{"id":4969,"date":"2023-02-06T21:17:28","date_gmt":"2023-02-06T20:17:28","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=4969"},"modified":"2023-02-06T21:17:28","modified_gmt":"2023-02-06T20:17:28","slug":"das-maedchen-im-schnee-la-chica-de-nieve-jesus-mesas-javier-andres-roig-netflix-e-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/das-maedchen-im-schnee-la-chica-de-nieve-jesus-mesas-javier-andres-roig-netflix-e-2023\/","title":{"rendered":"Das M\u00e4dchen im Schnee (La chica de nieve) \u2013 Jes\u00fas Mesas &amp; Javier Andr\u00e9s Roig \u2013 Netflix\/E 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"178\" height=\"100\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-660\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (06.02.2023)<br><br>\u201eDas Schneem\u00e4dchen\u201c, wie die Romanvorlage von Javier Castillo aus dem Jahre 2020 w\u00f6rtlich besser \u00fcbersetzt hei\u00dft, funktioniert wie so viele Plots dieser Zeit nur, wenn man Kopf und Realit\u00e4t ausschaltet und akzeptiert, dass sich die Figuren komplett unsinnig verhalten. Man muss bei diesem zum jammerigen Psychodrama aufgebl\u00e4hten Minikrimi viel zu viel Schwachsinn akzeptieren, unter anderem, dass die Erz\u00e4hlstruktur jedwede auch nur hauchfein aufkeimende Spannung zunichtemacht. Dazu kommen banale Figuren, L\u00e4ngen um L\u00e4ngen und \u2013 eigentlich bis auf die Bilder und das Meer im Hintergrund nichts wirklich Gutes. \u201eDas M\u00e4dchen im Schnee\u201c alias \u201eThe Snow Girl\u201c ist Zeitverschwendung.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die Serie mit sechs Folgen \u00e0 je einer Dreiviertelstunde \u2013 kommt einem alles deutlich l\u00e4nger vor! \u2013 beginnt noch klassisch wie ein Ermittlerding: Ein M\u00e4dchen verschwindet 2010 w\u00e4hrend eines Volksfestes in M\u00e1laga, es mehren sich Hinweise auf eine Entf\u00fchrung, Polizei und Lokalzeitung verfolgen Spuren. Amaya, so der Name des M\u00e4dchens im Schnee, das die ganze Serie \u00fcber keinen Schnee zu sehen bekommen wird, hinterl\u00e4sst sorgenvolle Eltern, die man auch als weinerlich bezeichnen darf. Inspectora Mill\u00e1n und Zeitungspraktikantin Miren gehen parallel auf die Jagd, kommen auf einen Freund der Familie, der mal wegen Verf\u00fchrung einer Minderj\u00e4hrigen sa\u00df, und scheitern an dessen Alibi. Pl\u00f6tzlich ist 2016 und Amaya immer noch vermisst. Miren bekommt eine VHS-Kassette (sehr geile Idee, keine digitalen Spuren und so) mit einem Beweis, dass das M\u00e4dchen noch lebt, und daher r\u00fchrt dann auch der Schnee, n\u00e4mlich vom Krisseln auf dem Videoband. In diesem Moment ist jedoch klar, dass jede weitere R\u00fcckblende ins Jahr 2010 ausschlie\u00dflich Sachen erz\u00e4hlen kann, die nicht das Auffinden Amayas beinhalten, also keinerlei Spannung mehr aufbringen k\u00f6nnen. Noch wilder wird es, als dies im Jahre 2019 erneut passiert.<br><br>2016 sagt irgendwer, dass bei der Wiederaufnahme der Ermittlungen hoffentlich nicht wieder so viele Tote zu beklagen sein w\u00fcrden wie 2010. R\u00fcckblende 2010: Genau eine Person stirbt, okay, jede ist eine zu viel, aber da hat man nach so einer R\u00fcckblickansage doch andere Erwartungen. Dieser eine Tote stirbt dann aber auch kurios: Der Sohn des ersten Verd\u00e4chtigen springt vom Balkon, w\u00e4hrend er von Miren interviewt wird, weil n\u00e4mlich die Cops parallel das Kinderpornostudio finden, das er mit seinem Vater in der Wohnung der verstorbenen Oma m\u00fctterlicherseits betreibt. Dort ist alles so errichtet, als w\u00e4re man bereit f\u00fcr den n\u00e4chsten Schuss, inklusive stapelweise CDs mit Filmen und dem letzten kompromittierenden Clip noch in der aufgestellten Kamera. Klar: Wenn ich verd\u00e4chtigt werde, ein Kind entf\u00fchrt zu haben, lasse ich alles so stehen, und als selbst noch minderj\u00e4hriger Sohn lasse ich nat\u00fcrlich die Zeitung in die Hauptwohnung, obwohl ich sie erst wegschicken wollte, und springe dann vom Balkon, nachdem ich die Info \u00fcber den Tatortfund per Anruf bekomme. Ja, Menschen sind dumm, aber Drehb\u00fccher auch.