{"id":4780,"date":"2022-12-09T16:00:06","date_gmt":"2022-12-09T15:00:06","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=4780"},"modified":"2022-12-09T16:00:06","modified_gmt":"2022-12-09T15:00:06","slug":"fontaines-d-c-skinty-fia-partisan-records-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/fontaines-d-c-skinty-fia-partisan-records-2022\/","title":{"rendered":"Fontaines D.C. \u2013 Skinty Fia \u2013 Partisan Records 2022"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Fontaines-D.C.-Skinty-Fia.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Fontaines-D.C.-Skinty-Fia.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4781\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (08.12.2022)<\/p>\n\n\n\n<p><a><\/a> \u201eSkinty Fia\u201c, das dritte Album von Fontaines D.C. (\u00e4h ja, Matze, hiermit h\u00e4tte ich dann die \u00dcberschrift im ersten Satz wiederholt und damit eine wichtige journalistische Grundregel nicht nur ad absurdum gef\u00fchrt, sondern sogar eingehalten) [im Sonic Seducer geht das noch redundanter: \u201e\u201aSkinty Fia\u2018 ist der Titel des neuen Albums von Fontains D.C.\u201c, Guido! {Matze}], ist bereits am 22. April dieses Jahres erschienen \u2013 warum besch\u00e4ftige ich mich jetzt damit? Ganz einfach \u2013 ich war bis vor einiger Zeit davon ausgegangen, dass mich eine gehypte Band aus dem District of Columbia nicht weiter zu interessieren h\u00e4tte, denn daf\u00fcr habe ich schon Fugazi. Dann stellte ich fest, dass \u201eD.C.\u201c f\u00fcr \u201eDublin City\u201c steht, und den Rest an Erkenntnis hat mir dann die \u00dcbersetzung des g\u00e4lischen \u201eSkinty Fia\u201c gebracht: \u201eThe Damnation of the Deer\u201c n\u00e4mlich, und damit sind wir mittenmang in der Weihnachtszeit drin. Und in dieser schreibe ich jetzt die Rezension zum dritten Album von Fontaines D.C. Die mir mit \u201eSkinty Fia\u201c nunmehr die dritte irische Phrase nahebrachten, die ich bisher kenne, neben \u201eSl\u00e1inte\u201c und \u201eG\u00e9ill Sl\u00ed\u201c.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Also schnell noch in \u201eDogrel\u201c (2019) und \u201eA Hero\u2018s Death\u201c (2020) reingeh\u00f6rt, um a) mitreden zu k\u00f6nnen und b) begeistert zu werden. Die ersten beiden Alben von Fontaines D.C. sind gleicherma\u00dfen ruppig und mitrei\u00dfend. Gitarre, Bass, Schlagzeug und Grian Chattens (Sprech-)Gesang, alles zusammen erinnert mich an Sleaford Mods, nur dass hier der Dialekt nicht East Midlands, sondern Dublin ist. Gro\u00dfartig.<br><br>\u201eSkinty Fia\u201c beginnt ganz anders: \u201eIn \u00e1r gCro\u00edthe go deo\u201c (F\u00fcr immer in unseren Herzen \u2013 ein Grabspruch offenbar) beginnt mit verhaltenem Bassgewummere und dem Gesang von Grian Chatten. Die Zuh\u00f6renden erwarten vor die Stirn geknallte Fr\u00fchst\u00fcckbrettchen und erhalten statt dessen \u201eGone ist the night, gone is the day\u201c in mehrfacher Wiederholung, und vor dem Hintergrund weniger donnernder Musik im Hintergrund ist es tats\u00e4chlich Chattens Stimme, die dem St\u00fcck von Sekunde zu Sekunde mehr H\u00e4rte und Eindringlichkeit verleiht. Bei Sternzeit 2:20 setzt dann das Schlagzeug ein \u2013 eins der Trademarks von Fontaines D.C. Tom Coll ist ein unglaublich beeindruckender Schlagzeuger, der sich mit seinem manchmal stolpernd anmutenden, aber doch virtuosem Spiel nie in den Vordergrund spielt, aber weitaus mehr als ein R\u00fcckgrat f\u00fcr die tollen Songs von Fontaines D.C. liefert. W\u00e4hrend das Er\u00f6ffnungsst\u00fcck vor sich hin schreitet und sich an Grian Chattens Gesang nichts \u00e4ndert, bietet Colls Schlagzeugspiel den anderen Instrumentalisten die M\u00f6glichkeit, sich unauff\u00e4llig an Bord zu begeben und aus dem Song nach und nach ein wahres Pand\u00e4monium