{"id":5215,"date":"2023-05-14T13:03:31","date_gmt":"2023-05-14T11:03:31","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5215"},"modified":"2023-05-14T13:03:31","modified_gmt":"2023-05-14T11:03:31","slug":"mad-heidi-johannes-hartmann-sandro-klopfstein-ch-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/mad-heidi-johannes-hartmann-sandro-klopfstein-ch-2022\/","title":{"rendered":"Mad Heidi \u2013 Johannes Hartmann &amp; Sandro Klopfstein \u2013 CH 2022"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"178\" height=\"100\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-660\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (14.05.2023)<br><br>Es ist nicht zu \u00fcbersehen: \u201eMad Heidi\u201c ist ein Film von Fans, die sich bei ihren liebsten Regisseuren und Genres bedienen und daraus einen blutr\u00fcnstigen Film drehen, den sie berechtigt als Swissploitation bezeichnen. Die Schweizer Johannes Hartmann und Sandro Klopfstein finanzierten ihren Diktatur-Gef\u00e4ngnis-Horror-Splatter-Heimatfilm \u00fcber Crowdfunding, und dadurch kam er auch einmalig in Braunschweig ins Kino, weil einer der Geldgeber, der zudem mehrfach als Komparse in Erscheinung tritt, ihn bei sich zu Hause unbedingt auf gro\u00dfer Leinwand zeigen wollte. Ergebnis war ein gro\u00dfes Fest im Kino. Der Film selbst lie\u00df bei allem Heidispa\u00df, den die Macher an ihrem Unsinn hatten, jedoch einiges vermissen: mehr Dynamik, abwechslungsreichere Kamera, spritzigere Dialoge und eine eigene Handschrift \u00fcber den Zitatereigen hinaus. Der Abend war trotzdem der Gipfel!<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Richtig gut ist, dass der Gei\u00dfenpeter (auf Schweizerisch nat\u00fcrlich Geissenpeter) hier von Kel Matsena gespielt wird, also eine dunkle Hautfarbe hat. Kritik an der Liaison zwischen der 24j\u00e4hrigen Adelheid, genannt Heidi, und ihm gibt es von Seiten ihres Gro\u00dfvaters Alp\u00f6hi nicht deswegen, sondern weil er Dorfger\u00fcchten zufolge ein Hallodri ist. Er vertickt n\u00e4mlich illegal K\u00e4se aus eigener Herstellung, und das ist in der Schweiz seit 20 Jahren verboten. Denn Diktator und Konzernchef Pr\u00e4sident Meili herrscht mit Strenge \u00fcber das Land und l\u00e4sst alle Verr\u00e4ter hinrichten. Damit ist er recht schnell, wie es sich f\u00fcr Filme mit irren Diktatoren so geh\u00f6rt. Nun bringt er damit, dass Soldaten den Peter auf dem Marktplatz exekutieren, die dies beobachtende Heidi gegen sich auf \u2013 die aber erstmal gefasst und in eine Art Frauenknast gesteckt wird. Aus dem sie irgendwann entkommt, sich von einer Absinthfee in Schwertkampf ausbilden l\u00e4sst und letztlich in einer Arena gegen den Buchhalterstier antritt, um hernach den Pr\u00e4sidenten seines Amtes und auch allem sonstigen zu entheben.<br><br>Dazu kommen der f\u00fcr tot gehaltene Alp\u00f6hi, der mit anderen Bergd\u00f6rflern rund um Geissenpeters Vater eine B\u00fcrgerwehr gegen die Diktatur formiert, der irre General Knorr, der sich von der Knastleiterin Fr\u00e4ulein Rottweiler (man beachte die bissige Namens\u00e4nderung) Wurst mit Senf in den After stecken l\u00e4sst, Heidis Freundin Klara, die k\u00e4ses\u00fcchtig wird, und ein Wissenschaftler, der aus Menschenmilch einen Superk\u00e4se generiert, der aus denen, die ihn essen, Zombiesoldaten macht. Das liest sich so erstmal wirklich wie ein bunter Strau\u00df an Absurdit\u00e4ten, die in einer fl\u00fcssigen Reihenfolge und einer dynamischen Darreichungsform einen Megaknaller ergeben m\u00fcssten. Leider ger\u00e4t die Montage dieser Sequenzen oft eher \u00fcberraschungsarm, aus mehreren Gr\u00fcnden: Die Kamera zeigt fast immer dieselbe Einstellung, es fehlen Details, Perspektivwechsel, Totale, Bewegungen, Zooms, Jumpcuts, was auch immer, also Spielereien mit der Technik, die die Macher ja eigentlich zur Hand haben. Manche Sequenzen werden zu oft wiederholt und zu langatmig erz\u00e4hlt, etwa die Dem\u00fctigung Heidis im Knast oder die Ausbildung mit der gr\u00fcn leuchtenden Absinthfee. Und eigentlich l\u00e4sst Heidis Blutrausch viel zu lang auf sich warten, bald wie in einem Asylum-Film: Ewig gibt\u2019s Gelaber, leider ohne Witz, und Heidi l\u00e4sst sich immer wieder einfangen, anstatt amtlich loszumetzeln. Aber das soll sie ja auch gar nicht, sie will ja nicht zur Massenm\u00f6rderin werden, sondern den Kopf des Pr\u00e4sidenten.