{"id":5156,"date":"2023-04-16T21:25:04","date_gmt":"2023-04-16T19:25:04","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5156"},"modified":"2023-04-16T21:25:26","modified_gmt":"2023-04-16T19:25:26","slug":"metallica-72-seasons-blackened-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/metallica-72-seasons-blackened-2023\/","title":{"rendered":"Metallica \u2013 72 Seasons \u2013 Blackened 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Metallica-72-Seasons.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Metallica-72-Seasons.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5157\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (15.04.2023)<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe lange \u00fcberlegt, ob und warum ich hier etwas \u00fcber das neue Album von Metallica schreiben sollte. Eine Band, die mich seit kurz nach 1991 eigentlich nur noch ankotzt. Eine Band, die vier gro\u00dfartige Alben gemacht hat, von denen das letzte lausig produziert war. Eine Band, die damals, also vor 1991, zum H\u00e4rtesten und textlich Unverdaubarsten geh\u00f6rte (also aus meiner damaligen, kindlichen Sicht), das ich kannte, und auf die sich seit knapp 30 Jahren die ganze Welt einigen kann und deren beknackte Symphonieorchestereskapaden aus welchen Gr\u00fcnden auch immer irgendwie au\u00dfer bei mir nicht unforgiven sind. Warum also? Was haben Metallica sozusagen je f\u00fcr mich getan?<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Nun, Metallica haben mich mit \u201eRide The Lightning\u201c dazu gebracht, Metal-Fan zu werden. Was gar nicht stimmt, au\u00dfer Metallica konnte man mir damals mit dem gesamten Metal komplett gestohlen bleiben. Es waren Iron Maiden, die mich letztlich bekehrt haben, als ich mich Ende der 2000er Jahre an \u201eLive After Death\u201c aus dem Plattenregal meines Freundes Klaus erinnerte, mir die CD kaufte und darob zum Metal-Fan wurde. Aber Wurscht: Mit \u201eFade To Black\u201c haben Metallica erfolglos versucht, mir \u00fcber meinen damaligen Liebeskummer hinwegzuhelfen (ja ich wei\u00df, dass der Text damit nichts zu tun hat, aber auf der Flucht vor dem \u201eWerther\u201c meines Deutschlehrers war ich bereit, mich in jeder d\u00fcsteren Lyrik wiederzufinden), \u201eOne\u201c habe ich ob dessen absoluter Verzweifeltheit \u00fcber alles geliebt, \u201eDyer\u2018s Eve\u201c war die musikalische Untermalung der besten Sequenz unseres Abi-Films, \u201eFor Whom The Bell Tolls\u201c und \u201eSeek And Destroy\u201c begeistern mich mit ihren innovativen Riffs immer noch, wenn ich sie mal im Radio h\u00f6re, und \u00fcber die komplette \u201eMaster Of Puppets\u201c, die sich seit Jahrzehnten mit Maidens \u201eNumber Of The Beast\u201c um den Titel \u201eBest Metal Album ever\u201c kloppt, brauche ich hier wohl nichts zu sagen. Und mit \u201eKill \u2018em All\u201c haben Metallica 1983 den Thrash Metal quasi erfunden, alle anderen gro\u00dfen Bands in diesem Subgenre kamen erst sp\u00e4ter. Dennoch waren Metallica f\u00fcr mich in den letzten drei Jahrzehnten so etwas wie der FC Bayern des Metal: Erfolgreich, aber ungenie\u00dfbar und unsympathisch. Dennoch habe ich in \u201e72 Seasons\u201c mal reingeh\u00f6rt, und schei\u00df die Wand an \u2013 es entpuppte sich als sowas wie der Aqu\u00e4dukt von Metallica:<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Titelst\u00fcck f\u00e4ngt \u201e72 Seasons\u201c schon mal sch\u00f6n gut h\u00f6rbar an: Nat\u00fcrlich ist es nicht \u201eMetallica wie fr\u00fcher\u201c. Das setze ich aber auch nicht voraus, immerhin sind die beiden noch verbliebenen Mitglieder der Urbesetzung (ich m\u00f6chte hier jetzt keine Dave-Mustaine-Diskussion lostreten, also ich meine die Urbesetzung des ersten Albums) inzwischen nicht mehr 19 wie zu Zeiten des Deb\u00fctalbums, sondern immerhin 59. Da darf man auch mal etwas altersmilde klingen, zumal dann, wenn es sich besser anh\u00f6rt als auf allem, was man in den vergangenen Jahrzehnten ver\u00f6ffentlicht hat. Nach dem ersten Durchlauf des Albums hatte ich