{"id":5106,"date":"2023-04-05T22:02:16","date_gmt":"2023-04-05T20:02:16","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5106"},"modified":"2023-04-05T22:02:16","modified_gmt":"2023-04-05T20:02:16","slug":"enslaved-heimdal-nuclear-blast-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/enslaved-heimdal-nuclear-blast-2023\/","title":{"rendered":"Enslaved \u2013 Heimdal \u2013 Nuclear Blast 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Enslaved-Heimdal.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Enslaved-Heimdal.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5107\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (05.04.2023)<br><br>Enslaved verstehen es wie kaum eine zweite Band, ihre Black-Metal-Wurzeln nicht zu verleugnen und dennoch unter Zuh\u00fclfenahme von Prog und gerne auch mal Thrash ein sehr warmes Klangbild zu erzeugen, das den H\u00f6renden vermittelt: \u201eEs ist Enslaved, hier kann Euch nichts passieren!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das manifestiert sich bereits, bevor das erste St\u00fcck \u201eBehind The Mirror\u201c noch richtig begonnen hat: Es ist eine Art Nebelhorn zu h\u00f6ren, und Musikanten, die eine Art Nebelhorn verwenden, z\u00fcnden keine Kirchen an (sorry, liebe Lesenden, dass ich nicht m\u00fcde werde, dieses alte, tote Black-Metal-Pferd zu reiten, es ist aber auch zu putzig. Ein putziges, totes Pferd.).<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die Texte auf \u201eHeimdal\u201c sind durchweg d\u00fcster, aber nicht ver\u00e4ngstigend. Beispiel: \u201eI am leaving this body behind \u2013 I am leaving this body to die. I am leaving these songs behind \u2013 I am leaving our songs to die.\u201c (\u201eCongelia\u201c). Schlimmer wird es nicht, der Titel \u201eHeimdal\u201c hat irgendwas mit der voll s\u00fc\u00dfen und manchmal leicht \u00e4ngstlichen Katze meiner Liebsten, Odin, zu tun, mehr mag ich mich nicht mit der zugrundeliegenden nordischen Mythologie besch\u00e4ftigen, und um gro\u00dfen Spa\u00df an dem Album zu finden, braucht es das auch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn dann \u201eBehind The Mirror\u201c nach der Stelle mit dem Nebelhorn so richtig begonnen hat, machen Enslaved ihre Black-Metal-Vergangenheit gleich so richtig vergessen: Das Eingangsriff t\u00f6nt doomig-sabbathoid, und dann setzt ein Gesang ein, der mich wohltuend an Mastodon erinnert, w\u00e4hrend Gitarre, Bass und Schlagzeug sch\u00f6\u00f6n tief und melodisch vor sich hin bollern und auf einmal ein Keyboard einsetzt, hernach ert\u00f6nt Grutle Kjellsons Trademark-Kr\u00e4chzen, das dann wiederum anschlie\u00dfend die B\u00fchne erneut dem mastodon\u00e4hnlichem Klargesang, der sich mit dunklen Growls abwechselt, \u00fcberl\u00e4sst. Anschlie\u00dfend gallopiert die Rhythmus-Fraktion stoisch vor sich hin, um ein Synth-Solo zu begleiten, das eine sehr sch\u00f6ne Stimmung erzeugt, dann wieder der mastodonische Gesang. Mehr Abwechslung braucht es auf einem ganzen Album nicht. Und als ob sie diesen Gedanken geh\u00f6rt h\u00e4tten, schr\u00e4nken Enslaved ihre stilistische Vielfalt auf dem zweiten St\u00fcck \u201eCongelia\u201c eher auf den \u2013 nicht klassischen, sondern durch gekonnte Synth-Eins\u00e4tze sehr progbetonten \u2013 Black Metal ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Album hat bei mir schon jetzt gewonnen und ist ein ganz hei\u00dfer Anw\u00e4rter auf mein pers\u00f6nliches Metal-Album des Jahres (wobei es sich hier gegen Haken, Periphery, Ahab, Obituary und andere durchsetzen muss, und wer wei\u00df, was noch alles kommt).<\/p>\n\n\n\n<p>Mit \u201eForest Dweller\u201c setzen Enslaved dem bisher Geh\u00f6rten nochmal einen obendrauf: Auf anderthalb einzelne Akustikgitarrenakkorde folgt ein elektrisches, leicht orientalisch anmutendes Riff, darauf ein bet\u00f6render Klargesang. Bass und Gitarre m\u00e4andern umeinander herum, dann wieder dieser Gesang, also wenn das so bleibt\u2026 NEIN! Bleibt es nicht. Ab Minute 2:20 donnern Enslaved los, Grutle Kjellson keift, die Gitarren thrashen und solieren im Wechsel mit der Orgel. Und das alles zu einem sowas von vorantreibenden Rhythmus, dass es eine wahre Freude ist. Ungef\u00e4hr bei 4 Minuten setzt ein Solo ein, anschlie\u00dfend f\u00e4llt die Stimmlage um einige Oktaven, eine Akustikgitarre kommt hinzu, ein warmer Bariton f\u00e4ngt das Ganze auf \u2013 Gotik, Baby!