{"id":4723,"date":"2022-11-15T21:44:30","date_gmt":"2022-11-15T20:44:30","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=4723"},"modified":"2022-11-15T21:44:30","modified_gmt":"2022-11-15T20:44:30","slug":"simple-minds-direction-of-the-heart-bmg-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/simple-minds-direction-of-the-heart-bmg-2022\/","title":{"rendered":"Simple Minds \u2013 Direction Of The Heart \u2013 BMG 2022"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Simple-Minds-Direction-Of-The-Heart-Deluxe.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"155\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Simple-Minds-Direction-Of-The-Heart-Deluxe.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4724\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (15.11.2022)<br><br>Ist das noch Punkrock? Nein, sp\u00e4testens seit 1981 nicht mehr. Mehrmals von sich selbst und anderen zu Grabe getragen, lassen sich die Simple Minds nicht von Schm\u00e4hrufen beirren und bringen 2022 abermals ein Album heraus. \u201eDirection Of The Heart\u201c ist nicht nur kein Punkrock mehr, sondern eigentlich auch kaum noch \u00fcberhaupt Rock. Keyboards und Ch\u00f6re kleistern, die Melodien sind gef\u00e4llig und eing\u00e4ngig, und was an dem Album gelungen ist, ist es deshalb, weil es die Glasgower in den zur\u00fcckliegenden 44 Jahren bereits irgendwo erprobten, besser zumeist. Gro\u00dfe Gesten, gro\u00dfe Gef\u00fchle, das Stadion oder die Arena gleich mitgedacht, f\u00fcgen sich die Songs dieses Albums \u2013 den Titeltrack gibt\u2019s \u00fcbrigens nur in der Deluxe-Edition \u2013 in den Singalong-Hitreigen der derzeit als Septett auftretenden Schotten bestens ein. Don\u2019t you?<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Es ist ja nicht alles schlecht bei den Simple Minds dieser Tage. Durchhalteverm\u00f6gen beispielsweise ist ja auch etwas, das man bewundern kann. Und Haltung, die Jim Kerr sp\u00e4testens seit Live Aid 1985 gern transportiert: Auf \u201eDirection Of The Heart\u201c spricht er sich ausdr\u00fccklich gegen Fake News und Verschw\u00f6rungsdullis aus. Und die Glasgower haben ja tolle Melodien und Gitarrenlicks, alles sch\u00f6n eing\u00e4ngig und pr\u00e4gnant, nur dr\u00e4ngt sich da dummerweise nicht selten der Begriff \u201eSchlager\u201c auf. So mutig wie zwischen 1979 und 1981 ist hier gar nix mehr, selbst die j\u00fcngeren Alben \u201eBig Music\u201c und \u201eWalk Between Worlds\u201c haben mehr Arsch in der Hose.<br><br>Aber es geht doch alles so sch\u00f6n ins Ohr. \u201eVision Thing\u201c, die erste Single, hat so gar nichts mit dem Hit der Sisters Of Mercy zu tun, sondern dr\u00e4ngt sich mit Tralala und Fanfaren gem\u00fctlich ins Gem\u00fct, auch wenn Kerr in dem Song den Tod seines Vaters verarbeitet. Die zweite Single \u201eFirst You Jump\u201c hat durchaus dunklere Noten, \u201eSolstice Kiss\u201c wiederum hymnisiert sich trippig in gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliches Armeschwenken. In \u201eAct Of Love\u201c wird\u2019s mal etwas flotter voran, getrieben von einigen Pluckereffekten auf dem Synthie; was Wunder, stammt es doch angeblich aus der Gr\u00fcndungszeit der Band, was man nicht zwingend weiter h\u00f6rt, weil es dem gleichen Pl\u00e4tteisen unterlegen war wie der Rest des Albums, und: Wie \u00fcberhaupt einige Songs dieses Albums bereits l\u00e4nger im Proberaum kursierten, wenn auch nicht soooo