das Gef\u00fchl, einer Band mit der Spielfreude der \u201eGarage Days\u201c-Cover-EPs aus den 80ern zu lauschen. James Hetfield und Lars Ulrich geben hier wirklich alles, und vor allem \u00fcber den Letztgenannten sage ich hier gerne mal, dass er zwar nicht zu den besten Schlagzeugern aller Zeiten geh\u00f6rt, sein charakteristisches Spiel mir jedoch bei den ersten Metallica-Alben immer viel Freude gemacht hat und dass er vor allem als Gr\u00fcnder, Strippenzieher und Songschreiber nicht nur f\u00fcr Metallica, sondern den gesamten Metal nicht wegdenkbar ist. Ulrich und S\u00e4nger\/Rhythmusgitarrist Hetfield haben alle Songs des neuen Albums geschrieben, an vieren hat Leadgitarrist Kirk Hammett mitgeschrieben und an vier anderen Bassist Robert Trujillo (herrlich das Bassintro von \u201eSleepwalk My Life Away\u201c!). Unterm Strich ist \u201e72 Seasons\u201c also ein Hetfield-Ulrich-Werk. Und was f\u00fcr eins: Das Titelst\u00fcck l\u00e4uft fast acht Minuten lang, beginnt mit Becken und abgehackter Gitarre, und dann galoppiert Ulrich los, begleitet von Hetfield. Das hat wirklich was von den Metallica der 80er Jahre, klingt jetzt aber irgendwie harmloser, wahrscheinlich aber deshalb, weil es inzwischen deutlich brachialer klingende Bands gibt, deren Sound jedoch ohne die Pionierarbeit der fr\u00fchen Metallica (und ihrer Mitstreiter wie z.B. Megadeth, Slayer, Kreator, Sodom usw. usw.) vermutlich nicht h\u00e4tte entstehen k\u00f6nnen. Hetfield spielt wie gewohnt pr\u00e4zise und schnell, sein Gesang ist melodisch und aggressiv wie fr\u00fcher, ein James Hetfield muss nicht schreien, um sich Geh\u00f6r zu verschaffen, und seine Stimme ist immer unverkennbar. Verkacken tut er es nur, wenn er St\u00fccke covert, die ihm nicht liegen (Queen\/Thin Lizzy\/B\u00d6C, um nur einige zu nennen), und das tut er hier zum Gl\u00fcck nicht. Ich bin ohnehin der Meinung, dass es vor allem Hetfield ist, der durch seine Gitarrenarbeit und seine Art zu singen den Sound von Metallica definiert. \u201e72 Seasons\u201c ist ein gutes Beispiel daf\u00fcr: Ein durchweg schnelles St\u00fcck, und warum man daf\u00fcr fast acht Minuten braucht, ist mir nicht klar, aber Metallica schaffen es im Jahr 2023, so lange in hohem Tempo und mit nur wenig Abwechslung durchzuhalten, ohne dabei zu langweilen. Und das zum Teil tats\u00e4chlich, weil es Spa\u00df macht, Hetfield zuzuh\u00f6ren. Das folgende \u201eShadows Follow\u201c \u2013 auch mehr als sechs Minuten lang \u2013 rockt l\u00e4ssig vor sich hin, f\u00e4llt nicht weiter auf, nervt aber auch nicht. Irgendwie einfach sch\u00f6n. Dann wird es abwechslungsreicher: \u201eScreaming Suicide\u201c beginnt mit einem mitrei\u00dfenden Riff, \u00fcberhaupt verl\u00e4sst die Rhythmusgitarre hier mal endlich das untere Ende der Tonleiter und das zweite Solo k\u00f6nnte auch von Mot\u00f6rhead stammen. Ich als laienhafter Banause bin ja ohnehin der Meinung, dass man Hammett bei Metallica gerne komplett weglassen k\u00f6nnte, auch wenn einige seiner Soli (die, in denen er nicht permanent auf dem Wah-Wah herumh\u00fcpft?) wirklich sch\u00f6n sind, aber bei diesem Song geben er und Hetfield sich die Klinke in die Hand, dass es eine wahre Freude ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit \u201eSleepwalk My Life Away\u201c und \u201eYou Must Burn!\u201c folgen zwei siebenmin\u00fctige St\u00fccke, dann kommt \u201eLux Aeterna\u201c \u2013 nur knapp drei Minuten lang und bereits im vergangenen Jahr als Vorab-Single ver\u00f6ffentlicht. Eine in meinen Ohren durchaus gelungene Mischung aus Thrash und dem Heavy Metal alter Schule, und Ulrichs Schlagzeugspiel erinnert teilweise an \u201eOverkill\u201c von Mot\u00f6rhead. Sch\u00f6n!<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eCrown Of Barbed Wire\u201c und \u201eChasing Light\u201c finde ich solide, aber nicht herausragend, das danach ert\u00f6nende \u201eIf Darkness Had A Son\u201c daf\u00fcr umso mehr: Das Drum-Intro klingt irgendwie plastikm\u00e4\u00dfig, aber zum Gl\u00fcck nur, bis Hetfields Gitarre einsetzt, danach macht Hammett eine sch\u00f6ne Melodie und wir warten auf den Gesang: Und der klingt d\u00fcster und sehr sch\u00f6n nach fr\u00fcher. Vor allem die Refrainzeile \u201eIf Darkness had a Son \u2013 here I am\u201c macht m\u00e4chtig Eindruck.