer dabei zu beobachten, wie er seinen preisenswerten Stil ausbaut und einmal mehr einen Film klassischer europ\u00e4ischer Machart dreht, bei dem \u00c4sthetik, Aussage, Inhalt und Schauspieler stimmen. Da erscheinen 147 Minuten glatt kurzweilig. Der Film h\u00e4tte auch l\u00e4nger dauern k\u00f6nnen, ganz wie ein zehnt\u00e4giger Italienurlaub.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Eigentlich hat \u201eLa grande Bellezza\u201c keine richtige Handlung. Vielmehr zeigt der Film Hauptfigur Jap, einen ausschweifend lebenden Schriftsteller, der sich nach seinem 65. Geburtstag neu positionieren will, nachdem er erf\u00e4hrt, dass seine erste Freundin starb und 35 Jahre lang, nach ihrer Trennung, nur ihn geliebt hat. Jap tritt mit seinem Umfeld in Beziehungen und zieht Erkenntnisse daraus \u2013 das ergibt im Grunde die Handlung. Dabei sind die sp\u00e4rlichen Dialoge brillant, zynisch und humorvoll und die Inhalte analytisch und philosophisch. Der Film rechnet dabei in einem Rundumschlag mit der gegenw\u00e4rtigen Gesellschaft ab, insbesondere der dekadenten r\u00f6mischen, aber auch allgemein.<\/p>\n<p>Die Geschichten, Dialoge und Ereignisse bieten jede Menge Interpretationsansatz. Jap hat im Leben nur einen Roman geschrieben und den offenbar so gut vermarktet, dass er bis ins hohe Alter hinein ausschweifend und \u2013 bis auf gelegentliche Interviews f\u00fcr ein Magazin \u2013 tatenlos davon leben kann. Dabei ist er nicht wirklich tatenlos; seine Spazierg\u00e4nge durch ein Rom, das in der Realit\u00e4t bei weitem nicht so entv\u00f6lkert und einsam ist, wie der Film es darstellt, zeigen Japs poetischen Blick auf sein Umfeld und das Leben. Er verwertet es allerdings nicht schriftstellerisch. Ein ausgebliebener zweiter Roman ist dennoch permanent Thema, und erst, als der Film katholisch wird, offenbart sich f\u00fcr Jap, worum es geht: den Blick auf die eigenen Wurzeln. Dazu zwingt ihn ja auch die Nachricht von der verstorbenen Verflossenen. Anspielungen und Hinweise auf das Wurzel-Thema finden sich immer wieder im Film, auch auf andere Figuren bezogen. So steigen drei Partys mit Technomusik, und die St\u00fccke sind allesamt Remixe alter Hits, etwa \u201eTo vuo fa&#8216; l&#8217;Americano\u201c von Renato Carosone.<\/p>\n<p>Das alles allein w\u00e4re schon ein ansehnlicher Grund, ins Kino zu gehen, doch Sorrentino liefert mehr, insbesondere, wenn es um das Attribut ansehnlich geht. Wie schon in \u201eIl Divo\u201c und \u201eThis Must Be The Place\u201c (auf Deutsch \u201eCheyenne\u201c) lebt er auch in \u201eLa grande Bellezza\u201c sein Faible f\u00fcr Opulenz aus, passend zum Titel, \u201eDie gro\u00dfe Sch\u00f6nheit\u201c. Die Kamerafahrten sind einzigartig besonders, um Ecken herum, auf Augenh\u00f6he, \u00fcber Abh\u00e4nge, kopf\u00fcber kippend, die Handlung begleitend und untermalend. Seine Bilder sind komponiert, nichts ist zuf\u00e4llig. Auch im Spiel mit Licht und Dunkelheit wirkt alles wie beil\u00e4ufig perfekt. Manches scheint auch nur deshalb Bestandteil im Film zu sein, weil Sorrentino wei\u00df, dass es gut aussieht, und er bringt diese bisweilen surrealen Elemente mit einer Nat\u00fcrlichkeit unter, dass sie die Handlung und das Verst\u00e4ndnis nicht st\u00f6ren, aber das Auge und das Herz erfreuen. Nicht nur visuell, auch akustisch sind die Akzente punktgenau gesetzt, mit Chor\u00e4len, Musikeinsatz, M\u00f6wengeschrei, Katzenjaulen.<\/p>\n<p>Insgesamt ist dieser Film \u201eIl Divo\u201c n\u00e4her als \u201eThis Must Be The Place\u201c. Ersterer und Vorliegender teilen Hauptdarsteller Toni Servillo und die Lust an dekonstruierter Dekadenz und Technopartys mit megareichen Senioren. Dabei ist \u201eLa grande Bellezza\u201c aber stringenter und besser verst\u00e4ndlich als die Andreotti-Biografie. Sorrentino gibt seiner Hauptfigur ein Tempo, das er mit dem Erz\u00e4hltempo teilt, und dabei bleibt nicht eine Minute des Films langweilig oder \u00fcberfl\u00fcssig.<\/p>\n<p>Es g\u00e4be noch sehr viel festzustellen, verschwindende Giraffen, von einer 104-j\u00e4hrigen Heiligen dressierte Flamingos, kopf\u00fcber gedrehte Partys, nervige Nackte, egozentrische Reiche, als Geldquellen missbrauchte malende Kinder, visuelle und erz\u00e4hlerische Anlehnungen an \u2013 nat\u00fcrlich \u2013 Fellini, Kubrick, Lynch, entlarvende Interviews mit selbstherrlichen Performance-K\u00fcnstlerinen. Sicher ist: Das wird eine weitere DVD im Regal, wenn sie denn erscheint; nur braucht man mindestens eine Leinwand, um das Prunkst\u00fcck in G\u00e4nze zu erfassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (27.07.2013) Dieser Film ersetzt rund zehn Tage Italienurlaub, ist auch beinahe so lang, kommt einem aber deutlich k\u00fcrzer vor. 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