{"id":5349,"date":"2023-06-30T17:55:59","date_gmt":"2023-06-30T15:55:59","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5349"},"modified":"2023-06-30T17:55:59","modified_gmt":"2023-06-30T15:55:59","slug":"motoerhead-live-at-montreux-jazz-festival-07-bmg-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/motoerhead-live-at-montreux-jazz-festival-07-bmg-2023\/","title":{"rendered":"Mot\u00f6rhead \u2013 Live At Montreux Jazz Festival &#8217;07 \u2013 BMG 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Motoerhead-Live-At-Montreux-Jazz-Festival-07.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Motoerhead-Live-At-Montreux-Jazz-Festival-07.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5350\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (29.06.2023)<\/p>\n\n\n\n<p>Mit einem fr\u00f6hlichen \u201eGutnaaaabend! Bonsoir! Buongiono \u2013 I forgot that!\u201c begr\u00fc\u00dft Lemmy das Publikum nacheinander in allen drei schweizerischen Landessprachen mit Ausnahme von R\u00e4toromanisch. Anschlie\u00dfend schl\u00e4gt er eine Br\u00fccke zwischen dem Montreux Jazz Festival und dem Schaffen von Mot\u00f6rhead: \u201eSo this is the Montreux Jazz Festival. Here\u2018s a bit of jazz for you [zumindest habe ich das so verstanden \u2013 Anm. d. Verf. d. Z.]. We are Mot\u00f6rhead, and we play Rock\u2018n\u2018Roll!\u201c Und dann legen Mot\u00f6rhead in ihrer l\u00e4ngsten und meiner Meinung nach auch besten (jahaa \u2013 Philthy Animal Taylor, ich sp\u00fcre Deine vernichtenden Blicke von ganz weit oben\/unten\/wieauchimmer in meinem Nacken gl\u00fchen) Besetzung \u2013 Lemmy Kilmister (b, voc), Mikkey Dee (dr) und Phil Campbell (g) \u2013 mit \u201eSnaggletooth\u201c auch gleich ordentlich los. Lemmy ist bei der damaligen Tour sowohl sehr gut bei Stimme \u2013 von den sp\u00e4teren krankheitsbedingten Schwankungen der Wucht seiner Performance war noch weit und breit nichts in Sicht \u2013 als auch gut aufgelegt, Phil Campbell l\u00e4sst die Gitarre dreckig r\u00f6hren und Mikkey Dee schmiedet die Trommeln wie gewohnt sowohl pr\u00e4zise als auch lautstark, solange sie hei\u00df sind. Die Produktion ist f\u00fcr ein Live-Album exzellent.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich ist \u201eNo Sleep \u2018til Hammersmith\u201c seit 1980 das nie wieder erreichte Referenzwerk an mot\u00f6rheadscher Live-Atmosph\u00e4re und alle anderen (gro\u00dfartigen) Live-Alben haben seit jeher den Stellenwert eines rothaarigen, sommersprossigen Volkswagen 411 im Katalog der Band, doch \u201eLive At Montreux Jazz Festival &#8217;07\u201c muss sich allein schon angesichts des f\u00fcr eine laute Rock\u2018n\u2018Roll-Band untypischen Auftrittsortes an nichts messen und bildet das Erlebnis, das die sp\u00e4ten Mot\u00f6rhead dem Publikum boten, in einem hinreichend gegen den Wert 1:1 gehenden Ma\u00dfstab ab. Die Band ist zum Plaudern aufgelegt und nimmt immer wieder verbalen Kontakt zum Auditorium auf. Im Anschluss an das ikonische \u201eMetropolis\u201c lassen sie die Zuh\u00f6renden wissen, dass sie \u201ethe loudest crowd at this festival\u201c seien, und damit meinen sie tats\u00e4chlich nicht sich selbst, sondern das zum Schreien aufgeforderte und -gelegte Publikum. Dieses liefert wirklich laut ab und die Kapelle stimmt eine hammerschnelle