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eToo Far Gone\u201c und \u201eRoom Of Mirrors\u201c sind dann wieder sehr solide und auch wirklich gut, aber mit \u201eInamorata\u201c haben sich Metallica dann nochmal ein sch\u00f6nes Highlight f\u00fcrs Ende des Albums aufgespart: \u00dcber 11 Minuten lang und eher Mid-Tempo \u2013 kann das gutgehen? Es kann! Auf der H\u00e4lfte des St\u00fcckes g\u00f6nnen sich die Gitarren eine Ruhepause und Schlagzeug und Bass treten in einen gesitteten Dialog ein, dar\u00fcber legt sich dann ein ungewohnt zur\u00fcckgenommener Gesang von Hetfield, bis er dann wieder lauter wird und danach verschiedene langsame und melodi\u00f6se Soli den zweiten Abschnitt des St\u00fccks einleiten. Ich habe erwartet, dass es irgendwann vor Schluss noch mal thrashig losballert, aber das passiert nicht, und das tut dem St\u00fcck sogar gut. Hetfield besingt die ihm anscheinend sehr liebgewordene \u201eMisery\u201c mit einer Inbrunst, dass ich \u00fcber weite Strecken denken musste, es handele sich dabei um seine Katze und nicht um das ihm innewohnende Lebensgef\u00fchl. Zumal er diese \u201eMisery\u201c auch immer als \u201eshe\u201c und nicht als \u201eit\u201c bezeichnet. Im Laufe des Textes wird dann deutlich, dass Hetfield sich hier eher an einer schweren Depression abarbeitet als an einem eigensinnigen Haustier. Ich bin es zwar von den fr\u00fchen Metallica gewohnt, dass viele der in den Texten in der Ich-Form beschriebenen Emotionen nicht autobiografisch sind, hier habe ich dennoch den Eindruck, dass Hetfield \u00fcber eigene Erfahrungen singt. Heaven knows he\u2018s miserable now (and I feel fine), h\u00e4tte ich fast gesagt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich fasse also zusammen: Mit dem schwarzen Album haben mich Metallica trotz anf\u00e4nglicher Begeisterung f\u00fcr einige der dort enthaltenen St\u00fccke vergrault, alles danach bis einschlie\u00dflich \u201eSt. Anger\u201c kann ich hier nicht erw\u00e4hnen, ohne dass ob meiner ausufernden Beschimpfungen andauernd Piept\u00f6ne erschallen, \u201eDeath Magnetic\u201c mag zwar in die fr\u00fchere Richtung zur\u00fcckgegangen sein, aber was n\u00fctzt das, wenn mir allein vom schmierig-schl\u00fcpfrigen Cover-Artwork schon immer schlecht wird, und bei \u201eHardwired\u2026\u201c keimte bei mir wieder Hoffnung auf, dass Metallica vielleicht irgendwann doch noch ein w\u00fcrdevolles Alterswerk abliefern k\u00f6nnten, wie es alle anderen wichtigen Metal-Bands seit Jahrzehnten vormachen, aber so richtig \u00fcberzeugen konnte es mich nicht. Mit \u201e72 Seasons\u201c gelingt das nun endlich: Ich f\u00fcr meinen Teil bin mit Metallica vers\u00f6hnt und freue mich, dass sie endlich aufgeh\u00f6rt haben, die Lorbeeren der ersten vier Alben mit Schmackes durch den Schredder zu jagen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (15.04.2023) Ich habe lange \u00fcberlegt, ob und warum ich hier etwas \u00fcber das neue Album von Metallica schreiben sollte. Eine Band, die mich seit kurz nach 1991 eigentlich nur noch ankotzt. Eine Band, die vier gro\u00dfartige Alben &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/metallica-72-seasons-blackened-2023\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-5156","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5156","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5156"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5156\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5158,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5156\/revisions\/5158"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5156"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5156"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5156"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}