{"id":4986,"date":"2023-02-15T21:35:03","date_gmt":"2023-02-15T20:35:03","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=4986"},"modified":"2023-02-15T21:35:03","modified_gmt":"2023-02-15T20:35:03","slug":"ahab-the-coral-tombs-napalm-records-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/ahab-the-coral-tombs-napalm-records-2023\/","title":{"rendered":"Ahab \u2013 The Coral Tombs \u2013 Napalm Records 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Ahab-The-Coral-Tombs.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Ahab-The-Coral-Tombs.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4987\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (15.02.2023)<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem ich mich in meinem letzten Artikel mit Genrebezeichnungen, von denen ich keine Ahnung habe, weit aus dem Fenster lehnte, versuche ich es gar nicht erst, die Musik von Ahab irgendwie zu klassifizieren. Gut 7 Jahre nach ihrer letzten Ver\u00f6ffentlichung \u201eThe Boats Of The Glen Carrig\u201c melden sich die Haupt- und wohl einzigen Protagonisten des Nautik Funeral Death Doom mit \u201eThe Coral Tombs\u201c eindrucksvoll vom Rande des Odenwaldes zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Rein von der Prospektlage (vielen vielen lieben Dankesch\u00f6n an meinen Kollegen M aus H f\u00fcr diese wunderbare Vokabel) wei\u00df \u201eThe Coral Tombs\u201c zu beeindrucken, bevor ich es zum ersten Mal geh\u00f6rt habe: Ein in schwarz\/grau und \u2013 sagen wir mal \u2013 Kupfer, bevor es gr\u00fcn wird, gehaltenes Coverartwork, das ein Korallenriff (jetzt h\u00e4tte ich beinahe \u201eGitarrenriff\u201c geschrieben, aber dazu kommen wir sp\u00e4ter) nebst pr\u00e4historischem Unterseeboot sowie einem wei\u00dfes Zeug rauspustenden Kraken und einer Beerdigungsprozession mit kurzbehosten Sargtr\u00e4gern mit Taucherhelmen zeigt, sorgt f\u00fcr den gewissen Gruselfaktor. Also quasi eine Unterseebestattung. Wir k\u00f6nnen eben nicht alle im gelben U-Boot leben oder unten im Meer, im Garten eines Kraken. Dazu eine Spielzeit von knapp \u00fcber einer Stunde bei nur 7 St\u00fccken, deren Titel Latein und Englisch beinhalten, daf\u00fcr aber keine Mathematik.<br><br>Dem Doom im Allgemeinen stehe ich einigerma\u00dfen gespalten gegen\u00fcber \u2013 ich mag zum Beispiel My Dying Bride sehr, Cathedral und Paradise Lost fast genauso sehr, wohingegen ich Candlemass entsprechend ihres Herkunftslandes immer eher als das IKEA des Doom Metal ansehe, verglichen mit sagen wir mal USM Haller, der haltbareren, filigraneren und kostspieligeren Variante dieses Konzepts \u2013 manche sagen auch, die Musik von Ahab ist wenig eing\u00e4ngig und kann langweilen und einschl\u00e4fern. Gerade bei nur wenigen, langen St\u00fccken bei ausschweifender Spielzeit m\u00f6chte man das vermuten.<br><br>Aber Ahab sind hiervon gl\u00fccklicherweise etwa 20.000 Meilen entfernt. Und zwar nach unten: Auf \u201eThe Coral Tombs\u201c arbeiten sie sich textlich an Jules Vernes \u201e20.000 Meilen unter dem Meer\u201c ab, und was liegt n\u00e4her, angesichts eines an einem vierbuchstabigen Kapit\u00e4n aus der Weltliteratur ausgerichteten Bandnamens? L\u00e4sst man \u201eDer Alte\u201c auch als 4 Buchstaben gelten, bin ich gespannt auf Ahabs doomige Umsetzung von L.G. Buchheims \u201eDas Boot\u201c. Aber wenden wir uns zun\u00e4chst dem aktuellen Album zu:<\/p>\n\n\n\n<p>Bereitet mir der Wechsel zwischen Growl- und Klargesang auch manchmal Magenschmerzen \u2013 bei Ahab ist dies in keinster Weise der Fall, auch wenn dieser hier an der Tagesordnung ist. Daniel Droste beherrscht beide Arten von Gesang in einer Weise, die stets songdienlich ist und die H\u00f6renden gleicherma\u00dfen in den Bann schl\u00e4gt. In diesen schl\u00e4gt mich bereits das erste St\u00fcck, \u201eProf. Arronax\u2018 Descent Into The Vast Oceans\u201c. Es beginnt mit Blastbeats und Blackmetalgekreische nebst beeindruckenden Growls. Das h\u00e4lt aber nur ca. eine Minute an, dann werden Lautst\u00e4rke und Aggressivit\u00e4t auf eine industriell anmutende Weise