{"id":5344,"date":"2023-06-28T21:28:41","date_gmt":"2023-06-28T19:28:41","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5344"},"modified":"2023-06-28T21:28:41","modified_gmt":"2023-06-28T19:28:41","slug":"was-meine-freundin-gerne-hoert-die-musikkolumne-flugzeug-ohne-raeder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/was-meine-freundin-gerne-hoert-die-musikkolumne-flugzeug-ohne-raeder\/","title":{"rendered":"Was meine Freundin gerne h\u00f6rt \u2013 die Musikkolumne: Flugzeug ohne R\u00e4der"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Was-meine-Freundin-gerne-Logo-111.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Was-meine-Freundin-gerne-Logo-111.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4578\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Onkel Rosebud \/ Michael T\u00f6rker<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist wirklich lange her, dass ich das letzte Mal Keimzeit geh\u00f6rt habe. Ich meine, richtig geh\u00f6rt, mit Titel raussuchen, Kopfh\u00f6rer aufsetzen und so. Aber schon nach den ersten Takten f\u00fchlt es sich an, als h\u00e4tte ich eben erst auf STOP gedr\u00fcckt. Am Kassettenrekorder, versteht sich. Nicht, dass es nicht schon CDs gab, als ich zu meiner Begeisterung f\u00fcr diese Musik fand, aber mein erster Kontakt war eine Musikkassette, von Freunden in die Hand gedr\u00fcckt und erstmal nicht wieder ausgemacht. Und meine damalige Freundin war gleicherma\u00dfen angesteckt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die gemeinsame Begeisterung ist wohl Teil des Geheimnisses, warum mich diese Musik so prompt und nachhaltig ber\u00fchrt hat. Das war im Jahr 1991. Die ersten beiden Keimzeit-Alben \u201eIrrenhaus\u201c und \u201eKapitel 11\u201c waren bereits erschienen, geh\u00f6rten bald zu meinen Lieblings-CDs und sind es bis heute. Irrenhaus ist mein Stichwort, denn w\u00e4hrend die musikalischen Arrangements auf diesen Tontr\u00e4gern sehr klar, geradezu transparent ausfallen, sind die Texte oft kryptisch. Manchmal scheinen sie direkt dem Irrenhaus entnommen. Die Frage, ob die Irren drin oder drau\u00dfen sind, liegt dabei nat\u00fcrlich immer in der Luft. Sei es bei der \u201eNachtvorstellung der Verr\u00fcckten, dem Irresp\u00e4tprogramm\u201c, dem \u201eHofnarr in eurem K\u00f6nigreich\u201c oder dem \u201eZeitungsburschen aus Boston oder New York\u201c \u2013 die \u201eKom\u00f6dianten und Entz\u00fcckten\u201c waren es am Ende, denen meine Sympathien geh\u00f6rten.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist schwierig, einen Titel von vielen auszuw\u00e4hlen. Aber wenn es einer sein muss, dann w\u00e4hle ich \u201eFlugzeug ohne R\u00e4der\u201c. Die Welt der T\u00e4nzer mit den roten Schuhen, der Grapellis im Geiste, der Tr\u00e4umer, Kom\u00f6dianten und Entz\u00fcckten, das w\u00e4re eine Welt gewesen, zu der ich gerne dazugeh\u00f6rt h\u00e4tte. Nur leider war ich immer sehr in der \u201ewirklichen Welt\u201c verankert.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber ein bisschen f\u00fchlte ich mich dann doch dazugeh\u00f6rig, wenn ich bei den vielen Keimzeitkonzerten meine Begeisterung mit anderen teilen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Konzerte waren eine Welt f\u00fcr sich, wegen ihrer L\u00e4nge und Intensit\u00e4t. Nicht selten spielte Keimzeit f\u00fcnf Stunden. Sie hatten ein Repertoire von 80 Songs. Neben den eigenen Titeln waren darunter auch viele Cover-Songs, die sich wie selbstverst\u00e4ndlich in den Keimzeit-Kanon einf\u00fcgten. Der \u201eHoochie Coochie Man\u201c geh\u00f6rte dazu ebenso wie der \u201eRoad Jack\u201c oder \u201eBaltimore\u201c. Am sch\u00f6nsten waren die Konzerte in den kleinen Dorfgasth\u00f6fen, deren Namen mir entfallen sind. Dort passte einfach alles zusammen. Die \u201eFamilienband\u201c der Leisegang-Geschwister aus Belzig in Brandenburg f\u00fchlte sich hier ebenso zu Hause wie das eingeschworene Publikum, das oft aus gro\u00dfem Umkreis angereist kam, so dass man auf verschiedenen D\u00f6rfern trotzdem immer dieselben Menschen sah. Auf den D\u00f6rfern f\u00fchlte sich jedes Konzert wie die \u201eNachtvorstellung der Verr\u00fcckten\u201c an und meine Freundin und ich waren dabei!