{"id":4953,"date":"2023-01-25T22:12:19","date_gmt":"2023-01-25T21:12:19","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=4953"},"modified":"2023-01-25T22:12:19","modified_gmt":"2023-01-25T21:12:19","slug":"was-meine-freundin-gerne-hoert-die-musikkolumne-nichts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/was-meine-freundin-gerne-hoert-die-musikkolumne-nichts\/","title":{"rendered":"<strong>Was meine Freundin gerne h\u00f6rt \u2013 die Musikkolumne: <\/strong><em><strong>NICHTS<\/strong><\/em>"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Was-meine-Freundin-gerne-Logo-111.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Was-meine-Freundin-gerne-Logo-111.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4578\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Onkel Rosebud<br><br>Meine Freundin h\u00f6rt gerne auch mal <em>nichts<\/em>. Dabei ist das weniger einfach, als es vielleicht vermuten l\u00e4sst, das <em>Nichts<\/em> zu h\u00f6ren. Dr\u00e4ngen doch st\u00e4ndig irgendwelche Ger\u00e4usche, erh\u00f6rt zu werden, zu ihr vor. Ob Nachbars Hausmusik, der Sanierungspresslufthammer im Hinterhaus oder eing\u00e4ngiges Gedudel im Kaufhaus, immer sind unsere Ohren diversen Anschl\u00e4gen oder Ansagen wie \u201eN\u00e4chste Station Albertplatz\u201c ausgesetzt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Und um die Erfahrung des <em>Nichts<\/em>-H\u00f6rens zu machen, m\u00fcssen wir oft weite Wegstrecken \u00fcberwinden, was nicht ohne zahlreiche Entbehrungen einhergeht. Oder, wer h\u00f6rt schon bewusst? Bewusst Musik h\u00f6ren zum Beispiel geh\u00f6rt zu Tugenden unserer schnelllebigen Zeit, wie Ehrlichkeit oder guter Geschmack. Tja, <em>nichts<\/em> ist leichter, als mal eben nebenbei das Radio laufen zu lassen, h\u00f6rt man aber bewusst hin, wird einem schlecht, sp\u00e4testens, wenn zum dritten Male der gleiche Werbeblock gelaufen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Es melden sich doch jetzt mal alle, die sich ab und an einen Tontr\u00e4ger auflegen, vorzugsweise nicht klassisch, und sonst <em>nichts<\/em> anderes machen, als selbigem zuzuh\u00f6ren. Genau, wusst\u2018 ich\u2019s doch, Musik ist verkommen zum Nebenbeiprodukt. Blo\u00dfes Bet\u00e4tigen eines Sinnesorgans ist anstrengend und ein st\u00e4ndiges Gedudel sind wir gew\u00f6hnt. Manche brauchen es sogar, um sich auf eigentliche Hauptaufgaben zu konzentrieren. In Diskothek-Tanzveranstaltungen geht es eh nur darum, dass es ordentliche wummert und der Wiedererkennungswert erhalten bleibt \u2013 von bewussten Musikgenuss keine Spur.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich suggeriere folgendes Experiment: Man verdunkelt das etwa 19\u00b0C warme Zimmer, in dem geh\u00f6rt werden soll, r\u00fccke einen m\u00f6glichst harten und unbequemen Holzstuhl in den Zenit der Akustik (der Punkt im Raum, wo sich die Boxen treffen, w\u00fcrden sie einen Strich aussetzen), verh\u00e4nge alle Bilder mit hautfarbenen T\u00fcchern und tue sowieso alles, um eventuelle Ablenkung auszuschlie\u00dfen. Sodann streiche man sanft \u00fcber die Sammlung der zu Verf\u00fcgung stehenden Tontr\u00e4ger, spiele einen besonderen bei mittlerer Lautst\u00e4rke ab und setzte sich dazu auf oben erw\u00e4hnten Stuhl, mit Gesicht zum Abspielger\u00e4t gewendet. Der Erfolg, vor allem bei Darbietungen in einer Sprache, die man versteht, ist verbl\u00fcffend. F\u00fcr Einsteiger dieser zugegeben schwierigen, aber h\u00f6heren Kunst des Bewusst-H\u00f6rens empfiehlt meine Freundin Max Goldts (Foyer des Arts) Sprechplatte \u201eRestaurants, Restaurants\u201c oder f\u00fcr anglophon-gepolte Mitmenschen His Bobness Dylan. Vor allem bei Letzterem kann man vor Ehrfurcht nur so auf dem Holzstuhl herumrutschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Onkel Rosebud<\/p>\n\n\n\n<p>P.S.: Dieser Text erschien erstmals am 10. Januar 1996 in ad-rem, Jahrgang 8, Nummer 2.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Onkel Rosebud Meine Freundin h\u00f6rt gerne auch mal nichts. Dabei ist das weniger einfach, als es vielleicht vermuten l\u00e4sst, das Nichts zu h\u00f6ren. Dr\u00e4ngen doch st\u00e4ndig irgendwelche Ger\u00e4usche, erh\u00f6rt zu werden, zu ihr vor. 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