{"id":4989,"date":"2023-02-15T21:41:13","date_gmt":"2023-02-15T20:41:13","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=4989"},"modified":"2023-02-15T21:41:13","modified_gmt":"2023-02-15T20:41:13","slug":"was-meine-freundin-gerne-hoert-die-musikkolumne-ungeschriebene-regeln-in-rockschuppen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/was-meine-freundin-gerne-hoert-die-musikkolumne-ungeschriebene-regeln-in-rockschuppen\/","title":{"rendered":"<strong>Was meine Freundin gerne h\u00f6rt \u2013 die Musikkolumne: Ungeschriebene Regeln in Rockschuppen<\/strong>"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Was-meine-Freundin-gerne-Logo-111.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Was-meine-Freundin-gerne-Logo-111.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4578\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Onkel Rosebud<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Freundin geht sonst nur in Elektro-Clubs, keine Gitarren oder allenfalls misshandelte oder verfremdete, sagt sie. Aber nach einem gem\u00fctlichen Dinner bei Kerzenschein und argentinischem Malbec weicht ihr f\u00fcr Paul Van Dyk und ab 125 bpm piependes Herz auf, und dann gehen wir eben auch mal in so Rockschuppen, weil ich es da am gem\u00fctlichsten finde. Ich bin auch schon \u00e4lter, hasse Mode und liebe Lieder von fr\u00fcher. Oder neue Lieder, die dann irgendwann sp\u00e4ter auch dazugeh\u00f6ren zu den alten Liedern.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Abende in Rockschuppen verlaufen immer gleich, das ist gut zu wissen und sehr entspannt. Man kommt hin und trinkt und wartet, dass man betrunken wird. Das geht je nachdem sehr schnell oder nicht, auf jeden Fall schnell genug, denn die Trinkgeschwindigkeit verh\u00e4lt sich direkt proportional zur Lautst\u00e4rke der Musik und umgekehrt proportional zur Kommunikationsf\u00e4higkeit. Das ist die wichtigste Regel in einem Rockschuppen: sehr schnell = sehr laut = wenig interessantes Gespr\u00e4ch.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann w\u00fcnscht man sich bald, dass man selbst auflegt, denn was <em>der da<\/em>, der sogenannte Resident-DJ, heute darbietet, ist ja voll daneben. Dabei muss man ehrlicherweise zugeben, dass das amtierende, dumme Schwein von Plattenaufleger nicht ganz bl\u00f6d ist, er spart sich wahrscheinlich nur <em>die guten Songs<\/em> f\u00fcr sp\u00e4ter auf, wenn endlich alle tanzen, moshen und bl\u00f6ken. Rock-DJs sind zumeist ziemlich artfremde Zeitgenossen und immer seltsam angezogen, in schwarzen, schlabberigen T-Shirts mit grellem Aufdruck \u00fcber Lederhosen. Aber, wenn man sie lobt f\u00fcr die tollen Platten (zweitwichtigste Regel: Gib\u2018 dem DJ das Gef\u00fchl, tolle Platten zu haben) und in eine kleine Fachsimpelei verstrickt, dann essen sie einem sprichw\u00f6rtlich aus der Hand. Irgendwann \u2013 jemand muss das ja machen \u2013 beginnt man zu tanzen und tut sich in seinem Vortrag m\u00f6glichst aufregend komisch hervor, damit man vielleicht sp\u00e4ter darauf angesprochen wird. Alle anderen sehen das und st\u00fcrmen hinterher.<\/p>\n\n\n\n<p>Rockmusikmenschen tanzen in der Regel nicht sehr gut. Gelingt es einem, folgende n\u00e4chstwichtige Regeln: Nicht mitsingen, nicht Luftgitarre spielen, nicht wild rumspringen, nur Rhythmus beachten, einhalten, dann kann man sich leicht hervortun. Wenn die Tanzfl\u00e4che richtig voll ist, gibt es keine Regeln mehr, dann z\u00e4hlt nur noch, eigene und K\u00f6rperteile der anderen m\u00f6glichst unbeschadet zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>In so Rockschuppen gibt es nat\u00fcrlich M\u00e4dchenknaller und Jungskracher. Bei Offspring, Ramones oder anderem Punkrock; Korn, Bloodhound Gang bzw. \u00e4hnlichem Crossover-Hip-Hop-Ged\u00f6ns sind m\u00e4nnliche Protagonisten in der \u00dcberzahl, rempeln bierselig und bespringen sich ekelig wie Fu\u00dfballer, wenn sie ein Tor geschossen haben. Bei Jamiroquai, Morcheeba oder Cardigans sind die M\u00e4dchen dran. Und ich. Weil es sich einfach sch\u00f6ner dazu tanzen l\u00e4sst (und die k\u00f6rperlich aktiven M\u00e4dchen zur vorger\u00fcckten Stunde besser riechen). Bei Zwitter-B\u00f6llern wie Beastie Boys, Stereo MC\u2019s, Prodigy oder Deutschget\u00f6se str\u00f6men beide Geschlechter zu gleichen Teilen auf die Platte. Ich gehe dann trinken, denn die n\u00e4chste Regel will beachtet sein: Bleibt man zu lange auf der Tanzfl\u00e4che, h\u00f6rt man hinterher gar nicht mehr auf zu schwitzen. Aufs-Klo-Gehen wird mit jedem Mal sch\u00f6ner. Bei den Jungs wird pl\u00f6tzlich gegr\u00fc\u00dft. Und keckerweise verirrte M\u00e4dchen, deren Bed\u00fcrfnis gr\u00f6\u00dfer war als die Schlange auf dem Damenklo, werden fr\u00f6hlich willkommen gehei\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwann wird es dann doch immer ein merkw\u00fcrdig unw\u00fcrdiges Schauspiel. Bei Midnight Oil, Sisters Of Mercy, H-BlockX und den jedes Mal unvermeidlichen H\u00e9roes del Silencio bricht die H\u00f6lle los. Grunds\u00e4tzliche Regeln der Ethik und \u00c4sthetik lassen sich nicht l\u00e4nger ignorieren, und auch der angestrebteste umnebelte Zustand kann nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass die Zeit mittlerweile reif daf\u00fcr ist, sich gurgelnd und mit fiependen Ohren der Horizontalen hinzugeben. Ein feiner Abend. Ich mag diese Rockschuppen.<\/p>\n\n\n\n<p>Onkel Rosebud<\/p>\n\n\n\n<p>P.S.: Dieser Text erschien erstmals am 26. Januar 2000 in ad-rem, Jahrgang 12, Nummer 3.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Onkel Rosebud Meine Freundin geht sonst nur in Elektro-Clubs, keine Gitarren oder allenfalls misshandelte oder verfremdete, sagt sie. 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