<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den Konzerten fuhren wir mit meinem gerade erstandenen Trabant-Kombi, Kaufpreis ein Kasten Bier, und wir scheuten keine Wege. Die l\u00e4ngste Anreise hatten wir zu einem Konzert in Greiz. Leider stellten wir bei der Ankunft dort fest, dass wir uns im Datum geirrt hatten und das Konzert schon am Vortag stattgefunden hatte. Wir waren also auf einem guten Weg, Teil der Irrenhaus-Gemeinde zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Einer der sympathischsten Fans, die ich in dieser Zeit kennenlernte, war Richie. Wir sa\u00dfen zuf\u00e4llig in Leipzig im Beyerhaus an einem Tisch. Wir fanden schnell zu einem gemeinsamen Thema: Keimzeit. Richie hatte in Freiburg bei Radio Dreyeckland eine Sendung \u00fcber Keimzeit gemacht. Den Mitschnitt dieser Sendung \u2013 auf Musikkassette versteht sich \u2013 habe ich noch heute. Im Interview mit Norbert Leisegang h\u00f6rt man Richie von sich erz\u00e4hlen: \u201e\u2026 es gibt ja so Leute, die fahren mal so 800 Kilometer zum Keimzeit-Konzert, so alle vier Monate. Was haltet ihr von solchen Leuten, sind die ein bisschen krank in der Birne?\u201c Richie geh\u00f6rte zur Irrenhaus-Gemeinde, best\u00e4ndiger Gast auf vielen Konzerten. Schade, dass ich ihn aus den Augen verloren habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei einem Konzert in Riesa blieb w\u00e4hrend eines Konzertes pl\u00f6tzlich der Strom weg. Keine elektronisch verst\u00e4rkten Instrumente, kein Licht. Keimzeit-Saxofonist Ralf Benschu hatte in diesem Konzert Verst\u00e4rkung von Trompeter und Posaunist. Die drei Bl\u00e4ser improvisierten, bis der Strom wieder da war, zu \u201eFlugzeug ohne R\u00e4der\u201c. Bis heute bin ich unsicher, ob das zur Show geh\u00f6rte oder nicht. Aber es war herrlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn auf der Keimzeit-Live-CD das Intro zur 16-Minuten-Version von \u201eFlugzeug ohne R\u00e4der\u201c beginnt, f\u00fchlt man f\u00f6rmlich, wie sich der Vorhang \u00f6ffnet. Ein paar Takte nur Schlagzeug, ganz ruhig, dann setzt die Gitarre ein, dann die Bl\u00e4ser. Kein Paukenschlag. Es ist schlie\u00dflich die D\u00e4mmerungszeit der Wunderlichen und Sonderbaren. Der Gesang, wie nebenbei erz\u00e4hlt, unterlegt vom Keyboard, dass sich irgendwie reingeschlichen hat. Die Nachtvorstellung kann beginnen. Das Flugzeug fliegt. Es braucht keine R\u00e4der zum Starten und es kann ohnehin nicht landen. Die Protagonisten erscheinen auf der B\u00fchne: der tanzende Geiger auf der Balustrade, der Chef, der Terrorist, der Charmeur. Das geht so zwei bis drei Stunden. Oder wenigstens 16 Minuten.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann endet die Nachtvorstellung der Verr\u00fcckten, das Irresp\u00e4tprogramm. Der Vorhang f\u00e4llt.<\/p>\n\n\n\n<p>P.S.: Dieser Text erschien zuerst im Buch \u201eVarious Artists \u2013 Ich Liebe Musik Vol. 2\u201c (2020, Windlust Verlag) und wurde von Michael T\u00f6rker \u00fcber den Song \u201eFlugzeug ohne R\u00e4der\u201c von Keimzeit geschrieben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Onkel Rosebud \/ Michael T\u00f6rker Es ist wirklich lange her, dass ich das letzte Mal Keimzeit geh\u00f6rt habe. Ich meine, richtig geh\u00f6rt, mit Titel raussuchen, Kopfh\u00f6rer aufsetzen und so. 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