{"id":5188,"date":"2023-05-05T19:32:25","date_gmt":"2023-05-05T17:32:25","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5188"},"modified":"2023-05-07T19:48:52","modified_gmt":"2023-05-07T17:48:52","slug":"shakin-stevens-re-set-bmg-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/shakin-stevens-re-set-bmg-2023\/","title":{"rendered":"Shakin\u2018 Stevens \u2013 Re-Set \u2013 BMG 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Shakin-Stevens-Re-Set.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Shakin-Stevens-Re-Set.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5189\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (05.05.2023)<\/p>\n\n\n\n<p>Wer, wie ich, in den 80ern im Westen aufgewachsen ist, kennt Shakin\u2018 Stevens aus seiner Kindheit, als er (also Shakin\u2018 Stevens, nicht ich) mehr Platten verkaufte als die Beatles (was kaum Wunder nimmt, denn damals gab es die Beatles seit \u00fcber zehn Jahren nicht mehr, Shakin\u2018 Stevens hingegen umso mehr) und hat ihn zehn Jahre sp\u00e4ter, als sein (also mein) Musikgeschmack gebildet wurde, nicht vermisst und ihn h\u00f6chstens mal absch\u00e4tzig als \u201eSch\u00fcttel-Stefan\u201c, ein vergessenes Relikt aus l\u00e4ngst verblichenen Erinnerungen an die Kindertage, geschm\u00e4ht. Inzwischen liebe ich es, guilty pleasures anzuh\u00e4ufen und Leute wie Lindenberg, Collins und Sting gut zu finden. Und ja, verdammt, ich habe das Alter erreicht, in dem ich das nicht nur darf, sondern beinahe schon muss. Nun also auch (und jetzt wird es Zeit f\u00fcr die Nennung des b\u00fcrgerlichen Namens) Michael Barrat, mit den elastischen Beinen. Barrat ist kein Brite und kein Engl\u00e4nder, sondern Waliser, was mir damals herzlich egal war \u2013 von Tom Jones hatte ich nie geh\u00f6rt \u2013, geboren 1948, nur ein gutes Jahr nach meinem Vater, und zur Zeit seiner ersten Karriere alles andere als ein Jungspund: Als er das noch war, spielte er bei \u201eShakin\u2018 Stevens and the Sunsets\u201c und trat sogar im Vorprogramm von den Rolling Stones (bekannt &amp; beliebt durch den bekannten &amp; beliebten Gassenhauer \u201eThe Under Assistant West Coast Promotion Man\u201c) auf. Ab 1980 und schon ein St\u00fcck \u00e4lter als 30 war er als Solok\u00fcnstler dann st\u00e4ndiger Gast in den Charts. Mein Vater kaufte damals einen Volkswagen Golf I GLS in Indianerrot metallic, was ich ebenfalls toll fand. Leider sind beide schlecht gealtert: Beinahe alle Ier-G\u00f6lfe sind komplett weggerostet (hihi, also alle jetzt unfreiwillig indianerrot) und Shakin\u2018 Stevens ist komplett vergessen. Warum? Beim Golf ist mir das egal (notfalls hat Papa Schuld), aber Shakin\u2018 Stevens hat derlei Vergessen sicher nicht verdient: Ich habe nochmal in seine alten Hits wie \u201eMarie Marie\u201c (1981) reingeh\u00f6rt und musste feststellen, dass mir das heute noch taugt, auch wenn es mir damals (von sagen wir mal 1987 aus) r\u00fcckblickend peinlich war, jemals was anderes als The Cure geh\u00f6rt zu haben. So, nun aber hier Exkurs Nostalgie Ende.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Shakin\u2018 Stevens hat also ein neues Album gemacht, und dessen Cover gef\u00e4llt mir: Es zeigt Shakin\u2018 Stevens vor einer Bergkulisse, gewandet in schwarz, mit Weste, Gehrock und einem herunterschlabbernden blauen Schal, der wie ein Schlips um den Hals des Barden gebunden ist. Shakin\u2018 Stevens tr\u00e4gt eine Kurzhaarfrisur, eine Str\u00e4hne seiner dunklen Haare h\u00e4ngt in die Stirn, er ist schlank, tr\u00e4gt eine get\u00f6nte Brille und schaut mit ernstem Blick in die Kamera. Ich finde, dass das sympathisch wirkt, und m\u00f6chte mir gerne die Musik auf dem Album anh\u00f6ren, was ich auch sofort tue. Gleich beim ersten St\u00fcck \u2013 \u201eGeorge\u201c \u2013 f\u00e4llt mir auf, dass ich mit Shakin\u2018 Stevens keine bestimmte markante Stimme verbinde und mich das ein wenig schneidend klingende, helle, ob des Alters leicht br\u00fcchig klingende Organ gleicherma\u00dfen \u00fcberrascht wie begeistert. Der Text handelt von Stevens\u2018 Onkel, der 30 Jahre, bevor dieser geboren wurde, starb, lange Jahre in Nervenheilanstalten verbrachte und \u2013 so die immer wieder auftauchende Zeile in diesem St\u00fcck \u2013 niemals vergessen sein wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf \u201eNot In Real Life\u201c erh\u00f6ht Stevens die Lautst\u00e4rke und ich beginne, diese Stimme sehr gerne zu m\u00f6gen. Dazu ert\u00f6nt erwachsenenorientierter Rock, der gekonnt dargeboten wird, nicht spektakul\u00e4r, nicht langweilig, sagen wir mal f\u00fcr Fans von sagen wir mal mindestens Tom Petty. In dem St\u00fcck beschreibt Stevens eine Welt, die sich ver\u00e4ndert, die verr\u00fcckt ist, und am Ende jeder zweiten Strophe fragt sich der Erz\u00e4hler, ob das Gestern angesichts der Zukunft wohl eine L\u00fcge sein mag.