{"id":5027,"date":"2023-03-03T15:52:34","date_gmt":"2023-03-03T14:52:34","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5027"},"modified":"2023-03-03T15:52:34","modified_gmt":"2023-03-03T14:52:34","slug":"oliver-schwartz-sophie-guerrive-benjamin-abitan-spirou-54-der-tod-von-spirou-la-mort-de-spirou-carlsen-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/oliver-schwartz-sophie-guerrive-benjamin-abitan-spirou-54-der-tod-von-spirou-la-mort-de-spirou-carlsen-2023\/","title":{"rendered":"Oliver Schwartz, Sophie Guerrive &amp; Benjamin Abitan \u2013 Spirou 54: Der Tod von Spirou (La mort de Spirou) \u2013 Carlsen 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Spirou-54-Der-Tod-von-Spirou.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"149\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Spirou-54-Der-Tod-von-Spirou.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5028\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (03.03.2023)<br><br>Das ist jetzt also die Fortsetzung der Spirou-Hauptreihe nach sieben Jahren Pause? Das neue Autoren-Gespann, das sich dieser 1938 ins Leben gerufenen frankobelgischen Comic-Institution annimmt? \u201eDer Tod von Spirou\u201c wird diesem Erbe nicht gerecht, sondern h\u00e4tte besser als One-Shot \u2013 wie die ersten drei B\u00fccher, die Zeichner Oliver Schwartz verantwortete \u2013 ver\u00f6ffentlicht werden sollen. Man sollte die Hauptreihe vielleicht einfach \u00fcberhaupt beenden und sich komplett auf die Spezial-Ausgaben verlegen. Dieses Buch ist trotz guter Ans\u00e4tze mehr retroselige Fanfiction mit entt\u00e4uschend teilnahmslosem Abgang als w\u00fcrdige Fortf\u00fchrung der Serie. Schwach!<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die drei ??? geben es vor, wie schwierig es ist, mit einem Nachwuchsteam eine Serie fortzuf\u00fchren, die \u00e4lter ist als ihre Autoren, die selbst Fans sind und diesen Umstand nicht aus ihrer Arbeit heraushalten k\u00f6nnen; das gilt offenbar auch f\u00fcr Sophie Guerrive, der ersten Frau, die jemals an Spirou arbeitet, und Benjamin Abitan. \u201eDer Tod von Spirou\u201c ist vollgestopft mit Anspielungen und Cameos \u00e4lterer Figuren und Geschehnisse, allem voran aus der pr\u00e4genden Zeit von Andr\u00e9 Franquin. Das schlie\u00dft nicht nur das Gaston-Universum im Verlagsgeschehen mit ein, ohne Gaston selbst zu zeigen, aber stattdessen st\u00e4ndig zu zitieren, sondern setzt explizit die Episode \u201eDas Versteck der Mur\u00e4ne\u201c aus dem Jahr 1955 fort. Viele der Figuren treten dabei vorrangig um ihrer selbst willen auf, nicht zwingend handlungsrelevant; das macht das Buch mehr zur Hommage als zur eigenst\u00e4ndigen Episode.<br><br>Eigentlich geht es gut los: Im Original steht der 100. Geburtstag des Verlags Dupuis an, den der deutsche Herausgeber Carlsen auf sein eigenes 70j\u00e4hriges Bestehen umm\u00fcnzt. Anstatt rechtzeitig zur Feier im Verlag einzutrudeln, gehen Spirou und Fantasio einer Spur nach, die sie bei der Nachrichtenlekt\u00fcre wittern: Ihre Konkurrentenfreundin Steffani recherchierte \u00fcber einen Umweltskandal, doch der Artikel, der dabei herauskommt, ist eine Lobhudelei auf ein Unterwasserhotel \u2013 und somit Anlass zum Aufhorchen f\u00fcr die beiden Abenteurer-Journalisten. Die Indizien und R\u00fcckschl\u00fcsse sind vor Ort gut verteilt und aufgeschl\u00fcsselt, mit Pfeilschwanzkrebsen, einer Serverfarm, Meerwasser\u00fcberhitzung und kahlem Grund, ebenso mit der Rolle des Grafen Unterwasserpilz, der Taucher auch ohne Ausr\u00fcstung submarin atmen l\u00e4sst, sowie Zyklotrops, dessen Technik man sich hier bedient, um den Skandal zu verschleiern und trotzdem Geld aus der Maschinerie zu melken, obschon man sich darin nicht einig zu sein scheint, welche Auspr\u00e4gung sein Charakter in der Serie \u00fcberhaupt haben soll, er schwankt seit Jahrzehnten zwischen bekloppt-b\u00f6se und bekloppt-gel\u00e4utert und ist hier wieder \u2013 m\u00f6glicherweise \u2013 der B\u00f6se.<br><br>Aber dann muss Spirou ja unbedingt sterben, und nicht nur dieser Umstand ist konstruiert, weil Fantasio ihm auch einfach h\u00e4tte nachtauchen k\u00f6nnen, sondern ebenso alles, was dem folgt, n\u00e4mlich die vollst\u00e4ndige Teilnahmslosigkeit. Anstatt sofort einen Rettungstrupp zu organisieren, reist Fantasio zum Verlag, wo er an der Gala teilnimmt und erf\u00e4hrt, dass Spirous Tod dort sogar ganz gelegen kommt, weil man mit Steffani eine zeitgem\u00e4\u00dfere Figur als neue Serienheldin mit Fantasio als Sidekick etablieren kann. Was ein Murks. Und die Aufl\u00f6sung folgt dann im n\u00e4chsten Band.