{"id":4762,"date":"2022-11-29T22:48:32","date_gmt":"2022-11-29T21:48:32","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=4762"},"modified":"2022-11-29T22:48:32","modified_gmt":"2022-11-29T21:48:32","slug":"devin-townsend-lightwork-inside-out-music-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/devin-townsend-lightwork-inside-out-music-2022\/","title":{"rendered":"Devin Townsend \u2013 Lightwork \u2013 Inside Out Music 2022"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Devin-Townsend-Lightwork.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Devin-Townsend-Lightwork.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4763\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (29.11.2022)<br><br>Yeah, Pop! Der Allesk\u00f6nner macht nach dem chaotisch-unh\u00f6rbaren Metal-Zappa-Experiment-Album \u201eEmpath\u201c endlich wieder vertr\u00e4gliche Musik, und dieses Mal eben Pop. Das kann er, das macht er auch nicht zum ersten Mal, manche Performance mit Anneke van Giersbergen etwa deutet sehr sehr in Richtung Schlager, aber weil Dev eben Dev ist, ist das \u201eLightwork\u201c vielschichtig: Den Metal packt er in die unteren Ebenen, das Komplexe flie\u00dft wie nebenbei ein, sein Pop hat ein massives Fundament, auf dem er leichtf\u00fc\u00dfig Pirouetten dreht, mit ausgebreiteten Armen. Einmal mehr gibt\u2019s in der limitierten Version ein komplettes Bonus-Album, \u201eNightwork\u201c, und auf dem tobt er sich etwas mehr aus.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>In \u201eLightwork\u201c ist wirklich alles drin, was man mit Gitarren an Pop fabrizieren kann, Achtelnoten, Klimperrefrains, epische Melodien, Dreivierteltakt, opulente Power, cheesige Zartheit, gro\u00dfe Gef\u00fchle, bezaubernde Ch\u00f6re, kitschige Akustikgitarren, fluffige Drumcomputer, Devs ausdrucksstarker Gesang, \u00e4h: Vogelgezwitscher, Erinnerungen an die Achtziger mit Powerpopbands, die sich dem Metal zuordneten, weil es au\u00dferhalb kleiner Nischen noch nichts H\u00e4rteres gab, also keinen Devin Townsend zum Beispiel, der ab den Neunzigern mit Strapping Young Lad dem Metal eine H\u00e4rte zuordnete, die er auf \u201eLightwork\u201c komplett ausklammert. Was nicht schlimm ist, \u201eLightwork\u201c ist gut, wenn man daf\u00fcr offen ist.<br><br>Denn Devin kann mehr als Pop, er kann mehr als gefallen wollen, er ist da ganz Spitzbube und stopft seinen Pop voll mit Sachen, die nur der versierte Metalhead mit Freude am Experiment zu generieren in der Lage ist. Da rifft er gegen den Takt, l\u00e4sst pl\u00f6tzlich eruptive Wucht unter der Oberfl\u00e4che aufploppen, integriert progressive Trance- und EBM-Synthieeffekte und kreischt doch mal herum, wie er es sonst im Metal vollf\u00fchrt. Dieses Mal indes r\u00fchrt er seine Zutaten nicht so \u00fcberfordernd zusammen wie noch auf \u201eEmpath\u201c, das mit seinen Haken nicht einfach nur unerwartete Richtungen einschlug, was ja immer sch\u00f6n ist, sondern nicht nachvollziehbare, was keinen Spa\u00df macht, insbesondere, wenn diese Haken noch nicht mal spannend oder wenigstens sch\u00f6n sind.