{"id":5402,"date":"2023-07-17T21:21:51","date_gmt":"2023-07-17T19:21:51","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5402"},"modified":"2023-07-17T21:21:51","modified_gmt":"2023-07-17T19:21:51","slug":"octopus-the-lost-tape-sireena-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/octopus-the-lost-tape-sireena-2023\/","title":{"rendered":"Octopus \u2013 The Lost Tape \u2013 Sireena 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Octopus-The-Lost-Tape.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"124\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Octopus-The-Lost-Tape.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5403\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (17.07.2023)<br><br>Das ist Pech, wenn noch vor dem Beginn der Karriere gleich das erste auf Tape aufgenommene Album verschwindet und man erst mit dem zweiten Album deb\u00fctieren kann. So wiederfuhr es Octopus, der Progrockband aus Frankfurt am Main, im Jahre 1974, knappe zwei Jahre nach Bandgr\u00fcndung. Immerhin wurde das Label Sky Records durch eine Kopie der Mondial-C60-Kassette auf die Band aufmerksam und nahm sie f\u00fcr drei ihrer vier Alben unter Vertrag. S\u00e4ngerin Jennifer Kowa, damals Hensel, entdeckte das Tape 2022 unter einem Gew\u00fchl von Kassetten ihrer sp\u00e4teren Band The Radio wieder und \u00fcberlie\u00df es Tom \u201eThe Perc\u201c Redecker zur \u00dcberarbeitung. Der ver\u00f6ffentlicht es nun als als Epilog nachgeschobenen Prolog der vier offiziellen Alben auf seinem Label Sireena, eben als \u201eThe Lost Tape\u201c, und macht diese Mittsiebziger-BRD-Kraut-Prog-Perle fast 50 Jahre sp\u00e4ter wieder zug\u00e4nglich.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich sind die sechs Tracks des Sextetts sehr in ihrer Zeit verhaftet. Der Progrock war damals erst gut f\u00fcnf Jahre alt, bl\u00fchte von England aus \u00fcberall hin, verband sich in Deutschland mit dem heimischen und ungef\u00e4hr gleichalten Krautrock und ergab Hybriden wie eben Octopus. Irgendwas mit Orgeln und Keyboards geht immer, ab und zu ein Tempowechsel mitten im Song, unendliche L\u00e4ngen, ausufernde Soli, etwas mit Klassik (hier: Domenico Zipoli), spannende Stop-And-Go-Breaks, gelegentliche Ausfl\u00fcge in den groovenden Hardrock, alles, was ein Bier braucht, und doch ist es eher alkoholfrei. Noch fehlt bisweilen die G\u00e4rung beim Brauprozess, wenngleich die guten Zutaten vollst\u00e4ndig vorhanden sind, also versierte Musiker und gute Ideen, mindestens. Doch Elemente wie drei Akkorde zum Dreivierteltakt h\u00e4tten \u00fcberarbeitet werden k\u00f6nnen, und dazu der Gesang, der seinerzeit zwar mit dem von Janis Joplin verglichen wurde, wie man offiziell nicht m\u00fcde wird zu betonen (siehe \u201eRockr\u00f6hre\u201c), der aber in nicht wenigen Passagen so durchdringend ist, dass die Ohren die Fu\u00dfn\u00e4gel anweisen, hochzuklappen; in tieferen Tonlagen ist ihre Stimme aber ausgezeichnet.<br><br>Dennoch, \u201eThe Lost Tape\u201c, das damals ja noch nicht lost war, als es Sky Records in die Finger bekam, war eben die Visitenkarte daf\u00fcr, auf jenem Label drei Alben zu ver\u00f6ffentlichen, die den Weg fortsetzten. \u201eThe Boat Of Thoughts\u201c erschien dort 1977 und offenbarte den Reifeprozess, der seit dem ersten Tape erfolgte, hin zum kompositorisch attraktiveren Progrock. Im Folgejahr erschien \u201eAn Ocean Of Rocks\u201c, auf dem allm\u00e4hlich etwas Kitsch Einzug hielt, 1980 noch das sich zusehends weiter anderen zeitgen\u00f6ssischen Stilen \u00f6ffnende \u201eRubber Angel\u201c, dann erfolgte ein Bruch, indem die Band 1981 ohne Jennifer Hensel, die derweil mit ihrem frischen Gatten Winfried \u201eWin Kowa\u201c Kowallik die Gruppe The Radio aus der Taufe hob, das deutschsprachige Album \u201eHart am Rand\u201c, mit dem in Bayern exkommunizierten Straps-Cover, auf dem Label Rockport herausbrachte und es lose, aber ungeschickt bis peinlich an der aufkeimenden Neuen Deutschen Welle anh\u00e4ngte.<br><br>Zur Besetzung bei den Aufnahmen des Tapes geh\u00f6rten neben Jennifer Hensel: Gitarrist Peter \u201ePit\u201c Hensel, Bassist Claus D. Kniemeyer, Schlagzeuger Dieter-Paul Becke, Keyboarder Werner Littau sowie Hans-Paul Sattler mit Mellotron und Fender Rhodes. Schon auf dem offiziellen Deb\u00fctalbum gab es erste Umbesetzungen, zum finalen Album waren von der Urbesetzung nur noch Kniemeyer und Littau dabei. Was danach dann alles passierte, f\u00fcllt ganze Rocklexika; die Spuren f\u00fchren \u2013 wir reden von Frankfurt am Main \u2013 bis hin zu Badesalz.<br><br>In jedem Falle ein Sch\u00e4tzchen, das Jennifer Kowa und Tom Redecker hier aufpolieren. Auf \u201eThe Lost Tape\u201c \u00fcberzeugt unter anderem das Schlagzeug, das mit eingestreuten Wirbeln und einer songdienlichen, unaufdringlichen Spielweise den Unterbau liefert, auf dem Gitarre, Bass und Keyboard sowie Fender Rhodes und das damals seltene Mellotron ihren Job machten. Sechs Songs in 36 Minuten, l\u00e4nger als die H\u00e4lfte der offiziellen Alben von Octopus, viele zur Zeit passende, wundervolle Ideen, Kraut und Prog kombiniert, Bisschen King Crimson hier, Bisschen Deep Purple da, ein sch\u00f6nes Dokument, ein Museumsst\u00fcck, zu dem man in jeder Hinsicht mit dem Kopf nicken kann \u2013 und das streckenweise trotz einiger Defizite besser ist als manches, was die Frankfurter unter dem verwechselbaren Namen Octopus danach herausbrachten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (17.07.2023) Das ist Pech, wenn noch vor dem Beginn der Karriere gleich das erste auf Tape aufgenommene Album verschwindet und man erst mit dem zweiten Album deb\u00fctieren kann. 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