{"id":5055,"date":"2023-03-14T20:47:19","date_gmt":"2023-03-14T19:47:19","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5055"},"modified":"2023-03-14T20:47:19","modified_gmt":"2023-03-14T19:47:19","slug":"yo-la-tengo-this-stupid-world-matador-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/yo-la-tengo-this-stupid-world-matador-2023\/","title":{"rendered":"Yo La Tengo \u2013 This Stupid World \u2013 Matador 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Yo-La-Tengo-This-Stupid-World.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Yo-La-Tengo-This-Stupid-World.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5056\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (14.03.2023)<br><br>Zuverl\u00e4ssig wie ein N\u00e4hwerk tackert das Schlagzeug, und ebenso zuverl\u00e4ssig bringen Yo La Tengo aus Hoboken, New Jersey fortw\u00e4hrend neue Alben heraus, die nicht nur qualitativ nie unter H\u00f6chstniveau liegen, sondern dazu auch noch experimentell, emotional, noisy, stoisch, variantenreich, zart, durchgeknallt und wundersch\u00f6n sind. \u201eThis Stupid World\u201c reiht sich da ein, je nach Z\u00e4hlung Studioalbum Nummer 17 bis 564.194 in fast 40 Jahren. Der Indierock des Trios ist seit jeher durchsetzt von Herumprobieren, L\u00e4rm und tiefster Sch\u00f6nheit, diese Art zu Mausen l\u00e4sst die Katze nimmermehr. Das Doppel-Vinyl ist dreiseitig kreditiert, aber vierseitig bespielt und transparent blau, also ebenso experimentell und sch\u00f6n wie die Musik darauf.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ach du Liebezeit, Can das denn sein, denk man sich, sobald Schlagzeugerin Georgia Hubley stoisch ihre Beats motuckert. Gelegentlich singt sie, wenn ihr Gatte, Gitarrist Ira Kaplan, mal nicht seine Stimme fragil erhebt. Dritter ist Bassist James McNew, und das schon seit 1992, seitdem ist die Besetzung nach einigen fr\u00fchen Abg\u00e4ngen stabil. Um die durchgehenden Rhythmen herum gestalten die Saiteninstrumentalisten ihre Lieder im Spannungsfeld zwischen einf\u00fchlsamer Fragilit\u00e4t und einnehmender Schr\u00e4gheit. Inmitten eines stillen Popsongs etwa beginnen die beiden pl\u00f6tzlich, zarte Drones und behutsames Gegniedel zu streuen. Andere Songs sind in ihrer musikalischen Grundlage bereits schr\u00e4g, aber die Band singt dazu im harmonischen Chor. Oder sie bettet eine Art Shoegaze-Ambient in einen als solchen auch deutlich sp\u00fcrbaren Drone, der jedoch nicht schmerzt. Und selbst, wenn die Akkorde auch mal aus dem Ruder laufen, verliert die Musik von Yo La Tengo nichts von ihrer \u00fcberw\u00e4ltigenden Sch\u00f6nheit.<br><br>Gleich mit dem Opener stecken die drei das Terrain ab: Der Rhythmus tackert, Bass und Gitarre werden dazu gew\u00fcrgt, so geht Popmusik mitnichten, also alle mal herh\u00f6ren, das hier ist kein Spaziergang, wir meinen das ernst. Und wenn ihr alle diese Kr\u00f6te geschluckt habt, k\u00f6nnen wir immer noch in den Wohlklang finden. Also schon wenige Takte darauf. Vor\u00fcbergehend. Das halten Yo La Tengo nie lang durch, einfach nur sch\u00f6ne Musik, wie sie die Hausfrau nicht beim B\u00fcgeln st\u00f6rt (einmal mehr: Zitat Kr\u00fcger), da muss man auf dem Griffbrett schon mal zwischen die Bunde greifen, da hilft der Schritt in Richtung Lautsprecher, um ein unaufgeregt wohlt\u00f6nendes Feedback zu erzwingen, da kann man die h\u00fcbschen Akkorde auch mal leicht verzerren. Mindestens die harmonischen Ges\u00e4nge gl\u00e4tten die in Bewegung geratenen Wogen wieder. Und das Schlagzeug setzt seinen Weg unbeirrt fort.<br><br>In welche Schublade soll man Yo La Tengo \u00fcberhaupt stecken, da scheiden sich die Wikipediaeintr\u00e4ge. Indierock grunds\u00e4tzlich, Avantgarde, Noiserock, Jazz, Alt.-Country, Sixties-Pop, Shoegaze, Krautrock, Garage Rock, Drone, Surf? Alles davon, nacheinander, nebeneinander, gleichzeitig. So kommt es, dass auch \u201eThis Stupid World\u201c wieder voller Hits ist. Und man denkt: Oh, sch\u00f6n, neue Musik, war ja lang kein Album mehr, seit \u2013 wann, \u201eFame\u201c? Dann guckt man im Plattenschrank nach und stellt fest: Quatsch, \u201eFame\u201c ist schon zehn Jahre alt, danach kamen \u201eStuff Like That There\u201c und \u201eThere\u2019s A Riot Going On\u201c sowie das noisige Corona-Werk \u201eWe Have Amnesia Sometimes\u201c sowie die EP \u201eSleepless Night\u201c. Und sie alle sind so gut und, nun, voller Hits wie das neue Album.<br><br>Nummer 17, sagt Wikipedia, sei \u201eThis Stupid World\u201c, doch der Plattenschrank widerspricht dem, so voller Nebenschaupl\u00e4tze, wie der inzwischen ist, mit dem Seitenprojekt Condo Fucks, mit Soundtracks, mit Compilations voller Coverversionen, mit Split-Alben, mit Best-Of-zusammenstellungen, mit EPs und Singles. Das vorliegende Album sollte man sich \u00fcberdies nicht nur der Farbe wegen auf Vinyl zulegen: Seite B l\u00e4uft ins Unendliche, zudem ist auf Seite D ein unbetitelter Bonus-Instrumental-Track enthalten. Zulegen sollte man es sich \u00fcberhaupt, schlie\u00dflich ist es ein Album von Yo La Tengo, und die machen seit 1984 nichts Schlechtes. Nur Sch\u00f6nes.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (14.03.2023) Zuverl\u00e4ssig wie ein N\u00e4hwerk tackert das Schlagzeug, und ebenso zuverl\u00e4ssig bringen Yo La Tengo aus Hoboken, New Jersey fortw\u00e4hrend neue Alben heraus, die nicht nur qualitativ nie unter H\u00f6chstniveau liegen, sondern dazu auch noch experimentell, emotional, &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/yo-la-tengo-this-stupid-world-matador-2023\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,16],"tags":[],"class_list":["post-5055","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album","category-vinyl"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5055","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5055"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5055\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5057,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5055\/revisions\/5057"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5055"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5055"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5055"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}