{"id":5319,"date":"2023-06-20T22:11:10","date_gmt":"2023-06-20T20:11:10","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5319"},"modified":"2023-06-20T22:11:10","modified_gmt":"2023-06-20T20:11:10","slug":"judith-parts-meadowsweet-judith-parts-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/judith-parts-meadowsweet-judith-parts-2023\/","title":{"rendered":"Judith Parts \u2013 Meadowsweet \u2013 Judith Parts 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Judith-Parts-Meadowsweet.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Judith-Parts-Meadowsweet.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5320\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (20.06.2023)<br><br>Eine Musik wie diese kann nur aus Skandinavien kommen. Von Kopenhagen aus produziert die Estin Judith Parts dieser Tage ihre fragilen St\u00fccke, mit einem elfengleichen klaren Gesang und zur\u00fcckhaltenden Electro-Experimenten. Erinnerungen an Under Byen, Jomi Massage, Stina Nordenstam und Bj\u00f6rk winken aus der N\u00e4he. Nicht nur karge Elektronik und Field Recordings, auch klassische Instrumente wie Cello und Trompete setzt Parts, Ex-S\u00e4ngerin der estnischen Band Nebula Flowers, ein \u2013 nicht alles spielt sie selbst, sie hat Freunde \u2013 und generiert daraus ein Deb\u00fct-Album, das vordergr\u00fcndig zerbrechlich wirkt, teilweise Anfl\u00fcge von Soundtracks zu nordischen Filmdramen tr\u00e4gt und in seiner Tiefe sehr experimentierfreudig und minimalistisch vielschichtig ist.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Den Einstieg in dieses Album erleichtert, dass Parts im er\u00f6ffnenden Titelst\u00fcck klar eine nachvollziehbare Melodie vortr\u00e4gt \u2013 die Musik darunter hingegen erf\u00fcllt keine leicht zug\u00e4nglichen Aspekte: Es knistert, raschelt, schabt, ein Synthie l\u00e4sst einen einzelnen variierenden Ton erklingen. Im zweiten Song \u201eUnderwater Love\u201c versieht sie ihre Stimme teilweise mit einem Vocoder-Effekt, den Laurie Anderson auch in \u201eO Superman\u201c zur Anwendung brachte, dazu l\u00e4sst sie dezidiert Ger\u00e4usche los, Wabern, Klacken, Klickern, Glitches. Erst in St\u00fcck drei, dem nach ihrer Wahlheimat benannten Instrumental \u201eK\u00f8benhavn\u201c, erklingt so etwas wie herk\u00f6mmliche Musik, ein Piano, \u00fcber den inzwischen vertrauten Knistersounds dezent getupft. \u201eNovember\u201c klingt genau so, ein spukendes St\u00fcck Kammermusik, mit hocht\u00f6nigen St\u00f6rger\u00e4uschen im Hintergrund, wie wahlweise aus einem Thriller oder einem dunklen skandinavischen Drama, \u201eSams\u00f8\u201c setzt die nebul\u00f6se Stimmung mit etwas Piano fort, man w\u00e4hnt sich in einer finsteren Herbstnacht auf der titelgebenden Ostseeinsel eingesperrt und vom Festland abgeschnitten.<br><br>In \u201eFamily\u201c nimmt Parts das Songorientierte wieder auf, steigert es im martialisch betitelten \u201eBurn Like Witches\u201c sogar, bleibt dabei musikalisch karg und fragmentarisch und leitet in das mit Experimentalsounds unterlegte Spoken-Word-St\u00fcck \u201eIntro I\u201c \u00fcber, das trotz des Index\u2018 im Titel keine Fortsetzung bekommt. Pl\u00f6tzlich bricht \u201eNettle Field\u201c los, das erste und auch gleich letzte St\u00fcck mit Percussion oder Schlagzeug, eher wie im Industrial eingesetzt, alptraumartig verschleppt, mit Sirenensounds zu Cher-Vocoder-Effekten. \u201eApple Tree\u201c knistert zun\u00e4chst, dann zerhackt Parts ihre Stimme, ungef\u00e4hr so, wie man es von Nac\/Hut Report kennt, bevor sie das St\u00fcck dann doch zum Lied werden l\u00e4sst und verhalten singt, fast wie Jarboe in den dunkelsten Momenten der Swans. Eine geisterhafte Trompete erklingt aus einer verlassenen Kirche hinter ihr, die Orgel funktioniert noch und begleitet das finale \u201eSpell\u201c, das einmal mehr genau so klingt, wie es hei\u00dft, n\u00e4mlich verwunschen, mit Sounds, die aus dem Swedenborg-Raum her\u00fcberklingen, und einem Sirenengesang. Und einem als abrupt empfundenen Ende, das die H\u00f6renden aus dem Nebel in die Realit\u00e4t zur\u00fcckspuckt.<br><br>Auf ihrer Deb\u00fct-EP \u201eUDU\u201c war Parts im Jahre 2020 noch eher klassisch orientiert, da \u00fcberwog die Kammermusik \u00fcber dem Experiment, das sie auf \u201eMeadowsweet\u201c erst so richtig auslebt. Das St\u00fcck \u201eUdu\u201c selbst performte Parts bereits mit ihrer kurzlebigen Band Nebula Flowers, die sie in Estland als Trio betrieb. Nebenbei und \u00fcberhaupt komponiert Parts viel Musik f\u00fcr Tanzperformances und Kunstausstellungen und produzierte ein Album f\u00fcr die estnische Musikern Maris Pihlap. Auf \u201eMeadowsweet\u201c, benannt nach der in Nordeuropa verbreiteten Pflanze Echtes M\u00e4des\u00fc\u00df, befasst sich Parts von ihrer d\u00e4nischen Wahlheimat aus mit ihren estnischen Wurzeln. Nicht komplett allein: Das Cello spielt Ida N\u00f8rby, die Trompete Ben Rodney. Und das sind nicht die einzigen Mitmischenden: Ganz im Sinne ihrer k\u00fcnstlerischen Aktivit\u00e4ten, sprengen die anderen G\u00e4ste den rein akustischen Rahmen. Das Coverfoto schoss Todd Richter, und das Motiv ist nicht einfach ein Schnappschuss am Strand mit Sand an den Fingern und komischem Beh\u00e4nge, sondern komplett durchgestylt: Claudia Lepik ist als Schmuckk\u00fcnstlerin und Art Director aufgef\u00fchrt, Stilistin ist Liisa-Chrislin Saleh, die Kleidung gestalteten Crystal Rabbit &amp; Ron Verlin und das Grafikdesign der Schallplatte, die daraus wurde, stammt von Mari M\u00f6ldre. Kammamasehn. Damit ist \u201eMeadowsweet\u201c als Gesamtkonzept weit mehr als nur ein Album mit Musik, und dann auch noch mit so besonderer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (20.06.2023) Eine Musik wie diese kann nur aus Skandinavien kommen. 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