<\/p>\n\n\n\n<p>Das dritte St\u00fcck, \u201eIt All Comes Around\u201c, stellt seine Vorg\u00e4nger musikalisch nochmal in den Schatten, dieses rhythmusorientierte St\u00fcck Americana-Rock passt hervorragend zu Stevens\u2018 Stimme, anstelle einer Gitarre soliert die Mundharmonika, und das Ganze klingt trotz aller innewohnenden Energie sowas von laid back, dass man sich als H\u00f6rer:in sofort eine Jam Session von Stevens zusammen mit dem leider inzwischen verstorbenen JJ Cale w\u00fcnscht. Und f\u00fcrwahr: An dessen unaufgeregte Spektakularit\u00e4t erinnert mich \u201eRe-Set\u201c sehr oft, beispielsweise gleich auf dem folgenden St\u00fcck \u201eMAY\u201c \u2013 in meinen Augen dem apseluten Hit des Albums. Hallende Gitarren, wie sie nicht besser in einen Italo-Western passen w\u00fcrden, bestimmen das St\u00fcck, Stevens singt voller Hingebung, man erwartet, dass es jederzeit losdonnert, aber dass tut es nicht. Zumindest nicht instrumental. Stevens hingegen gibt zwischenzeitlich alles, singt die Instrumente an die Wand und stellt unter Beweis, dass man es hier mit einem wahrhaft jahrzehntelang untersch\u00e4tzten Vokalakrobaten zu tun hat.<br>Auf dem folgenden \u201eAll You Need Is Greed\u201c setzt sich das fort: Eine schrammelnde Gitarre leitet das St\u00fcck ein, Stevens stimmt ein, dann Schlagzeug, dann alles zusammen und wow \u2013 G\u00e4nsehaut ob der ganzen Energie, die durch einen Chorgesang im Refrain noch verst\u00e4rkt wird. Greeed is all you neeeeheeehheeeeeeheehed, ooooohoohhoooohoooo. Und es klingt nicht kitschig, sondern bedrohlich ernst, wie sich Stevens mit einer Welt auseinandersetzt, die von Gier und Profitsucht gepr\u00e4gt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Zerst\u00f6rung unseres Planeten setzt sich Stevens auch in dem folgenden Song, \u201eTick Tock\u201c, auseinander \u2013 hier schreit Mr. Stevens fast, die Melodie nimmt mich gefangen und auf der H\u00e4lfte des St\u00fccks ert\u00f6nt ein Saxofon-Solo, das das heisere Geschrei des S\u00e4ngers aufgreift und bestens erg\u00e4nzt. Das anschlie\u00dfende \u201eBeyond The Illusion\u201c ist ein Folksong, auf dem Stevens die St\u00e4rken seiner Stimme voll ausspielen kann und der sich bestimmt auch nur mit Gitarre und Gesang toll anh\u00f6ren w\u00fcrde. Der Text handelt von Fl\u00fcchtlingen, die \u00fcber das Meer einer besseren Zukunft entgegenstreben und dabei ertrinken. Und w\u00e4hrend ich noch daran denke, ert\u00f6nt \u201eHard Learned Lesson\u201c, Gitarre, Bass und Schlagzeug janglen recht hart vor sich hin, Stevens r\u00f6hrt, Bluesfolkrock in h\u00f6chster Vollendung und der Text beschw\u00f6rt eine gruselige Dystopie herauf. \u201eDirty Water\u201c ist dann ein Ausflug in den elektrischen Blues, inklusive starker Frauenstimmen beim Backgroundgesang und einer kreischenden Gitarre, die sich mit einer eindrucksvollen Bl\u00e4sersektion abwechselt. Auch hier wird das Album nicht fr\u00f6hlicher, die Protagonistin des St\u00fccks tr\u00e4umt von einem sch\u00f6nen Leben, die Tr\u00e4ume verwirklichen sich nicht, stattdessen kommt sie so richtig unter die R\u00e4der und geht schlie\u00dflich trinkend zugrunde.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine halbe Stunde ist noch nicht ganz um (so langsam reicht es ja auch an Lebensverneinung, oder?), dann beginnt schon das letzte St\u00fcck, das Titelst\u00fcck. Und was f\u00fcr eins: Ich mag die Melodie, der Gesang ist wieder einmal mehr unglaublich energiegeladen (Stevens ruft hier dazu auf, das Ruder herumzurei\u00dfen, nicht zu verzweifeln und, ja, letzten Endes die Welt zu retten. Und da klingt aus seinem Mund nicht mal d\u00e4mlich.) und Gitarre, Bass und Schlagzeug verstr\u00f6men eine W\u00e4rme, dass ich mir w\u00fcnsche, dass Album k\u00f6nnte noch ewig weitergehen. Leider ist es nach gut 32 Minuten zuende, und dass ist auch schon der einzige Kritikpunkt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (05.05.2023) Wer, wie ich, in den 80ern im Westen aufgewachsen ist, kennt Shakin\u2018 Stevens aus seiner Kindheit, als er (also Shakin\u2018 Stevens, nicht ich) mehr Platten verkaufte als die Beatles (was kaum Wunder nimmt, denn damals gab &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/shakin-stevens-re-set-bmg-2023\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-5188","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5188","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5188"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5188\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5191,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5188\/revisions\/5191"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5188"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5188"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5188"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}