heruntergefahren, eine Akustikgitarre ert\u00f6nt und Droste singt sehr gef\u00fchlvoll im Bariton (ich hoffe, ich alter Erzbanause liege da richtig). Das geht bis Minute Dreieinhalb, dann holt Drummer Cornelius Althammer (das ist f\u00fcrwahr ein Drummername, ist es nicht?) aus, haut wuchtig auf die Tom, Droste baritoniert weiter, Christian R. Hector schl\u00e4gt sp\u00e4rliche, aber umso ausdrucksvollere Akkorde auf der Elektrischen an und gegen Minute 6 rumpelt sich Althammer in so eine wuchtig donnernde Melvins-Rhythmik hinein, Drostes Gesang wird immer beschw\u00f6render und heulender, Hector spielt eine wundervoll jaulende Gitarrenmelodie, von der ich mir bis heute nicht sicher bin, ob es noch Riff oder schon Solo ist. Und unter das alles setzt Stephan Wandernoth einen Bass, der sich nicht in den Vordergrund dr\u00e4ngt, aber ohne den das alles Nichts w\u00e4re.<br><br>Dann \u2013 nach \u00fcber 8 Minuten \u2013 das zweite St\u00fcck, \u201eColossus Of The Liquid Graves\u201c. Was f\u00fcr 1 Bombast w\u00fcrden Candlemass daraus machen, g\u00e4be man ihnen die Rechte am Namen dieses Songs! \u201eColossus Doomicus Liquidicos\u201c. Por Favor. Und was machen Ahab? Die gehen bei und lassen die Gitarren sch\u00f6\u00f6n langsam quietschen (die eine) und dunkel dr\u00f6hnen (die andere). Dann kommt Droste hinzu und singt wahrhaft stimmungsvoll. Am Ende der ersten Strophe f\u00e4ngt ihn die h\u00f6here der beiden Gitarren auf und er singt auf einmal klar. Ganz kurz nur. Dann Iommy-m\u00e4\u00dfiges Riffing vom Allerfeinsten, und just in dem Moment, in dem die\/der H\u00f6rende denkt, \u201enun k\u00f6nnte mal wieder jemand singen\u201c, tut Droste das \u2013 growlend. Die Gitarren doomen weiter vor sich hin und auf einmal geht Droste wieder zum Klargesang \u00fcber \u2013 ein wenig erinnert mich seine Art, so zu singen, daran, wie ich mir ein doomiges Metalkloster vorstelle. 12 Minuten um und das zweite St\u00fcck gerade halb beendet und ich langweile mich bisher keine Minute. Und ich denke, Ahab bringen das St\u00fcck zuende, ohne dass ich es die ganze Zeit kommentiere, daher ein kurzes Wort zur Produktion: Exzellent! \u201eThe Coral Tombs\u201c t\u00f6nt satt aus den Bluetooth-K\u00fcchenlautsprechern, die Drums haben Wumms, alle Instrumente kommen voll zur Geltung, das H\u00f6ren des Albums macht Spa\u00df.<br><br>Dann Song 3 \u2013 \u201eMobilis in Mobili\u201c. Der Titel klingt zugegebenerma\u00dfen schei\u00dfe, so wie \u201eQuantit\u00e4t statt Qualit\u00e4t\u201c, nur halt von Nergal formuliert, oder sowas \u00e4hnlich Abgeschmacktes. Die Musik hingegen klingt toll: Das St\u00fcck beginnt mit langsamen Pling-Pling, in das die Gitarre einsetzt, dabei immer tiefer wird und sich vom Bass begleiten l\u00e4sst, dann f\u00e4ngt Droste an zu grunzen und alles passt. Das Riffing steigert sich in eine Art \u201eIron Man\u201c-Parodie hinein, dann wieder Akustikgitarren-Pling-Pling, und am Ende eine stoische Huldigung der Gitarrenrepetition mit d\u00fcsterem Gegrowle \u2013 wahrlich knapp achteinhalb Minuten, die wie im Fluge verfliegen. Danach wird es auf diesem Album keinen Song mehr geben, der die 10 Minuten unterschreitet. Den Anfang macht \u201eThe Sea As A Desert\u201c, ein Meer zum Nachtisch, warum auch nicht? Wieder ein sch\u00f6nes Akustik-Intro, die zweite Gitarre setzt ein und nach zwei Minuten entfesselt sich ein langsames Dr\u00f6hndemonium, von sp\u00e4rlichen, aber wieder melvinsm\u00e4\u00dfig donnernden Drums in Ordnung gehalten und Droste singt zun\u00e4chst wie direkt aus dem Grab, intensiv wie an keiner Stelle des Albums bisher, dann wieder der Signature Death Doom Bariton und man w\u00fcnscht sich, dass das St\u00fcck nie wieder enden w\u00fcrde.