{"id":5269,"date":"2023-05-30T22:06:03","date_gmt":"2023-05-30T20:06:03","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5269"},"modified":"2023-05-30T22:06:06","modified_gmt":"2023-05-30T20:06:06","slug":"squerl-silver-haze-sacred-bones-records-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/squerl-silver-haze-sacred-bones-records-2023\/","title":{"rendered":"Sq\u00fcrl \u2013 Silver Haze \u2013 Sacred Bones Records 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Squerl-Silver-Haze.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Squerl-Silver-Haze.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5270\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (30.05.2023)<br><br>Das muss man bringen: 2009 als Trio Bad Rabbit gegr\u00fcndet, nach einer EP umbenannt in Sq\u00fcrl, unz\u00e4hlige EPs, Soundtracks und LPs herausgebracht, zwischendurch zum Duo geschrumpft \u2013 und 2023 behaupten, \u201eSilver Haze\u201c sei das Deb\u00fctalbum. Dieser Move verlangt Jim Jarmusch und Carter Logan, den verbliebenen Sq\u00fcrl-Musikern, offenbar einiges an Erwartungshaltungserf\u00fcllung (puh) ab, denn \u201eSilver Haze\u201c setzt sehr wohl das Ambient-Drone-Noiserock-Konzept der beiden fort, klingt aber, nicht zuletzt auch wegen der prominenten G\u00e4ste, etwas zug\u00e4nglicher als die Zweckver\u00f6ffentlichungen zu den Filmen Jarmuschs oder den Experimentalplatten dazwischen. Der L\u00e4rm r\u00fcckt weiter in die Mitte, k\u00f6nnte man sagen, und damit einen Schritt weg von dem, was Fans der ersten Stunde an Sq\u00fcrl so liebten, n\u00e4mlich die Kompromisslosigkeit. F\u00fcrs Radio empfiehlt sich \u201eSilver Haze\u201c dann aber immer noch nicht, und das macht es vers\u00f6hnlich. Hey, Charlotte Gainsbourg ist dabei!<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Vielleicht liegt es ja auch nur daran, dass man \u2013 nicht zuletzt auch von Sq\u00fcrl \u2013 Verst\u00f6renderes gewohnt ist, dass man \u201eSilver Haze\u201c f\u00fcr leicht zug\u00e4nglich h\u00e4lt. Bei Lichte betrachtet, also f\u00fcr sich geh\u00f6rt, birgt es dennoch so manche Untiefe, Stolperfalle und Nebelbank. Zun\u00e4chst sind nicht alles Songs, viele vertragen die Bezeichnung Track oder St\u00fcck ganz gut. Dann sind alle diese Titel im schleppenden Tempo gehalten, wie es sich f\u00fcr, ah\u00e4m, Sludge, Doom, Drone geh\u00f6rt. Auch wenn die Gitarren an mancher Stelle angenehm kanalisiert und harmonisch zum Einsatz kommen, tirilieren sie wie zum Ausgleich an anderer Stelle quietschvergn\u00fcgt und experimentell herum. Dem Faktor Zug\u00e4nglichkeit zugute kommt bei Sq\u00fcrl \u00fcberdies grunds\u00e4tzlich, dass Jarmusch und Logan ihre Musik warm spielen, und so gehen sie auch hier vor.<br><br>Nat\u00fcrlich spielt man ein Album mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und Stimmen nicht allein zu zweit ein, wenn man keinen Black Metal macht. Gitarrist Jarmusch sowie Schlagzeuger und Keyboarder Logan borgen sich den Bassisten Arjan Miranda von den kanadischen Psychedelic-Rockern Black Mountain aus, f\u00fcr das St\u00fcck \u201eQueen Elizabeth\u201c stibitzt er Mike Oldfield sogar die Tubular Bells aus der Asservatenkammer. Marc Ribot, verdienter Gitarrist unendlicher Projekte, Bands und Helden, darunter Tom Waits, tritt hier dreimal in Kraft, und das mal h\u00fcbsch wohlklingend und dann wieder noisy und experimentell. Ebenso weitgereist ist Cellist Brent Arnold, der hier zweimal dr\u00f6hnende Fl\u00e4chen mitzuerzeugen hilft. Und es gibt Vokalistinnen, neben Jarmuschs dunkel-gruselig gesprochenen und gesungenen Passagen: Anika Henderson von Beak> und Charlotte Gainsbourg setzen mit ihren helleren Stimmen einnehmende Kontrapunkte zur d\u00fcsteren Musik.