Version von \u201eOver The Top\u201c an, deren H\u00f6hepunkt ein Solo Campbells bildet, das trotz aller Geschwindigkeit und H\u00e4rte nichts an Gef\u00fchl fehlen l\u00e4sst. Hitm\u00e4\u00dfig halten sich Mot\u00f6rhead am Genfer See vornehm zur\u00fcck: Diese Band kann locker mehr als ein C90-Band mit nichts als Hits f\u00fcllen \u2013 alles Kn\u00fcller, keine F\u00fcller. In Montreux kommen die Herren auf gerade mal vier apeslut unwiderstehliche Gro\u00df-Hits aller Zeiten, n\u00e4mlich \u201eStay Clean\u201c, \u201eMetropolis\u201c, \u201eAce Of Spades\u201c und \u201eOverkill\u201c. Nat\u00fcrlich ist das nur meine Z\u00e4hlung und \u00fcber den Klassikerwert des einen oder anderen St\u00fccks aus der Setlist l\u00e4sst sich sicher streiten (das zitierte \u201eOver The Top\u201c beispielsweise, \u201eGoing To Brazil\u201c, \u201eKilled By Death\u201c oder \u201eIron Fist\u201c etwa), aber worauf ich hinaus will, ist eher Folgendes: Lemmy und Phil und Mikkey beweisen bei der Songauswahl viel Kreativit\u00e4t und sind sich nicht zu schade, das \u00fcber jeden Zweifel erhabene \u201eI Got Mine\u201c als ein St\u00fcck ihres unpopul\u00e4rsten Albums (die Rede ist selbstredend von \u201eAnother Perfect Day\u201c) anzuk\u00fcndigen. Und auch hier spielt sich Campbell bei mehr als einem \u00fcberlangen Solo schier die Fingerkuppen weg, und zwar mit unglaublicher H\u00e4rte, Pr\u00e4zision und dennoch voller W\u00e4rme und Gef\u00fchl \u2013 ein Hammer angesichts der Tatsache, dass bei der Studioversion aus 1983 nicht er, sondern Thin-Lizzy-Legende Brian Robertson f\u00fcr die Gitarre zust\u00e4ndig war.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit \u201eRosalie\u201c ist sogar ein Thin-Lizzy-Cover auf \u201eLive At Montreux Jazz Festival &#8217;07\u201c vertreten \u2013 damit h\u00e4tte ich bei Mot\u00f6rhead nicht gerechnet. Obwohl sie das regelm\u00e4\u00dfig taten, eilt Mot\u00f6rhead der Ruf hinterher, sie k\u00f6nnen keine guten Coverversionen spielen. Ich hingehen sage: \u201eAch was\u201c und verweise auf diese vor einigen Jahren post mortem erschienene Sammlung wirklich guter Coverversionen. Und auch \u201eRosalie\u201c braucht sich nicht zu verstecken, vor wem auch? Angek\u00fcndigt wird es von Lemmy als Hommage an Phil Lynott, \u201eone of my heroes\u201c, und eingeleitet mit den Worten \u201eSo this is for Phil \u2013 live forever, motherfucker!\u201c Dann gehen Mot\u00f6rhead bei und machen aus \u201eRosalie\u201c ein typisches Mot\u00f6rhead-St\u00fcck, bis kurz vor Ende ein kurzes Solo erschallt, das sehr im Geiste von Phil Lynott und Scott Gorham t\u00f6nt und die Herzen w\u00e4rmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit \u201eSacrifice\u201c folgt dann das l\u00e4ngenm\u00e4\u00dfig l\u00e4ngste St\u00fcck des Albums und ich \u00fcberlege, ob es ob seiner L\u00e4nge vielleicht sogar als Herzst\u00fcck des Auftritts vorgesehen gewesen sein k\u00f6nnte. Ich pers\u00f6nlich konnte mich f\u00fcr \u201eSacrifice\u201c nie so richtig erw\u00e4rmen, obwohl es r\u00fcckblickend das Titelst\u00fcck eines wahrhaft geschichtstr\u00e4chtigen Albums ist: Erschienen 1995, markiert es in etwa die Halbzeit von Mot\u00f6rheads Karriere und stellt gleichzeitig das letzte Werk in der f\u00fcr Mot\u00f6rhead f\u00fcr lange Zeit charakteristischen Aufstellung als Quartett (mit Michael \u201eW\u00fcrzel\u201c Burston und Phil Campbell an den Gitarren und zun\u00e4chst Phil \u201ePhilthy Animal\u201c Taylor und seit 1992 dann Mikkey Dee am Schlagzeug) dar.