{"id":4740,"date":"2022-11-17T22:22:49","date_gmt":"2022-11-17T21:22:49","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=4740"},"modified":"2022-11-17T22:22:49","modified_gmt":"2022-11-17T21:22:49","slug":"lost-in-kiev-rupture-pelagic-records-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/lost-in-kiev-rupture-pelagic-records-2022\/","title":{"rendered":"Lost In Kiev \u2013 Rupture \u2013 Pelagic Records 2022"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Lost-In-Kiev-Rupture.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Lost-In-Kiev-Rupture.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4741\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (17.11.2022)<\/p>\n\n\n\n<p>Ich gebe zu, es war der Name der Band, an dem ich zuerst h\u00e4ngen blieb, als ich im Internet die Metal-Neuerscheinungen durchsah. Vermutlich bekommen Lost In Kiev seit Kriegsbeginn haufenweise Aufmerksamkeit, die sie so, also aus diesem Grund, wahrscheinlich niemals haben wollten. Lost In Kiev sind aus Paris, existieren seit 2007 und machen Post-Rock bzw. Post-Metal, und das zumeist instrumental. Als Gesamteindruck stelle ich fest (und ich gebe zu, dass ich mich mit reiner Instrumentalmusik nicht wirklich auskenne), dass mich die Musik und auch irgendwie die ganze Stimmung an das erinnern, was Die Haut in den 90ern gemacht haben, ohne jetzt aktuell in deren Werke nochmal reingeh\u00f6rt zu haben. Bauchgef\u00fchl, Baby. Was mich aber alles schon mal sehr f\u00fcr Lost In Kiev einnimmt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Das erste St\u00fcck \u201eWe Are\u201c erstreckt sich gleich \u00fcber knapp 7 Minuten, baut sich langsam auf und erzeugt so f\u00fcr Neu-H\u00f6rende wie mich eine ungeheure Spannung auf das, was mich in den n\u00e4chsten knapp \u00fcber 50 Minuten erwartet. Zun\u00e4chst erwartet mich ein langsames, schleppendes Schlagzeug, um das herum sich melodische Gitarrenmelodien (man erkennt sofort, dass es sich nicht nur um eine einzige handelt) aufbauen, und je mehr diese an Lautst\u00e4rke hinzugewinnen, umso kr\u00e4ftiger donnert das Schlagzeug. Dann wird es wieder leiser, aber auf diese spezielle Art und Weise, die verhei\u00dft, dass noch etwas wirklich Schlimmes bevorsteht. Aber nichts dergleichen \u2013 die urspr\u00fcngliche Melodie wird wieder aufgegriffen, mit mehr Gitarrenimprovisation drumherum und das Schlagzeug bekommt mehr und mehr Raum und sorgt bei mir f\u00fcr Begeisterung. Es tut mir ja fast schon Leid, dass ich in letzter Zeit andauernd das Wort \u201ehypnotisch\u201c verwende, aber hier passt es mal wieder. \u201eWe Are\u201c zieht mich mehr und mehr in seinen Bann, wird musikalisch immer dichter, lauter und ja, auch h\u00e4rter, und mehr und mehr hoffe ich, dass nicht irgendwann die sch\u00f6ne Stimmung durch einen S\u00e4nger gest\u00f6rt wird. Was auch tats\u00e4chlich erst im zweiten St\u00fcck passiert: Lost In Kiev haben Loic Rossetti von den \u00fcberragenden The Ocean verpflichten k\u00f6nnen, auf dem zweiten St\u00fcck, \u201ePrison Of Mind\u201c, Gesang beizusteuern. Das St\u00fcck beginnt mit einer ruhigen Gitarre und einem von Anfang an mehr als auf dem Opener donnernden Schlagzeug, und dann f\u00e4ngt Rossetti auch unmittelbar mit dem Beisteuern an. Und das haut super hin: Zun\u00e4chst Klargesang (erinnert mich an TesseracT, ich wei\u00df nur nicht, mit