<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eKingdom\u201c beginnt mit einem sch\u00f6nen Riff, das sowohl im Metal als auch im Gothic Rock beheimatet sein k\u00f6nnte, das Tempo ist deutlich h\u00f6her als zuvor, dann kommt der Gesang: Langsam, theatralisch, wieder von schnellerem Riffing aufgefangen, und dann klingt Grutles Gesang wieder kr\u00e4chzend, er w\u00fcrde aber auch in den d\u00fcsteren Spielarten des Indie-Rock eine gute Figur machen, um dann wieder vom dunklen Klargesang und dann von einem d\u00fcsteren Geraune abgel\u00f6st zu werden. Dazu ert\u00f6nen progressive Riffs \u2013 Hammer, hier haben wir Abwechslung, Originalit\u00e4t und das absolute Gegenteil von Langeweile. Knapp 6 Minuten verrinnen so wie im Flug. Oder wie im Ritt auf Cowboy Odins putzigem Pferd mit den acht Beinen, nur ohne dabei Angst haben zu m\u00fcssen. Jolly Sleipnir, sage ich mal.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eThe Eternal Sea\u201c f\u00e4ngt mit einem sph\u00e4rischen Elektro-Sound an, baut sich dann langsam mit Schlagzeug und danach auch mit den Saiteninstrumenten auf, wirkt so, als m\u00fcsse die Melodie erst durch eine semipermeable Membran oder irgendwas \u00c4hnliches hindurchgepresst werden, um sich ab Minute 2 vollends entfalten zu k\u00f6nnen; sobald n\u00e4mlich der (wieder einmal \u00fcber jeden Zweifel erhabene Klar-)Gesang einsetzt. Bis Minute 5 dachte ich, es mit einem sch\u00f6nen Zwischendurchverschnaufsong zu tun zu haben, dann aber verfinstert sich die Gitarre, Grutle holt wieder seine Blackmetalartikulation aus dem Werkzeugkoffer des Progmetal, die Geschwindigkeit verdoppelt sich, um alsdann, die H\u00f6renden aus dem Schlaf gerissen habend, wieder zu entschleunigen und einem hymnischen Klargesang Platz zu machen. Dann wieder Elektro-Sounds, dann Schluss, wieder sind Siemenhalbminuten vorbei.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein pers\u00f6nliches Highlight auf \u201eHeimdal\u201c folgt dann mit dem bereits vorab 2021 als EP ver\u00f6ffentlichten \u201eCaravans To The Outer Worlds\u201c. Der Titel ist verwirrend, immerhin haben wir es hier mit Norwegern zu tun und nicht mit Niederl\u00e4ndern. Windger\u00e4usche und ein langsam klappernder Bass am Anfang, nach und nach baut sich das St\u00fcck auf und dann wird temporeich, aber nicht aggressiv oder irgendwie schmerzend \u201elosgemostet\u201c, wie es der Herausgeber dieser Seiten wohl ausdr\u00fccken w\u00fcrde. Riff und Solo vermischen sich, dann wendet sich der Song ins Thrashige, Grutle keift, das Tempo ist vorwiegend z\u00fcgig, auch wenn immer wieder langsamere Klargesang-Passagen eingewoben sind, schnell wird es wieder schnell, coole Soli inklusive. Sowas kann man mal als kleine Erfrischung f\u00fcr zwischendurch dazwischenwerfen, m\u00f6chte man denken, aber Enslaved walzen diese Idee auf knapp 7 Minuten aus und es langweilt zu keiner Sekunde.<\/p>\n\n\n\n<p>An- und das Album abschlie\u00dfend gehen Enslaved dann bei und setzen dem soeben von mir postulierten Highlight noch ein weiteres obendrauf: N\u00e4mlich das Titelst\u00fcck \u201eHeimdal\u201c, das mit einem stimmungsvollen Bass-Synth beginnt, um dann mit einem Riff aufzuwarten, f\u00fcr das Candlemass vermutlich t\u00f6ten w\u00fcrden. Alsdann kr\u00e4chzt Grutle Kjellson, dann wieder dieses Riff, dann wieder Kr\u00e4chzen. Herrlich! Wenn es so weiterginge, w\u00e4re ich schon mehr als gl\u00fccklich, stattdessen folgt dann aber ein mehrsek\u00fcndiges Solo, wie es unspektakul\u00e4rer und wirkungsvoller nicht sein k\u00f6nnte, dann pling pling, kr\u00e4chz kr\u00e4chz, brabbel brabbel, dann swingendes Schlagzeug und NWoBHM-Riffing, man h\u00f6rt Enslaved die Freude beim Spielen dieses St\u00fccks wahrhaft an, gegen Ende setzt nochmal dieser Mastodon-Gesang ein, das Riff rifft unverdrossen weiter \u2013 so k\u00f6nnte es von mir aus ewig weitergehen, aber das tut es nicht: Am Ende wieder kurz eine Art Nebelhorn, flickernde Synths und dann Schluss. Ein wahrhaft beeindruckendes Album einer ganz hervorragenden Prog-Metal-Band mit Black-Metal-Wurzeln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (05.04.2023) Enslaved verstehen es wie kaum eine zweite Band, ihre Black-Metal-Wurzeln nicht zu verleugnen und dennoch unter Zuh\u00fclfenahme von Prog und gerne auch mal Thrash ein sehr warmes Klangbild zu erzeugen, das den H\u00f6renden vermittelt: \u201eEs ist &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/enslaved-heimdal-nuclear-blast-2023\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-5106","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5106","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5106"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5106\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5108,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5106\/revisions\/5108"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5106"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5106"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5106"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}