{"id":5170,"date":"2023-04-28T16:15:31","date_gmt":"2023-04-28T14:15:31","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5170"},"modified":"2023-04-28T16:15:31","modified_gmt":"2023-04-28T14:15:31","slug":"u2-songs-of-surrender-island-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/u2-songs-of-surrender-island-2023\/","title":{"rendered":"U2 \u2013 Songs Of Surrender \u2013 Island 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/U2-Songs-Of-Surrender.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/U2-Songs-Of-Surrender.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5171\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (28.04.2023)<br><br>Der beste Witz ist nat\u00fcrlich, dass die Stadionrockband U2 ihr 40 Songs starkes Neueinspielungs-Vierfachalbum mit \u201eOne\u201c beginnen und mit \u201e\u201a40\u2018\u201c enden l\u00e4sst. Der zweitgr\u00f6\u00dfte Witz ist, dass die Iren ihren Backkatalog \u00fcberhaupt fleddern m\u00fcssen, nach zwei reichlich miesen, ohnehin schon retrofixierten Alben, da steht F\u00fcrchterliches zu bef\u00fcrchten \u2013 doch das Durchh\u00f6ren der vier je 40 Minuten langen CDs dreht die Erwartungen um: \u201eSongs Of Surrender\u201c ist, sagen wir mal vorsichtig \u2013 gut. Die alten Songs bekommen neue attraktive Facetten, die j\u00fcngeren Songs sind pl\u00f6tzlich h\u00f6rbar, alles richtig gemacht. Diese neuen Facetten sind \u00fcbrigens chillig, downbeatig, reduziert, entelektrifiziert, nicht auf die Kacke \u2013 so war es nicht zu erwarten, so l\u00e4sst es sich aber \u2013 trotz Bonos sich nicht selten wieder \u00fcbertrieben qu\u00e4kig in die Geh\u00f6rg\u00e4nge windender Stimme \u2013 gut h\u00f6ren, musikalisch ist es n\u00e4mlich, und dies ist offenbar haupts\u00e4chlich Multiinstrumentalist The Edge anzurechnen, einwandfrei. Der drittgr\u00f6\u00dfte Witz wiederum ist, dass sie das grandiose und letzte \u00fcberhaupt gute Album \u201eNo Line On The Horizon\u201c komplett au\u00dfen vor lassen \u2013 das kann man ihnen mit Fug und Recht zur Last legen und es sagt dann doch wieder einiges \u00fcber der Iren Verst\u00e4ndnis von guten Songs aus. \u201eOctober\u201c fehlt r\u00e4tselhafterweise au\u00dferdem. Der viertgr\u00f6\u00dfte: Weder \u201eSurrender\u201c noch \u201eMoment Of Surrender\u201c geh\u00f6ren zu den \u201eSongs Of Surrender\u201c.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ja, logo, dieses Verst\u00e4ndnis f\u00fcr gute Musik haben sie, und die 40 \u201eSongs Of Surrender\u201c spiegeln sehr gut wieder, dass die vier in \u00fcber 40 Jahren mal so richtig geile Lieder komponierten. Die Variabilit\u00e4t des eigenen Oeuvres demonstrierten U2 ja live schon immer, indem sie ihren Liedern Polituren verpassten, die dem Fan, der alle Studioalben hat, einen erheblichen Mehrwert, ein Erlebnis, eine \u00dcberraschung bietet und ihm Begeisterung entlockt. Im Grunde verh\u00e4lt es sich mit \u201eSongs Of Surrender\u201c nicht anders, nur im Studio. Was nicht bedeutet, dass U2 ihre Studiosongs live nicht rekonstruiert bekommen, weil sie einfach zu schlecht sind, nee nee, das kriegen sie selbstredend auch hin, und U2 sind live verdammt gut.<br><br>Nat\u00fcrlich hat man als U2-Fan seine Lieblingslieder \u00fcber die Jahrzehnte in seiner DNA abgelegt und kennt sie detailliert auswendig, da bef\u00fcrchtet man, dass einem jede Abweichung hier auf \u201eSongs Of Surrender\u201c erstmal als Schock, als Stich ins Herz, als L\u00fccke, als Vers\u00e4umnis erscheinen k\u00f6nnte. Doch gelingt es dem Quartett, genau diesen Effekt nicht zu erzielen, im Gegenteil, man freut sich \u00fcber das, was in den Liedern auch noch steckt, und dass U2 diese Edelsteine selbst kennen und freizulegen in der Lage sind.<br><br>Auf den beiden j\u00fcngsten Alben \u201eSongs Of Innocence\u201c und \u201eSongs Of Experience\u201c \u00fcbertrieben es die Iren damit, sich einerseits dem Zeitgeist anzupassen, indem sie die Melodien an das radiotaugliche Zeilenmelodiewiederholungsformat anpassten, das Lieder schon nach wenigen Sekunden nervig erscheinen sowie den Eindruck entstehen l\u00e4sst, sie seien f\u00fcr Dummys verfasst worden, deren Aufmerksamkeitsspanne keine 20 Sekunden \u00fcberschreitet, und das andererseits die erfolgreich in den Jahrzehnten davor verwendeten musikalischen Ideen wie Bausteine aneinanderklemmte, damit man als Altfan ein Instant-Zuhausegef\u00fchl bekommt, ohne sich gro\u00df mit der Musik auseinandersetzen zu m\u00fcssen und ohne mit irgendwelchen innovativen Ideen \u00fcberfordert zu werden. Brechreiz Hilfsausdruck. Diese neuen Versionen b\u00fcgeln diese Falten nun aus, und auch, wenn sie sie nicht verschwinden lassen, sind diese Songs pl\u00f6tzlich h\u00f6rbar, weil beispielsweise mal nur von Piano hinterlegt oder sonstwie angenehm heruntergedimmt. F\u00fcr \u201eAll That You Can\u2019t Leave Behind\u201c, das erste von leider drei grottenschlechten U2-Alben, gilt dies auch, bis auf \u201eWalk On\u201c, dessen Titel hier noch den Nachsatz \u201e(Ukraine)\u201c bekommt, und \u201eStuck In A Moment You Can&#8217;t Get Out Of\u201c, die kann man nicht ertr\u00e4glich machen, und bis auf \u201eBeautiful Day\u201c, das war schon vorher geil und ist es jetzt immer noch.