<br><br>Was es nat\u00fcrlich dennoch tut und Platz macht f\u00fcr das beinahe nicht minder lange Titelst\u00fcck \u201eA Coral Tomb\u201c. Dieses baut sich sch\u00f6n ruhig auf und klingt dabei nach gediegenem Gothic Rock der gehobenen Sorte, dann setzt eine Solo-E-Gitarre ein, die den H\u00f6renden verdeutlicht, dass sie es hier mit nichts Geringerem als einer Metal-Band zu tun haben. Echt jetzt? Der danach \u00fcber uns hereinbrechende Gesang ist n\u00e4her an Fields Of The Nephilim, als alles, was Carl McCoy seit den sp\u00e4ten 80ern gemacht hat, und derweil spuit die Musi stoisch weiter, als w\u00e4re nichts gewesen. Uuuh huuuh, G\u00e4nsehaut, super! Wie kann dieser S\u00e4nger, der bis dahin Growls und Klargesang direkt aus dem Hier &amp; Jetzt abgeliefert hat, auf einmal so wie direkt aus dem Grab klingen und dann wieder ansatzlos in den sch\u00f6nen, tiefen Klargesang \u00fcbergehen? Egal, Droste kann das und z\u00f6gert keine Sekunde, von diesem K\u00f6nnen Gebrauch zu machen. Derweil die Kapelle stoisch Akkorde klampft und auf die Trommel haut. Und dabei macht die Gitarre die Zuh\u00f6renden immer wieder gebannt hinh\u00f6ren. Was ist das f\u00fcr 1 Band? Hammer!<\/p>\n\n\n\n<p>Mit \u201e\u00c4gri Somnia\u201c (man denke sich vor dem \u201eg\u201c diesen obskuren skandinavischen Buchstaben, der aus A und E besteht und den ich jetzt jeder Band mit Ausnahme von Ahab als wichtigtuerischen Manierismus um die Ohren geschlagen h\u00e4tte) folgt dann das l\u00e4ngste St\u00fcck des Albums, dessen nicht enden wollendes Intro ich gerne weiland in den 80ern Kirk Hammett an die Hand gegeben h\u00e4tte, dass der mal sieht, dass Pling-Pling nicht nur im Kontrast mit extrem schnellem, harten Gerattere funktioniert, sondern auch mal f\u00fcr sich genommen sehr sch\u00f6n klingen kann. Sobald Drostes Gesang einsetzt, f\u00fchle ich mich an Baroness oder Mastodon erinnert, ist aber nur so ein kurzer Gedanke, bevor Droste wieder leise und d\u00fcster growlt, als g\u00e4be es kein Morgen und als k\u00f6nnte es vor allem nicht vortrefflicher zu dieser Musik passen. Dann singt er wieder klar und das Riffing folgt der Ansage von Mark E. Smith von vor bestimmt schon 40 Jahren: \u201eRepetition, Repetition, Repetition, Repetition\u201c. Sowas Sch\u00f6nes! Drostes Gesang nimmt die H\u00f6renden bis kurz vor Ende des St\u00fcckes extrem gefangen und dann setzt ein beinahe schmerzendes Quietschen ein. Der \u00dcbergang zum siebten und letzten St\u00fcck des Albums, \u201eThe M\u00e6lstrom\u201c, auf dem uns Ahab in einen selbigen hineinziehen. Klagender Gesang, wundersch\u00f6n d\u00fcster vor sich hinm\u00e4andernde Riffs, dann wieder lebensverneinend repetierende, vom Grunzgesang begleitete Klanglandschaften und immer, wenn man denkt, es geht nicht mehr, kommt von irgendwoher melodischer Klargesang nebst wundersch\u00f6n melodischer Leadgitarre daher. Und gegen Ende des Albums entscheidet sich Droste dann, nicht mehr zwischen Grunz- und Klargesang entscheiden zu m\u00fcssen, sondern schreit einfach alles einfach nur so raus und l\u00e4sst die H\u00f6renden eventuell verst\u00f6rt, aber dennoch begeistert zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>P.S: Eine autobiographische Anekdote zum Thema \u201eAhab\u201c will ich gerne noch loswerden: Am 6. Januar 2023 begab es sich, dass C, H und ich uns in die Klaue (eine authentisch-verrauchte, urst sympathische Braunschweigische Heavy-Metal-Gastst\u00e4tte) begaben, um dort am heiligen Metal-Quiz teilzunehmen, das quasi vom J\u00f6rg Pilawa des Metallwissensvergleichs, n\u00e4mlich von Till Burgw\u00e4chter, angeleitet wurde. Mit unserem Team, spontan \u201eJudith Priest\u201c getauft, belegten wir den zweiten Platz und gewannen Karten zum Record-Release-Konzert von Ahab am 13. Januar in der Jugendkirche zu Braunschweig. Aus terminlichen Gr\u00fcnden war H der einzige von uns, der es geschafft hat, das Konzert vor Ort mitzuerleben, und er war restlos begeistert (\u201eGew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig. Metalkiffermucke.\u201c), konnte aber leider meinem Rat, sich am Taufbecken festzukleben, nicht folgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (15.02.2023) Nachdem ich mich in meinem letzten Artikel mit Genrebezeichnungen, von denen ich keine Ahnung habe, weit aus dem Fenster lehnte, versuche ich es gar nicht erst, die Musik von Ahab irgendwie zu klassifizieren. 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