zu machen. Ohne dass man es als H\u00f6rende:r merkt. Hammer! Das Album ist jetzt schon gekauft, aber neugierig auf das, was kommt, sind wir dennoch:<br><br>\u201eBig Shot\u201c beginnt mit Bass, Gitarre und Hi-hat und klingt auch erstmal ruhig. Bleibt auch so, macht aber dennoch L\u00e4rm, und zwar von der finster-melancholischen Sorte. \u201eHow Call Loaf Is\u201c (so h\u00f6rt es sich an, wenn Chatten den Titel des dritten Songs singt) haut exakt in dieselbe Kerbe und so langsam dr\u00e4ngt sich mir der Verdacht auf, Fontaines D.C. wollen einen erstmal einlullen, bevor sie einem ungewohnte Takte um die Ohren schlagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und genauso bewahrheitet es sich (ein perfides Man\u00f6ver der Band, die d\u00fcstere Vorahnung der H\u00f6renden exakt zu bedienen\u2026): \u201eJackie Down The Line\u201c beginnt mit Bass und Schlagzeug von wieder einmal mehr der d\u00fcsteren Sorte und dann beginnt Grian Chatten in seinem wirklich wirklich hinrei\u00dfend klingenden Dialekt eine Melodie zu singen, die den Psychedelic Furs der ausgehenden 80er Jahre gut zu Gesicht gestanden h\u00e4tte, nur halt eben viel besser ist. Seit hier bin ich Fan. Ab hier nur noch im Dubliner Dialekt vorgetragene Spielergebnisse der Dritten Liga der fu\u00dfballspielenden Gentlemen \u2013 egal, \u201eSkinty Fia\u201c ist hier bereits mein Album der Stunde (bzw. der Vorweihnachtszeit).<br><br>Zum Gl\u00fcck kommt es nicht dazu. \u201eBloomsday\u201c ist ein \u00fcberaus wuchtiges, dr\u00e4uendes St\u00fcck D\u00fcsterrock, das dem Leseerlebnis von \u201eUlysses\u201c von James Joyce gerecht wird. Alles beides gleichzeitig und dazu eine Flasche Jameson\u2018s\u2026. wenn der Tag gelaufen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber er ist ja noch nicht gelaufen: \u201eRoman Holiday\u201c wird wieder souver\u00e4n von Colls Drums eingeleitet und nur Sekunden danach setzt eine 80er-Jahre-Cure-m\u00e4\u00dfige Bass-Gitarre-Kollaboration ein und Chatten lullt uns wieder einmal mehr mit seinem \u2013 diesmal mit ordentlich Hall unterlegtem \u2013 Gesang ein; wow, das ist gut und w\u00e4rmt die Seele. Das anschlie\u00dfende \u201eThe Couple Across The Way\u201c lullabyed die H\u00f6renden dann so richtig mit seinem fast schon nervigem Gesang ein, besticht durch ein auf Autopilot geschaltetes Schifferklavier (das gegen Ende mal aus sich herausgehend solieren darf) und zieht die soeben Genannten dennoch in seinen Bann hinein.<br><br>Und dann: Bass und Beat des Titelst\u00fcckes \u201eSkinty Fia\u201c fordern die H\u00f6renden nachdr\u00fccklich dazu auf, mit Schmackes das Tanzbein zu schwingen. Dazu quietscht die Gitarre, dass es eine wahre Freude ist, und Chatten gibt sich alle M\u00fche, die Stimmlage auf einem konstanten Niveau zu halten, was ihm gelingt und durchaus wieder mal melodietechnisch sch\u00f6n hypnotisch r\u00fcberkommt.<br><br>Jetzt k\u00f6nnte man es dann wieder ruhiger angehen lassen, und mit dem Simon-Gallup-Ged\u00e4chtnis-Bass auf \u201eI Love You\u201c gelingt das sehr gut. Wieder einmal besticht der Gesang zutiefst, ich pers\u00f6nlich finde es ja immer wundersch\u00f6n, mir originelle Dialekte anzuh\u00f6ren und k\u00f6nnte niemals damit aufh\u00f6ren.<br><br>Das letzte St\u00fcck, \u201eNabokov\u201c, wird wieder vom Bass eingeleitet und dann von hallenden Ger\u00e4uschen dominiert. Chatten n\u00f6lt dazu geradezu, das St\u00fcck bleibt midtempo, aber macht dennoch ordentlich Krach und klingt dann am Ende sch\u00f6\u00f6n langsam aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Verdammtes Rentier, was f\u00fcr ein tolles Album!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (08.12.2022) \u201eSkinty Fia\u201c, das dritte Album von Fontaines D.C. 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