{"id":5009,"date":"2023-02-27T20:32:23","date_gmt":"2023-02-27T19:32:23","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=5009"},"modified":"2023-02-27T20:32:23","modified_gmt":"2023-02-27T19:32:23","slug":"eartrumpet-mystified-eartrumpet-mystified-treetrunk-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/eartrumpet-mystified-eartrumpet-mystified-treetrunk-2023\/","title":{"rendered":"Eartrumpet &amp; Mystified \u2013 Eartrumpet &amp; Mystified \u2013 Treetrunk 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Eartrumpet-Mystified-Eartrumpet-Mystified.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Eartrumpet-Mystified-Eartrumpet-Mystified.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5010\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (27.02.2023)<br><br>Wenn Wissenschaft zu Kunst wird: Trompeter Roger Mills alias Eartrumpet improvisiert zu Sounds, die Thomas Park alias Mystified mit einem selbstprogrammierten Algorithmus aus Field Recordings generierte. Aus diesem artifiziellen Ansatz entsteht eine organische EP mit vier Tracks, die auf Ambient basieren und den Jazz transportieren. Die Stimmung ist dunkel und erinnert an Soundtracks experimenteller Filme, die man sich \u2013 allein schon der gro\u00dfartigen Musik wegen \u2013 unbedingt angucken m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Der Soundtrack-Eindruck entsteht sofort mit dem ersten Track \u201eTryst\u201c: Eine filigrane Soundlandschaft er\u00f6ffnet die EP, Mills trompetet dazu langgedehnt, dann setzen punktuelle Melodiefragmente ein, sp\u00e4ter kommen Noisesounds dazu. Alles im langsamen, gem\u00e4chlichen Tempo, Roberto Benigni irrlichtert dazu durch einen schwarzwei\u00df gefilmten Sumpf. Mit der wie in sp\u00e4tn\u00e4chtlicher Jazzbar gespielten einsamen gestopften Trompete r\u00fcckt Mills im zweiten Track \u201eBeatle Juice\u201c in den Vordergrund, Parks Horrorfilmsoundscapes bilden dazu eine be\u00e4ngstigende Tapete. \u201eStill Life\u201c k\u00f6nnte einem minimalistisch orchestral unterf\u00fctterten Melodram entnommen sein, in all der Verfremdung f\u00e4llt es dem Laien schwer, \u00fcberhaupt ein Blasinstrument herauszuh\u00f6ren. An ein tiefdunkles Meer mit ungewissem Seegang f\u00fchrt abschlie\u00dfend \u201eEsrom\u201c, mit apokalyptischen Sounds als Basis, die wellenartig die Tonh\u00f6he \u00e4ndern, sowie mit bei Jean-Michel Jarre ausgeborgten Synthieeffekten dar\u00fcber. Auch hier tritt ein Blasinstrument nicht in vertrauter Manier in Erscheinung. Mit Akkordverschiebungen erzeugt das virtuelle Duo sogar so etwas wie Seekrankheit, erstaunlich. R\u00fcckw\u00e4rts gespielt hei\u00dft das St\u00fcck \u201eMorse\u201c und beinhaltet vermutlich den SOS-Funkspruch eines in Seenot geratenen Schiffes. Und M\u00f6wen als Begleiter.<br><br>Um das ganze Ausma\u00df dieser wundersch\u00f6nen Musik zu erfassen, muss man in die Eingeweide gehen. Man kann die EP selbstredend auch einfach nur genie\u00dfen, aber die Hintergr\u00fcnde sind schon erstaunlich: Die Basis bilden Sounds, die Park als Field Recordings erstellte, als Musique Concr\u00e8te gewisserma\u00dfen, und diese Snippets lie\u00df er von seinem selbstprogrammierten Algorithmus verfremden, und zwar so stark, dass ihr Ursprung nicht mehr erkennbar ist. Dies nennt er \u201eAcousmatic Concept\u201c, und weil Mills als Universit\u00e4tslehrer zum Zeitpunkt des virtuellen Kennenlernens \u00fcber Pierre Schaeffer referierte, entbrannte sein Interesse an Parks Ambient sofort. Der in einem Remix erste gemeinsame Fr\u00fcchte trug, denn Park bearbeitete auf seine Weise einen Track des Ethernet Orchestra, dem weltweit agierenden virtuellen Netzwerk an Impromusikern, dem Mills vorsteht. Das ebnete den Weg f\u00fcr diese EP, f\u00fcr die Park vier Algorithmusfiles an Mills schickte, die jener seinerseits mit Field Recordings und verfremdeter Trompete bearbeitete. Nur Banausen h\u00f6ren lediglich einen Haufen Ger\u00e4usche, da stecken ordentlich Arbeit, Improvisation, Musikverst\u00e4ndnis und Wissenschaft drin.<br><br>Guckt man in die Biografien beider Musiker, wird man mit einem doppelt opulenten Oeuvre erschlagen. Thomas Jackson Park aus San Francisco startete in den Achtzigern mit Jazz, elektronischer Musik und Techno, bevor er beim Ambient landete. Zu finden ist er unter AutoCad, Mister Vapor, DJ_Frankenstone, DJ_Iterate, Grid Resistor, Model 201, A Cryo Chamber Collaboration, FutureLight, Oriondrive, Paiyatuma und Tone Brothers, vermutlich ist diese Liste noch unvollst\u00e4ndig, und zuz\u00fcglich Mystified geht die Zahl der jeweiligen Ver\u00f6ffentlichungen ins Unendliche. Was ein Output! Eartrumpeter Roger Mills aus Sydney gestaltete in den Neunzigern in England den Trip Hop mit, vertont Filme, Tanztheaterst\u00fccke und Radioperformances und betreibt das weltumspannende Ethernet Orchestra. Zu fr\u00fcheren Projekten geh\u00f6ren Eludea, Limbo, Nada, Sawtooth, Spaceways, Statik Sound System und Vine. Also zwei \u00e4u\u00dferst umtriebige Charaktere, die sich offenbar irgendwann einfach finden mussten \u2013 hoffentlich bleibt diese EP nicht die einzige gemeinsame Arbeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (27.02.2023) Wenn Wissenschaft zu Kunst wird: Trompeter Roger Mills alias Eartrumpet improvisiert zu Sounds, die Thomas Park alias Mystified mit einem selbstprogrammierten Algorithmus aus Field Recordings generierte. 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