<br><br>Abgesehen von der Entf\u00fchrung des Kindes selbst ist dies der erste \u00fcberraschende Moment der Serie. Der zweite erfolgt, nachdem Miren einen weiteren verd\u00e4chtigen, aber laufengelassenen, wegen P\u00e4dophilie angeklagten Typen zur Rede stellt und erf\u00e4hrt, dass der mit Amaya zwar nix am Hut hat, aber mit einem Clip, der zeigt, wie Miren selbst 2008 am Strand vergewaltigt wurde. Daran hat die inzwischen bei der Zeitung fest angestellte Journalistin ohnehin stark zu knabbern und das wiederum lastet sie der ermittelnden Inspektorin auch immer noch an, weshalb sie mit der Polizei nicht zusammenarbeitet. Okay, unerwartet, dass die sie betreffende Straftat als Clip in illegalen Pornoforen kursiert, an denen auch noch der Vater des suizidalen Kinderpornobengels beteiligt ist. Unerwartet und bekloppt aber auch, dass Miren dem Typen 6000 Euro in die Hand dr\u00fcckt und ihn sie nat\u00fcrlich sp\u00e4ter in Verlegenheit bringende Fotos von sich machen l\u00e4sst, f\u00fcr eine Nutzerliste, die ihr sicherlich auch ein Hacker f\u00fcr deutlich weniger Einsatz h\u00e4tte besorgen k\u00f6nnen.<br><br>Klingt nach viel Stoff? Wir sind aber bereits in Episode 4. N\u00e4chstes Highlight ist, dass Miren beim Vergleich der Videospuren auf die Idee kommt, wer einen neuen Spurkopf f\u00fcr sein Ger\u00e4t gekauft haben konnte \u2013 Modell und Hersteller ermittelte die Polizei anhand der VHS-Spuren. Sie liegt richtig, und dann kommt eine komplett redundante Folge, in der man die Hintergr\u00fcnde und die Erlebnisse Amayas w\u00e4hrend der nun neun Jahre seit der Entf\u00fchrung verfolgen muss; offen bleibt, warum ein 15j\u00e4hriges Teeniem\u00e4dchen mit Zugang zu Fernsehen keinen Fluchtgedanken aufkeimen l\u00e4sst. Also: Psychopathische Else und unterw\u00fcrfiger Gatte auf abgelegenem Hof, Kinderwunschklinikbehandlung gescheitert, Bezug zu Amayas Mutter, die den Kinderwunsch dort nicht erf\u00fcllen konnte, da nimmt man deren Kind nat\u00fcrlich mit und \u00fcberzeugt auch den Gatten davon, dass das so okay ist, die Psycho-Else sch\u00fcchtert das Kind fortan ein und nennt es Julia. Dann die dritte richtige \u00dcberraschung: Die Entf\u00fchrerin ballert den B\u00e4nker ab, der die Hypothekenzahlungen einfordert. Uh! Und dann: So detailliert, wie die Serie noch den kleinsten Pups ausufernd erkl\u00e4rt, wie zum Beispiel diese ganze Episode, wundert man sich, dass man kein St\u00fcck erf\u00e4hrt, wie das Paar die Leiche und deren Auto entsorgt. Vierte \u00dcberraschung: Der Gatte der durchgeschossenen Entf\u00fchrerin wird vom Auto \u00fcberfahren. Haha! Da macht es sich das Drehbuch einmal mehr sehr einfach: S\u00e4mtliche T\u00e4ter ziehen sich durch Ableben aus der Verantwortung, die Psychopathin per Suizid sp\u00e4ter ebenfalls.<br><br>Auch die beiden P\u00e4dos, die im Wohnwagen des einen verbrennen, nachdem sie jemand anonym im Internet denunzierte. Nicht schlimm, finden alle, und zucken mit den Schultern. Nicht ganz, Eduardo, der sympathisch zwischen Frank Black aus \u201eMillennium\u201c und jeder sp\u00e4ten Clint-Eastwood-Figur angesiedelte v\u00e4terliche Journalisten-Freund Mirens, entdeckt die belastenden Fotos auf ihrer Kamera, die sie nat\u00fcrlich im Auto liegen l\u00e4sst. Klar, wenn ich anonym Fotos irgendwo ver\u00f6ffentliche, lasse ich die nat\u00fcrlich auf der SD-Karte, anstatt sie nach dem Hochladen zu l\u00f6schen. Eduardo jedenfalls offenbart Miren am Ende, dass er die Karte stiebitzte, was sie nicht mal feststellte, obwohl sie beim Observieren der Entf\u00fchrerin \u2013 nachdem diese sie trotz erster Ablehnung doch in ihr Haus lie\u00df und damit erst Verdachtsmomente erm\u00f6glichte, wie spannend, und wie dumm konstruiert \u2013 die Kamera verwendete. Das Drehbuch hat da noch mehr L\u00fccken im K\u00f6cher, denn aus unerfindlichen Gr\u00fcnden macht Miren nicht nur keine Fotos vom Haus, wobei ihr das Fehlen der SD-Karte sp\u00e4testens aufgefallen w\u00e4re, sondern senkt das Ger\u00e4t auch noch kurz vor dem Auftreten der verschwundenen Amaya ab, sodass sie sie erst im vorbeifahrenden Auto ersp\u00e4ht und erst gar nicht in Verlegenheit gekommen w\u00e4re, das Fehlen der Karte zu bemerken, weil der Ausl\u00f6ser nicht ausl\u00f6st. Gotteswilln. Als Kr\u00f6nchen fasst Eduardo die komplette f\u00fcnfte Folge sp\u00e4ter in nur einem schmalen Satz zusammen, qed.