{"id":5338,"date":"2023-06-26T21:14:37","date_gmt":"2023-06-26T19:14:37","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5338"},"modified":"2023-06-26T21:14:37","modified_gmt":"2023-06-26T19:14:37","slug":"de-staat-red-yellow-blue-virgin-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/de-staat-red-yellow-blue-virgin-2023\/","title":{"rendered":"De Staat \u2013 Red\/Yellow\/Blue \u2013 Virgin 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/De-Staat-Red-Yellow-Blue.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/De-Staat-Red-Yellow-Blue.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5339\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (26.06.2023)<br><br>De Staat sind wie ein unertr\u00e4glicher Onkel auf der Familienfeier, der einen trotzdem beeindruckt, wie ein Film \u00fcber eine unsympathische Figur, der einen nicht losl\u00e4sst, wie der Pr\u00fcgeltyp auf dem Schulhof, mit dem man zur eigenen Verwunderung Interessen teilt und sich mit ihm anfreundet: Neben dem \u00dcbersong \u201eKitty Kitty\u201c und dem gro\u00dfartigen Circle-Pit-Anheizer \u201eWitch Doctor\u201c scheinen s\u00e4mtliche anderen Songs der Niederl\u00e4nder abzustinken, und trotzdem kann man nicht wegh\u00f6ren. Viel liegt an der Ausstrahlung des S\u00e4ngers Torre Florim, der einen mit seinem manischen Gehabe in die Abh\u00e4ngigkeit treibt, denn die Musik ist, freundlich gesagt, sperrig \u2013 f\u00fcr reinen Pop zu experimentell, f\u00fcr Rock zu artifiziell, sehr viel Plastik, sehr viel Plakativit\u00e4t, aber verdammt noch eins, sp\u00e4testens, wenn man sie einmal live sah (Guido D\u00f6rheide und der Schreiber dieser Zeilen berichteten), ist man verfallen. Das aus drei erweiterten EPs bestehende Quasi-Album \u201eRed\/Yellow\/Blue\u201c erf\u00fcllt alle Anforderungen und Ablehnungen, aber man kann einfach nicht wegh\u00f6ren. \u201eWho\u2019s Gonna Be The GOAT?\u201c Klar: De Staat!<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Eigentlich hofft man, dass die Songs von De Staat genau den Mix aus eben \u201eKitty Kitty\u201c und \u201eWitch Doctor\u201c darstellen, mit einigen \u00dcberraschungen als Kr\u00f6nchen. Das Gute ist, dass De Staat mit \u201eRed\/Yellow\/Blue\u201c diesen Aspekt sowohl erf\u00fcllen als auch nicht erf\u00fcllen: Man bekommt, was man erhofft, und man bekommt wie bef\u00fcrchtet, was man nicht mag, wo man eher wegh\u00f6ren m\u00f6chte, wo man sich zum Konsum gezwungen f\u00fchlt, wenn man die Anteile haben m\u00f6chte, die einem gefallen, und auch das ist eigentlich gut, weil man sich dann tats\u00e4chlich mit der kompletten Musik auseinandersetzt, die De Staat so zusammentragen, und die erf\u00fcllt nicht selten, wovon die Einst\u00fcrzenden Neubauten einst sangen: H\u00f6ren mit Schmerzen. Fremdscham: Machen die das gerade wirklich? Kindermelodien? Kindergesang?! Kindermusik, wenn man so will? Ja, machen sie, betten aber alles in etwas ein, das nicht nur Kindern den Zugang erschwert. Also ran an die drei EPs, es ist wie mit Oliven: Das muss man m\u00f6gen, das braucht seine Zeit, da muss man sich eben zwingen.<br><br>De Staat unterteilen ihre 15 neuen Songs in drei Abschnitte, dem Titel gem\u00e4\u00df eben \u201eRed\u201c, \u201eYellow\u201c und \u201eBlue\u201c, und gruppieren die Songs in ihrer Ausrichtung grob. Dabei ist \u201eRed\u201c aggressiv, experimentell, tanzbar, hyperaktiv und hysterisch, \u201eYellow\u201c ebenfalls hysterisch, tanzbar und aggressiv, aber poppiger, und \u201eBlue\u201c dramatisch, poppig, emotional und balladesk. Keine der drei Sequenzen ist rein, es gibt \u00dcberschneidungen und uneindeutige Zuordnungen, so dass man etwa auch in \u201eBlue\u201c von etwas H\u00e4rte \u00fcberrumpelt wird, und auch das ist gut so.<br><br>Das Zackige tr\u00e4gt die Musik von De Staat seit jeher in sich, eine Art Funk, nur k\u00fcnstlicher, wie eine wildgewordene Version der Band Vinyl, der Les Claypool auf deren Album \u201eFogshack Music Volume Two\u201c den Indierock-Funk-Bass in den synthetischen Funk einschleuste. Das ist auch im Falle von De Staat keine richtige Rockmusik, die dabei herauskommt, und doch tr\u00e4gt sie H\u00e4rte und Aggressivit\u00e4t, auch wenn der Anschein von Plastik nicht wegzuwischen ist. Die H\u00e4rte erzeugen die Niederl\u00e4nder oft mit der Kantigkeit ihrer Beats, mit ihren heftigen, sirenenartigen, kreischigen Synthie-Effekten und der Art, wie Florim die Texte bellt, gleich \u201eHead On The Block\u201c setzt da entsprechender Akzente. Dabei bleibt es aber nicht: Es gibt n\u00e4mlich auch Songs, die den Rhythmus von \u201eDespacito\u201c tragen, wie \u201eBurning The Flag\u201c, oder deren Melodien und Gesangspassagen billig radiotauglich oder gar infantil zu sein scheinen, dass man sich nur verwundert die Ohren reibt, bis man feststellt, dass diese Passagen in unpoppige Experimentalsongs eingebaut sind, etwa \u201eDanger\u201c und \u201eBombti\u201c. Und als drittes gibt es sanfte Balladen, in denen die Band pl\u00f6tzlich empathisch wirkt, was ihr steht und was den alten, etwas verloren gegangenen Aspekt des Psychedelischen einmal wieder bedient, wie das vers\u00f6hnliche \u201eWhat Goes, Let Go\u201c.<br><br>Ja, diese drei EPs haben haufenweise Hits, was auch daran liegt, dass De Staat einige davon bereits als Single unter die Leute warfen und sie den Fans daher bereits vertraut und im Ohr sind. \u201eWho\u2019s Gonna Be The GOAT?\u201c auf \u201eYellow\u201c etwa, das eben tats\u00e4chlich die Fortsetzung von \u201eKitty Kitty\u201c und \u201eWitch Doctor\u201c ist, nach der man sich so sehnt; ein Song, in dem Florim den vertrauten Zampano gegen kann, den man an ihm so feiert, den manischen Stra\u00dfenprediger, den sich selbst \u00fcbersch\u00e4tzenden Top-Manager mit Hemds\u00e4rmeln, den abgehalfterten Motivationstrainer. Dann verwendet er sein Organ wie beim Rap oder Parolen skandierend, beschw\u00f6rend. Er ist aber noch viel mehr, etwa der charismatische Fronts\u00e4nger einer dramatischen Popband wie in \u201eRunning Backwards Into The Future\u201c auf \u201eBlue\u201c. Und, auf eben dieser EP, auch mal der Seelentr\u00f6ster, mit \u201eWhat Goes, Let Go\u201c, oder auch mit dem Ohrwurm \u201eOne Day\u201c auf der \u201eYellow\u201c, und da offenbart Florim, was f\u00fcr eine wundersch\u00f6ne Singstimme er hat.<br><br>Die Zusammensetzung dieses Albums ist ein Kuriosum: In den zur\u00fcckliegenden Monaten brachten De Staat immer mal Songs heraus, die sie frei nach De Stijl den drei Prim\u00e4rfarben zuordneten, erst drei St\u00fccke, dann sechs bis sieben, und b\u00fcndelten diese zun\u00e4chst digital und alsbald als Tour-CD-Edition mit je drei Songs pro Farbe, bis sie nun weitere Songs aufnahmen und alle drei EPs mit je f\u00fcnf St\u00fccken im Pappschuber auf CD und 10\u201c als 51 Minuten langes Album vorlegen, das man bestens einfach so weg h\u00f6ren kann. Am meisten erstaunt dabei wohl, dass dies eigentlich eine erweiterte Singles-Sammlung ist, die trotzdem ein schl\u00fcssiges Album mit einer nachvollziehbaren Dramaturgie ergibt.<br><br>Fazit des Ganzen muss wohl sein, dass man es bei De Staat mit einem Quintett zu tun hat, das den Indierock mit Plastikfunk korrumpiert \u2013 und mit Humor: Die machen das alles mit heiliger Ernsthaftigkeit, k\u00f6nnen es aber beim besten Willen nicht ernst meinen. Diesen Spagat verdeutlichen allein die gegens\u00e4tzlichen B\u00fchnenfiguren vom bereits beschriebenen Anzugtr\u00e4ger Torre Florim und dem Ponyfrisur und Bart sowie Schlabberklamotten und Angeberkettchen tragenden Keyboarder und Sounddesigner Rocco Hueting. Ja, verdammt: \u201eRed\/Yellow\/Blue\u201c ist geil, und wenn man es sich f\u00fcr diese Erkenntnis zehntausend Male anh\u00f6ren muss. Das wird sich dann wenigstens gelohnt haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (26.06.2023) De Staat sind wie ein unertr\u00e4glicher Onkel auf der Familienfeier, der einen trotzdem beeindruckt, wie ein Film \u00fcber eine unsympathische Figur, der einen nicht losl\u00e4sst, wie der Pr\u00fcgeltyp auf dem Schulhof, mit dem man zur eigenen &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/de-staat-red-yellow-blue-virgin-2023\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,21],"tags":[],"class_list":["post-5338","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album","category-box"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5338","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5338"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5338\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5340,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5338\/revisions\/5340"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5338"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5338"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5338"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}