{"id":4691,"date":"2022-11-07T21:31:31","date_gmt":"2022-11-07T20:31:31","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=4691"},"modified":"2022-11-07T21:31:31","modified_gmt":"2022-11-07T20:31:31","slug":"inside-man-steven-moffat-paul-mcguigan-netflix-bbc-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/inside-man-steven-moffat-paul-mcguigan-netflix-bbc-2022\/","title":{"rendered":"Inside Man \u2013 Steven Moffat\/Paul McGuigan \u2013 Netflix\/BBC 2022"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"178\" height=\"100\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-660\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (07.11.2022)<br><br>Wer hat sich denn diesen Quatsch ausgedacht? \u201eVon den Machern von \u201aSherlock\u2018\u201c, aha. Der \u2013 zumindest in den Geschichten von Sir Arthur Conyn Doyle \u2013 sympathisch-\u00fcberhebliche Kriminologe findet charakterlich auch in die Serie \u201eInside Man\u201c Einlass, und zwar in Form eines Todeszelleninsassen, der hinter Gittern mittels seiner kleinen grauen Zellen F\u00e4lle l\u00f6st. Ein solcher Fall ist der im fernen England, in dem eine Journalistin ihre Freundin vermisst \u2013 die von einem v\u00f6llig desolaten Pastorenehepaar im Keller festgehalten wird, weil das Drehbuch es so vorsieht und jeder rational denkende Mensch permanent komplett anders gehandelt h\u00e4tte als diese dubiosen Dummbatzen. Trotz sch\u00f6ner Bilder, guter Schauspieler, einiger spannender Figuren und eines tollen Titelsongs von John Grant f\u00e4llt es schwer, den Unsinn zu ertragen, den die \u201eMacher\u201c hier zwischen die guten Einf\u00e4lle quetschten. Das ist Verarschung.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Der Typ im Knast ist noch die interessanteste Figur: Glatzkopf Jefferson Grieff sitzt im Todestrakt, weil er seine Frau erw\u00fcrgte und zerst\u00fcckelte. Weil er so ein kluger Kopf ist, konsultieren Leute aus aller Welt den zynischen Angeber, um ihn bei kniffligen F\u00e4llen um Rat zu bitten; wie auch immer es dazu \u00fcberhaupt jemals gekommen sein mag. Ihm zur Seite sitzt der Frauenm\u00f6rder Dillon, der ein fotografisches Ged\u00e4chtnis hat und damit quasi Grieffs Protokollant darstellt, und das eigentlich auch nur, damit der Hobbyermittler seine brillanten Erkenntnisse nicht tumb vor sich hin brabbelt, damit der Zuschauer sie nachvollziehen kann, denn eigentlich ist Dillon \u00fcberfl\u00fcssig \u2013 und nicht mal seine pseudo-schwarzhumorigen Gags z\u00fcnden. Grieffs Herleitungen sind reichlich ins Blaue geraten, aber in sich so logisch, wie es mysteri\u00f6se F\u00e4lle seit Agatha Christie und Arthur Conan Doyle eben sind. Klar ahnt so ein Typ vom Knast aus beispielsweise, dass die anonymen Zahlungen, die der ratsuchende Senator erh\u00e4lt, von der Sekret\u00e4rin der Ehefrau kommen, die ihr Handydisplay auf Lupe stellte und die eigentlich per SMS den Auftrag erhielt, den Therapeuten zu bezahlen, den die Gattin nun nach jedem Koitus braucht, weil sie begreift, dass ihr Mann ein Vergewaltiger ist, und die Sekret\u00e4rin liest statt \u201epay therapist\u201c aufgrund des Zeilenumbruchs nun \u201epay the rapist\u201c und \u00fcberweist das Geld an den Senator. Das ist haneb\u00fcchen, aber lustig, deshalb nimmt man es erheitert in Kauf.<br><br>Aber dann gibt es ja noch den fucking Priester, wie er sich selbst nennt: Sein aufgrund seiner dominanten Mutter suizidgef\u00e4hrdeter K\u00fcster bittet ihn panisch, einen USB-Stick mit Pornos vor der drachenartigen Erzeugerin zu verstecken, und als die Nachhilfelehrerin seines Sohnes daheim Daten von ihrem Laptop teilen will oder so, schnappt sich Sohnemann den versehentlich in der Schl\u00fcsselschale gelandeten Stick und reicht ihn ihr zu diesem Behufe. Der Priester ahnt, um welchen Stick es sich dreht, und versucht, zu retten, was zu retten ist, und so geben sie den Stick als den des Sohnes aus, nicht ahnend, dass die Lehrerin bereits sieht, dass es sich um Kinderpornos handelt; warum auch immer sie Dateien auf fremden Laufwerken \u00fcberhaupt \u00f6ffnet, damit geht das Haneb\u00fcchene ja schon los. Nun will der Pfaffe aber sowohl seinen nun in die Schusslinie geratenen Sohn sch\u00fctzen als auch den beknackten K\u00fcster und \u2013 naja, irgendwie landet die Lehrerin im Keller, wo der Priester und seine Frau sie nun festhalten und versuchen, irgendwie mordfrei aus der Sache wieder rauszukommen. Vielleicht. Das, Kolleginnen und Kollegen, ist mindestens so bescheuert realit\u00e4tsfern konstruiert wie der Anfang von \u201eDie Jagd\u201c: Pfaffe Harry h\u00e4tte Lehrerin Janice einfach nur ins Vertrauen ziehen m\u00fcssen, sp\u00e4testens jedoch den USB-Stick vernichten, dann g\u00e4be es keine Beweise f\u00fcr welche Aussage auch immer. Aber nein: Harry und Gattin Mary wirbeln permanent hysterisch zwischen ihren Entscheidungen und Beklopptheiten herum, dass es k\u00f6rperliche Schmerzen bereitet, sich diesen Quatsch anzugucken.