<br><br>Und d\u00fcster ist \u201eSilver Haze\u201c an so mancher Stelle. Die Single \u201eBerlin \u201887\u201c tr\u00e4gt als Opener Erinnerungen an Jarmuschs wilde Jahre, sagt er, und das St\u00fcck l\u00e4sst ahnen, dass seine Erinnerungen den Umst\u00e4nden entsprechend nebul\u00f6s sein d\u00fcrften. \u201eThe End Of The World\u201c tr\u00e4gt seinen Titel zu Recht, Sq\u00fcrl fuzzen milde, aber bestimmt, und Jarmusch murmelt sich dazu Dunkelheiten in seinen glattrasierten Bart, die man gar nicht so genau verstehen will. Dagegen wirkt das mit Ribot eingespielte \u201eGarden Of Glass Flowers\u201c gleich viel heller, schimmernder, beinahe fr\u00fchlingshaft, positiv, so transluzent, melodi\u00f6s und fragil, wie sie es darbieten. Gleich der n\u00e4chste Song, \u201eShe Don\u2019t Wanna Talk About It\u201c mit Anika und Ribot, ist dagegen ein stampfender Brecher, dessen zweistimmiger spr\u00f6der Gesang an \u201eSummerwine\u201c oder \u201eSome Velvet Morning\u201c von Lee Hazlewood und Nancy Sinatra erinnert.<br><br>In \u201eIl Deserto Rosso\u201c darf Ribot dann auf der B-Seite mit den anderen dreien seine experimentelle Ader ausleben und wilde V\u00f6gel \u00fcber der roten W\u00fcste kreisen lassen, als w\u00e4re eine Siebziger-Progband aus dem Ruder gelaufen und zu sandigen Ufern aufgebrochen. Mit der nachdr\u00fccklich fl\u00fcsternden Charlotte Gainsbourg ger\u00e4t das vergleichsweise klar instrumentierte \u201eJohn Ashbery Takes A Walk\u201c dennoch zu einem Gruselst\u00fcck. In der Art, wie Jarmusch zu Tubular Bells und Country-&amp;-Western-W\u00fcstenmusik dunkel singt, erinnert \u201eQueen Elizabeth\u201c an die Musik seines Regiekollegen David Lynch, circa \u201eCrazy Clown Time\u201c. Im abschlie\u00dfenden Titelst\u00fcck verlieren sich die drei Haupt-Eichh\u00f6rnchen in spacigem Gedudel, dass es eine Freude ist, sie auf diesem Trip zu begleiten.<br><br>Nat\u00fcrlich findet man viele Elemente wieder, die man bereits von Sq\u00fcrl, Eigenschreibweise in Majuskeln, kennt. Und das ist eine Menge, seit Jarmusch, Logan und Shane Stoneback 2009 f\u00fcr den Film \u201eThe Limits Of Control\u201c erstmals musizierend zusammentraten, damals noch als Bad Rabbit, was sie nur ein Jahr sp\u00e4ter zugunsten von Sq\u00fcrl ablegten. Schon da wird es kompliziert: Das Trio re\u00fcssierte 2010 mit \u201eEP #1\u201c \u2013 und 2013 erneut, allerdings mit abgewandelter Tracklist. Einer der drei Tracks taucht auch hier auf, ein weiterer 2014 auf \u201eEP #3\u201c und einer bleibt nur dort zug\u00e4nglich, also auch nicht auf \u201eEP #2\u201c oder 2016 auf \u201eEP #260\u201c. Mit Jozef van Wissem schufen Sq\u00fcrl 2014 den Soundtrack zu \u201eOnly Lovers Left Alive\u201c und 2016 das Live-Album \u201eLive At Third Man Records\u201c zu Hause bei Jack White, jenes bereits als Duo. Es folgten 2017 der Soundtrack zu \u201ePaterson\u201c und 2019 der zu \u201eThe Dead Don\u2019t Die\u201c sowie 2020 das experimentelle Album \u201eSome Music For Robby M\u00fcller\u201c. Und \u201eSilver Haze\u201c ist jetzt also das Deb\u00fctalbum, schon klar. Wie auch immer, bei Sacred Bones gibt\u2019s das in schwarzwei\u00dfem Vinyl, noch ein Kaufgrund also.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (30.05.2023) Das muss man bringen: 2009 als Trio Bad Rabbit gegr\u00fcndet, nach einer EP umbenannt in Sq\u00fcrl, unz\u00e4hlige EPs, Soundtracks und LPs herausgebracht, zwischendurch zum Duo geschrumpft \u2013 und 2023 behaupten, \u201eSilver Haze\u201c sei das Deb\u00fctalbum. 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