{"id":5168,"date":"2023-04-26T21:30:05","date_gmt":"2023-04-26T19:30:05","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5168"},"modified":"2023-04-26T21:30:05","modified_gmt":"2023-04-26T19:30:05","slug":"was-meine-freundin-gerne-hoert-die-musikkolumne-one-evening-when-i-was-still-living","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/was-meine-freundin-gerne-hoert-die-musikkolumne-one-evening-when-i-was-still-living\/","title":{"rendered":"Was meine Freundin gerne h\u00f6rt \u2013 die Musikkolumne: One evening, when I was still living"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Was-meine-Freundin-gerne-Logo-111.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Was-meine-Freundin-gerne-Logo-111.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4578\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Onkel Rosebud \/ Uli Wirth<\/p>\n\n\n\n<p>Das situative Arrangement: der Schreibtisch bedeckt. Poetae Latini Medii Aevi, Tomus 5, Fasc. 3. Hier Kopien (= Arbeit), dorten Opas Rotationsascher, vollbesch\u00e4ftigt, auf Zuruf lustig piruettierend. Irgendwie die perfekte Symbiose aus Arbeit und Vergn\u00fcgen. Bleistifte aller H\u00e4rten und Geschmacksrichtungen, Unmengen an Papier und Schokolade, ein Gl\u00e4schen Wein: eben alles, was zum Gelingen von univers\u00e4rer Heimarbeit beizutragen vermag.<\/p>\n\n\n\n<p>Fehlt noch ein wenig Musik, die aber schnell gefunden ist: Meine Plattensammlung und ihr chronologisches Ordnungsprinzip! W\u00e4hle ein Exemplar meines Geburtsjahrgangs aus: <em>I <\/em><em>W<\/em><em>anna <\/em><em>B<\/em><em>e <\/em><em>Y<\/em><em>our <\/em><em>D<\/em><em>og<\/em>, der richtige Song f\u00fcr die t\u00e4gliche Fron, sofern man sich auf den Refrain bezieht.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Vor der T\u00fcr oder dahinter: Meine eine Mitbewohnerin kotzt Tonleitern in die Stille ihres Zimmers. Ebenso unser Haustier (in ihrem Gartenanteil). Wahrscheinlich haben beide wieder etwas Gras gefressen. Ich denke nach, das hei\u00dft, ich versuche im Geiste meine Tagesordnungspunkte abzuklappern. Es ist die Musik, die mich ablenkt. <em>I\u2019m ready to close my eyes. <\/em>Soll ich nachgeben? Hab\u2018 ich \u00fcberhaupt eine Wahl? Nicht wirklich. <em>I am ready to close my mind. <\/em>Schweife umher, schweife ab, reibe mich an Unbew\u00e4ltigtem. Bauz! Zwangsl\u00e4ufig setzt der Stimmungswechsel ein. Es ist aber nicht so, da\u00df ich das nicht gewollt h\u00e4tte, denn ich habe Leiden kultiviert. Also dann: Fertig machen zum Leiden. <em>I am ready to feel your hand. <\/em>Aber da ist keine Hand au\u00dfer meiner eigenen, die hektisch ab-ascht. <em>So messed up I want you here. <\/em>Es wirkt. Voil\u00e0, willkommen im Traumland:<\/p>\n\n\n\n<p>Vor einem meiner inneren Augen: sie mit vorgeschobener Unterlippe. H\u00f6rbares Ausatmen. Wieder das Stillleben mit Unterlippe. Es kommt zu ersten \u2026 Zaghaftigkeiten, denn: ez sol ein man mit fremden frouwen niht ze vil gezecken. Ein umstrittener Gedanke zur falschen Zeit. (Fellatio geht \u00fcber Ratio!) Dann, vorbei an der Unterlippe, sie direkt in mein Gesicht: \u201e<em>Du!<\/em>\u201c Ich, vollkommen \u00fcberfordert ob dieser Irritation, verlange nach einer Auszeit: \u201e<em>Plattenwechsel!<\/em>\u201c Also runter vom Hochbett und an das Plattenregal. Etwas Passendes vielleicht. \u201e<em>Nein, nicht schon wieder Stoppok.<\/em>\u201c In Gedanken \u2026 alle Platten \u2026 durchgescannt. Ihre H\u00e4nde. Handlanger. Rausnehmen. Auflegen. \u201e<em>Och, Sonic Youth, dat hab\u2018 ich ja schon ewich nich mehr geh\u00f6rt<\/em>\u201c. Von wegen Sonic Youth, Stooges. Die Handlanger aufgelegt! Ich bin gn\u00e4dig ob ihres faux-pas, lasse mir aber nichts anmerken. <em>In my room I want you near. <\/em>Die Leiter wieder hoch und sofort meinen Kopf in ihren Scho\u00df gelegt. <em>As I lay right down in my favourite place. <\/em>Ihre beiden H\u00e4nde erfolgreich abgelenkt, weggelockt und schlie\u00dflich anderweitig, n\u00e4mlich auf mir positioniert. Meine eigenen Lippen an ihrem Ohr, von dort \u00e0 rebours \u00fcber eine der Brauen. <em>Now we\u2019re gonna be face to face. <\/em>Wie passend. Nasenspiel mit einem ihrer Mundwinkel, die weder sp\u00f6ttisch, noch sonst wie verzogen sind. Ein fl\u00fcchtiger Kuss. Was sonst noch geschah? Wir erkannten uns nicht, auf sp\u00e4ter vertagt. Musste gleich mehrmals duschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich nachmittags: kleines kulturelles Intermezzo in der Basilika. Anwesenheit im Interesse des Haussegens. Meine andere Mitbewohnerin, die, die singen kann, hat heute ihr Konzert. Bach. Die Stille der Welt von Bach. Wie sie die Zeit bis nachts vergeudet hat, wei\u00df ich nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter. (Endlich?) Um Mitternacht: brachten wir lugatinus und seiner Crew Trank- und Rauchopfer dar. H\u00e4tte es einen Gott der Chlamydien, eine Venus der Hepatitis B, einen luppiter Herplex Simplex gegeben, wir h\u00e4tten auch ihnen opfern m\u00fcssen. Beischlaf zwischen Menschen mit humanistischer Bildung. Und dazu wieder Iggy Pop, wie sinnig, das. Nacht und schmutzig steckten wir unter einer Decke. <em>I\u2019m ready to close my eyes. <\/em>\u201eWas ist?