<\/p>\n\n\n\n<p>Und alsbald erschlie\u00dft sich auch, woher die L\u00e4nge dieser Live-Version von \u201eSacrifice\u201c r\u00fchrt: Mikkey Dee bekommt hier ausgiebig Zeit einger\u00e4umt, mittels mannigfacher Schlagzeugsoli zu zeigen, was er technisch alles drauf hat. Als ob er das n\u00f6tig h\u00e4tte! Aber das, was er an den Trommeln zuwege bringt, beweist eindrucksvoll, dass Lemmy in zahlreichen Konzerten nur wenig untertrieben hat, wenn er Dee als \u201eThe best drummer in the world!!!\u201c ank\u00fcndigte. Und irgendwann im Laufe des St\u00fcckes fangen Dees Drums und Campbells Gitarre an, sich f\u00f6rmlich zu duellieren, und dann setzt auch Lemmys Gesang wieder ein und nimmt den Faden des Songs wieder auf. Oh Hammer! \u201eSacrifice\u201c hat bei mir gerade eben sehr, sehr viel an Stellenwert gewonnen und ist ein tolles Beispiel daf\u00fcr, wie hervorragend die legend\u00e4re Dreierbesetzung von Mot\u00f6rhead auch vor Publikum auf der B\u00fchne stets funktioniert hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Durchgesch\u00fcttelt und von Ehrfurcht vor dem niemals wiederkehren werdenden Dreigestirn des puren Rock\u2018n\u2018Roll erfasst, freue ich mich nun auf das von mir \u00fcberaus verehrte \u201eJust \u2018cos You Got The Power (Doesn\u2018t Mean You Got The Right)\u201c \u2013 und ich werde nicht entt\u00e4uscht. Dieser Song ist f\u00fcr mich ein Inbegriff daf\u00fcr, dass Lemmy Kilmister Zeit seines k\u00fcnstlerischen Wirkens immer ein Muster an Glaubw\u00fcrdigkeit, Bodenst\u00e4ndigkeit und daf\u00fcr, immer zur richtigen Zeit in der richtigen, ganz hervorragenden Art und Weise den Mund aufzumachen, um die Ungleichverteilung zwischen brutaler und r\u00fccksichtsloser Machtaus\u00fcbung und dem Unterdr\u00fccktwerden der Guten, Glaubw\u00fcrdigen und Bodenst\u00e4ndigen anzuprangern, gewesen ist und \u00fcberaus beeindruckende stets das Gute in Form eines unverf\u00e4lschten, glaubw\u00fcrdigen und bodenst\u00e4ndigen Rock\u2018n\u2018Roll verk\u00f6rpert hat. Wer diesen verschrobenen Satz in nachvollziehbarer Form visualisiert bekommen m\u00f6chte, sehe sich bitte den Film \u201eEat The Rich\u201c, in dem Lemmy eine der Hauptrollen spielte, an. Sp\u00e4testens nach diesem Song hat die Band das Jazz-Publikum f\u00fcr den Rock\u2018n\u2018Roll begeistert und mit \u201eGoing To Brazil\u201c folgt eine Mot\u00f6rhead-untypische Ode an den fr\u00f6hlichen Hedonismus, dargestellt am Beispiel eines Interkontinentalfluges an Bord einer Boeing 747.<\/p>\n\n\n\n<p>Der folgende Song \u201eKilled By Death\u201c ist f\u00fcr mich kein Highlight des Mot\u00f6rhead-Songkatalogs, wird aber mit soviel H\u00e4rte und Spielfreude dargeboten, dass ich anfange, mir zu w\u00fcnschen, Mot\u00f6rhead w\u00fcrden niemals mit diesem Set aufh\u00f6ren. \u201eIron Fist\u201c wird danach als letzter Song angek\u00fcndigt, es sei denn, das Publikum w\u00fcrde Noise machen, dann k\u00e4me auch die Band wieder zur\u00fcck. Nun wei\u00df man aber, dass seit Jahrzehnten immer \u201eBomber\u201c, \u201eAce Of Spades\u201c und \u201eOverkill\u201c ein Mot\u00f6rhead-Konzert beenden, also kann nach \u201eIron Fist\u201c unm\u00f6glich Schluss sein. Und so ist es auch, nur dass anstelle des hier komplett fehlenden \u201eBomber\u201c die wundersch\u00f6ne Ballade \u201eWhorehouse Blues\u201c vom furiosen 2004er Album \u201eInferno\u201c tritt. Und vorher skandiert ein vollkommen entfesseltes und dem Rock\u2018n\u2018Roll zugewandtes Publikum \u201eMot\u00f6rhead, Mot\u00f6rhead!