<br><br>Und dann gibt es noch eine verbindende Ebene: Die junge, leider etwas naiv geratene Investigativ-Journalistin Beth lernt Lehrerin Janice zuf\u00e4llig in der Londoner Subway kennen, als diese einen \u00fcbergriffigen Arsch mit einem Bluff vor die Cops f\u00fchrt. Ein sch\u00f6ner Racheakt, der auch nicht ganz realit\u00e4tsnah ist, aber dennoch zur Selbsterm\u00e4chtigung ermutigt. Als Janice nun vom Priester angegriffen wird, versucht sie den Trick nochmal, mit dem Handy Beweise zu sichern, und schickt ein verwackeltes Foto an Beth \u2013 die sich damit, na klar, in den USA an den hyperintelligenten Kncki wendet, frisch nachdem er ihr Interviewgesuch abblitzen lie\u00df. Der dann irgendwas von Moral faselt, Beth auf die Probe stellt \u2013 er bietet ihr an, bei seiner n\u00e4chsten Sitzung dabei zu sein und dar\u00fcber zu berichten, wenn sie die Sache mit Janice unter den Teppich kehrt \u2013, die sich auf seinen unmoralischen Deal tats\u00e4chlich einl\u00e4sst, worauf er sich wiederum einl\u00e4sst, so viel zur Moral und so. Alles merkw\u00fcrdig.<br><br>Man kann sich gl\u00fccklich sch\u00e4tzen, dass \u201eInside Man\u201c nur vier je einst\u00fcndige Episoden hat, aber selbst die ziehen sich zum Ende hin enorm. Dabei sind Figuren wie Janice, die ihre Peiniger geschickt gegeneinander ausspielt, Grieffs Helferin, die Beth in der Gegend herumf\u00fchrt, und eben Grieff interessant genug angelegt, um einen richtig guten Plot zu tragen. Den es jedoch nicht gibt. Dennoch \u00fcberraschen einige Wendungen, die man indes schnell nachvollziehen muss, weil sie so rasch erfolgen, wohingegen des Priedigerpaars elendes Gejammer \u00fcppigste Screentime bekommt. Das Drama \u00fcberwiegt, sogar \u00fcber die Suspense- und Ermittlungs-Szenen \u2013 und auch \u00fcber den Humor, der hier zwar schwarz sein will, aber vielmehr deplatziert wirkt, sodass er eher abst\u00f6\u00dft. Etwa, wenn Dillon fragt, wann er endlich hingerichtet wird, damit er sich nicht noch mehr Sums merken muss. Puh.<br><br>Auf der Habenseite stehen eben Schauspieler wie Stanley Tucci als Grieff (mit Synchronsprecher Lutz Mackenzie, der ungef\u00e4hr genauso aussieht) sowie Figuren wie die intelligente, klug strategisch denkende und ambivalente Figur Janice. Ein \u00fcberheblicher Kriminologe wie Grieff ist Freunden solcher Geschichten \u00fcberdies nicht so unvertraut, ein Sherlock Holmes und ein Professor Dr. Dr. Dr. van Dusen platzen nur so vor Selbstgerechtigkeit und bieten mit ihren genialen Schl\u00fcssen auch allen Grund dazu. Die Idee wiederum, F\u00e4lle aus der Ferne zu l\u00f6sen, erinnert an die H\u00f6rspielserie \u201eDas Triumvirat\u201c. Grieff nun hat Privilegien und Netzwerke au\u00dferhalb der Gitterst\u00e4be, und mit denen lenkt er Leute und Geschicke; sein virtuelles Schachspiel macht Laune. Man sieht Grieff und Janice gern zu, und zum Sehen ist die Serie ohnehin tauglich, weil sie filmisch einiges zu bieten hat, Perspektiven, Details, Farben, Arrangements, da bekommt man etwas f\u00fcrs Auge. Beispielsweise die Tryptichons, die Grieff in den Besucherr\u00e4umen begleiten: drei kleine Fenster in der T\u00fcr, drei gro\u00dfe Fenster im Raum, drei mittlere Fenster zum Nebenraum, das ist sch\u00f6n durchg\u00e4ngig. Auch wenn sich das aufgrund der L\u00e4nge alsbald wiederholt. Musik bleibt angenehm selten und wenig aufdringlich eingesetzt; John Grant f\u00fcr das Traditional \u201eGod\u2019s Gonna Cut You Down\u201c und David Arnold \u00fcberhaupt f\u00fcr den Score zu gewinnen, war jedenfalls ein Gl\u00fccksgriff.<br><br>Mit einem deutlich knapper gehaltenen Drehbuch und einem \u00fcberzeugenderen Kernfall w\u00e4re \u201eInside Man\u201c beste Unterhaltung geworden, auch mit den trotzdem verbliebenen Defiziten. Die offenen Fragen br\u00e4uchten zudem auch gar nicht beantwortet zu werden: Der Twist um den verschwundenen Kopf von Grieffs Frau und das damit verbundene Geheimnis d\u00fcrfen gern ein McGuffin bleiben, auch die Sache mit Janice\u2019 Gatten ist einem letztlich eher egal. Hoffentlich kommt nicht doch noch jemand auf die Idee, eine zweite Staffel anzufertigen. \u201eSherlock\u201c war ja auch schon nicht so prall (Urteil nach zwei Episoden).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (07.11.2022) Wer hat sich denn diesen Quatsch ausgedacht? \u201eVon den Machern von \u201aSherlock\u2018\u201c, aha. 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