lang. In \u201ePlanet Zero\u201c gibt\u2019s einen angenehm d\u00fcsteren Bass unter dem gesellschaftskritischen Popsong, der insgesamt ebenfalls etwas dunkler daherkommt. Richtig fett gelingt der finale Song der Standard-Edition, \u201eThe Walls Came Down\u201c, mit tirilierender Versatz-Melodie und flink vorangaloppierend \u2013 und gar nicht von den Simple Minds: The Call ver\u00f6ffentlichten den Song 1982 als Single. Erster von zwei Bonus-Tracks ist das neu eingespielte radiotaugliche Titellied, das 2018 bereits eine Single-B-Seite war und wirklich nicht der Rede wert ist, gefolgt von \u201eWondertimes\u201c, das vertraute Sounds aus den Neunzigern aufgreift, circa \u201eGood News From The Next World\u201c.<br><br>Wie \u00fcberhaupt viele Sounds dieses Albums an Sounds \u00e4lterer Alben erinnern. Etwas folkiges \u201eStreet Fighting Years\u201c hier, etwas tanzfl\u00e4chiges \u201eReal Life\u201c mittendrin, etwas stadiontaugliches \u201eOnce Upon A Time\u201c dort, besonders ausgedr\u00fcckt vermittels der sch\u00f6nen Backingch\u00f6re, bei denen Sarah \u201eGorgeous\u201c Brown seit 2009 mitsingt, die ihre warme Stimme auch in den Dienst anderer Popgr\u00f6\u00dfen stellte, die man aus dem Das-Beste-der-Achtziger-und-Neunziger-Formatradio kennt. Mitsingen tut auf diesem Album indes noch jemand anderes Ber\u00fchmtes: Russel Mael von den Sparks veredelt \u201eHuman Traffic\u201c, was indes eher wie ein Gimmick erscheint und sich k\u00fcnstlerisch nicht auf das St\u00fcck auswirkt.<br><br>Jim Kerr und Charlie Burchill sind die einzigen, die seit der Gr\u00fcndungszeit der Simple Minds 1978 noch dabei sind, die sogar 1977 bei Johnny And The Self Abusers schon gemeinsam punkrockten. Die pr\u00e4gendste Zeit waren f\u00fcr das Quintett die fr\u00fchen Achtziger, bis die Stadien riefen und auch die Musik sich anpasste. Nach und nach verlie\u00dfen die pr\u00e4genden Musiker die Band, Schlagzeuger Brian McGee schon 1982, Bassist Derek Forbes 1985 sowie 1998 nach einem kurzen Zwischenspiel erneut und Keyboarder Michael MacNeil 1990. Ihm verdankten die Simple Minds in der Fr\u00fchzeit die monoton-repetetiven, beinahe industrialartigen dunklen New-Wave-Perlen, die aus dem Punk hervorgingen. Sp\u00e4ter verdr\u00e4ngten die Simple Minds peinlich ber\u00fchrt ihre eigentlich kreativste Zeit, um ab den Neunzigern wieder explizit Bezug darauf zu nehmen. Bis heute, aber es gibt einen Unterschied zwischen Wave und Kleister, und das Keyboard heute hat so gut wie gar nichts Mutiges mehr. Wie \u00fcberhaupt die gesamte Platte. Leider. Die alten Wegbegleiter stiegen seinerzeit \u00fcbrigens bei Bands wie Endgames, Propaganda und FourGoodMen ein, da kann man nachh\u00f6ren, was den Simple Minds entging.<br><br>Gut an \u201eDirection Of The Heart\u201c ist, dass hier keine tr\u00e4nige Ballade drauf ist. Andererseits sind reduziertere Songs auch mal eine M\u00f6glichkeit f\u00fcr die Musiker, ihre Qualit\u00e4ten auszuspielen. Die gehen in dieser opulenten Produktion reichlich unter, hier dr\u00e4ngt alles auf Power. Im Grunde machen es die Simple Minds heute ungef\u00e4hr so wie ihre damaligen Konkurrenten U2: Aus dem, was die Fans am liebsten m\u00f6gen, neue St\u00fccke zusammenbauen. Da m\u00f6chte man kein Fan sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (15.11.2022) Ist das noch Punkrock? Nein, sp\u00e4testens seit 1981 nicht mehr. 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