<br><br>Positiv sind die Zeichnungen, insbesondere die Landschaften; das alte Rummelsdorf sieht klassisch aus, an die Mittelmeerk\u00fcste f\u00fchlt man sich direkt versetzt, die Nouvelle Ligne Claire findet hier ihre Entsprechung. Anders bei den Figuren, deren Zweidimensionalit\u00e4t oftmals gerade in diesem Kontext verwirrt. Positiv sind auch die anf\u00e4nglichen Gags, die etwa Fantasio als zwar gescheiterten, aber den Humor bewahrenden Erfinder zeigen. Positiv ist auch, dass die Moderne ganz selbstverst\u00e4ndlich Einzug in diese 85 Jahre alte Serie h\u00e4lt, mit Veganismus, Umweltschutz, \u00dcberwachung, Massentourismus, Elektromobilit\u00e4t oder Tablets sowie bisweilen mit einem etwas arg aufgesetztem Hang zum Belehrenden. Interessant ist, dass man den Helden einmal sogar nackt zu sehen bekommt, immerhin mit einem Bein, das beim Ankleiden die empfindlichste Stelle verdeckt. Kleiner Funfact: Die Zimmernummer im Hotel entspricht der Nummerierung des Bandes in der franz\u00f6sischen Serie, die der deutschen um zwei voraus ist \u2013 deshalb residieren Spirou, Fantasio und Eichh\u00f6rnchen Pips in Nummer 56, nicht in 54.<br><br>Tja, aber dann. Nach dem anf\u00e4nglichen spannenden Aufbau zerf\u00e4llt die Geschichte bald. Selbst anfangs gibt es schon M\u00e4ngel: Einige Bilder sind dergestalt zusammenhanglos aneinandergepappt, dass man sich fragt, ob das am \u00dcbersetzer liegt oder ob das Original auch schon so gest\u00fcmpert war. Einzelne Sprechblasen sind sinnfrei und unvollst\u00e4ndig abgehackt, man hat den Eindruck, es mit dem Werk von Amateuren zu tun zu haben. Dann lassen die Autoren Pips wieder sprechen oder denken, was ja okay ist, aber nicht, wenn es so inflation\u00e4r und pointenfrei geschieht; man muss leider feststellen: Pips nervt. Zudem bekommt er mittendrin einen eigenen Handlungsstrang, der irgendwann per Kommissar Zufall dort endet, wohin auch die Spur seiner Herrchen f\u00fchrt. Und dann nat\u00fcrlich Spirous Tod, der willk\u00fcrlich wirkt und nur noch unsinnigen Mist nach sich zieht.<br><br>Mit den gewichtigen negativen Punkten reiht sich dieser Band beinahe ein in die Liste der schlechten Dreiteiler, erst von Nic &amp; Cauvin in den Achtzigern und j\u00fcngst die One-Shots von Cambr\u00e9 &amp; Legendre. Und das, obwohl Schwartz bereits drei mehr als ordentliche One-Shots beisteuerte: 2009 \u201eOperation Fledermaus\u201c, 2014 ,Die Leopardenfrau\u201c und 2017 \u201eDer Meister der schwarzen Hostien\u201c, jeweils mit Yann. Damit w\u00e4re er nicht der erste Zeichner, der nach einem grandiosen One-Shot die Serie \u00fcbernahm und sich an ihr verhob: Fabien Vehlmann und Yoann gelang dies, als sie nach \u201eDie steinernen Riesen\u201c aus dem Jahr 2006 vier Jahre sp\u00e4ter das Ruder \u00fcbernahmen und bis 2016 satte f\u00fcnf allerh\u00f6chstens mittelm\u00e4\u00dfige B\u00e4nde ablieferten. Und das, nachdem Morvan und Munuera von 2005 bis 2008 die Serie nun wirklich mit einem gro\u00dfen Schritt nach vorn brachten \u2013 der aber beim Verlag nicht gut ankam, weil er angeblich bei den Lesern nicht gut ankam. So gut wie zu der Zeit war Spirou danach nie wieder, und zuvor hatten Tome &amp; Janry 1998 mit dem gro\u00dfartigen \u201eJagd auf Spirou\u201c ein f\u00fcr sie abschlie\u00dfendes experimentelles Zeichen gesetzt, wie die Reihe auch aussehen k\u00f6nnte. Immerhin gestaltet Munuera jetzt die Zyklotrop-Nebenreihe, und deren dritter Band ist eine Bombe.<\/p>\n\n\n\n<p><a><\/a> Sollte Spirou jetzt also wirklich tot sein, w\u00e4re das gar nicht so schlimm, hie\u00dfe die Alternative, die Fortsetzung sei so mau wie dieses Buch. Es gibt viel bessere One-Shots \u2013 und au\u00dferdem sind f\u00fcr die Zukunft auch schon wieder welche vorgesehen: Spezial Nummer 40, \u201eTulpen aus Istanbul (Robbedoes \u2013 Tulpen uit Istanboel)\u201c von Hanco Kolk kommt im Mai heraus, im August folgt Spezial Nummer 41, \u201eSpirou und das Helden-Syndrom (Spirou chez le fous)\u201c von Jul &amp; Libon. Sollen sie doch komplett auf die Hauptreihe verzichten, bei den vielen Team-Wechseln der letzten Jahre macht es eh keinen Unterschied und eine Entt\u00e4uschung wie diese nicht so gewichtig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (03.03.2023) Das ist jetzt also die Fortsetzung der Spirou-Hauptreihe nach sieben Jahren Pause? 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