{"id":5098,"date":"2023-04-04T21:47:05","date_gmt":"2023-04-04T19:47:05","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5098"},"modified":"2023-04-04T21:47:05","modified_gmt":"2023-04-04T19:47:05","slug":"lana-del-rey-did-you-know-that-theres-a-tunnel-under-ocean-blvd-polydor-interscope-records-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/lana-del-rey-did-you-know-that-theres-a-tunnel-under-ocean-blvd-polydor-interscope-records-2023\/","title":{"rendered":"Lana Del Rey \u2013 Did You Know That There&#8217;s A Tunnel Under Ocean Blvd \u2013 Polydor\/Interscope Records 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Lana-Del-Rey-Did-You-Know-That-Theres-A-Tunnel-Under-Ocean-Blvd.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Lana-Del-Rey-Did-You-Know-That-Theres-A-Tunnel-Under-Ocean-Blvd.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5099\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (03.04.2023)<\/p>\n\n\n\n<p>Den Tunnel unter dem Ocean Boulevard, den Lana del Rey auf dem Titelst\u00fcck besingt, gab es wirklich, von 1927 bis 1967, und allein der Text dieses St\u00fccks rechtfertigt bereits den auf dem Albumcover prangenden Parental-Advisory-Sticker: Der Refrain beginnt mit einem leicht ins Absto\u00dfende gehenden \u201eOpen me up, tell me you like it, fuck me to Death\u201c. Solche Gewaltphantasien kennt man von Ms. Grant, und niemand sonst kann sie vortragen, ohne dabei seine W\u00fcrde einzub\u00fc\u00dfen, au\u00dfer sie selbst. Mit der anschlie\u00dfenden Zeile \u201eLove me until I love myself\u201c wird es dann auch schon viel nachdenklicher. Und das Ganze br\u00fcllt sie nicht etwa zu harter Musik heraus, sondern haucht es wie beil\u00e4ufig zu Klavier- und Streichermusik hin, mit ihrer Stimme, die eine meiner Lieblingsstimmen ist und die immer so klingt, als w\u00e4re sie eigentlich schon nicht mehr im Hier und Jetzt, sondern l\u00e4ngst irgendwo ganz woanders. Und der Text des Titelst\u00fccks steckt voll von Mysteriosit\u00e4ten, angefangen damit, dass ein M\u00e4dchen \u201eHotel California\u201c singt, das sich ja eigentlich, so Frau del Rey, nach Florida anh\u00f6rt, dann w\u00fcnscht sie sich einen Freund wie Harry Nilsson, weil seine Stimme bei Minute 2:05 von \u201eDon\u2018t Forget Me\u201c so sch\u00f6n bricht, und vor dem Refrain fleht sie \u201eWhen\u2018s it gonna be my turn \u2013 don\u2018t forget me.\u201c<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Wie immer erschlie\u00dfen sich mir die Texte nicht vollst\u00e4ndig, klingen aber wundersch\u00f6n und werden noch wundersch\u00f6ner mit dieser einzigartigen, niemals auch nur ansatzweise nervenden Stimme (nicht mal, wenn del Rey auf \u201eKintsugi\u201c bei Minute 4:03 ganz kurz versucht, die restlichen im Schrank verbliebenen Gl\u00e4ser zu zersingen) vorgetragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Instrumentierung umfasst auf den ersten drei St\u00fccken tats\u00e4chlich nur Klavier und Streicher, und mehr braucht es auch nicht. Und so beginnt auch St\u00fcck 4, \u201eA&amp;W\u201c, bis dann nach ca. 4 Minuten (nach schier endloser hingemurmelter Wiederholung der Zeilen \u201eIt&#8217;s not about havin&#8216; someone to love me anymore \u2013 No, this is the experience of bein&#8216; an American whore\u201c ein d\u00fcsterer Elektrobeat einsetzt und ein gewisser Jimmy zum Gegenstand des Textes wird, der die Protagonistin nur liebt, wenn er high werden m\u00f6chte. Klingt wieder alles nicht wirklich nach sch\u00f6nen Erfahrungen, aber so hypnotisierend monoton vorgetragen, dass man gerne dazu tanzen m\u00f6chte. Dann folgt das \u201eJudah Smith Interlude\u201c, ein viermin\u00fctiger Sermon des anscheinend komplett umnachteten Pastors Judah Smith \u00fcber S\u00fcnde, Lust und andere popul\u00e4re Gespr\u00e4chsthemen seines Berufsstandes, im Hintergrund h\u00f6rt man del Rey und ihre Freundinnen kichern. Eine wirre Predigt mit Musik zu hinterlegen und f\u00fcr sich selbst sprechen zu lassen, finde ich schon seit den alten Tagen von The Cassandra Complex (\u201eBeyond Belief\u201c, 1986) und Front 242 (\u201eWelcome To Paradise\u201c, 1988) nicht unwitzig, so auch hier, auch wenn es im Hirn weh tut, die Tiraden aufmerksam bis zum Ende durchzuh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim n\u00e4chsten St\u00fcck, \u201eCandy Necklace\u201c, wird Lana del Rey von Jon Batiste unterst\u00fctzt, dann folgt ein weiteres \u201eInterlude\u201c, diesmal von eben diesem Jon Batiste gesprochen, mit Lanas Gesang im Hintergrund. Das hat auch wieder etwas Predigthaftes, aber mit weniger beknackt-verblendetem Text.