<br><br>Die Komplexit\u00e4t dieser hei\u00dfen Suppe erkl\u00e4rt sich auch mit den G\u00e4sten, die bei \u201eLightwork\u201c im Studio zugegen waren: Rhys Fulber, EBM-Urgestein aus Vancouver, kennt Dev noch aus Zeiten, als jener bei Front Line Assembly aushalf, auf \u201eMillennium\u201c 1994 und auf \u201eHard Wired\u201c 1995. Matthias Eklund war 1997 am Solo-Album von Meshuggah-Gitarrist Fredrik Thordeldal beteiligt, \u201eSol Niger Within\u201c. Jonas Hellborg ist Jazz-Bassist. Gitarrist Mike Keneally arbeitete bereits mit Frank Zappa. Keyboarder Diego Tejeida war Mitglied bei den Progmetalern Haken. Als Produzenten w\u00e4hlte Dev den Crossover-Verfeinerer GGGarth Richardson, der schon in den Neunzigern Helden und Humpen wie Rage Against The Machine, Red Hot Chili Peppers, Melvins, L7, Ugly Kid Joe, Sick Of It All und viele mehr in seinem Studio hatte. Und nat\u00fcrlich sind Devs Mentor Steve Vai und Devs Muse Anneke van Giersbergen auch wieder im Einsatz \u2013 aber nur auf dem Bonus-Album \u201eNightwork\u201c.<br><br>Wohlklang dieser Art ist einem Dev nicht fremd, man h\u00f6re nur das fragile \u201eGhosts\u201c oder seine Solo-Akustik-Sachen, auch \u201eAccelerated Evolution\u201c und \u201eSynchestra\u201c hatten schon eine m\u00e4chtig opulente Produktion. Mit diesem Pop reagiert Dev auf die katastrophale Weltlage angesichts von Pandemie und Russlandkrieg, er dr\u00fcckt sich selbst und den H\u00f6renden Frieden und Liebe auf, da darf kein vordergr\u00fcndiger Ballast die Kuschelstimmung belasten. Und weil es diesen Ballast ja trotzdem gibt, nimmt Dev noch \u201eNightwork\u201c auf, den dunklen Bruder des Hauptalbums, ohne den jenes nicht vollst\u00e4ndig w\u00e4re. Merkw\u00fcrdige Verkaufsstrategie, st\u00e4ndig dem Handel nur halbe Alben unterzujubeln und das Komplettding \u00fcberteuert als Deluxe-Version zu ver\u00f6ffentlichen: Bereits \u201eZiltoid The Omniscient\u201c, \u201eEmpath\u201c, \u201eCasualties Of Cool\u201c, \u201eEpicloud\u201c, \u201eZ\u00b2\u201c und \u201eTranscendence\u201c waren nur mit Bonus-CD vollst\u00e4ndig.<br><br>So auch \u201eLightwork\u201c mit \u201eNightwork\u201c, auf dem Dev seine eigene Leine wieder locker l\u00e4sst. Zum Auftakt verkn\u00fcpft er Vai und van Giersbergen aufs Herrlichste. Schon Track 2, \u201eFactions\u201c, ist zwar so fett wie Devs Mucke seit seiner Genesung eben ist, aber auch wieder so schnell, brutal und heavy wie alte SYL-Sachen. \u201eYogi\u201c ist ein verspielter Kram, nicht so extrem wie \u201eThe Mighty Masturbator\u201c, aber doch versponnen. Und auch der Rest ist ein Querschnitt durch Devs Stilvielfalt, von Ambient \u00fcber Country, Electro, Zappa und Metal zur\u00fcck zu dem Pop von \u201eLightwork\u201c.<br><br>Die Doppel-CD gibt\u2019s im Digipak, aber auch wie so oft als gro\u00dfformatiges Buch, dann mit Bonus-BluRay, auf der das erste Album nochmal in Dolby Surround sowie kommentiert enthalten ist. Und auf Vinyl in unz\u00e4hligen Farbversionen, dann aber ohne was auch immer, wer soll denn da noch durchsteigen. Als w\u00e4re das nicht schlimm genug, gab es zwischen \u201eEmpath\u201c und \u201eLightwork\u201c noch au\u00dfer der Reihe diverse Live-Alben sowie das Doppel-Album \u201eThe_Puzzle\/Snuggles (Beautiful Dream)\u201c. Allein eine Rarit\u00e4ten-Compilation von Dev w\u00e4re dicker als manch andere vollst\u00e4ndige Discografie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (29.11.2022) Yeah, Pop! Der Allesk\u00f6nner macht nach dem chaotisch-unh\u00f6rbaren Metal-Zappa-Experiment-Album \u201eEmpath\u201c endlich wieder vertr\u00e4gliche Musik, und dieses Mal eben Pop. 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