{"id":5077,"date":"2023-03-23T21:29:28","date_gmt":"2023-03-23T20:29:28","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5077"},"modified":"2023-03-23T21:29:30","modified_gmt":"2023-03-23T20:29:30","slug":"deus-how-to-replace-it-pias-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/deus-how-to-replace-it-pias-2023\/","title":{"rendered":"dEUS \u2013 How To Replace It \u2013 PIAS 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/dEUS-How-To-Replace-It.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/dEUS-How-To-Replace-It.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5078\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (23.03.2023)<br><br>Zuerst zwei Alben in zwei Jahren herauswerfen, weil man ja so viel Material hat, und dann direkt danach elf Jahre Pause machen: dEUS haben Humor. Dabei k\u00fcndigte Violinist Klaas Janzoons dem Rezensenten 2014 in seiner Bar Plaza Real in Antwerpen noch an, dass es ein neues Album bereits 2015 oder 2016 geben sollte. Unklar, ob er damals schon von \u201eHow To Replace It\u201c sprach, aber jetzt ist es da und setzt den Kurs fort, weg vom Kunstl\u00e4rm der fr\u00fchen Neunziger hin zum daraufhin entwickelten Kunstpoprock mit gelegentlichem S\u00e4gen. Die Band hat ein H\u00e4ndchen f\u00fcr sch\u00f6ne Melodien und Harmonien und auch daf\u00fcr, ihre selbst erdachte musikalische Sch\u00f6nheit mit aggressiven Untert\u00f6nen zu versetzen. Man muss das Album laut h\u00f6ren, um die Feinheiten zu erfassen, ansonsten k\u00f6nnte wom\u00f6glich der Eindruck entstehen, es sei weich und langweilig, AOR oder Yachtrock f\u00fcr herausgewachsene Indiekids. Ist es aber nicht, jedenfalls nicht ausschlie\u00dflich. Etwas Entt\u00e4uschung ist dennoch zul\u00e4ssig.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Dieser erste Eindruck stellt sich in der Tat ein, dass dEUS den Biss verloren, weil der L\u00e4rm- und Tempo-Pegel auf \u201eHow To Replace It\u201c in minderer H\u00f6rlautst\u00e4rke in keine Richtung auszurei\u00dfen scheint und weil die Songs so milde wirken. Nicht mal richtig nach Rock, schon sehr geschmeidig poppig. Was nach einigen Durchl\u00e4ufen als erstes h\u00e4ngenzubleiben scheint, sind Elemente, die man von fr\u00fcheren Alben bereits zu kennen glaubt, einige Melodief\u00fchrungen, Tom Barmans gelegentliches Croonen, manche Gitarreneffekte. Dann denkt man sich, dass man das Album dann ja gar nicht br\u00e4uchte, wenn man sich eh nur an alte Sachen erinnert f\u00fchlt und neue kaum ins Ohr gehen. Dann bricht man eben mal mit den Nachbarn und dreht die Anlage auf, setzt sich unmittelbar mit der Musik auseinander, dringt in die Details vor. Und wird f\u00fcndig.<br><br>Zun\u00e4chst sind dEUS ja nun wirklich dazu in der Lage, gro\u00dfartige Songs zu schreiben. Darin folgen sie gottlob lieber ihren eigenen Visionen als popul\u00e4ren Str\u00f6mungen, was das Album eigenst\u00e4ndig und etwas aus der Zeit gefallen sein l\u00e4sst. Das Schrille, haupts\u00e4chlich hervorgerufen mit der kratzigen Violine, mit dem dEUS 1995 ihren Hit \u201eSuds &amp; Soda\u201c auf MTV und die Indieclubs loslie\u00dfen, legten sie noch gegen Ende des Jahrzehnts ab, wie eine Haut, aus der sie gereifter hervortraten. Ihre Songs hatten dennoch Schr\u00e4ges in petto, zumeist ausgedr\u00fcckt mit ungew\u00f6hnlichen Akkorden, unerwarteten Halbt\u00f6nen oder komplexen Strukturen. Auf \u201eHow To Replace It\u201c sind dEUS nun offenbar noch mehr gereift, weil sie diese f\u00fcrs Popradio sperrigen Elemente zur\u00fcckfahren.