<\/p>\n\n\n\n<p>Jon Batiste bleibt nicht der einzige Duettpartner: \u201eParis, Texas\u201c hat del Rey zusammen mit SYML (Brian Fennell) aufgenommen, bei \u201eLet The Light In\u201c (ein Folksong mit einer supertollen Melodie und einer sehr sch\u00f6nen akustischen Gitarre) steht ihr Father John Misty zur Seite und der gemeinsam gesungene Refrain ger\u00e4t wundersch\u00f6n hymnisch. Bei \u201eMargaret\u201c wiederum baut del Rey gleich eine ganze Band mit ein, n\u00e4mlich Bleachers, die Truppe um Jack Antonoff, der auch am Album mitgeschrieben, haufenweise Musik beigesteuert und es produziert hat. In meinen Augen macht man nichts falsch, wenn man Jack Antonoff engagiert, Lana del Rey hat unter seiner Aufsicht in der Vergangenheit tolle Sachen aufgenommen und auch Taylor Swifts Antonoff-produzierte Alben z\u00e4hlen zu ihren besten. Aber zur\u00fcck zum Tunnel unter der Ozean-Prachtstra\u00dfe und Frau del Reys Co-Artisten: Auf \u201ePeppers\u201c ist es die kanadische Rapperin Tommy Genesis. Das St\u00fcck sticht auch dementsprechend hervor, beginnt gleich elektronisch und Genesis\u2018 Sprechgesang und del Reys typischer Vortrag erg\u00e4nzen sich sehr gut.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende folgt dann noch ein Knaller: \u201eTaco Truck x VB\u201c besteht aus zwei Teilen: Dem lateinamerikanisch angehauchten \u201eTaco Truck\u201c und der zweite Teil ist tats\u00e4chlich eine Neuauflage von \u201eVenice Bitch\u201c vom 2019er Album \u201eNorman Fucking Rockwell!\u201c. Gefiel mir damals schon gut und bildet hier einen w\u00fcrdigen Abschluss mit Wiedererkennungswert und monotonen Beats.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin jetzt hier nicht auf alle Songs eingegangen, weshalb ich \u201eGrandfather Please Stand On The Shoulders Of My Father While He\u2019s Deep-Sea Fishing\u201c noch erw\u00e4hnen m\u00f6chte, nicht nur, weil es ein sch\u00f6ner Song ist, sondern vor allem auch wegen des originellen Titels, den del Rey im Refrain auch komplett unterbringt und noch durch ein \u201efor Sharks in the Pacific\u201c erg\u00e4nzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgrund der vielen ruhigen Klavier\/Streicher-Arrangements brauchte das Album bei mir zwei bis drei Durchl\u00e4ufe, bis ich seine volle Sch\u00f6nheit (Musik) und D\u00fcsternis (Gesang\/Texte) vollends erfassen konnte, aber seitdem l\u00e4sst es mich nicht mehr los und will einmal pro Tag geh\u00f6rt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (03.04.2023) Den Tunnel unter dem Ocean Boulevard, den Lana del Rey auf dem Titelst\u00fcck besingt, gab es wirklich, von 1927 bis 1967, und allein der Text dieses St\u00fccks rechtfertigt bereits den auf dem Albumcover prangenden Parental-Advisory-Sticker: Der &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/lana-del-rey-did-you-know-that-theres-a-tunnel-under-ocean-blvd-polydor-interscope-records-2023\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-5098","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5098","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5098"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5098\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5100,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5098\/revisions\/5100"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5098"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5098"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5098"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}