<br><br>Und geil ist auf diesem Paket so einiges. Selbst die \u00dcberhits bekommen neuen Glanz, in \u201eI Still Haven\u2019t Found What I\u2019m Looking For\u201c croont sich Bono angenehm ins Gem\u00fct, \u201ePride (In The Name Of Love)\u201c bekommt eine v\u00f6llig neue instrumentale Mitte, \u201eThe Fly\u201c wandelt sich zum harmonischen Akustik-Folk-Song, und selbst die richtig alten Klassiker aus der ersten H\u00e4lfte der Achtziger kriegen U2 nicht nur nicht kaputt, sondern entkernen sie und legen die Perlen offen, die sie sowieso sind. Nicht zuletzt die Hits aus den in Fankreisen eher ungeliebten Neunzigern zeigen nun auch den letzten Zweiflern, wie gro\u00dfartig auch \u201eZooropa\u201c und \u201ePop\u201c sind. \u201eAchtung Baby\u201c, der anf\u00e4ngliche Dance-Skandal aus dem Jahr 1991, ist ja eh l\u00e4ngst rehabilitiert. Ja, U2 sind gute Komponisten und gute Musiker.<br><br>Nicht nur The Edge, auch Bassist Adam Clayton und Schlagzeuger Larry Mullen Jr. sind dies, nat\u00fcrlich. The Edge \u00fcbernimmt hier offenbar dennoch den L\u00f6wenteil, nicht zuletzt, seit Bono nach einer Verletzung seit einigen Jahren selbst nicht mehr Gitarre spielen kann, bedauerlicherweise. Au\u00dferdem besch\u00e4ftigt das Unternehmen U2 hier eine Heerschar an G\u00e4sten, nicht nur f\u00fcr Backingvocals, auch f\u00fcr Cello, Synthie, Blasinstrumente, Percussion und zus\u00e4tzliche Saiteninstrumente. Dabei schm\u00fccken sich U2 nicht mit verkaufstr\u00e4chtigen G\u00e4sten wie Johannes Oerding oder so einem Quatsch, sie laden allenfalls Brian Eno und Daniel Lanois ins Studio, um bei \u201eI Still Haven\u2019t Found What I\u2019m Looking For\u201c im Hintergrund zu singen. Das ist, wie George Clooney zu verpflichten, um bei South Park lediglich einen Hund zu synchronisieren. Geil. Bob Ezrin, der auf zahllosen grandiosen Platten ber\u00fchmter und guter Leute Eins\u00e4tze hatte, bekommt hier diverse M\u00f6glichkeiten, sich einzubringen. Komponist John Metcalfe von den Postpunks The Durutti Column darf hier diverse Cello- und Blasarrangements beitragen. Trombone Shorty wiederum ist ein angenehm exotischer Gast. Und zuletzt ist Andy Barlow von den Trip-Hoppern Lamb einmal am Keyboard dabei. Ber\u00fchmter und verkaufstr\u00e4chtiger wird\u2019s nicht, und das ist ein Segen.<br><br>Nun fehlen also \u201eOctober\u201c und \u201eNo Line On The Horizon\u201c sowie das Passengers-Album \u201eOriginal Soundtracks 1\u201c, daf\u00fcr sind mit \u201e11 O\u2019Clock Tick Tock\u201c, \u201eOrdinary Love\u201c, \u201eInvisible\u201c und \u201eElectrical Storm\u201c auch Songs dabei, die es ausschlie\u00dflich als Singles gab. Ja, \u201eA Celebration\u201c ist nicht darunter. Daf\u00fcr ist der Reigen bunt gew\u00fcrfelt und angenehm arrangiert, das Hymnische mal unterdr\u00fcckt und mal herausgearbeitet, der Rock\u2019n\u2019Roll eher zur\u00fcckgenommen, das Tempo variiert, die Stimmung ver\u00e4ndert, einfach mal frisch durchgefegt und durchger\u00fcttelt, dass es eine entspannende Freude ist. Und es ist eine Freude.<br><br>Kann man bem\u00e4ngeln, dass 40 Songs einfach mal viel zu viel sind? Aber: Wer sollte das denn tun? Eher ist es fragw\u00fcrdig, warum es von dieser Zusammenstellung auch Versionen mit nur 16 oder 20 Songs gibt. Wer kauft denn sowas, wenn 40 Songs nicht so viel mehr kosten? Was bleibt: \u201eSongs Of Surrender\u201c vers\u00f6hnen mit den zun\u00e4chst 35 Jahre lang \u00fcberwiegend grandiosen U2, nachdem diese sich mit danach zwei Alben unh\u00f6rbar machten. Bleibt au\u00dferdem zu hoffen, dass das angek\u00fcndigte n\u00e4chste Album wieder besser wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (28.04.2023) Der beste Witz ist nat\u00fcrlich, dass die Stadionrockband U2 ihr 40 Songs starkes Neueinspielungs-Vierfachalbum mit \u201eOne\u201c beginnen und mit \u201e\u201a40\u2018\u201c enden l\u00e4sst. 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