<br><br>Mit Paukenschl\u00e4gen beginnt das Album, Barman croont dazu, man k\u00f6nnte seinen gebrummelten Vortrag bald als Rap bezeichnen. Die Band steigert sich langsam in den Song hinein, mit im Hintergrund zerst\u00f6rter Gitarre, Piano und mehr rhythmischer Percussion sowie mit gesungenem Refrain. Ja, es scheint unaufgeregt zu sein, wenn das Titellied so beginnt, aber dann dreht man die Lautst\u00e4rke h\u00f6her und stellt fest, welche Unebenheiten unter der Oberfl\u00e4che liegen, wie viele schr\u00e4ge Sounds sich alsbald ansammeln, wie dieses im unteren Midtempo angesiedelte St\u00fcck sich allm\u00e4hlich psychedelisch aufschaukelt. Das Tempo erh\u00f6ht sich in den n\u00e4chsten Tracks nicht, aber die musikalische Dichte, die in h\u00f6heren Tonlagen angeschlagene und leicht verzerrte Gitarren, Backgroundch\u00f6re und Electroelemente zul\u00e4sst. Interessanterweise best\u00e4tigen dEUS die Binsenweisheit, dass sich Aggressivit\u00e4t nicht ausschlie\u00dflich \u00fcber Tempo ausdr\u00fccken l\u00e4sst: Allein Barmans Gesangsstil in \u201eMan Of The House\u201c l\u00e4sst sp\u00fcren, dass er ziemlich angepisst sein muss, und das in Kombination mit aufgerauhten Gitarren, das fetzt. Bis \u201e1989\u201c erklingt, die extrem poppige Single, die kaum noch Elemente von alternativer Rockmusik birgt, was indes auch nicht so neu ist f\u00fcr dEUS.<br><br>Erstmals etwas flotter wird das Tempo in \u201eFaux Bamboo\u201c, dem f\u00fcnften von zw\u00f6lf St\u00fccken, daf\u00fcr nimmt die Band das Fett aus dem Song heraus und beh\u00e4lt das Melancholisch-Fr\u00f6hlich-Poppige bei. Und dann wird\u2019s wieder langsamer, balladesk beinahe, mit einer neuerlichen Rap-Einlage in diesem reflektierten St\u00fcck. Manche St\u00fccke, die so kontemplativ beginnen, polstern dEUS im Verlauf mit einer Prise L\u00e4rm auf, andere behalten sie in einem Sound, den man auch in den Achtzigern schon gern im Radio geh\u00f6rt h\u00e4tte. Den Blick zur\u00fcck auf die experimentellen Zeiten werfen sie dann an achter Stelle mit \u201eSimple Pleasures\u201c, das auf einem funkigen Groovebass mit hektischen Schlagzeugelementen, Samples und schr\u00e4gem Chor zeigt, wo Bartel den Hammer h\u00e4ngen hat.<br><br>Energie erzeugen dEUS nicht selten mit den Stimmen, wenn sie im Chor \u00fcber den niedrig temperierten Kopfnickerst\u00fccken ihre Kraft zum Ausdruck bringen. \u201eWhy Think It Over (Cadillac)\u201c ist an zehnter Stelle ein sch\u00f6nes Beispiel daf\u00fcr, dazu s\u00e4gt einmal mehr die Gitarre und kl\u00f6ppelt gegen Schluss das Klangholz in Kuhglockenmanier. Ein ganzes Album hingegen im Sound der Jammerballade \u201eLove Breaks Down\u201c m\u00f6chte man von dEUS nicht haben, das St\u00fcck kann man aber wegstecken, insbesondere, weil sie als Rauswerfer \u201eLe Blues Polaire\u201c nachschieben, auf dem Barman auf Franz\u00f6sisch wispert und croont und das die Instrumentierung trotz Balladenhaftigkeit etwas rauher und abwechslungsreicher gestaltet. So angepasst, wie das Album beginnt, so zerfasert endet es und wirft die H\u00f6renden in eine Welt voller Herausforderungen. Zum Beispiel der, in diesem ausgebremsten Midtempoalbum die Perlen zu finden, und deshalb empfiehlt es sich, es gleich nochmal zu h\u00f6ren.<br><br>S\u00e4nger und Gitarrist Tom Barman sowie Violinist Klaas Janzoons sind die einzigen seit 1991 verbliebenen Urmitglieder bei dEUS. Der fr\u00fchere 2-Belgen-Bassist Alan Gevaert und Ex-Soulwax-Schlagzeuger St\u00e9phane Misseghers sind seit 2004 dabei, Gitarrist Mauro Pawlowski w\u00e4re es ebenfalls, unterbrach seine Beteiligung indes f\u00fcr einige Zeit und teilt sich zuletzt den Posten mit seinem Substitut Bruno de Groote. In der Pause betrieb Barman sein Jazzprojekt TaxiWars und sein Electroduo Magnus sowie Janzoons seine Kneipe, die anderen verloren sich in Aberdutzenden von Projekten. \u00dcbrigens verriet Janzoons dem Rezensenten weiland, dass der Bandname eher Fl\u00e4misch ausgesprochen werde, also ungef\u00e4hr \u201ede\u00fcs\u201c.<br><br>So richtig g\u00f6ttlich ist \u201eHow To Replace It\u201c vielleicht nicht, da war nach elf Jahren Vorlaufzeit mehr Wumms zu erwarten. Indes ist das, was dEUS heute machen, trotzdem geil. Man wird halt nicht j\u00fcnger, aber man bleibt J\u00fcnger.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (23.03.2023) Zuerst zwei Alben in zwei Jahren herauswerfen, weil man ja so viel Material hat, und dann direkt danach elf Jahre Pause machen: dEUS haben Humor. 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