welchem S\u00e4nger), und mit zunehmender Intensit\u00e4t des Gesangs steigern sich auch die Instrumente, bis Rossetti schlie\u00dflich screamt und growlt, Gitarren, Bass und Schlagzeug ein wahres Pandemonium abliefern, und auf einmal ist es wieder ruhig und Rossetti singt klar weiter, als ob nichts gewesen w\u00e4re. Dieses Schauspiel ziehen Band und S\u00e4nger dann nochmal ab und es langweilt nicht, sondern die H\u00f6renden k\u00f6nnen jede Sekunde genie\u00dfen. Nach gut 11 Minuten haben Lost In Kiev mich damit schon auf ihre Seite gezogen und ich freue mich drauf, wie es dann instrumental weitergeht.<br><br>Und das tut es sehr gut und sehr \u00fcberzeugend: Ohne S\u00e4nger liefern sich die Gitarren so manche ergiebige Diskussion mit dem Schlagzeug, dieses Sich-Steigern innerhalb des Songs, dann wieder in sich zusammenzufallen, um sich dann wieder zu steigern, zieht sich wie ein roter Faden durch das Album und funktioniert durchweg, ohne jemals zu langweilen. Das schaffen Lost In Kiev, indem sie nicht immer dasselbe machen, sondern bei jedem Auf und Ab innerhalb der Songs neue Dinge einbauen, an denen das Ohr der H\u00f6renden unweigerlich h\u00e4ngenbleibt. Ganz oft ist es das Schlagzeug, dass kurzzeitig aufh\u00f6rt, einfach nur den Rhythmus f\u00fcr den sich stetig steigernden Wall of Sound der Gitarren abzuliefern, sondern auf einmal ausschert, einige schnelle, unterhaltsame Kapriolen zum Besten gibt und dann wieder seinen Platz in der Rhythmusabteilung einnimmt, als w\u00e4re nichts gewesen.<br><br>Nach diesem Schema geht es weiter und weiter \u2013 ja, ich denke schon, Lost In Kiev arbeiten bis zu einem gewissen Ma\u00dfe nach einem Schema \u2013 und ich bin der Meinung, so k\u00f6nnte es von mir aus ruhig ewig weitergehen. Die zweite H\u00e4lfte von \u201eAnother End Is Possible\u201c klirrt (Gitarren) und poltert (Schlagzeug) wunderbar hypnotisch vor sich hin, und dann auf einmal: \u201eBut You Don\u2018t Care.\u201c Der Song beginnt mit Schlagzeug, Bass und Gitarre und auf einmal gesellt sich ein Synthesizer hinzu, spielt sich mal in den Hinter- und mal in den Vordergrund und dient so als wunderbar funktionierendes Bindeglied zwischen den melodisch-kreischenden Gitarrenparts. In der zweiten H\u00e4lfte des Songs wird das besonders deutlich und funktioniert ganz wunderbar.<br><br>Auch auf dem folgenden \u201eSolastalgia\u201c sorgt ein Synth f\u00fcr so manchen Krautrock-Moment und gegen Ende erzeugen die Gitarren eine wahrlich beeindruckende Wall of Sound.<\/p>\n\n\n\n<p>Das w\u00fcrde bis hierher schon f\u00fcr ein beeindruckendes Album langen, aber Lost In Kiev machen noch knapp 20 Minuten weiter, auf ebenso hohem Niveau wie dem bisher beschriebenen. Bei \u201eDigital Flesh\u201c kriegt dann auch endlich mal der Bass so viel Raum, wie er braucht, bevor wieder die Gitarren alles in Grund und Boden spielen.<br><br>Ich bin es eigentlich gewohnt, dass immer Gesang zur Musik dazugeh\u00f6rt und diese \u00fcber weite Strecken auch definiert \u2013 Lost In Kiev liefert ein \u00fcberzeugendes Beispiel, dass es nicht immer eine Stimme braucht, um zu begeistern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (17.11.2022) Ich gebe zu, es war der Name der Band, an dem ich zuerst h\u00e4ngen blieb, als ich im Internet die Metal-Neuerscheinungen durchsah. 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