\u201c Sie machen also Noise.<\/p>\n\n\n\n<p>Davor l\u00e4sst Lemmy sich noch ein wenig feiern, im Anschluss daran packt Phil Campbell die Akustikgitarre aus, der Toningenieur gibt wie von Lemmy verlangt \u201emore volume please on the vocals\u201c und dann folgt der wohl folkigste Mot\u00f6rhead-Song ever in der wohl folkigsten Variante ever. Lemmy zeigt, dass seine Stimme keine Akustik-Begleitung zu scheuen braucht, Campbell spielt auch auf der Akustischen tolle Soli und gegen Ende wird dann noch die Harfe geblasen. Und am Ende sind alle nicht zu sehr good looking, aber sie sind satisfied. Was will man mehr?<\/p>\n\n\n\n<p>Na \u2013 zum Beispiel \u201eAce Of Spades\u201c. Der Mot\u00f6rhead-\u00dcberhit springt die H\u00f6renden geradezu aus der Tiefe des Raumes mit dem Arsch ins Gesicht, w\u00e4hrend sich diese noch an der Ruhigkeit und Gef\u00fchlsduselei von \u201eWhorehouse Blues\u201c berauschen (\u201eWe should&#8217;ve opened up a little whorehouse, honey \u2013 Get a little booty on the side\u201c) und dann mit der harten Wirklichkeit des Kartenspiels konfrontiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Anschluss an diesen Klassiker stellt Lemmy dann die Band vor (\u201e23 fuckin\u2018 years \u2013 Phil Campbell. Monsieur Campbell\u201c und \u201eThe best drummer in the world \u2013 Mikkey Dee\u201c), wird dann selber als \u201eThe one and only Mister Lemmy Kilmister\u201c vorgestellt, und im Anschluss lassen sich die Drei zu Recht feiern und Lemmy richtet eine formvollendete Ansprache an die Jazzliebenden, denen Mot\u00f6rhead h\u00f6rbar ans Herz gewachsen sind: \u201eMerci boucay [sic!]! Don\u2018t forget us, we are Mot\u00f6rhead. And we play fucking Rock and Roll!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dann wieder vielstimmige \u201eMot\u00f6rhead!!!\u201c-Sprechch\u00f6re und dann schneidet Mikkey Dees Schlagzeug allen Ger\u00e4uschen auf dieser Erde den Ton ab. Das Er\u00f6ffnungsstakkato von \u201eOverkill\u201c ert\u00f6nt und wieder einmal mehr lassen Mot\u00f6rhead alles andere verstummen und verzaubern die Welt mit einem Wechsel aus Schlagzeuggeballer, r\u00f6hrendem Gesang, krachender Gitarre im Wechsel mit jaulenden Soli und \u2013 wie es sich f\u00fcr ein Mot\u00f6rhead-Konzertfinale mit \u201eOverkill\u201c geh\u00f6rt \u2013 dreimal Aufh\u00f6ren und viermal wieder anfangen und machen dabei die H\u00f6renden glauben, so ginge es jetzt ewig weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>So wie auf diesem Album geh\u00f6rt m\u00f6chte ich Mot\u00f6rhead f\u00fcr immer im Ged\u00e4chtnis behalten. Bedankt, Mister Ian Fraser Kilmister (\u2020 28. Dezember 2015), f\u00fcr die sch\u00f6ne Musik. Danke!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (29.06.2023) Mit einem fr\u00f6hlichen \u201eGutnaaaabend! Bonsoir! 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