\u201c, an der Zigarette ziehend.<\/p>\n\n\n\n<p>Morgens auf mittags verschoben: verhindertes Existentialisten-Fr\u00fchst\u00fcck \u2013 die Zeitung fehlte. Ich etwas anh\u00e4nglich. Sie \u201eIch mu\u00df ins Hotel.\u201c <em>Well come on. <\/em>Also dort abgesetzt. Ich wieder nach Hause. Der CD-Player hat eine Repeat-Funktion. <em>I\u2019m ready to close my mind <\/em>usf. Wuff! Wir sahen uns dann noch kurz. Alles weitere per Post.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich: \u201eLiebe C! Im 2ten Stock meines Zimmers lebt Dein eigent\u00fcmlicher Duft in den Kissen, Tr\u00e9sor und Bodylotion gepaart mit Zigaretten. Ich weigere mich beharrlich, zu l\u00fcften. Erste Anzeichen von Verfl\u00fcchtigung \u2013 Einfachverglasung \u2013 haben sich jedoch schon angek\u00fcndigt. Sehn wir uns daher schnell wieder. Der Deine\u201c usw.<\/p>\n\n\n\n<p>Postwendend sie: \u201epunktpunktpunkt aber seit meinem Provinzaufenthalt bei dir halte ich es hier in E. nur ganz schlecht aus punktpunktpunkt Dauergrinsen punktpunktpunkt es dir mindestens genauso geht wie mir punktpunktpunkt wehm\u00fctig punktpunktpunkt du siehst, ich denke an dich, C.\u201c <em>And lose my heart on the burning sand \u2026<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Zwischen Karwoche und Mai: hartn\u00e4ckigste Blasenentz\u00fcndung ever. <em>Feel the pain. <\/em>Karwoche, oh letztes, anstrengendes Gl\u00fcck, fast wie weiland beim Heiland. <em>Life shows no mercy. <\/em>Die Zeit zwischen Blasentee und der Zuban 66 danach und davor: en vogue. Als Ausdruck meines Gl\u00fccks nun eine Leerzeile. Es gibt die Semantik des Schweigens:<\/p>\n\n\n\n<p>xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ende ist relativ schnell erz\u00e4hlt. Nach Wochen sie wieder bei mir. In der Nacht: \u201ePercute me.\u201c \u2013 \u201eFragezeichen \u2013\u201c \u201eNachklassisch!\u201c \u201e\u00c4hh Moment.\u201c Wie gut, da\u00df ich beim Rendezvous mit C stets mein lateinisches Handw\u00f6rterbuch dabeihatte. Aber jetzt war ich nackt und so w\u00e4lzte ich das Gro\u00dfe Schulw\u00f6rterbuch, das sich in Armweite befand, direkt neben der Packung mit den Kondomen. Ach so. \u201eAch so\u201c. Verlangt getan.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann des morgens: \u201eIch glaube, wir haben verschiedene Erwartungshaltungen etc. pp\u201c. Und mich ob meiner Lateinkenntnisse verh\u00f6hnt. Ich frage mich heute noch, was mir mehr zugesetzt hat. Gegen das Standbein gepinkelt. <em>Feel the pain.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSchlu\u00df.\u201c Ende ausmaus. Mein Selbstbewu\u00dftsein war zum wiederholten Mal f\u00fcr mehrere Tage angekratzt. So konnte ich mich wieder mal bedauern, eine alte Postkarte in der Hand, die einen zerfetzten Baum zeigt. Fr\u00fchling 1919: \u201eAll what remains of FLEURY.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Nachhaltig atmen. Glas abstellen. \u201eOh Mist!\u201c CD rrrrrrrraus. Radio an, H\u00fcsker D\u00fcs \u201eI Will Never Forget You\u201d k\u00e4me jetzt ganz gut. Stattdessen bilde ich mir ein, dieses hier zu h\u00f6ren: <em>Never <\/em><em>T<\/em><em>alking <\/em><em>T<\/em><em>o <\/em><em>Y<\/em><em>ou <\/em><em>A<\/em><em>gain.<\/em> Aber es war wohl doch nur was von Crowded House. Und dann geht es einfach weiter mit dem n\u00e4chsten Tagesordnungspunkt. Das situative Arrangement: der Schreibtisch. Immer noch bedeckt. Poetae Latini Medii Aevi. Tomus 5, Fasc. 3. Wie mein Himmel.<\/p>\n\n\n\n<p>P.S.: Dieser Text erschien zuerst im Buch \u201eVarious Artists \u2013 Ich Liebe Musik\u201c (1999, notschriften Verlag) und wurde von Uli Wirth \u00fcber den Song \u201eI Wanna Be Your Dog\u201c von The Stooges geschrieben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Onkel Rosebud \/ Uli Wirth Das situative Arrangement: der Schreibtisch bedeckt. Poetae Latini Medii Aevi, Tomus 5, Fasc. 3. Hier Kopien (= Arbeit), dorten Opas Rotationsascher, vollbesch\u00e4ftigt, auf Zuruf lustig piruettierend. 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