<br><br>Dabei k\u00f6nnen die Filmemacher es besser, was sp\u00e4testens das Finale in der Arena belegt: Da tritt Heidi gegen Mitgefangene an und muss sich hernach gegen einen Stiermenschen erwehren; bei dieser Choreografie sind Redundanzen nicht m\u00f6glich, weil eine Narration eingebaut ist, n\u00e4mlich der Seitenwechsel von einer von Heidis Gegnerinnen. Auf einmal schnackelt es, die Kamera macht geile Sachen, der Blutrausch hat einen Verlauf, es geht vorw\u00e4rts. Auch h\u00fcbsch gefilmt ist der Tod der Aufseherin, die pl\u00f6tzlich von oben in der dunklen Zelle in ihrer knallroten Blutlache liegt. Oder der Tanz von Heidi auf der Alm am Anfang, der direkt dem Intro der japanischen Anime-Serie aus dem Jahr 1974 nachempfunden ist, so treffend, dass man erwartet, Gitti und Erika w\u00fcrden zu singen beginnen.<br><br>Zitate sind ohnehin die Kernkompetenz von Hartmann und Klopfstein. Das Intro mit Blockbuchstabend und schmelzendem Filmmaterial sieht aus wie bei Robert Rodriguez oder Quentin Tarantino, die Trainingssequenz im Wald ist zudem sehr dessen \u201eKill Bill\u201c entnommen. Aufrei\u00dfende K\u00f6rper und Blutfont\u00e4nen kennt man von Peter Jackson, dessen Deb\u00fct \u201eBad Taste\u201c 1987 ebenfalls eine Low-Budget-Produktion mit Freunden war. Weitere Zitate sind allgemein Genres entnommen, wie Knastfilmen, Sandalenfilmen, Italowestern, Mad-Scientist-Filmen, Drittes-Reich-Filmen, darunter etwa \u201eIron Sky\u201c, ein weiteres Crowdfunding-Vorbild aus dem Jahr 2012, sowie \u201eKlimbim\u201c, indem hier fortw\u00e4hrend anlasslos Frauen oben ohne in Erscheinung treten.<br><br>Das soll vermutlich lustig sein, aber mit dem Humor ist es in \u201eMad Heidi\u201c so eine Sache. Funktionieren spontane K\u00f6rpermodifikationen mit Bluttsunami in den zitierten Filmen auf eine Weise, die den Betrachter zum spontanen Auflachen bringt, empfindet man sie hier als erwartbare Konsequenz, die schlichtweg plakativ erf\u00fcllt wird. Auch Sprachwitz oder spritzige Dialoge kommen zu kurz; es wird viel gelabert, Meili etwas sabbelt viel Bl\u00f6dsinn, aber alles genau so, wie man es von einem irren Diktator bereits kennt, auch in einer \u00fcberzogenen Form. Richtig laut zum Lachen kommt man selten; m\u00f6glicherweise liegt dies auch in der Inszenierung, die mehr Handwerk als Kunst ist und der man mehr eigenen Charakter w\u00fcnscht.<br><br>Gut wiederum sind die Schauspieler, allen voran Alice Lucy als Heidi, die sich vom Alpenm\u00e4dchen zur K\u00e4mpferin mausert. Auch der Einsatz von Musik gelingt gut, das Team besch\u00e4ftigt eigene Score-Musiker und -Komponisten. Der Abspann l\u00e4sst zudem erwarten, dass es eine Fortsetzung geben k\u00f6nnte: Die Geschichte der marodierend umherziehenden Freundinnen \u201eHeidi und Klara\u201c.<br><br>Das gr\u00f6\u00dfte Fest fand ohnehin im Kinosaal statt, Organisator Thomas Stoch zeigte vorab auf der Leinwand Fotos vom Set und eine exklusive Willkommensbotschaft von einem der Regisseure. Der Mann liebt den Film, und diese Liebe ist ansteckend, der Saal tobte. Alles richtig gemacht \u2013 danke daf\u00fcr!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (14.05.2023) Es ist nicht zu \u00fcbersehen: \u201eMad Heidi\u201c ist ein Film von Fans, die sich bei ihren liebsten Regisseuren und Genres bedienen und daraus einen blutr\u00fcnstigen Film drehen, den sie berechtigt als Swissploitation bezeichnen. 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