{"id":5316,"date":"2023-06-19T21:54:09","date_gmt":"2023-06-19T19:54:09","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5316"},"modified":"2023-06-19T21:54:09","modified_gmt":"2023-06-19T19:54:09","slug":"afsky-om-hundrede-ar-vendetta-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/afsky-om-hundrede-ar-vendetta-2023\/","title":{"rendered":"Afsky \u2013 Om hundrede \u00e5r \u2013 Vendetta 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Afsky-Om-hundrede-ar.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"112\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Afsky-Om-hundrede-ar.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5317\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Matthias Bosenick (19.06.2023)<br><br>Ole Luk hat keine Angst davor, Akustikgitarren in den Black Metal einzubauen. Sch\u00f6n auf die Zw\u00f6lf gibt\u2019s nat\u00fcrlich trotzdem, auch wenn er sich unter dem Ein-Personen-Solo-Alias Afsky mit einem Bein in den postmodernen Post-Black-Metal-Gefilden herumtreibt; das andere hat er in der Tradition verankert. Hei\u00dft, dass er sehr wohl die Blastbeats und das Gekeife beherrscht, aber das Tempo insgesamt gedrosselt h\u00e4lt und mit den elektrifizierten Gitarren atmosph\u00e4rische Fl\u00e4chen generiert und damit untermauert, dass seine Variante von Black Metal ausgesprochen emotional behaftet ist. Dazu tr\u00e4gt bei, dass Luk ein versiertes H\u00e4ndchen f\u00fcr Harmonien hat, die er in seinen L\u00e4rm kleidet, den er wiederum mit komplett zur\u00fcckgenommenen Sequenzen unterbricht. \u201eOm hundrede \u00e5r\u201c ist tiefdunkel und in seiner heavy Verzweiflung wundersch\u00f6n. Der Vorg\u00e4nger \u201eOfte jeg dr\u00f8mmer mig d\u00f8d\u201c legte die Qualit\u00e4tsmarke f\u00fcr grenz\u00fcberschreitenden Black Metal ja sehr hoch, Afskys drittes Album rei\u00dft sie gottlob nicht ein.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man m\u00f6chte Ole in den Arm nehmen und ihm ein Halsbonbon geben, so mitrei\u00dfend schwerm\u00fctig, wie die Musik ist, und so extrem, wie er die auf D\u00e4nisch gehaltenen Texte kreischt. Er l\u00e4sst das Album, wohl als Quasi-Fortf\u00fchrung der Akustik-EP \u201eI stillhed\u201c aus dem vergangenen Jahr, mit der Akustikgitarre einl\u00e4uten, zart, zerbrechlich, man ist sehr geneigt, die Lautst\u00e4rke anzuheben, und dann \u00fcberrollt einen Afskys Rausch. Der indes fein ausgestaltet ist, trotz einer bratzenden Gitarrenwand, da sitzt jeder Schlag auf die Drums, da groovt es \u2013 und da schie\u00dft die Akustische dezidiert dazwischen, versucht, das sich auft\u00fcrmende Meer zu beruhigen, aber es gelingt nicht, die Stimme \u00fcbernimmt und kreischt wie der Sturm. Beim Blick auf die Coverr\u00fcckseite stellt man fest, wie gut Ole den Titel des Tracks damit umsetzt, denn der lautet \u201eStormfulde hav\u201c, also \u201eSt\u00fcrmisches Meer\u201c. Genau so klingt es, und man kann ahnen, dass damit nicht allein die Ostsee gemeint ist, in deren N\u00e4he der Musiker lebt, sondern vielmehr etwas Inneres. Das Meer, welches auch immer, wogt und tost und l\u00e4uft dann wiederum akustisch aus. Erst jetzt traut man sich, auch wieder Luft zu holen.<br><br>Man sagt dem Black Metal ja gern nach, kalt zu wirken, und Afsky gibt sich auch alle M\u00fche, dem zu entsprechen, schon mit dem Titel des n\u00e4chsten St\u00fccks, \u201eFrosne vind\u201c, \u201egefrorener Wind\u201c, doch spricht es sehr f\u00fcr ihn, dass ihm das nicht gelingt, sein Black Metal tr\u00e4gt immer ein gl\u00fchendes Herz in sich, und sei es nur das der Hoffnung, die K\u00e4lte zu \u00fcberwinden; sein hohes Keifen, sein durchdringendes Kreischen, all das untermauert diese Wahrnehmung nur, anstatt die K\u00e4lte aus den Rillen tropfen zu lassen. Daf\u00fcr spielt er die Gitarren einfach zu warm und sind die Harmonien zu \u2013 nun: harmonisch, als dass man seine musikalische Verzweiflung als lebensverneinend wahrnehmen k\u00f6nnte.<br><br>Nat\u00fcrlich l\u00e4sst sich Afsky tief und ausf\u00fchrlich in die Stimmungen sinken, die er in den sechs Songs errichtet, da erf\u00fcllt er das Epische, das dem Black Metal inneliegt. Zudem gestaltet er viele Songs nach der Gau\u00dfschen Verteilungskurve, indem er sie sanft ein- und Schr\u00e4gstrich oder ausleitet, mit einer E-Gitarre etwa, deren sp\u00e4rliche Akkorde in der Leere verhallen, bevor Schr\u00e4gstrich nachdem ebenjene Gitarre im Verbund mit den restlichen Instrumenten dunkel dr\u00e4uende Gewitter tosen l\u00e4sst, oder auch mal mit einem Spinett; der Mann wei\u00df, wie man Regeln bricht, weil er wei\u00df, wie man sie einh\u00e4lt, deswegen \u00fcberzeugt seine Musik ja so leicht. Jedenfalls kommt es daher, dass alle sechs Songs \u00dcberl\u00e4ngen haben, jeweils zwischen fast sieben und fast acht Minuten, und dabei keine Sekunde zu lang sind.<br><br>Kann man sich gar nicht vorstellen, dass das wirklich alles von nur einer Person komponiert, konzipiert und eingespielt wurde, so fein ausgearbeitet, versiert gespielt, abwechslungsreich und gleichsam homogen ist dieses Album. \u201eIn hundert Jahren\u201c, so der Titel, wird ihm indes das wiederfahren, was er im finalen Song \u201eFred v\u00e6re med st\u00f8vet\u201c anspricht: Frieden seiner Asche. Bis dahin ver\u00f6ffentlicht er hoffentlich noch weitere Alben dieser Art.<br><br>Live bekommt Afsky \u00fcbrigens Unterst\u00fctzung unter anderem von Musikern der Band Sunken aus Aarhus, deren Black Metal ebenfalls atmosph\u00e4risch ist und die zu empfehlen kein Platz zu wertvoll sei. F\u00fcr Afsky und sein Metalalterprojekt Heltekvad legte Ole Luk vor einiger Zeit sein Amt bei Solbrud nieder, was bedauerlich ist, aber ein Album wie \u201eOm hundrede \u00e5r\u201c entschuldigt dies vielfach. Dem farbigen Vinyl liegt, wie auch dem Vorg\u00e4nger, ein gro\u00dfes Heft mit Texten und Bildern bei, ein sch\u00f6ner Mehrwert, den kein Download bietet. Fedt! Und jetzt ein Hustenbonbon und eine Umarmung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (19.06.2023) Ole Luk hat keine Angst davor, Akustikgitarren in den Black Metal einzubauen. 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