<br><br>Man h\u00e4tte sich so viel sparen k\u00f6nnen, vornehmlich das ganze qu\u00e4lende Gejammer. Alle haben irgendwelche Probleme, sogar die Inspektorin, und heulen herum, was das Zeug h\u00e4lt. Was aber an Thrillern, Krimis und dergleichen spannend sein kann, sind Ermittlungen, das Begleiten der Erkenntnisse. Solche Szenen bietet die Serie tats\u00e4chlich einige wenige an, inklusive dem klischeehaften Karten-Fotos-Bindf\u00e4den-Tableau an der Wand, aber nichts f\u00fchrt zu etwas, sonst w\u00fcrde es ja keine neun Jahre dauern, das Blag zu finden. Zudem ist es interessant, dass sich \u00fcber die Jahre weder bei der Zeitung noch bei der Polizei personell etwas \u00e4ndert, auch nicht vom Aussehen her. Nur die Eltern von Amaya sind inzwischen getrennt. Und Miren hat ein sichereres Auftreten, wenngleich kein sympathisches: Als Identifikationsfigur ist sie zu blass, irgendwo zwischen Koks und Valium, sie wei\u00df, was sie will, hat aber keine Kontur. Unglaubw\u00fcrdig ist zudem, dass sie als tolle Journalistin gefeiert wird, wo doch bis auf ganz wenige erhellende Erkenntnisse ihr Hauptverdienst ist, zweimal anstelle der Eltern VHS-Kassetten zugeschickt bekommen zu haben.<br><br>Ebenso konturlos ist die Inspektorin, die als notwendige Staffage durch die Kulissen stolpert und damit best\u00e4tigt, dass Mirens Kritik an ihrer Arbeit berechtigt ist, denn schlie\u00dflich kommt sie ja zu keinen greifbaren Ermittlungsergebnissen. Und das, obwohl bereits wenige Sekunden nach Amayas Verschwinden das ganze Land f\u00fcr neun Jahre in Aufruhr ist, als w\u00e4re sonst auf der Welt nix los. So nahe wie den Spaniern in der Serie geht dem Zuschauer die ganze Chose aber nicht, maximal Mirens Leid als Opfer der bis zuletzt unaufgekl\u00e4rt bleibenden Vergewaltigung, stets ein beschissenes Thema. Und das schlachten die Serienmacher aus, denn als Finale erh\u00e4lt Miren einen Hinweis auf Staffel 2, die sich vermutlich an \u201eEl juego de alma\u201c (\u201eDas Spiel der Seele\u201c, Netflix-Titel vermutlich \u201eDie Seele im Spiel\u201c) orientieren wird, der Romanfortsetzung innerhalb der bisher dreib\u00e4ndigen Miren-Triggs-Buchreihe. Was leider vielmehr vermuten l\u00e4sst, nicht das M\u00e4dchen, sondern die Autoren von so einem Quark bef\u00e4nden sich in zu viel Schnee.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (06.02.2023) \u201eDas Schneem\u00e4dchen\u201c, wie die Romanvorlage von Javier Castillo aus dem Jahre 2020 w\u00f6rtlich besser \u00fcbersetzt hei\u00dft, funktioniert wie so viele Plots dieser Zeit nur, wenn man Kopf und Realit\u00e4t ausschaltet und akzeptiert, dass sich die Figuren &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/das-maedchen-im-schnee-la-chica-de-nieve-jesus-mesas-javier-andres-roig-netflix-e-2023\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"class_list":["post-4969","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tv"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4969","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4969"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4969\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4970,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4969\/revisions\/4970"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4969"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4969"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4969"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}